Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1929)
- Date
- 1929-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 34. Seite 3 22. August 1929 _-__ diese Formel auf sich (im Strafprozeß spricht er sie sogar selber aus) und beschränkt sich keineswegs auf die Bemerkung: „So wahr mir Gott helfe". Es ist ein Schwur gewissermaßen mpn «m* Wenn somit seit Jahrhunderten so gar die jüdischen Gerichte auf die ursprüngliche Form der Eidesleistung mit Rücksicht aus das rnvn ^selbst bei dem al pi din gebotenen Eide verzichten, so scheint es uns doch einer sehr ernsten Nachprüfung zu bedürfen, ob man die freiwillig e Leistung eines religionsgesetzlich nicht gebotenen Eides bei G o t t vor Gericht empfehlen darf! In dieser Hinsicht dürfte vielmehr die Darstellung der an erster Stelle abgedruckten- Zuscchrift wohl das Richtige treffen. Allerdings scheint uns ein gewissenhafter Jude verpstichtöt, dem Richter zu erklären, daß er die weltliche Form der Eidesleistung aus Ehrfurcht vor dem heiligen Gottesnamen, d. h. aus r e l ii g i ö f e n Gründen vorzieht. Damit ist jedem Verdacht des Atheismus oder des Difsidententums vorgebeugt, vielmehr der hohe Ernst der jüdischen Auffassung bekundet. Ganz abwegig erscheint uns das Bedenken, daß durch die Weglassung der Anrufung Gottes die Gewissenhaftigkeit bei der Eidesleistung Rot leiden könne. Wenn der Staat mit Recht diese Furcht nicht hegt, so ist ein -derartiges Bedenken angesichts der grade den Juden feit Jahrtausenden anerzogenen ängstlichen Furcht vor jedem leichtsinnigen Schwur, auch wenn er ohne Nennung des Gottesnamens erfolgt, gewiß vollkommen« unberechtigt. Wir möchten diese Aeußerung durchaus nicht als maßgebend betrachtet wissen, befürworten vielmehr wiederholt die Ausarbeitung von Richtlinien seitens der gesetzestreuen deutschen Rabbinerverbände. lvochenrundschcru. Was geht in Litauen vor? Wir vermieden es, aus den Ausschreitungen in Kowno und Umgebung mehr Aufhebens zu machen, als zum Zwecke der Informierung nötig war. Man soll den. Teufel „Pogrom" nicht so oft bei Namen nennen und an die Wand malen. Wir beschränkten uns auf Auslandsberichte, da litauische Blätter sich in Schweigen hüllten. Führende Männer aus Litauen, die wir beim Eintreffen der Nachrichten persönlich sprachen, waren der Meinung, daß es sich vielleicht dabei um die bekannten Plänkeleien zwischen Nationalisten und Kommunisten handele, deren Ausläufer des öfteren die Judengasse zu spüren bekomme, und wir hofften mit ihnen, - Inzwischen haben aber die litauischen Blätter ihre Sprache wieder gefunden und zeigen, daß die Vorgänge weit weniger harmlos waren, als man zuerst annehmen« durfte. Man hat in der Tat in Slobotka, Schanz, A l e k s o t und anderen Vorstädten der litauischen Hauptstadt, zugleich aber, wie auf Verabredung, in vielen Städten der Provinz, friedliche jüdische Passanten angegriffen und blutig mißhandelt. Die „Jüdische Stimme" in Kowno weiß mit Namen und Daten zu dienen. Nach der Darstellung des Regierungsorgans „Lietuwas Eidas" hätten „Kommunisten" am 1. August zu demonstrieren versucht und seien von „nationalen Arbeitern" vertrieben worden. Zu diesen« geschlagenen „Kommunisten" gehören aber merkwürdigerweise in Slobotka Thorajünger, die mit Politik nie etwas zu tun hatten. In Schanz wurde der siebenzigjährige Synagogendiener I al e w e z k y , als er sich im Liebesdienste der Chewrah Kadifcha auf dem Wege befand, halbtot geschlagen, so daß er u. v. a. in bedenklichem Zustande darniederliegt. Der ihn so bearbeitet hatte, war nachgewiesenermaßen ein Polizist, dessen Nummer genannt wird. So sahen die „Kommunisten" und so die „nationalen Arbeiter" aus. Das genannte Regierungsorgan gibt zu, daß in Slobotka zumeist ganz unschuldige jüdische Bürger, die vom K o m - m u n i s m u s n i ch t s wissen, zu leiden hatten. Aber, so meint verstehend und verzeihend das Organ Woldemaras, die nationalen Arbeiter wollten den Kommunisten einen Denkzettel für ihre Wahlagitation