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Der Israelit · 1929-08-22 · Heft 34 (22.8.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 34 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4. Nr. 34 ligen Landes an und für sich die segensreichen Konsequenzen nicht ausbleiben werden. Aber dennoch ist es geradezu von symbolischer Bedeutung, Daß sich dieser Akt am Rüsttage zum nationalen Trauertage des jüdischen Volkes vollzogen hat. Tränen möchte man vergießen, wenn man sich vor Augen hält, in wie geradezu unwürdiger Weise, im letzten Augenblick vor Torschluß, nach einem beschämenden Ringen mit entarteten Söhnen des jüdischen Volkes, nur unter dem Drucke der amerikanischen Geld großen, der Thora scheinbar ein schüchternes verstohlenes Eckchen in De r n e u g e s ch a f f e n e n magna ch a r t a dieser „jüdischen Nation" e i n g e r ä u m t worden i st, schlimmer als völliges Totschweigen. Je stärker man die h i st o r i s ch e Bedeutung des Augenblicks empfindet, desto beschämender if: diese Einschmuggelung der „religiösen Bedürfnisse" mit der netten Klausel der „Gewissensfreiheit". Statt wirkliche Gewissensfreiheit zu schaffen und — gemäß der Forderung der „Agu- Das Jisroel" — die Agency ehrlich zu einem politisch-wirtschaftlichen Instrument des Aufbaues ohne jede weltanschauliche Färbung zu machen, wird eine Art Gewissens-Tauschhandel etabliert, der um des Geldes willen den sich gegenseitig ausschließenden weltanschaulichen Bekenntnissen die gegenseitige prinzipielle Duldung und Förderung aufnötigt und damit der Energie des religiösen Wahrheitsbewußtseins bei der Jugend völlig den Garaus macht. Dem Atheismus, der radikalsten Leugnung wird ' — nicht etwa stillschweigend, sondern auch noch ausdrücklich — Heimatrecht auf dem Boden des heiligen Landes gewährt, denn die „individuelle Gewissensfreiheit" der radikalsten Leugner sichert hier ja keineswegs bloß individuelle Gewissensfreiheit, sondern den Anspruch aus nationale Subventionierung unjüdischer Lehrstätten. Was im Golus leider seit einem Jahrhundert manchmal unter ' einem gewissen historischen Zwange zur Tatsache geworden ist, soll nun auch im heiligen Lande in völliger Freiwilligkeit konstituiert und von einer neuen jüdischen Nation getragen werden: die gemeinsame F in a nz i e ru n g u nd Le g i t i mieru n g Der Treue und des Abfalls. Wer sich damit hatachifch und religiös abfinden oder sich gar noch mit diesem „Erfolge" für die gesetzestreuen Institutionen freuen kann, der mag es tim und verantworten. Uns scheint diese Agency-K o n st i t ut i o n — welche Wege die Agency selber auch geführt werden mag — ein schwarzer Schatten, der aus der Nacht des neunten Aw in die Wochen des Trostes hinüberdunkelt und drohend über dem Werke des Aufbaues schwebt:! jik , EinZeugmsS.RHirschs jaden neuesten Auseinandersetzungen in der ungarischen Orthodoxie. Bon Rabbiner PH. Fischer in Sarospatak, Ungarn. I. Wer im Auslande den stolzen Namen vernimmt „Autonome or1hodoxe israelitische Religionsgesellschaft in Ungarn", wähnt eine g a n z h o m o g e n e Gemeinschaft darunter verstehen zu müssen, b2 pr 2^12 rmn, eine große Gemeinschaft, die ausschließlich aus Frommen besteht..! Ja, zu allermeist wird hiermit, infolge Jdeenafsoziation, die Vorstellung von einem großen Landesverbände „separier t e r " orthodoxer Gemeinden verbunden. Und doch ist dem nicht so. Die orthodoxe Gemeindeorgamsation in Ungarn enthält nur-zu kleinem Bruchteile sogenannte „separierte" Gemeinden, zu weitaus größerem Teile besteht sie aus aus her Grundlage der An? erkennung des Schulchan Aruch und des orthodoxen LanDesorganisationsstatuts konstituierten sogenannten „Cinheitsgememiden", indem in den betreffenden Ortschaften außer dieser auf ortho¬ Der 3 5 r o e11 i doxer Grundlage konstituierten Gemeinde keine andere