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Der Israelit · 1929-08-15 · Heft 33 (15.8.1929) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 33 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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15. AuMst 1929 bisher schon! an vielen Orten «die einflußreichen Führerposten in misrachlstlschen Händen, so hat man nunmehr offiziell die Gleichberechtigung anerkannt und den Zionisten den Zutritt zum obersten Organ des Esra, der Bundeslsitimg, eröffnet. Natürlich nicht so, daß etwa die einzelnen Parteien! nach berühmten Mustern einen „Kuhhandel" um die Sitze in der Leitung getrieben hätten; man hat vielmehr den in die Leitung gewählt, den man für geeignet hielt, ohne danach zu fragen, ob er organisierter Zionist ist oder nicht. Denn diese politischen Nuancen hat man im Esra bagatellisiert;'es kommt aus sie nicht an. Trifft man sich beim Bundestage, so steigt Gemeinsamkeit auf: war man gestern noch Austrittler oder Grohgemeindler, Agudist, Misrachist oder allgemeiner Zionist — heute ist man nur Esräer im«)1 fühlt sich verbunden in Gemeinsamkeit mit jedem, der Thora und Schulchan Aruch aberkennt undzur Geltung bringen will — erhaben schwebt die Esragemeinschast über den engen Barrieren, die die politischen Parteien mit Gezänk und Gekläff tief da unten aufgerichtet haben und die. ihnen das Leben versauern, die Leistungen verkümmern lassen. Wir wollen heute nicht von den Hoffnungen reden, die Agudas Jisroel wieder zu Grabe getragen hat. Rechten wollen wir aber mit denen, die zum Esra gehören und' zur Aguda, die im Esra die Gemeinsamkeit aller T h o rat r e u -e n b i l l i g e n und nicht fragen nach dem „Parteibuch" oder dem gemeindlichen Steuerzettel, wenn es sich um die Vergebung von Führerstellen handelt, großzügig vielmehr nur fragen nach Leistung und Tüchtigkeit: wenn es a b e r» u m A g u das Jisroel geht, dann ist die Gemeinsamkeit — ein Verbrechen; dann ist GleichberechtiWNg Verleugnung der Thorasouveranität, Anerkennung zweier Äudentümer! Die Antwort der Trenuungstheoretiker hierauf ist schnell gegeben: Agudas Jisroel soll den Klallgedanken verkörpern, Esra ist „nur " eine Erziehungsgemeinfchaft. Nun, dieses „nur" ist köstlich in seiner Naivität! „Nur" erziehen soll der Esra die jungen Juden, die sich zu ihm scharen. Erzogen werden, jüdisch erzogen werden kann man aber von jedem, der die 613 Mizwaus anerkennt. Merkt ihr nicht, daß das mehr ist, als was der radikalste Are w us- Fre un d in der Aguda befürwortet? Kann ich denn heute in Gemeinde und Aguda „Verräter" an der Sache der Thora denjenigen nennen, dem ich morgen junge Juden zur Erzieh u n g a n v e r t r a u e, mit dem ich beim Bundestag Gemeinsamkeit und nur Gemeinsamkeit fühle? Steht mir das Prinzip der Selbständigkeit der Orthodoxie so überragend hoch (wie es den Arewusleuten trotz allem steht), so kann ich. es nicht zur Bagatellsache erklären, wenn es sich um Erzieh u g hand elt, die d o ch d ieZukunft g e st a l t e n s o l l. Erachte ich es für ein Vergehen gegen die Ehre der Thora, wenn jemand — und fei er noch so orthodox — in der Gemeinde durch