Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1929)
- Date
- 1929-08-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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;*i7ryy- *>19+82 Das Bibelübersetzungswerk van Buber und Rofenzweig. Erneut besprochen von Joseph Carlebach in Altona. In geradezu bewundernswürdiger Schnelligkeit ist die Uebersetzung von Buber und Rosenzweig fortgeschritten. Seit der letzten Rezension' des Werkes in diesen Blättern sind wiederum zwei Bände erschienen: die Schrift 8. TM, das Buch Schmuel und das Buch: Könige, die ja beide eigentlich Doppelbücher darstellen. Es ist das Werk zweier genialer Meister. Me hätte ein Außenstehender gedacht, daß eine neue Uebersetzung ein solches literarisches Ereignis sein kann, daß sich iini ihm soviel Eigenständigkeit der Verfasser, soviel Markantes, Merkwürdiges zeigen könne. Hier ist jeder Satz eine sprachgewaltige Neuschöpsung von besonderer Prägung, und in dieser seiner Besonderheit herausfordernd, anregend, züm Nachdenken zwingend. Die Worte sind hier nicht Backsteinziegeln gleich, die sich leicht und gleichmäßig und langweilig aneinander reihen und aufeinander schichten lassen, sondern sind wie die mächtigen naturgewachsMen Blöcke an den palästinensischen Zyklopenmauern. Die Sprache hat noch Ecken uiniö1 Kanten, die nicht abgeschliffen sind, die Bildungen bleiben in ihrer Ursprünglichkeit, um wie an jenen Mauern durch ein architektonisches Wunder ohne Fugen sich einander anzupassen. Hier haben die Uebersetzer noch den Mut, den Bibelausdruck ilni seiner Originalität, in seiner Ausdruckskraft gelten zu lassen, und so den Leser auf die unendliche Feinheit der biblischen Zunge zu stoßen, die immer den Nagel auf den Kopf trifft, bildhaft, plastisch und kernig. Ich erinnere mich meiner Primanerzeit, als wir bei einem Homer-Anbieter die Ilias lafenu Wenn da jemand übersetzte statt „er wälzte es in seinem Zwerchfell", „er überlegte es im Inneren", so polterte ihn der Lehrer an: „Glauben Sie, daß Sie mit Ihrem Berliner Tageblattdeutsch den König Homer verbessernmüssen?" So haben auch Buber—Rosenzwerg die abgegriffene Sprachmünze verschmäht und sprechen bibeltreu, man möchte beinahe sagetni, sie reden demütig die Lippe der Hebräer. Angesichts eines solch monumentalen Unternehmens, ist eigentlich nur der Dank und die Bewunderung der Oeffentlichkeit den Verfassern auszusprechen. Einige Bemerkungen seien um© aber dennoch verstauet: denn grade der Bibel gegenüber erscheint es uns doppelte Pflicht, ungeschminkt die Wahrheit zu sprechen, sich nicht einmal von der Achtung für die Leistung der Verfasser bestechen zu lassen. Zunächst eine Kleinigkeit; es erscheint u!n© die Schreibung des Buchtitels Schmuel unschön. Der Name heißt: Schemuel. Das Schema mobile bewirkt eine Silbe für sich, war früher so deutlich hörbar, daß die Griechen Schamuel hörten, und daraus der Name Samuel in der Umschrift entstand. Das Wortbild Schmuel stört durch das ganze Buch hindurch. Und warum erhält Zirmejahu, der Künder, eher ein Schema als Schmuel? Ueberhaupt ist in der Namensschreibung das Schema Glücksache. Zephanja, Gedaljah, Serajah, Nebuka-dnezar (aber nicht der Berg Nbo) wareini in der bevorzugten Lage, ihr Schewa beizubehalten. (In der Namensunterschrift sei übrigens noch eine Merkwürdigkeit hervorgehoben, daß in dieser Bibelübersetzung immer die Pausalsorm gewählt ist: Tarach statt Terach, Parez statt Perez u. a. m.) Schwerer als die Preisgabe des Schewa wiegt uns die des Waw der Verbindung in der Uebersetzung. Das was der Bibel ihr Gepräge gibt, ist nicht zum Mindesten ihre eigenartige S y n - t a x. Es ist kein Zufall, daß die hebräische Sprache das Waw hahippuch oder Waw konsekutivum neben den reinen Zeitformen besitzt und dauernd handhabt. Sie scheidet dadurch ganz genau die Ereignisse als solche, die in Verbindung und in notwendiger Folgerichtung mit andren stehen, und andre, die als isoliert nicht notwendig mit dem Vorhergehenden verknüpft gedacht werden sollen. So kommt die Häufung des „und" als Satzverbindung im Hebräischen. Selbst wo ein Buch mit dem Wort: „und >es war in den Tagen" beginnt, soll es durch dieses „und" in den Zusammenhang und in die Verbindung mit allen bekannten Vorereignissen gestellt werden. Wenn dagegen das Hiobbuch mit den Worten anfängt: „ein Mann war", so wird damit der Gesamtinhalt des Buches als ohne historische Voraussetzungen dargestellt. Die Fortlassung des verbindenden „und" in der ganzen Bibel ist also m. E. eine Außerachtalssung der gewollten und beabsichtigteNl Geschichtsdarstellung als eines großen Konnexus von Ereignissen. Aber -es wird auch dadurch etwas von dem eigentümlichen Rhythmus, ich möchte beinahe sagen, von der Klangfarbe der biblischen Darstellungsweise verändert. Auch dort, wo die Verfasser dieses Waw Mit einem Nebensatz übersetzen, verändern sie den Akzent des Ereignisses. Es ist ein großer Unterschied, ob es in der Bibel heißt: „Da sprach Jakob, a l s e r s i e s a h : ein Lager Gottes ist dieses!", oder (Mos. 1, 32, 3) ob es heißt: „da sah das Volk, daß Mofes zögerte, und es rottete sich zusammen" (Mos. 2, 32, 1). Im letzteren Fall wird das Sehen als selbstverständlicher Akt gefühlt mit dem Ueberraschenden, Erregenden, Erschreckenden, was darin liegt, im ersteren Falle dagegen zum Ausdruck gebracht, wie wenig es Jakob erregte, daß er -ein Lager der Engel sah. Buber—Rofenzweig übersetzen beides gleich und lasten dadurch die feine Nuance verloren gehen. So verliert auch l. Kön. 8, 55 das durch die Regina hervorgehobene, bezeichnende Tasn durch ihre Uebersetzung die Kraft. Am schwersten wiegt für uns aber das Abweichen vom m a s s o r e t i s ch e n T e x t. Vuber- Rosenzweig haben das in den früheren Büchern getan und tun es in diesen neuen Büchern wieder. Sie tun es ohne Not, nicht etwa an dunklen Stellen, an denen die Schwierigkeit einer schlichten Uebersetzung auf der Hand ligt, (so Num. 24, 8 am Ende zu l. Kap. 7, 36) sondern dort, wo diese Abweichung eine Beleidigung der gesamten jüdischen Tradition ist. So in 1. Sam. 4, Vers 1, wo der Anfang des Verses zum vorhergehenden gezogen wird. Wie mögen die Verfasser, die uns doch Treue und Achtung vor dem Bibelwort lehren wollen, die ihren ganzen?,Sinn darauf verlegen, die letzte Ausdrucksseinheit und Klangfülle des Originals in der Uebersetzung festzuhalten, diese Abweichung rechtfertigen? Nach ihrer Uebersetzung sind die ersten Worte der Schluß des vorhergehenden Verses, die dis immer zunehmende Bedeutung von Samuels Lehre kennzeichnet. Nach dem überlieferten Text ist es Einleitung und Begründung des wachsenden Mutes und der nationalen Kraft Israels, das sich zum Kriege gegen die Philister rüstet. Es müßte in ihrer Uebersetzung lauten: „Und Schmuels Rede geschah zu ganz Israel, da fuhr Jisrael aus, den Pbrlistern entgegen, zum Kampf." Ist es nicht ganz klar, daß hier die Bibel sagen will: erhöht durch die aUes begeisternde Rede des großen Propheten ziehen sie aus zum Kampf? Rosenzweig sagt einmal in seiner Selbftrechtfertigung der Eigenart seiner Uebersetzung, daß die Gegenwart deshalb eine solch genaue Anlehnung an den Originaltext notwendig habe, weil sie in ihrer Ungläubigkeit nicht wissen kann, welches Wort und welche Wendung für die Erweckung ihres Glaubens von Bedeutung fein kann. Nun denn: ist es für die Gegenwart etwa ein geringer Gedanke, daß, wo Gottes Wort ergeht, alle Menschen zu Kraft und Mut sich gesteigert fühlen? Schon« als sie das erste Mal im ersten Buch Mofes die Worte am Beginn des 2. Kapitels pKm Dwn nn^in nb« zum vorhergehenden Verse zogen, haben sie nicht mit glücklicher Hand die Ueberlieferung zum Kampf aufgerufen. Denn wer auch nur einen flüchtigen Blick in das Buch Bereschis wirft, sieht, daß das Ele Tauldaus, die große Disposition des Buches ist. Erst die Taulduas von Himmel und Erde, dann die des Adam, des Noah und seiner Söhne, dann die von Sem, dann die von Therach und endlich die der Stammväter. Jedesmal bildet das Ele Tauldaus den Auftakt zu einer neuen Geschichtsepoche. Sich über alles dieses hinwegsetzend, haben sie es zu einer bedeutungslosen Nachbemerkung unter den ersten Schöpfungsbericht gesetzt und dadurch auch den rm Begriff Tauldaus liegenden! Gedanken von d-er ewigen Weiterschöpsung, von dem Nach- und Weiterwirken des Ereignisses in die Zukunft