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Der Israelit · 1929-08-29 · Heft 35 (29.8.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 35 (29.8.1929)
Date
1929-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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29. August 1929 Der Israelit Nr. 35. Seite 3 lern und Tel-Awitw am Montag mittag. Zur Stunde, da wir dieses schreibm, ist Klarheit darüber nicht zu erhalten. Ein in Jerusalem Dienstag, 27. August vorm., cm uns aufgegebenes R ab i o t e l egt a m m wirkt in feiner durch die Zensur bedingten verschleierten Kürze wie ein erschütterndes Notsignal: Jerusalem, 27. Aug., 9 Uhr 45 Min. (Radiotelegramm an den „Israelit".) •o»ana o’»m^ apipr' Vjhip’ fix (Weitere Berichte im Nachrichtenteil.) Taanis Zibbur in Deutschland, aus Anlaß der Katastrophe in Erez Zisroel» am kommenden Mittwoch. Frankfurt a. 2N., 28. August. Der „Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands" in Frankfurt und die „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" in Berlin haben gemeinsam beschlossen, sämtlichen Gemeinden Deutschlands die Festsetzung eines Taanis Zibbur aus Anlaß der schmerzlichen Ereignisse in Erez Iisroel auf den kommenden Jomkippur Kolon, Mittwoch den.4. September d s. I s., zu empfehlen. Wochenrundschau. L '&//». Allgemeiner Fasttag. Der jüdische Osten rüstet sich zu einem allgemeinen Fasttage für Sonntag, den ersten S l i chaus t a g. „Chofez Chajim", Rabbi Chajim Oser und der L u b a w i t s ch e r R e b b e u. a. Unterzeichneten den Aufruf, der eine Aufforderung an Gesamtisrael in allen Ländern ist. Unmittelbarer Anlaß für diese Maßnahme ist die Not des jüdischen Volkes, die vielfache Not, überall anders und doch aus einer Würze l tief im schwarzen Golusboden entstammend, Die geistige und. religiöse Not in Rußland, die politische und wirtschaftliche Not hie und da und überall. Jakobs Söhne greikannt. Denn obwohl der Brisker Raw fast 25 Jahre fern vom Jefchiwoh-Leben stand, wurden doch seine die „Reb-Chaim'sche Tauroh", in allen Jeschiwot von Mund zu Mund überliefert. Waren sie doch ein Schlüssel zur Lösung der schwierigsten Probleme des Talmuds und des Rambams. Der Brisker Raw war Feind jeglicher Politik. Sein Bestreben war einzig und allein: das Thorastudium, das seit Ausbruch der russischen Revolution 1905 furchtbar gelitten hatte, wieder zu beleben, zu fördern; die jüdische Jugend, die sich davon abgewandt hatte, wieder für die heilige Lehre zu gewinnen. Leider war es dem großen Rabbi nicht mehr gegönnt, seine heiligen Wünsche erfüllt zu sehen. Die Vorsehung hatte es anders gewollt. Der Krieg brach aus. Auch die jüdische Jugend wurde mobilisiert. Die Jeschiboth wurden aufgelöst. Das Herz des Brisker Raw blutete über den der Lehre und des Volkes. Die 30 jüdischen Hochschulen, die mit schwerer Mühe und größter Aufopferung erbaut wurden, waren zerstört und vernichtet. Als dann am 15. August 1915 von den Russen der Befehl erging, die Stadt Brest Litowsk müsse binnen 3 Tagen geräumt sein, mußte der Rabbi mit den 40,000 jüdischen Familien sich zu Fuß flüchten, die dann in allen Eckert Rußlands zerstreut wurden. Dies erinnerte an die Wanderung Israels mit dem Propheten Jeremias an der Spitze, nach der Ermordung Gedaljahs. Das Leiden der Menschheit, die Qualen seiner Brüder wirkten so sehr aus Seele und Körper des Rabbi, daß er zusammenbrach. Seit diesem Tage trug er den Todeskeim in sich. Roch hört n wir von seiner Tätigkeit in Minsk und Mohilew; fein großer Geist arbeitete immer noch unüberwindlich, seine physischen Kräfte aber wurden immer mehr erschöpft. Nach dem Brester Frieden kehrte er noch in seine Gemeinde