geben und waren der Meinung, daß die Mehrzahl der Kommunisten Juden seien. Teufelskerle von Patrioten, was?! Daß solche Glorifizierung der Huligcms eine Ermutigung zu weiteren Großtaten in diesem aus geistigem, politischem und wirtschaftlichem Sumpf sich langsam 'erhebenden Lande am Rande der Westkultur bedeutet, hat man scheinbar dort noch nicht begriffen. Auch das nicht, daß das Treten des Mobs und die lachend ermutigende Geste der Kulturführer hinter >d-en „lieben Jungens" dem jungen Staate selbst weit gefährlicher ist, als den Juden, die schließlich schon schlimmeren Gefahren in der Geschichte standhalten konnten. Die „Jüdische Stimme" erinnert dabei an den bekannten „Volkszorn gegen die jüdischen Revolutionäre", mit dem man im früheren zaristischen Rußland Pogrome erklärte und entschuldigte, Litauen sucht im allgemeinen, Spuren aus jenen Zeiten auszumerzen. Aber die Volkspsyche ist mit der Staatsgründung noch nicht emanzipiert, und in der Veamtenmaschinerie arbeiten die Räder von anno dazumal, drehen sich in, gewohnter Richtung. W o l d e m a r a s, der litauische Mussolini, hat einer jüdischen Deputation gegenüber Ahndung der Untaten und Besserung versprochen, und hat insofern sein Wort gehalten, als der Direktor des Bürgerfchutz-Departemenits von seinem Amte entfernt wurde. Mit dem einen Sündenbock ist es aber nicht getan. Die Wurzeln liegen tiefer. Sie liegen in der Schule, im Beamtentum, in der Regierungspresse, und es wird in Litauen noch eine mächtige Kulturwelle einsetzsni müssen, wenn sie all die gifthaltigen Restbestände aus der zaristischen Zeit wegspülen und den Boden für eine wahre Republik der Freiheit und des Rechtes reinmachen soll. Die Agency und die religiösen Bedürfnisse. Die von der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkett mit ungeschwächter Aufmerksamkeit verfolgten Verhandlungen des Zionistenkongresses und der Agency, die sich während der letzten beiden Wochen in Zürich abspielten, haben — Zufall oder Fügung— in den Nachmittagstunden des Erew Tischo beaw, kurz, ehe sich alle treuen Söhne des jüdischen Volkes zur Erde niedersetzten, um ihre Seelen in die alten Klagelieder Jirmijahus, des Propheten, zu versenken, mit einem Schehechejonu-Ruf Nachum Sokolows ihren Abschluß gefunden. Derselbe Sokolow, der, wohl als erster in der jüdischen Geschichte der Jahrtausende, am Erew Tischo beaw eine Schehechejonu über die Lippen brachte, hatte kurz vorher bemerkt, daß man erst später werde sagen können, inwieweit die Gründung der Agency in der Tat ein historisches Ereignis gewesen sei. Wir sind viel weniger skeptisch als der Sokolow dieses zweiten Ausspruches und halten« es ganz und gar nicht für richtig, die Bedeutung des Aktes, der sich in Zürich vollzog, zu bagatellisieren. Es ist, wie wir bereits in unserem vorwöchentlichen Leitartikel ausführten, in der Tat ein historisches Ereignis ersten Ranges, das sich in der Heranziehung weitester, dem überlieferten Judentum halb und ganz entfremdeter Kreise für den Aufbau Erez Jisroels vollzogen hat. Das kann nicht ohne weittragende Folgen fein und wir sind sicher, daß für die Besiedlung und den äußeren wirtschaftlichen Aufbau des hei- "'12 83»33'i iMJm i»8p lruin) 8313 'in aroi 80ian n»pV nxn lös? *iiö3i »■*'«3 ansyb pi v»i iW '»ms 3»run D»iain ^22V ivi!? a»mn »*>»a Son ih!» iniV v"i2 aino '12 »»mn iv8 8i»»r 211 rmwvan -&"y '12. v"i2V bv by Vsie?» bvn piwy» j»ki 8pn am ab« '»mn 4-"11 8132 18 8132 3»333 lvll'33 813 p 381 p"p 1803 1'ixi 'W 'Wttib ,vb KJ>»3io vwpi «3Prr 'M1'3 P wism jsm Win i .smon Zu beachten ist der Umstand, daß 83in 21 wie 83»3n 'i in Sephoris lebt und daher eher als Tradent in Frage kommt. , Julius Samuel. Geheime Schätze auf den Schulböden unserer Sleingemeinden. Von Lehrer Schloß in Iiersöurg (Baden). Kleingemeinden sind meist Eentren großer und bedeutender jüdischer Vergangenheit. In ihnen sind Zeugen einstigen religiösen sittlichen Lebens bewahrt. Auf dem Dachboden liegen Raritäten alter Jmaa