Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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15. August 1929 Der Israelit Nr. 33 Seite 5 Albert Einsie-in mutz, Äs er sich auf dem PoNuM zeigt, zuerst '« miniuten-lange HuiKdigung über sich ergehenfoifem. Er sagt, die Grütze des Tages bestehe darin, daß hiie-r h-eui*e eine Nation begründ >e -t rv u> r A e. Die tapfere und begeisterte MiNiwrttät, We sich Woniisten nennt, oerNent, wie ihr Führer Dr. We'izwann, dlis Anerkennung der Welt. Diese Männer haben sich das moralische Recht erworben, auch in der erweiterten Agency einen b edeutenden Etnflnß aus zünden. Cr sieht in der Begründung der I. A. einen Sieg Herzls, dessen Ideen ziu seinen Lebzeiten! von der Mehrzahl der JudenhM nicht verstanden würden. Mt einer Schvußanfprache Nachum Sokolows fand die glanzvolle Eröffnung' ihr Ende. Montag begannen die Avb'eiltssitzungen. Die Arbeilssihungen der Iewish Agency. - - - Zürich, 14 August. Nach der glanzvollen Eröffnung am Sonntag trat man am Montag, zu der ersten, Arbetds sitz un g zusammen. Zum Präsidenten wurde Louis Marshall, zum Vizepräsidenten Lord Meichett gewählt. Dr. Weizmann hält die Programmrede in Anknüpfung an den Bericht der Palest ine Survey Commission. Es gehe in der Hauptsache darum, freie Staatsilandereren von der Palästinaregierung, en'tsprechend dem Mandate, zu erhalten. Leider sei' das gute Land längst in. 'festem Besitz. Es müsse ein Teil des B >e i f a n b odens, im Einvernehmen mit den Arabern, für Ne Mische. Kolonisation bereit-gestellt werden. Jährlich müßten tausend Familien neu angesiedelt werden und die GesümteinwandsrüM m den nächsten süns Jahren müsse auf 100 000 Seelen gebracht werden. Dr. W. K. Frankel schlägt Ne Gründung einer wirtschaftlichen >und Finanz-Korporation mit 'einem Grundkapital von 15 Millionen Dollar vor. Die rv-ivtschafWchen MögOchkeiten Palästinas feien unerschöpflich. Felix M. War bürg Unterstützt den Vorschlag. Colonel F. H. Kisch hofft, daß Ne englische Regierung fernerhin ihren Mandatverpflichtungen besser Nachkommen würde^ als -es bis jetzt geschehen' ist. Kamen am Vormittag -durchweg Nichtzionisten zu Wort, so sprachen nachmittags, Ufsis chk in, Kurt B lumens e ld und andere bekannte zionistische Führer. Alle wünschen, beschleunigtes Tempo in der Aufbauarbeit. Für Mi srach-i spricht Hermann- Struck. Direktor Oskar Wassermann skizziert die wirtschaftlichen Wege des Mischen A-ufbaus. Zum Schluß faßte Dr. W-eizmann die Ausführungen der Redner zusammen und klärte das Verhältnis der verschiedenen Fonds zueinander. Sie müßten alle harmonisch aus -ein Ziel himarbeiten. Es wurden zuletzt eine Versafsungskommission und eine Budgetkommission gebildet. Damit hatten Ne MontagsverhanÄtungen ihr Ende -erreicht. Die Unterzeichnung der Verfassung erfolgte in einer feierlichen Schlußsitzung -des Council am Mittwoch nachmittag. Die angenommene Verfassung entspricht mit einigen kleinen Aenderungen dem Entwurf, der einige Tage zuvor vom Zionistenkongr>eß akzeptiert worÄM ist. Demgemäß ist als der Zweck der Jewifh Agency die Durchführung der Balfour-Deklaration, bezeichnet worden', die ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichtenverspricht. Die Konstitution bezeichnet als G ru nd fo rd er un gen die Vergrößerung Mischer Einwanderung, Pflege Mischer Kultur und hebräischer Sprache> Erfükiung der jüdischen religiösen Be'dü'rsnisse bei voller Anerkennung des Prinzips der GiewifsenssreihÄt, ferner die landwirtschafWiche Ansiedelung von Juden auf Boden, der Gemeineigentum des Volkes fein soll. Präsident der Agency ist Dr. Weizmann, den Vorsitz im Council hat Louis Marsh a lt. Baron Edmond de Rothschild wurde zum Ehrenpräsidenten der I. A. gewählt. Bufttatid. „Revolution" in einem jüdischen Städtchen Rußlands. Moskau, 30. Juli. Die Mische Bevölkerung! des, Städtchens NaroNtschi, Krs. Korosten, versammelte sich am. letzten Sonnabend vor dem jüdischen Friedhof, der von Arbeitern freigelegt und durchgegraben wurde, um einen Bauplatz für eine Kaserne der Soldaten der Roten Armee und eine Schule Heruzrichten. Männer, Frauen