Zugehörigkeit und Mitarbeit zu erkennen gibt, daß ihm Neologie und Orthodoxie gleichberechtigte Richtungen find, so darf ich erst recht nicht dem die mir anvertraute jüdische Jugend zur Erziehungin die Handlegen, der durch freiwillige Mitgliedschaft zur zionistischen Organisation die Mitverantwortung für die Verfälschung des jüdischen Gedankens trägt. Erachte ich aber wiederum die Gemeinsamkeit der An e rken nung von 6 1'3 M i zwaus für so hoch und ausschlaggeben d, daß ich deshalb dem Esra Treue wahre und seiner Ueberpartellichkeit nun, d an!n muß ich auch sonst anerkennen, d aß Partei- und Gemeindeangehörigkeit N e b e n s a ch e s i n d. Dann aber gebt ihr Agudas Jisroel ganz auf, den n dann verlangt ihr m e h r v o n i h r, a l s d e r „ w i I d e ste " A r e rvu s m a in>n. Diesen Zwiespalt erkläret mir! Der Israelit Blätter Eine Zugendkundgebung in Rymanow. Wie immer, fand auch dieses Jahr am Lagb'Omer ein Jugendzusammentreffen in Rymanow statt, das von Hunderten besucht war. Nach emem Besuch des Grabes von Rabbi Mendel V"Xt' wird die Versammlung mit einer Rede des Herrn Zrtronb aum eröffnet, worauf Begrüßungen folgen. U. * a. liegt auch ein Glückwunschtelegramm der Frankfurter Aguda vor, ebenso aus Warschau, Jerusalem, Petrikau u. v. m. Es folgt ein Referat des Herrn A. F. K r o n g o l d, Warschau über die „Tätigkeit der Agudajugend in. Polen". Er bespricht die Lage des Judentums im allgemeinen und in Galizien! insbesondere und zeigt, daß bei den Röten und Gefahren der Zeit nur die Organisierung der Kräfte im Rahmen der Aguda helfen kann. Er erstattet dann Bericht über die Tätigkeit d!er Leitung der polnischen Jugendorganisation der A. I., zeigt ihre Arbeit und die vielen Hemmungen, die sie zu überwinden hatte. , Am Nachmittag waren die Versammelten! bei einer schönen Sijumfeier beteiligt. Die Verhandlungen wurden darauf fortgesetzt mitder Debatte über die Referate-, und mit einem Referat des Herrn Dr. Benzion Feßler über „Himmel und Erde". In meisterhafte Form zeigt er die Zusammenhänge zwischen oben und unten, zwischen Ethik, Gesetz und Aesthetik im Judentum. Auf Gegenwartsfragen^ übergehend, propagiert er den Gedanken der jüdischen Siedlungen in Palästina und den Golusländern. In einem zweiten Referate am folgenden Tage mahnt Herr Dr. Feßler zu Konzentration und eifriger Zusammenarbeit. Mit einigen gesellschaftlichen Veranstaltungen schloß das Jugendzusammentrefsen, das auf die Teilnehmer größten Eindruck gemacht hatte. non* ttdid WELTKONGRESS D.AGUDAS-JISROEL WIEN. IO.-17 SEPTEfTlBER Die Leitung der Wiener Agnda-Zentrale beim österreichischen Bundeskanzler. Wien. Die Leitung der Wiener Aguda-Zentrale erschien Donnerstag, den 25. ds. Mts. beim Herrn Bundeskanzler Streeruwitz, um ihn über Z'weck und Ziel der religiös-orthodoxen Weltorganisation „Agudas Jisroel", speziell aber über den im September d. I. in Wien stattfindenden Weltkongreß (Kenesfio Gedaulo) zu informieren. Herr Bundeskanzler Streeruwitz empfing die aus den Herren Präsident Rabbiner Dr. Kohn, Rabbiner Dr. Joel Pollak und. Moritz Felsenburg bestehende Delegation besonders freundlich und betonte in Erwiderung