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Der Israelit · 1929-08-15 · Heft 33 (15.8.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 33 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 16 Der I » r a e l t t BlSt ter die diesen neuen Ideen Liebe zuteil werden lassen, leisten sie Gefolgschaft. Es entbrennen Gemeindekämpfe in Kowno, Wilna, Warschau und anderen Orts, und die wirklich Großen, ihr Leben und ihr Lernen, steht nicht mehr im Interesse, in der Gedankenwelt breiter Massen des jüdischen Volkes. Man arbeitet wohl gegen diese abschüssige Entwicklung, doch man müßte noch weit mehr tun. Sollte man auf den rnn,w vielleicht Bachurim, soweit sie sich hierzu eignen, neben dem Lernen in der Redekunst unterweisen, um so gute, tüchtige, begeisternde Redner, moderne D'urn heranzuziehen? Oder sollte man besondere Pre-. digerschulen gründen? Soll man Handwerksschulen errichten mit jüdischen und philosophischen Fächern; und an diese Schulen! gute tüchtige Kräfte hinsetzen, ’-p»bn die es sich nicht verdrießen lassen sollen, an solch einfachen Schulen zu unterrichten. Oder sei es die Verfassung volkstümlicher Schriften, die Verbreitung erziehlicher Romane. Welche Wege man gehn muß, das zeige die zweite Kenessio. Es ist die weitaus wichtigste Frage der taurohtreuen Iudenheit. Für uns Agudiston, ist die Agudo keine Partei, kein politisches Programm. Uns ist sie Erfüllung unserer jüdischen Pflicht, Zusammenfassung der Kräfte für die Gesamtheit. Darum werden wir uns nie in Sorgen um dir Organisation verlieren, auch nicht in Kämpfen um die Paragraphen. Jedoch mit dieser Hauptsorge werden wir uns alle intensiv abgeben müssen. Heute schon entscheidet bei der Besetzung von Rabbinaten in Polen nicht mehr die Größe des rmiab; das ist bedauerlich, aber eine fast notwendige Folge der Entwicklung. Möge es unfern wirklichen Führern gelingen, den Interessen der Umwelt, die mehr und mehr bei den jüdischen Massen Fuß fassen, erfolgreich jüdische Interessen entgegenZustellen, den Zusammenhalt wieder herzustellen, die Begeisterung für alles Jüdische, für die Pflege jüdischer Eigenart und Kultur wieder zu entfachen. Wir gehen nach Wien, um Anregungen zu empfangen, Anregungen — aber auch Kraft und Begeisterung durch den persönlichen Einfluß unserer Großen!. Ch.Hß über die 2. Kenessio gedaulo. Wien. Das Mitglied des G. A. der Aguda Jisroel, der bekannte orthodoxe Publizist Th. I. Eiß-Zürich, hat gelegentlich der Enquete unseres Pressebüros sich wie folgt geäußert: „Ich halte eine Beteiligung der Agudas Jisroel an der Jewish Agency für unmöglich; die Zionisten, selbst dürfen und können unsere Beteiligung nicht verlange-u. Selbst dann, wenn die 'Zionisten jetzt die Frage ded Chinuchwesens nicht in das Programm der Agency einstellen sollten, und die Agency nur ein politisch-wirtschaftliches Instrument sein sollte, werden die Zionisten nicht ruhen, bis auch die Kulturarbeit in das Arbeitsgebiet der Agency hinübergenommen sein wird. Schon jetzt stellen die Zionisten die Forderung auf, datz die Chaluzim in ihrer antireligiösen Lebensführung durch die gesamte Iudenheit erhalten werden, 'wozu Agudas Jisroel niemals die Hand bieten kann. Deshalb ist es für die zionistische Organisation von viel größerem Werte, 20 vereinzelte Orthodoxe in die Agency hereinzubekommen, als 3 Vertreter der selbständigen Orthodoxie. Die Zionisten wissen es ganz genau, daß die wenigen hereingelockten Orthodoxen. letzten Endes doch austreten werden, wenn es ihnen zum Bewußtsein kommen wird, daß sie messaje lidei owre awero sind. Doch wird es eben dann nur heißen, daß der und jener aus der Agency ausgetreten sei; ganz anders würde es loirkeln, wenn verlauten würde, daß die Vertreter einer großen Organisation wie der Agudas Jisroel ausgetreten feiem. Der. schlagendste Beweis für meine Meinung ist es, daß die Agudas Jisroel-Zentrale als solche überhaupt nicht