und Kinder ständen in stummem Protest da, und sahen zu, wie man die Skelette ihrer Vorfahren ausgrub und zu Haufen schichtete. Plötzlich erschien die städtische Feuerwehr und sandte ohne vorangegangene Warnung von verschiedenen Seilen Wasserstrahlen gegen die Menge, die nach allen Seiten zerstob. Gleich darauf verbreiteten sich Gerüchte, daß die jüdische Bevölkerung einen „Ausstand" gegen die Sowjetmacht vorbereitet, weil das Grab eines berühmten „Zaddik" freigelegt wurde. Es hieß ferner, daß die Judenschast des Städtchens die Ermordung des Leiters der Ausgrabungen, der auch die Feuerwehr gegen die Menge herangezogen hat, vorbereitet habe. Zwei jüdische Kommunisten, Lusanski und Seidmann, wurden durch Beamte der E. P. U. verhaftet. Gegen die Organisatoren des „Aufstandes" wurde von der Staatsanwaltschaft ein Verfahren eingeleitel. Schließlich überzeugte man sich, daß an dem ganzen Gerede von einem jüdischen Ausstand und einem Mordplan nichts Wahres sei, die Untersuchung wurde engestiellt und die Verhafteten -wurden freigelassen. Die Judenschaft des Städtchens fordert die Bestrafung des Leiters der Ausgrabungen und des Vorsitzenden der lokalen kommunistischen Partei, die die Gerüchte in Umlauf gesetzt haben. Die Jüdische Gemeinde in Charbin bedroht. Moskau, 26. Juli. Im Zusammenhang mit den, russisch-chinesischen Wirren ist Ne Existenz der jungen, aber schon sehr gefestigten Mischen Gemeinde in Charbin- -bedroht!. Die Mrtglieder der Gemeinde setzen sich hauptsächlich aus russischen Juden zusammen, die, obwohl! nicht Bürger der heutigen Sowjetunion, dennoch als der feindlichen Partei -a-nge-hörig angesehen werden. Die in der Mandschurei in großer Zahl lebenden weißgarÄstischen Offiziere der früheren Armee Deni-kins und der Banden Semenows strömen in Ave Stadt, um sich der -eventuellen Kampffront gegen Sowjebrutzl-cm-d an-zuschl-ießen. Inzwischen haben sie damit begonnen, Ne jüdische Bevölkerung Charbins zu terrorisieren-. Die soeben in Moskau eingetrosfenen, aus Charbinausgewiiefenien sowjetrussischen Beamten, testen dem JTA- Vertretvr mit, daß bei 'ihrer Abreise unter den- Juden Chardins eine Panik herrschte; es zirkulierten Gerüchte, daß die w-eitzgardistischen Offiziere Ma-ssabms gegen die Juden vorbereiten. Der Borsitzende -der Jüdischen Gemeinde wandte sich an btile chinesische Behörde um Schutz. Eine große Zahl jüdischer Familien hat die Stadt bereits verlassen. Hunderte jüdischer Emigranten in Charbin in ungewisser Lage. N e w York, 26. JE. Nach einer Mitteilung der Wanderer-Schütz- und Hi'lfsgesellschast Htas sind im Zusammenhangs mit dem Konflikt zwischen- Rußland und China einige hun-dert jüNsche Emigranten, die sich in Charbin auf der Durchreise nach anderen Gebietenbefinden, in' eine sehr schwere und gefahrvolle Lage -geraten. Amerika. Antwort der rumänischen Regierung auf den Protest amerikanischer Juden gegen das Gemeindegeseh. New York, 30. Juli. Der Gesandtschaftsrat der rumänischüen Gesandtschaft in Washington, I. R o s e n t h a l, veröffentlichte ein Telegramm des Bukarester Auswärtigen Amtes als Antwort auf die Proteste der Union rumänischer Juden in Amerika und des Amerikanisch- Jüdischen Kongresses gegen das Unternehmen;ber rumänischen Regierung, den jüdischen. Gemeinden gegen ihren Willen ein Gesetz betreffend ihre Organisation aufzuzwingen. In dem Telegramm heißt es, das neue Gesetz bezwecke die Einrichtung eines Systems religiöser Freiheit, wie es in den Vereinigten Staaten schon besteht, das Gesetz verletze kein religiöses Recht der Juden, sondern es sichere allen jüdischen Kulten die Freiheit zu, sich ihre eigenen Gemeinden einzurichten; andererseits nehme es den Juden nicht die Möglichkeit, eine Einheitsgemeinde zu bilden. Dieses Gesetz sei von dem Verband der orthodoxen und spaniolischen' Gemeinden gefordert worden. In Bukarest hätten sich 16 Synagogen für das Gesetz ausgesprochen. In dem Telegramm wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die amerikanischen Juden sich nach dieser Erklärung beruhigen werden, daß aber die Regierung bereit sei, auf Wunsch noch