auf den Bortrag der Delegallon die große Wichtigkeit eines jeden Bekenntnisses zur Religion, die heuhe mehr denn je ein sicherer Faktor der Erziehung und Gesellschastsbildung fei. i Die Wahlen zur Kenesfio Gedaulo in Holland. Amsterdam. Sonntag fanden hier unter großer Beteiligung der Stimmberechtigten die Wahlen zur Kenesfio Gedaulo statt. Es wurden gewählt zu Delegierten die Herren: Oberrabbiner Hirsch- Zwolle, Oberrabbiner Vredenburg -Arnheim, van Leeuwen, Goldschmidt, Geldern, Lissauer. Die holländische Landeszentrale nominierte Die Herren: Dr. Hausdorsf, Redakteur Slagter, I. Fromann. Außer den Delegierten liegen Anmeldungen zahlreicher Gäste aus Amsterdam, Rotterdam und der Provinz vor. Kenessio Gedaulo - Koufttenz in Ostgalipea. Lemberg. Die Begeisterung für die Kenessio Gedaulo wächst hier von Tag zu Tag. Im Zentralbüro der Agudas Israel haben bereits 80 Gäste ihre Teilnahme angemeldet, darunter die angesehensten Persönlichkeiten der ostgalizischsn Orthodoxie. Jugendtreffen der Aguda-Jugendgruppen in Oesterreich. Baden. Am vergangenen Sonntag fand hier ein Jugendtreffen der Aguda-Gruppen statt. Die Tagung Nr. 16. Seite 3 verlief in überaus feierlicher Weise. Wien allein entsandte über 100 Jugendliche, größere Gruppen kamen aus Wiener Neustadt, Neunkirchen, Grabenweg, Löslau, u. a. Oberrabbiner Dr. Reich-Baden, Rabbiner ZimmerMann- Neunkirchen, Redakteur Schönfeld-Wien, Kultusvorsteher Napaport-Baden, Siegmund Stern-Wien und der Vorsitzende der Aguda-Ortsgruppe Baden, Menny Rothschild würdigten in geistvollen, treffenden Worten die Bedeutung des Tages. Einen unauslöschlichen Eindruck hinterließen die begeisterten Reden der acht- und neunjährigen Kinder, Mitglieder der Badener B-Gruppe, die über Erlebtes und Erkanntes in ihrem Milieu sprachen. Massenversammlung der Agudas Jisroel in Bratislawa. Brotislawa. Vergangenen Sonntag fand in Bratislawa eine Massenversammlung der dortigen Agudas Jisroel unter. Beteiligung der Herren Rabbiner Dr. Kohu und Wolf Pappenheim-Wien statt. Die Gastredner hielten mit Beifall aufgenommene Referate über die slowakische Judenheit im Besonderen. Di6 Versammlung hinterließ bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck. Oberrabbiner Schapira aus Piotrkow ttt Wien. Wien. Der Oberrabbiner von Piotrkow, Rabbi Meier Schapira, weilte in der vergangenen Woche in Wien. Zweck seines Aufenthaltes 'war ein Besuch beim Erotzrabbiner von Ezortkow, sowie eine Besprechung mit den Wiener Agudasührern. Oberrabbiner Schapira und Agudas Jisroel verhandelten gemeinsam mit einer der größten Wiener Versicherungsgesellschaften hinsichtlich eines Begünstigungsvertrages mit der Agudas Jisroel-Weltorganifation und Jefchiwas Ehahmej Lublin. Die Verhandlungen werden in Krakau im Beisein von Direktor Dr. Deutschländer fortgesetzt. Oberrabbiner Schapira und der Direktor der Versicherungsgesellschaft sind zu diesem Behuse nach Krakau abgereist. Neues Organ der Poale Agudas Jisroel in Polen. Warschau. In der nächsten Woche erscheint das neugegründete Organ der Poale Agudas Jisroel in Warschau „Jüdischer religiöser Arbeiter". Die Zeitschrift erscheint. vorerst