jüdische Gemeinde vorhanden ist. Es ist bloß die natürliche Folge dieses Umstandes, wenn es außer der großen, vielleicht sogar überwiegenden Anzahl derjenigen orthodoxen! Gemeinden, wo pa 2i"> die große Mehrheit aus wirklich streng orthodoxen Elementen besteht, es auch immer eine bedeutende Anzahl in den orthodoxen Landesverband aufgenommene Einheitsgemeinden gab, deren sämtliche Institutionen und Kultusbeamten wohl strenge den Anforderungen des Schulchan Aruch entsprechen, die aber in bezug auf ihren Mitgliederbestand neben einer größeren oder kleineren Anzahl von Gesetzestreuen auch eine kleine oder größere Anzahl nichtgesetzestreuer Mitglieder haben. Ja, sogar in den „separierten" orthodoxen Gememden, alo auch dort, wo es neben der orthodoxen Gemeinde auch eine nichtorthodoxe gibt, wird nicht überall daraus geachtet, daß wirklich nur streng orthodoxe Elemente in die orthodoxe Gemeinde hineingeraten sollen. Man setzt eben mit jüdischem mmy " Gefühl voraus, daß, wenn jemand anstatt m die am selben Orte vorhandene nichtorthodoxe Gemeinde einzutreten, sich um seine Aufnahme in die orthodoxe Gemeinde bemüht, er in Gesinnung und Gefühl zur Orthodoxie gehöre. Und wenn auch augenblicklich die praktische Lebensführung des Betreffenden manches oder sogar vieles zu wünschen übrig läßt, so will man doch niemanden Q’T wi nnn mit zwei Händen verstoßen, und man hofft, daß die fromme Unigebung erziehend einwirken wird. Dies alles fließt aber, wiewiresausgen a u e st e r V e r t r a u t heit m ü t den z u - st ä n d i g en Quellen zu behaupten uns erkühnen, aus dem innersten Wesen der Entstehungsgeschichte der orthodoxen Landesorganisation in Ungarn. Denn diese Orthodoxie betrachtete sich vom ersten Augenblicke an als die einzige legitime Fortträgerin des traditionellen Judentums, und wollte sich nie und nimmer mit der Aschenbrödel-Rolle einer geduldeten Fraktion innerhalb der Gesamtheit zufrieden stellen. Ja, sie hatte sogar den Mut, sich in der entscheidendsten Stunde nicht froh und glücklich in die Burg der Selbstgenügsamkeit, oder wie es spöttisch kautet: in den Schmollwinkel zurückzuziehen, und den neologen Elementen innerhalb der ungarischen Judenheit zuzurufen: Ihr habt einmal eure Kongreßstatuten, wir sind froh, euch losgeworden Zu sein, und wollen nun ungehindert unser eigenes Heim unter Dach und Fach bringen! Sondern sie erhob gleichsam den Rechtsanspruch darauf, ein Landesorganisationsstatut für die g e - famte Judenheit Ungarns auszuarbeiten, welches einerseits'die .größtmögliche Thoragemäßheit sämtlich e r G e m e i n D e i n st i - tu t i o n e n, andererseits aber D re v o l I k ö mmene persönliche Gewissensfreiheit der Gemeindemitglieder in i h r em P r ivat I e den garantieren ‘ sollte. Am 5. September des Jahres '1870 — also zur Zeit,' da bereits Die große Schlacht geschlagen war, die Verpflichtungskraft der neologen Kongreßbeschlüsse mit göttlicher Hilfe zu Falle gebracht gewesen ist, und die Orthodoxen mit höherer Genehmigung bereits das Landesstatut für rch ausarbeiteten, erging nochmals, in allerletzter Stunde die Botschaft der orthodoxen Führer an die Gesamtjudenheit'Ungarns: „ W ie aus dem (orth.) O r g a ni s ä t i o n s st -at u t h e r vorgeht, w ü Ni s ch t die orthodoxe Judenheit Ungarns und Siebenbürge n s n ich t s fe h n l i ch e r, d e n n d i e b a l b ig e W iederkehr des in fo de prämierender Werse g e st ö rte n Friedens. Sie teilt a rt di eGeg n er n ui ex n e B e d i n - jung: Die W a h r u n g der religiös e n Interessen durch Aufrechterhaltung der religiöse Ni, k u l t u re I I en undiri t ueklen G em einDdinsti tü fi on en in' ihrer alten, d em jüdischen Geiste und d e r f ü d i s ch e n L eh r e e n t - prechenden Gestalt." (Aus dem Programm der „Durchsührungskommisston der aut. 22. AuMt 1929 jüdisch-orthodoxen