und ni»3v», .seltene, ■auserlesene Werke alter, berühmter Kapazitäten und Schriftsteller. Hier siehst Du verbrauchte, abgelegte o’Wo rfmir» pV»sn cr. cr., neben neuen kaum berührten Ritualien, Gebetbüchern cr. cr. Überreste alter Zeit im wirren Durcheinander mit „überflüssigem" einer neuen Zeit, unbewacht von einem Zeitalter, das seine wahrsten edlen, unvergänglichen Schätze nicht kennt und nicht kennen will. Ein Zeitalter, das mit jener Überlieferung nichts mehr gemein hat, das aber doch noch den Weg zum Schulboden findet, um dort noch den letzten Rest jüdischer Bücher und Ritualien hinzuwerfen, zu bergen, welche ihnen der einst fromme Vater oder Großvater zum ewigen Andenken eingehändigt hat. Für sie überflüssiger Ballast! Was aber soll dereinst aus diesen Grabstätten jüdischer Heiligtümer werden? Nicht wenige, welche es heutigentags von ihnen bei uns in Deutschland gibt, sind unbewacht und fast unberührt von Menschenhänden. Hier kann man alte Familienbriefe finden, Geschäftsurkunden aufstöbern, welche der Urgroßvater neben seinen Heiligtümern bewahrte und die der tteulose Nachkomme mit „den Zeugnissen seiner Religion" als altes Überbleibsel gewissenlos über Bord warf. — Und doch müßte dieser alte Gemeindeschatz noch einmal gehoben werden. Unsere kleinen Gemeinden als solche werden und können sich nach menschlicher Berechnung weder numerisch noch in religiöser Beziehung wesentlich erholen, sie gehen ihrer vollständigen Auflösung entgegen. So werden nur ihre Synagogen und Schulen übrigbleiben, die in christliche Hände übergehen werden. Was aber wird mit den Schätzen auf den Schulböden unserer Synagogen geschehen? Sollen sie auch in andere fremde Hände übergehen, um ihr Dasein auf unwürdigen, schmntzigen Plätzen zu beschließen? Sollen sie als Überbleibsel einer alten jüdischen Zeit, liegend in Gassenrinnen, zertteten auf der Straße, beschmutzt und begafft von der Menge zum Gespötte der Menge werden, weil Israel seine wertvollsten Schätze von sich geworfen hat? Welche nnms.* werden hier unbewußt verübt, deren Trageweite* nicht Agu übersehen sind! — Die Meisten aber glauben, ihre Pflicht erfüllt zu haben, wenn sie die alten Reste „ihres Glaubens" dem Scheiterhaufen überliefern, wie einst heidnische Juden ihre Kinder einer heidnischen Sitte gemäß dem Moloch auslieferten. — Doch unser Ritual schreibt vor, daß Neste alter Gebetbücher und Tallesim rc. rc. in Kisten, ninra pWa in verschlossenen irdenen oder steinernen Töpfen vergraben werden müssen. -i>81V'V i>1V2» 1'23- Bergt eure alten Heiligtümer, daß sie nicht entwürdigt werden! (Zeitgemäße Wakmmg.) Vor einigen Jahren hat mir ein ungarischer Rabbiner folgendes schöne Wort überliefert: Im 4. Kapitel von 32»8 sagt Jirmijohu: o»v3 »1» p'ii" i?>»»3 ni»3»ni — „die Hände barmherziger Frauen kochten ihre Kinder" Da sagt nK^an (es kann auch vielleicht ein anderer großer Fraukfurter, rtbv oder yian» »33 gewesen sein): Sollte man diesen Satz Jirmijohus wörtlich nehmen? Will er nicht vielleicht sagen: Wenn die Hände der Frauen, der Mütter, zu gut, zu barmherzig sind, so vernichten sie ihre Kinder, „kochen sie", machen sie zu weich für das Leben? — Welch eine weise Mahnung für die erziehenden Mütter! I. E. E. Seit 35 Jahren beliebt und bewährt, in tausenden von Haushaltungen als unentbehrlich erprobt, so erfreut sich bei unseren Hausfrauen unter den Bedarfsartikeln für die Hauswirtschaft die rühmlichst bekannte weiße Elefantenseife mit der Schutzmarke „Elefant" von Günther & Haußner A.-G. in Chemnitz der größten Beachtung und Werffchätzung. Die weiße Elefantenseife zeichnet sich durch Reinheit und höchsten Fettgehalt aus, unter Verarbeitung garantiert nur reiner Pflanzenöle, so daß man dieselbe nicht nur zum Waschen der Wäsche und aller zarten Gewebe, sondern auch zur Körperreinigung und allen sonstigen Zwecken in Küche und Haus verwenden kann. Als besondere Eigenschaft hat sie noch den Vorteil, daß sie selbst im härtesten Wasser ganz hervorragend schäumt.