zurück. Diese war aber total verwüstet. Gefen zur allen dreifachen Waffe ihres Vaters: nan*?» Beten und Fasten, Spenden und Einkehr auf dem Wege inneren Ringens. Solche Fasttage all hoc sind nicht neu, sie sind wie die schwarzen Marksteine auf dem Wege des jüdischen Golus. Der Aufruf ist um die Mitte des Monats Aw ergangen. Inzwischen schlug das Meer des jüdischen Leides neue heftige Wellen, die den Ruf der führenden. Männer durch alle Lande tragen werden, wo Juden leben und mit ihren Brüdern fühlen. Die V o r g ä n, g e i m heiligen Lande, über die wir an leitender Stelle im einzelnen berichten, verleihen der Maßnahme eine besondere, erhöhte Bedeutung-. Wie wir hören, wird sich der am Donnerstag, ^x n"n 'x, m Wien zusammentretende Rabb i nische Rat der Agudas Jisroel-Weltorganisation mit dem Vorschläge des Taanith befassen. Im übrigen zweifeln wir nicht, daß sich auch die gesetzestreuen ,R a b b i n e r v e r b ä n d e in Deutschland dem Ausrufe anschließen und dem Fasttag damit die Einheitlichkeit und den Charakter der Demonstratiori sichern, die allein uns Juden zusteht, einer stillen Demonstration gegen eine Welt voll Bosheit und Lieblosigkeit, innerhalb -deren, wie im kranken Organismus das Herz, das Gottesvolk am ehesten und schwersten getroffen und bewegt wird. •Dwai? iiax by x^x jswn1? Mb px 12x1 LmZeugmsS.R.Hirschsb Llzuden neuesten Auseinandersetzungen in der ungarischen Orthodoxie. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. Ungarn. H. (Schluß.) Als vier Jahre nach dem Toode des Chatam Sofer i. I. 1843 ein Teil der bis dahin einheitlichen Gemeinde in Preßburg den Versuch zur Gründung einer besonderen Synagoge mit reformiertem Gottesdienste nach Wiener Muster machte, wandte sich der Vorstand der Gemeinde, ganz gewiß im Einverständnisse mit dem ana bvn nsiO' an die fön. ung. Statthalterei mit der dringendsten Bitte, solches nicht zu gestatten, sondern vielmehr eine Verordnung zu erlassen, wonach auch jedes neuzuerrichtende Vethaus sich dem traditionellen Ritus m der Hauptsynagoge anzupassen, überhaupt sich der Aufsicht des Gemeinderabbmates zu unterstellen habe. (Siehe das Aktenstück hierüber in „Zur Geschichte der Juden in Ungarn von L. Löw, 2. Ausg. S. 159 u. f.) brachen an Geist und Körper über das Unglück seiner Brüder und Schüler, kam er im Mai 1919 in Warschau an. Hier fand der nie ruhende, stets um bban nmu besorgte weltberühmte Gaon Rabbi Chaim Soloweitschik, der „Brisker Raw" drei Monate später die ewige Ruhe. nn’atyn p’isn vwi cnipn j-nttn nniw Am 23. des Trauermonats war die '^b, an der sich sämtliche Juden Warschaus beteiligten. Neben dem Grabe des Rabbi Zewi Jehudoh Berlin b~\r wurde der „Brisker Raw" zur ewigen Ruhe gebettet. Viele o’-Tson wurden gehalten. Die meisten jüdischen Geschäfte Warschaus waren den ganzen Tag geschlossen. Das ganze jüdische Volk beweinte den Größten seiner Großen, den n-nv tu?» und bv pi. (Druckfokkeröerichtigung). Im Artikel „Bibelübersetzung Buber-Rosenzweig" in der Literarischen Warte der letzten Nummer ist in Spalte 3 auf Seite 2, Zeile 5 ein stnnstörender Druckfehler zu berichtigen. Es muß natürlich „U eber fetzun g" und nicht, wie dort steht, „Ueberzeugung" heißen. (Der Schabbosbrief auf der Kanzel einer katholischen Kirche.) Aus Lehrerüeifen wird uns geschrieben: Es dürfte wohl nicht zu den Seltenheiten gehören, daß zwischen Pfarrern und jüdischen Beamten — vorwiegend auf den kleineren Plätzen—ein gewisses freundschaftliches Verhältnis besteht, das über das gewöhnliche Maß der Duldsamkeit hinausgeht. Auch ich komme öfters mit meinem „katholischen Kollegen" zusammen. Auf unseren gemeinsamen Schulwegen tauschen wir Erfahrungen aus, sehr oft sind auch unsere Gespräche belehrenden Inhalts. Man falls nicht für möglich halten, welche Unkenntnis und welche falschen Vorstellungen gerade auch in diesen Kreisen vom Judentums herrschen. DieMitglieder der Agudah Jugendorganisation und Angestelltenbund erhalten bei jedem Versicherungs - Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverlicherungsgefelllchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. 