Religionsgenossenschast Ungarns und Siebenbürgens" im damaligen orth. Organe „Das traditionelle Judentum" 1870, Nr. 1.) Also der Sicherung der Thoragemäßheit sämtlicher G e m e i n d e i n st i t u t i o n e n im ungarischen Israel galt der Kamps bei der Gründung der orthodoxen Landesorgamsation seitens der großen Führer der damaligen Zeit, unter denen sich Männer wie der 'isiv nns byz p'w Dnn» R. Chajim Sofer, R. Jirmijah Löw ufw. befanden, nicht aber etwa der Ausschließung der nichtorthodoxen Individuen aus den einzelnen jüdischen Gemeinden! Diese nicht wegguleugnenDe Tatsache wollen wir festnageln: einerseits nach links, woher man die organisierte Orthodoxie der Exklusivität zu beschuldigen pflegt, und andererseits nach dem äußersten rechten Flügel, wo man sich mit dem strengen orthodoxen Charakter der Institutionen ufw. irgend einer Gemeinde allein nicht zufrieden stellen! will, sondern auch das Privatleben der einzelnen Mitglieder als Maßstab für den Charakter irgend einer Gemeinde gelten lassen will. All diesem gegenüber stellen wir den eben geschilderten Zustand als den historisch gegebenen hin. Wir sagen nicht, daß dieser Zustand ein idealer sei. Ein idealer wäre derjenige, dessen der große R. Mosche Sofer b"2T in seinem Dnir »"N isiv Nr. 195 Erwähnung tut. Als nämlich die damaligen Vorsteher der Gemeinde zu Großwardein an v"n u. a. auch die Frage richteten, ob es auch in seiner Gemeinde öffentliche Sabbatentw-eiher gebe. Da kannte er mit Fug und Recht gang indigniert antworten: nVxt? by ’nnan 'bbna 1X82' ba^ nny bnpn nnn bv nbv q'rr -ir '"121 '121 X'vni22 N2N Aber einige Jahrzehnte später, zu Zeiten der Gründung der orthodoxen LandesorgMifation, mußten die Führer bereits mit dem Umstande rechnen, daß auch von einer Anzahl Gemeinden, an deren Spitze trpnin o^inj; standen, nicht mehr in vollem Ausmaße gesagt werden konnte: awnp n^>i2 myn ^>2 '2>U nd man rechnete mit diesem Umstande, und die o r t h o - d o x e G e s a m t h e i t U n g. a r n s g i n g h t e rb e i Gott se i Dank! nicht zugrunde, sondern s i e e r st a r k t e hierbei immer mehr und mehr u n bkonnte ihre autonome Organisation i m m e r m e h r befestigen. Andererseits aber darf auch nicht verschwiegen werden, wie namentlich innerhalb einiger größeren Einheitsgemeinden orthodoxen Charakters das Vorhandensein irreligiöser Elemente zu Reibungen und Zwistigkeiten größeren od>er kleineren! Kalibers führte. Docherwiesen sich in solchen F ä l l e n Die B e st i m m u ng e n des orthodoxen S anDesstatuts immer a u s r e i ch e n d. I e n e Be st i m m ü n g e n b e f a g e n nämlich, daß jeder V ö r st a n d öder Funktionär bei der Stellung eines dem Sinne des Schulchan Aruch widersprechenden A n t r a g e s s o f o r t s e i n A m t e t n b ü ß t. DesfenunFeachtet führten mancherorts die Reibungen innerhalb orthodoxer Einheitsgemeinden dahin, daß extreme Kreise sich innerhalb der orthodoxen Muttexgemeinde zu einem eigenen Bethausvereine konstituierten. Die Rechtsbasis hierfür mußte die Einführung des sogenannten „sesardischen" (chassidischeN) Gebetritus anstatt des überkommenen aschkenasifchen hergeben. (Ueber die Aenderung des aschkenasischen Gebetritus in den sesardischen sehe man Chatham Soer, C. Ch. Rr. 15, 16 und 197, auch Zeror Hachäjim vqn R. Abraham Löwenstamm, 2. Ausg. S. 32 u. f.) ^.Jn. ne ucrer Zeit. aber: macht sich inner» hchb gewisser Kreise der ungarischen Orthodoxie dq^ Bestreben geltend, solchen ininerhalb orthodoxer Einheitsgem-emdien entstandenen, soge- ÜMnt.en.,. „fesarNchen" - Fraktionen.; autonome Gemeinderechte zu verleihen. Die orthodoxe Zenralleitung setzt -aber diesem Bestreben ein starkes Nein entgegen, da sie mit allem Rechte befürcht tet, daß solches zu einer Schwächung und- Zer-"

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