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Der Israelit · 1929-08-22 · Heft 34 (22.8.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 34 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seide 2. Nr. 34 Der Ssrctieli'i) 22. August 1929 preisgegeben. Solcher Beispiele könnte man mehrere anführen. So hat gleich der erste Satz des Samuelbuches eine Textänderung erfahren. Ramasfajim Zofim wird nicht übersetzt, wie es unbedingt heißt: spähende Doppelhöhe, wie Mgählige Orte auf dem Bergrücken Palästinas Namen wie Mizpah führen, abgeleitet von Zafah, weil sie weit hinausschauen in die Umgegend, sondern es wird Zufi gelesen und als Zufite übersetzt, weil im Satz vorkommt ^-ix p, dennoch eine ganz un wahrscheinliche Konjektur, weil am Ende des Satzes das Wort Ephrati schon die Gesamtsippe kennzeichnet. Es ist infolgedessen unbegreiflich, wieso Elkana als Zufite und Ephratite zu gleicher Zeit bezeichnet werden sollte. So könnten wir bei jeder Abweichung von der Mässora mit Leichtigkeit beweisen, daß die Verfasser ihrem Werk einen schlechten Dienst getan haben. Sie wünschen doch jedenfalls das Bürgerrecht ihrer Uebersetzung im ewigen Volke; dieses aber läßt an seiner Tradition sich nicht leicht rütteln. Noch eine grundsätzliche Bemerkung sei hinzugefügt. Die Worttreue ist gewiß ein Adel dieser. Uebersetzung. Fraglich ist nur, wie weit die biblischen Verfasser selbst die Worte noch so in ihrer Urbedeutung gefaßt haben, ob die Sprache damals noch so nah ihrem Ursprung war, wie es Buber und Rosenzweig voraussetzen. Wir bezweifeln das. Nach ihnen heißt z. B. das Wort Misbeach nicht Altar, sondern Schlachtstätte. Wie hat es die biblische Zeit selbst empfunden? Lag für sie im Worte Misbeach notwendig die Erinnerung an den Stamm Sowach, oder war das Wort für sie bereits so abgeblaßt, wie für uns es die Uebersetzung Altar ist? Jetzt kennt die Bibel selbst einen Misbeach-Haktaures, einen Räucheraltar. Es ist ganz unvorstellbar eine Räucherschlachtstätte (Buber übersetzt selbst Räucherstätte). Also galt schon für die Thora das Wort nicht mehr in seines .Urbedeutung, sondern in seiner erweiterten. Aehnlich Moses 4, Kap. 18, 12. tsnvn n^n das „Fett" des Weins, auch der „Rahm" des Weins, beides gleich unmöglich. Wir betonen bas, weit wir glauben, daß bei dem Drängen nach dem Urfinn der Worte eine gewisse Gefahr dem Bibelworte erwächst. An vielen Stellen bekommt die Darstellung mythologischen Charakter. Wir erblicken diese drohende Verheidnischung in dem schon viel besprochenen: „Braus Gottes brütend allüber den Wassern", vor allem in der einfach willkürlichen Uebersetzung 2. Buch Moses, 12, 41 von Lel Schimurim, „eine durchwachte Nacht war das Ihm, diese Ihm durchwachte Nacht." Erstens heißt niemals eine Nacht durchwachen; so wenig wie man bei dem deutschen Begriff Wächter an Durchwachen denkt, so wenig im Hebräischen. Feynier wirb der massoretische Text verändert, drittens die Pluralform außer Acht gelassen. Endlich bleibt der Nachsatz: „und das ist den Söhnen Iisroel allen für ihre Geschlechter diese Ihnen durchwachte Nacht" schwer verständlich. Auch das Buch Samuel hat sich in vielen Teilen von dieser Tendenz «nicht frei gehalten. Ganz besonders die einfach herrliche Uebersetzung des Davidsliedes im Kap. 22, 1020 f, ein bewundernswertes Meisterstück. Diese Unterstreichung der Anthropomorphismen ist unberechtigt. Wenn 'sn mm 2. Mos. 22 heißt: Dann brennt mein Zorn, also yrr nicht mehr Nase, sondern Zorn bedeutet, so ist auch eine Uebersetzung: „Feuer schwelt in meiner Nase" u. ähnl. m. nicht korrekt. Nach aller jüdischer Tradition hat grade in dieser Beziehung der Uebersetzer größte Vorsicht zu üben. Nirgends mehr , wie in Bezug auf die reine Geistigkeit Gottes gilt die Warnung unserer Weisen vor, der buchstäblichen« Uebertragung des Bibelwortes. ' . Aber auch rein sprachlich erscheint uns eine solche Buchstäblichkeit^ nicht im.mer am Platze zu sein, obwohl wir uns bewußt sind, daß es uns in dieser Hinsicht Meister wie die Verfasser kritisieren zu wollen nicht zusteht. Uns gehen Ausdrücke wie das Verbum „Priestern", „mäkeln" und „bemakeln" oder „königen" — jemanden zum -^yrrig, -Hachen. .nicht ew. Letzteres ist. ein Wort, .c'l'.'