1,2 Milliarde OMk. «Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 Man sagte also diesem minderreligiösen Teile keineswegs: Gehet und bauet euch nach Herzenslust euren Reformtempel, sondern man wollte sie beim traditionellen Gottesdienst festhatten. Im Jahre 1890 erklärte die damalige orthodoxe Zentralleitung zufolge einer Eingabe der damaligen neologen Führer an den Kultusminister, worin sie das Ansuchen einer Unifikation mit der Orthodoxie stellten, daß die Orthodoxie diesem Ansuchen keinen Widerstand entgegensetzen wolle, falls sie unverletzbare Garantien dafür erhalte, daß sämtliche G e - m e i n d e i n st i t u t -i o n e n und Funktionäre den bezüglichen Anforderungen des Religionsgesetzes, wie dieselben im Schulchan Aruch kodifiziert sind, entsprechen würden. (Siehe hierüber „Die Gewissensfreiheit mb die Organisierung der ungarländischen Judenheit (ungarisa)" von I. Gabel, 1890, S. 48 u. f.) Also der religionsgesetzttche Charakter der G e m e i n d e i n st i t u t i o n e n und Funktionäre ist bei Äner G e m e wö everfas - sung das Ausschlaggebende, nicht aber das Privatleben der einzelnen Gemeiudemitglieder. Aus rb "v' mx' x"">™ ranist ersichtlich, daß, wenn in Stuhlweißen bürg, wo die Gemeindeteilung zuerst erfolgte, die neologe Majorität unzerstörbare Garantien dafür dargeboten hätte, daß von nun an sämtliche Gemeindeinstitutionen usw. den Anforderungen des Rel-igionsgefetzes entsprechen würden, der gefeierte und heilige R. Juda Aszod V'üt «die Gemeindeteilung nicht gewünschthä t t e. Eine So ging ich nun an einem Freitag nachmittag zur Post, um, wie gewöhnlich, meine Schabboskorrespondenz zu befördern. Auf dem Wege traf ich den katholischen Pfarrer, der niemals „sprachlos" an mir vorübergeht. Diesmal gingen wir zusammen. Er fragte mich nach meinem Vorhaben und ich antwortete ihm prompt, daß ich meine „Schabboskorrespondenz" einwerfen will. „Schabboskorrespondenz? Was ist das?" Ich erwiderte ihm, daß es bei uns Juden zur Erhöhung der Sabbatfreude gehöre, daß Kinder ihren Eltern und umgekehrt zu jedem Sabbat schreiben. Wenn ich am Sabbatmorgen nach dem Gottesdienste nach Haufe komme, dann liegen bestimmt zwei Briefe aus den Elternhäusern auf dem Tische. Dadurch wird auch das Band der Familienzusammengehörigkeit gefestigt. Ich erzählte weiter, daß ich nun schon 25 Jahre vom Elternhause weg bin, aber die Sabbatkorrespondenz bleibt erhalten. Auch jetzt, nachdem die Clttern leider tot sind, verkehren die Geschwister in dieser Form weiter. Diese Worte haben bei dem Geistlichen einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Das ist doch eine herrliche und nachahmenswerte Einrichtung im Judentum", meinte er. Wir verabschiedeten uns, indem er mir „gut Schabbos" zurief. Rach wenigen Wochen wurde mir von verschiedenen Bekannten, u. a. auch von einer katholischen Lehrerin erzählt, daß der Pfarrer von den Sabbatdriefen des „israelitischen Religionslehrers" in breiter Ausführlichkeit auf der Kanzel gepredigt und dabei das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Familiensinn des Judentums gerühmt hätte. Die Worte des Geistlichen bedeuteten einen wahren Kiddusch haschem für das Judentum und seinen Sabbat.

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