all 14 tägig und soll später zu einer Wochenschrift mit reichem, den Interessen der religiösen Arbeiter in Polen gewidmetem Inhalt ausgebaut lverden. Antwerpen. Sonntag, den 6. Tamus, fanden hier die Delegiertenwahlen zur 2. Kenesfio Gedaulo statt. Unter Beteiligung einer großen Anzahl von Stimmberechtigten wurden gekoählt: zu Delegierten: die Herren B. Al st er, W. Blasbalg, M. Lamm (Agudas Jisroel). Abraham Schreiber, Hirsch Rottenb e r g (Zeire Agudas Jisroel). Seitens des Rabbinischen Rates und der Landesorgamsation wurden delegiert: Oberrabbiner Rottenberg, Koppel S p i r a, Jeruchem Birnbaum (Agudas . Jisroel) und Josef Friedmann (Zeire Agudas Jisroel). Wie wir erfahren, wird auch Herr Oberrabbiner Dr. Ritter, der jetzt in Belgien domiziliert, zur Kenesfio Gedaulo. nach Wien gehen. Vis jetzt haben sich aus Belgien außer den Delegierten 20 Teilnehmer zur Kenesfio Gedaulo gemeldet. New Pork. Am 21. Juli beginnt in New Port die Konferenz der Zeire Agudas Jisroel. Gegenstand der Konferenz, sind die Stellungnahme zur 2. Kenesfio Gesi daulo und Delegiertenwahlen zum Weltjugendtag der Zeire Agudas Jisroel, welcher 'während der K. G. in Wien abgehalten wird. Man verspricht sich von dieser Konferenz eine Erstarkung des Aguda-Eedankens in Amerika. New Port. Auf der letzten Konferenz der orthodoxen Rabbiner in Amerika, welche im „Degel Harabonim" organisiert sind, stellte Rabbi Kahana den Dringlichkeitsantrag, eine größere Delegation zur K. G. zu entsenden. Der Vorschlag wurde von den Rabbinern Tennenbaum, Gartenhaus, Kohn, Zweig e. a. diskutiert. Der Vorschlag wurde mit der Motivierung unterstützt, daß der Degel Harabonim mit dem Rabbinischen Rate wegen der Agunostage und in anderen wichtigen Angelegenheiten beraten müsse. Der Dringlichkeitsantrag wurde einstimmig angenommen. Es wurden in die Delsgation gewählt: die Rabbiner Rimolt, EisenAveig, Js-- kolsky Landau und Gartenhaus. Die Vorbereitungen für die Reise wurde einem Komitee übertragen. Breslau. Die Ortsgruppe entsendet zur Kenesfio Gedaulo die Herren Rabbiner Dr. Hoffmann und Rabbiner Dr. E o h n als Delegierte, Ivan Möller und Dr. Koppenheim als Ersatzdelegierte. Wien. Während der Kenessio Gedaulo erscheinen in Wien täglich Berichte in jiddischer Sprache. Bestellungen sind zu richten an Red. S. Schönseid, Wien II, Levpoldsgasse 26. In deutscher Sprache erscheint die Wiener jüdische Presse viermal während des Kongresses. Köln. Als Delegierte zur Kenesfio Gedaulo wählte die hiesige Ortsgruppe die Herren Dr. Siegmund Stein und Leo Munk, als Ersatzdelegierte die Herren Viktor Weil und Ferdinand Bayer. Lonsul Sally Gugenheim über die Kenesfio Gedaulo. Im Rahmen einer Rundfrage, die das Pressebüro der K. G. bei führenden Mitgliedern der A. I. veranstaltete, äußerte sich das bekannte Mitglied der politischen Exekutive der Aguda, Konsul Sally Guggenh e i m fn Basel wie folgt: „Die zweite Kenesfio Gedaulo gibt allen unseren Brüdern, die ihr Leben auf Grundlage der heiligen Thora .aufbauen wollen, die glückliche Gelegenheit sich zu treffen und zusammen zu arbeiten zum Besten der

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