.mvv.! "m; ■ .ym}:!* cmh " das nach Grimms Wörterbuch in der gesamten altdeutschen Literatur nur ein einziges Mal vorkommt. Diese Bildung ist sowieso nicht glücklich, weil ein Verbum mölach im Klal nicht entsprechend gefunden ist. Ebenso erscheint uns NX' und N'xin mit „ausfahren" und „ausführen" wiedergeben zu wollen, nicht angängig. Die Verfasser haben Genesis 28, 10 (und an anderen Stellen mehr) es auch nicht beibehalten können, ein Beweis, daß es sich nicht durchführen« läßt. Auch Baal als Obmeister, rnion als Gefcheidigkeit übertragen, ist uns störend. Wenn die Könige bauen und die Kärrner zu tun haben, kommt es wohl auch vor, daß, was die Könige bauen, den Kärrnern zu fremdartig und zu prunkvoll erscheint, daß sie meinen, in solchen Stättenkalter Herrlichkeit und fremder Pracht möchten ste selbst niemals wohnen. Die Könige bauen eben zu leicht nur für Könige, nicht für die Kärrner. So eigenartig es klingt, scheint es, als ob den Verfassern solch ein Kärrner im Bunde fehlt, der weniger poetisch veranlagt, aber mit mehr Empfinden für das Ohr des schlichten Mannes, der sie zwingt, von mancher Gewaltsamkeit der Sprache, von mancher unnötigen Neubildung, von mancher störenden und gesuchten Wendung abzustehen. Die große Kunst, ein Prinzip «nicht zu übertreiben, dort Halt zu machen, wo die Grenze ist, für allen Expressionismus, für allen Kubismus der Rede, wo nicht das Künstlerohr allein, sondern auch das ungeschulte, aber darum laicht kunstfremde Ohr ein sicheres Taktgefühl bekundet, das würde die wahre Größe und Würde, würde allem erst die richtige Kraft verleihen. Die Paitanim ließen sich von ihrer Kraft zur Neuschöpfung von Worten hinreißend, und so mußten viele unsrer erhabensten Dichtungen darauf verzichten, dem Herzen des Volkes wertvoll zu fein. Nur dort, wo ein Dichter in genügender Erdnähe, in ausreichender Verbindung mit dem Sprachleben im Volke bleibt, nur dort kommen Bildungen zustande, dis dem Volke Sache des Herzens werden. Eine Bibelübersetzung darf nicht Feinschmeckerkost fein, sie muß uns dort packen, wo alle echte Poesie uns angreift, am Herzen. Mit dem Buch der Könige liegen jetzt zwei Teile der Bibel abgeschlossen in der Uebersetzung vor. Blickt man auf das bisher Geleistete zurück, so hat durch Buber—Rosenzweig die Erzählerkunst der Bibel einen neuen Triumph gefeiert.*) Vor allem aber sind die poetischen Teile der Bibel wahre Perlen, die Glanzstücke in« ihrem ganzen Werk; weil eben auch in der Poesie immer wieder die Sprache am ehesten zurückkehrt zu ihrer anschaulichen Ursprünglichkeit, so bewährt sich )ier das Ueberfetzerprinzip Buber^-Nofenzweigs rm großartigsten. Darum können wir mit besonderer Spannung und Hoffnung den künftigen Neuerscheinungen entgegensetze^ daß. sie uns die Propheten und Psalmen in neuer Gestalt schenken werden. Wir wünschen für das Gelingen ihrer Arbeit zur Ehre der Bibel weiter vollstes Gelingen! Replik. Sehr verehrter Herr Rabbiner! Ihre Einwände'"liegen großeMeils in der Schicht der Selbstkritik der Autorech es tarm uns also miur recht sein, daß sie ausgesprochen werden. Ich habe es neulich mal formuliert: für den lebersetzer selbst gibt es eigentlich kein gut Md besser, - sondern nur-' ein schlecht und weniger chlecht. ... Zum Einzelnen dennoch ein paar Bemerkungen, weil ich es Ihnßch versprochen habe. Bei her Schreibung der EigeMamen haben wir als Geichtspunkt hauptsächlich den Leser zu der noch am wenigsten falschen Aussprache Zu bewegen. Also lieber Schmuel als Scheemusl. . Ein. sehr ernstes Problem rollen- Sie mft.Hn Bemerkungen über Ms Waw hahiAuch auf. .'Der Zufall will, daß ich zur gleichen Stunde aus Je- *) Klassisch ist auch die Uebers. 