ungeladen wurde, wogegen fortwährend einzelne orthodoxe Persönlichkeiten aufgefordert werden, deren Teilnahme der Agency zu einem entsprechenden orthodoxen Aushängeschild verhelfen soll. Die Finanzquellsn der Aguda können nur durch bessere Politisierung der orthodoxen Massen gestärkt werden. Die sozialistischen Organisationen, die sich doch größtenteils aus Proletariern rekrutieren, leiden niemals an Geldmangel, eben, weil sie musterhaft politisch orga-> nisiert sind. Man muß die orthodoxen Massen zu der Erkenntnis erziehen, daß jeder einzelne, wie für sich und seine Familie auch für die Gesamtheit arbeiten muß. Die Poale Agudas Jisroel halte ich nicht für eine Parteierscheinung sondern für die Konsequenz rein jü- 15. August 1929 dischen Denkens der jüdischen Arbeiter und diese Bewegung muß weitgehendst unterstützt werden. Ich eracht? die Forderung der Poale Agudas Jisroel, nach interterritorialerSelbständigleit als berechtigt. Dagegen halt« ich es für schädlich, wenn der Jugend die gleiche Konzession gewährt wird, weil man nicht definieren kann; wo die Grenze der „Jugend" ist. Ich bin aber sehr dafür, datz ln die Leitung jeder Landesorganisation Vertreter der Jugend berufen werden. Bei der neuen Zusammensetzung des G. A. mutz m. E. darauf Bedacht genommen werden, datz die Zahl seiner Mitglieder eine Beschränkung erfährt, denn die Praxis hat erwiesen, datz von den bisherigen 32 Mitgliedern nur ganz wenige faktisch mitgearbeitet Haber. Ich bin entschieden gegen den Vorschlag des He,rrn Rosenheim, die Kenessio Gedaulo alle 7 Jahre einzuberufen. W.ahrend eines Zeitraumes von 7 Jahren allein allmählich Kräfte und es wachsen neue, starke hinzu, die keine Gelegenheit zur Betätigung finden und der Aguda verloren 'gehen. Ich bin deshalb für die Einberufung der Kenessio Gedaulo in Intervallen von 3 Jahren. Allerdings mutz viel intensiver als bisher gearbeitet werden, damit die Kosten der Kenessio Gedaulo gedeckt sind. Die Idee der Agudas Jisroel mutz in Zukunft viel tiefer in die Massen verwurzelt weicden; das religiöse Volksbewutztsein mutz stärker in die Secslen eindringen. Dann wird die Organisation materiell und ideell gestärkt und gefestigt werden. Bestimmungen für die Verabreichung der rituellen Verpflegung auf den Palästina-Linien. Um einem empfindlichen Uebelstand abzuhelfen, hat der „Lloyd Triestino" auf vielfaches Verlangen es übernommen, nach zuständigen autoritativen Weisungen auf seinen Palästina- Linien streng rituelle. Verpflegung einzurichten. Für alle Passagiere, die auf diese rituelle Verpflegung reflektieren, sind folgende Gesichtspunkte beachtenswert: 1. Die rituell einwandfreien Konserven werden in einem Kupferkessel aufgewärmt, der von Anfang ans ausschließlich diesem Zwecke dient. Sobald aufgewärmt, werden sie aus dem Kessel mittels eines Speziallöffels herausgenommen. 2. Die rituell leinwandfreien Konserven werden in der Originalbüchsen-Verpackung, die einen 'eingeprägten Koscher-Stempel der betreffenden Firma betzw. Rabbinats- Aufsicht trägt, aüf speziellen Glasschüsseln dem Passagier vorgesetzt und! in seiner Gegenwart mit einem speziellen, /ausschließ' lich zu diesem Zwecke dienenden Büchsenöffner geöffnet. 3. Auch bei Verabreichung zulässiger Fischkonserven (wie Oelfardinen, Sprocken in Oel, Bismarckheringen ist Essig usw.) müs- ' sen die Originalbüchsen in, Gegenwart der Passagiere mit dem speziellen Büchsenöffner geöffnet werden. 4. Für die rituelle Verpflegung sind, außer erkennbaren Tischdecken spezielle mit Koscher-Stempel versehene (fleischig) Bestecke, welche ausschließlich am rituellen Speisetisch und nur zu den verabreichten rituellen Speisen (fleischig) benützt werden dürfen; die Benutzung dieser Bestecke zu Butter oder Milchspeisen ist strengstens verboten. Auch für sonstigen Privatgebrauch dürfen diese Bestecke nicht benutzt werden. Jedwede Nichtbeachtung dieser Vorschrift macht die Bestecke für eine weitere Benutzung unbrauchbar. Für diesen dadurch verursachten Sachschaden hat der schuldige Passagier vollen Ersatz zu leisten. 