weitere Informationen zu geben. Die Union rumänischer Juden in Amerika gab zu Ehren des bisherigen rumänischen Gesandten in den Vereinigten Staaten, George Gretziano, der zum Gesandten Rumäniens in Warschau ernannt wurde, ein Abschiedsbankett. Die Redner wiesen darauf hin, daß Gretziano sich mit großer Wärme für die Herstellung herzlicher Beziehungen und die Schaffung eines Bündnisses zwischen Rumänien und Juden eingesetzt hat. Palästina. Das Ende der Ritualmordlegende von Damaskus. Jerusalem, 30. Juli. Die Ritualmordlegende von Damaskus, die der Judenschaft dieser Stadt, des Schauplatzes der historischen Ritualmordunruhen von 1840, schwere Sorgen bereitet hat, hat nun schnell ihre Aufklärung gefunden. Der Jude Schalom Chattah, der unter der Beschuldigung des Ritualmordoerfuche-s an -efonem Mädchen verhaft,et worden war, ist nun freigelassen worden, dagegen wurden die beiden Frauen, die ihn des Ritualmords bezichtigten, zu je 14 Tagen Gefängnis und je 100 Syrische Pfund Geldstrafe verurteilt. Eine der beiden Frauen ist die Mutter jenes Mädchens, das angeblich Chattah in einem Sack forttragen wollte, um an ihm einen Ritualmord zu begehen. Der Reiseberichterstatter der Warschauer Tageszeitung „Rajer Hajnt", der soeben aus Damaskus in Jerusalem eingetrofsen ist, schilderte dem JTA-Vertreter die Einzelheiten der Affäre Chattah,m' folgender Weise: Chattah, Färber von Berus, überbrachte der Mutter des angeblich zum Ritualmord auserfehenen Mädchens" einen Sack mit Kleidern, die er von ihr zum Färben entgegeugenommeu hatte. Der Mutter gefiel die Arbeit nicht, und sie verweigerte die Zahlung der geforderten Betrages. Chattah bestand aber auf Zahlung, woraufhin die Frau zu rufen begann, Chattah si.ätts versucht, ihr fünfjähriges Töchterchen zu rauben -und in den Sack zu stecken. Sofort hatte sich der Pöbel Aer Umgebung' angesammelt, der über Chattah herfiel und ihn fürchterlich mißhandelte. Herbeigeeilte Polizei ließ die Angrseifer ungeschoren, verhaftete dagegen den erheblich verletzten Chattah. Sofort machten sich Agitatoren an die Arbeit, streiften durch die christlichen Stadtviertel und hetzten die Bevölkerung gegen die Juden auf. Eine Menge von mehr als 1000 Christen blockierte das Gefängnistor und forderte die Auslieferung Chattahs, um ihn öffentlich zu lynchen. Der jüdischen Bevölkerung von Damaskus hatte sich eine schwere Panik bemächtigt, man ioagte nicht, die von Christen bewohnten Stadtviertel zu betreten. Die Behörde veranstaltete eine öffentliche Verhandlung des Falles, die unzweideutig den bösen Willen der Mutter des Mädchens und einer ihrer Freundinnen ergab. Daraufhin wurden die beiden Frauen zu den erwähnten Strafen verurteilt, während Chattah sofort auf freien Fuß gesetzt wurde. Gegen 12 der Agitatoren, die versuchten, die Menge zu Gewalttaten gegen die Juden aufzuhetzen, wird noch gerichtlich vorgegangen werden. Der Geoß-Alufli von Jerusalem über die Rechte der Juden an der Klagemauer. Jerusalem, 7. August. Ineinem Gespräch mit dem Vertreter der JüNschen Te-ljLg>raph-e7i>-Agen'tu>r erklärte der Großmuftt von- Jeru- Mem, -der Aleichgivittg! Präsident des Obersten Rates der Moslemi-ten- Palastmas -ist, Aas Recht der Judenan der Klag-ema-ue-r beschränke sich d'arvluf, an dieser Stelle Gebete zu v-ervichten; Aas gesamte Territorium aber gehöre den Mosiiemiten-, Ne -im Besitze von Dokumenten sind, die -iHren Anspruch bekrästigen. Die geg-enwärti-g von den Moslemi-t-en ander Klagemaiuer vorg-enommenen BauarbÄten, fügte der Groß-Mufti Hi-Nzu, haben einzig! und allein den- Zweck, Aie Rechte Ae-r Moslemiten auf Ne Mauer zu unterstretchen!. Die Juden müssen! den- Status quo respektieren. Heber seine Meinung hinsichtlich der Gerüchte wegen der geplanten, B-lldung einer Arab Agency -in, Palästina, analog der Jewifh Agency, befragt, erklärte der Groß- Musti, die Araber -lehnen eine Arab Agency aus dem Grunde ab, weil sie glauben', -daß die Regierung -in ihrer Arbeit gehemmt werden würde, wenn sie -immer auf Ne Meinungen und Forderungen zweier auseinanderstrebende>r Körperschaften! Rücksicht nehmen müßte. (Bekannt-