1. Kön. 6—8 der rusalem von Fritz Goitein einen Brief kriege, worin es heißt: „In einem Punkte bin ich nach, allem doch -noch nicht überzeugt: Afyndese. Ja, wenn man die Fellachen hier erzählen hört — das ist ganz Ihre Ueberzeugung; die reden wirklich so. Aber was Diktion und Sprache betrifft, so ist nach meiner Meinung in diesem Lande einmal ein ganz großer Knax eingetreten; ich meine damit nicht die arabische Eroberung, sondern; die aramäische Flut, die das klassische Alte begraben hat. Talmudische Erzähler sind prachtvoll asyndetisch — aramäisch-arabisch ist eine Welt; aber dieses edle urtümliche Hebräisch flieht vor jeder Unverbundenheit und das wird bei Ihnen nicht klar." — Wir haben uns von der Erwägung leiten lassen, daß das Waw hahippuch im Hebräischen normal ist und kein „Bibelhebräisch", also nicht mit dem „und" wiedergegeben werden darf, das durch die Lutherbibel die Nuance eines spezifischen „Bibeldeutsch" hat. Zu Abweichungen vom massoretifchen Konsonanten- und Vokaltext entschließen wir uns nun schwersten Herzens und prinzipiell nur dort, wo wir sehr viel zu gewinnen glauben (l. Kön. 7, 36 ist übrigens nicht als Emendation! gemeint, sondern ein. Versuch, mit dem masforstischen Text zurecht zu kommen). Etwas leichter nehmen wir es mit den Akzenten ufw. Bei I. Schmuel 4, 1 wollten wir Schmuel von der speziellen Urheberschaft eines so von Anfang an mißglückten Unternehmens entlasten. — (Was sagen Sie zu l. Schmuel 13, 1? ist hier die Trennung des Verses nicht eine wirkliche Rettung des masforetischen Wortbestands?) — Unser Versuch Genesis 2, 4 soll den von der modernen Kritik angezweifelten Halbvers retten, indem ste ihn durchaus nicht zu einer bedeutungslosen Nachbemerkung macht, sondern im Gegenteil die Reihe der „Dies sind die Zeugungen" eröffnet mit der bedeutungsvollen Bemerkung: Was die heidnische Welt als „Zeugung" faßt („Kosmogonie"), das ist in Wahrheit Schöpfung. Prinzipiell haben Sie auch mit der Warnung vor Uebertreibung des an sich berechtigten Eindringens in den Wortgehalt recht. Da bin ich „derjenige". Buber führt täglich schriftlich und einmal wöchentlich mündlich gegen mich mit Leidenschaft und Spott die Sache des armen Lesers. So glauben Sie mir nun aber auch, daß nichts was schließlich bleibt, aus Feinschmeckerei bleibt, sondern ausschließlich aus rabies theologica. Wir übersetzen von der Thora aus. Wir versuchen, das Begriffssystem der Thora auch in den erzählenden Büchern erkennbar zu machen. Wir sind überzeugt, daß die Bibel überall auch in den „erzählenden" und „poetischen" Teilen lehren will, bisweilen ausdrücklich, meist aber nur durch das starke und doch unaufdringliche Mittel der sprachlichen Anspielung. Daher unser Mampf :um eine Terminologie. . , Hatzen Sie im ^Morgen" meine kleine Abhandlung über Anthropomorphismus gelesen? Ich stehe zum Rabed^gMe Weiter chiM'^etrya das Gegenteil voni Rämbam 'behauptet, sondern nur feststellt: Größere und Besser ... Noch einiges zum einzelnen: gewiß blaßt Misbeach an vielen Stellen ab. De. t sind wir z. B. ..im Levitiikus gerecht geworden, M'.dem wir überall, wo bei den Opfern schlachten nicht unmittelbar daneben stand; „Statt" gesagt haben. Aber sollten wir auch Ex. 20,. 24 und st. Ehr. 33, 16 das Schlacht Heglassen, wo es doch offenbar gemecht ist? und. so noch oft. ' - Die durchw achte Nacht (die sich sprachlich übrigens wohl rechtfertige^ läßt: .Lagarde, -Barth, Jbn Esra) >ist durchaus nicht als Mythologisierung gemeint, sondern im GegenteÄr für Gott war es eine Nacht des Wachens übef^Ws-'d'Mmi ist es W. Ms eine Nacht Hs WaMMbenÄ/geworden. Das H doch so, daß Mch Si^ es -akzeptieren törmMm r;r ■&■■■,r ,!'■ ^Königen Mu-r nehüochdeutsch'hat Grimm nur ein Beispiel. Baal:. in«. seiner ungeheuren theologischen Tragweite ist dasUebersetzungsprobleMvM Hosen 2 aus zu erfassen, - -

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