5. Es ist vorgesehen, daß die Reinigung, und Aufbewahrung der Bestecke, des Küpferkessels, der Teller undder Gläser -derart besorgt wird-, daß jede Vermischung mit anderen Gefäßen absolut vermieden wird. 6. Milchkaffee (kondensierte Milch in Büchsen oder Tuben), nur in Org'iinassüllung wird in Gläsern, rituelle Speisen auf Glastellern serviert. 7. Das auf dem Schiff gebackene Brot kann auch für die rituelle Verpflegung benutzt werden, indem festgestellt wird, daß zum Backen kern Fett zum Unterschmieren benutzt wird. 8. Die drei zulässigen Gemüsekonserven $— Spargel, Erbsen und Karotten — werden aufgewärmt und ohne jede weitere Zubereitung nur in Origmalbüchsen serviert. 9. Die Originalflaschen oder Fläschchen von Wein oder Kognak tragen Siegel oder Hülsenstempel, der von der zuständigen Stelle als zuverlässig anerkannten bezw. genehmigten Bezugsquelle. 10. Marmelade, kondensierte Milch, Rituelle Käse usw. werden nur in Originalpackung mit erkennbarem rituellen Stempel verabreicht. Was von diesen verabreichten Speisen an einem Tisch übrig bleibt, wird nicht mehr als rituell betrachtet und darf nicht mehr benutzt werden. 11. In jeder Klasse sind separate „Koscher"- Tische mit besonderen erkennbaren Tischdecken für fleischig und milchig vorgesehen. 12. Die für Freitag Abend erforderlichen Konserven werden, -eine Stunde vor Eintritt der Nacht in kochendes Wasser gelegt. Die für Sabbat Mittag erforderlichen Konserven bleiben im Kupserkessel bis zum Gebrauch. 13. Die rituelle Verpflegung besteht aus: Suppenfleisch, Kalbskonserven, Hühnerkonserven, Kondensierter Milch, Holländer Käse, Wurst, Marmelade, Milch in Tuben, Emmenthaler Käse, Wein und Kognak in Originalflaschew aus zuverlässig anerkannten bezw. genehmigten Bezugsquellen, Oelsardinen, Sprotten in , Oel, Nach den Weisungen des Punkt 7. gebackenem Brot. 14. Die strikte Einhaltung dieser Weisungen durch das Personal wird vom Bordkommissär streng kontrolliert. Die Passagiere, in deren Interesse diese Einrichtung systemisiert wird, sind jedoch gebeten, auch ihrerseits die pünktliche Einhaltung dieser Bestimmungen ordnungsmäßig zu fördern und bei Wahrnehmung etwaiger Uebertretungen dem Bordkommissär sofortige Mitteilung zu machen. Wo stehk der Esra? Von Manfred Neuberger in Frankfurt a. M. Auf verschiedene Betrachtungen, die in letzten Zeit in diesen Blättern über die Beziehungen des Esra zur Aguda angestellt wurden, hat sich die Bundesleitung des Esra fachlich nicht geäußert mit dem Hinweise darauf, daß der bevorstehende Bundestag die Auffassung des Bundes wiedergeben werde und daß es nicht angebracht fei, dieer autoritativen, Aeußerung vorzugreifen. Run,. )er Bundestag hat wirklich feine Auffassung zum Ausdrucke gebracht und diese Ansicht ist dahin gegangen, noch schärfer als bisher zu betonen, daß die Aguda sich nicht mehr auf eine Gemeinsamkeit mit dem Esra berufen könne, nur weil sie das Verdienst habe, ihn ins Leben gerufen zu haben. Man hat zwar den berühmten Verfassungsartikel, der von der ideellen Uebereinstimmung der Weltanschauungen sprach, nicht vollends gestrichen und jo wenigstens dem Namen der Agudas Jisroel eine pietätvolle Stellung im Statut bewahrt. Aber noch schärfer als bisher ist: die politische Neutralität nunmehr im Statut verankert. Jene Neutralität, die bisher darin bestand, daß der agudistische Esraführer verfassungstreu von seiner agudistischeini Einstellung — chwieg, der misrachistische hingegen aus feinem Zionismus kein Hehl machte; was schließlich nur für die Intensität seiner Weltanschauung sprichst und für die Innerlichkeit, mit der er sich seinem Sache.verbunden fühlt. Beweis: das Anschwellen des zionistischen Einflusses im Esra; waren:

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