Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 33 Dev 3 s x a> e $ I i 15. August 1929 unterworfenen Land'e Israel verläßt. Nein, t Mitteln eine größere Anzahl von Gesuchen ab gelehnt wesr-- wachsen und tausend Nöte überwinden wird sie den. Fast sämtlichen Teilnehmern konnten Reise- und dort, bis ein Beduine kommt und abermals ruft: {Aufenthaltszuschüsse bewilligt werden. Jude, Jude, schirr auf dein Gespann, spann an dein Rind! Der Erlöser der Juden ist geboren! K"22- Korrespondenzen Nachrichten. Deutsches Reich. Verfassungsfeier in den Berliner jüdischen Gemeinden. Berliin-, 13. August. Ueberall im Deutschen, Reiche hat die- Judenhsit die zehnte Wiederkehr dse> Tages, an dem sich das deutsche Volk durch seine repräsentierenden Geister in- Weimar eine republikanische Verfassung gab, gefeiert. Inden Go-i-tesd-ien-ste-n und in, besonderen, feierlichen, Veranstaltungen wurde das Gelöbnis der Treue zum Staate und zur Republik erneuert. Die offizielle Feier der Jüdischen, Gemeinde Berlin fand am Sonnabend in der Reuen, Synagoge in der Oranienburgerstrahe statt,. Die Reichs vegierung war durch Geheimrat Kunze vom R-eichsministevium des Innern, die Staatsbehörden, waren durch mehrere hohe Offiziere der Berliner Schutzpolizei vertreten,. Die Israelitische Synagogengemeinde „Adah Jisroel" zu Berlin veranstaltete -am Sonntag Vormittag in ihrer Hauptsynagoge eine große Versassungsfeier. Reben, 3^1 reichen GemeindemiiglH,eide,rn, waren die Schüler der Knaben- und MädchenschuLen der Adaß-Gemeind-e, geführt von ihren, Leihrerk-ollMie-n, oollzähliig erschienen. Bertreter der Reichs regie r ung waren anwesend. Nach Chorgesang hielt Rabbiner Dr. Q&va Munk die Festpredigt. Er ging aus von dem bevorstehenden- Trauertage des „Tisch'o b'Aw". Wenn wir an, ihn denken, so denken wir nicht nur an die vergangene Zerstörung,, sondern, vor allem an den künftigen Wiederaufbau, des Heiligtums. In der gleichen, Gesinnung' feiern wir die Verfassung-, die geborenist aus dem Leid des Weltkriegesaber aufbauen will „Frieden- und Gerechtigkeit", 'dienen will dem gesellschaftlichen Fortschritt, wie ihr Vorfrpuch kündet. Die Verfassung ermöglicht uns Juden, nach dem göttlichen Thoragrfetz zu -lieben und garantiert allen Weltanschauungen ihre Freiheit. Identifizierung von, Staat und Religiondarf heute keine Religionsgesellschaft in einem Staate verlang,en,, dessen Geschichte ja nicht wie unsere jüdische an Gott selbst ihre Entstehung, und Zielsetzung knüpfen könne. . Die Feier klang indem Gesang des 150. Pfalnres aus. Angarn. Skreis um die Jewish Agency in Ungarn. Budapest, 11. August. In der ungarischen Presse verösfentlichrn die Abgeordneten Sanbot und Desi eine geharnischte Kundgebung gegen die Jewish Agency und gegen das Bestreben, eine jüdische, nationale und kulturell^ Zentrale in Palästina zu schaffen. Eine Vertretung der ungarischen Judenheit in der Agency würde eine Preisgabe der mit Schweiß und Blut in Ungarn erworbenen jüdischen Rechte bedeuten. Auch der Präsident der Jsraelitischen Landeskanzlei, Hofrat Salomon Ehrenberg, stellt fest, daß das Ne o löge Judentum in Ungarn keine Vertreter nach Zürich geschickt hätte und zur Frage der Agency gar keine Stellung genommen hätte. Zuletzt nimmt auch die Orthodoxe Landeskanzlei Anlaß, zu erklären, daß von den orthodoxen Gemeinden kein einziger Delegierter zu der ungarischen Agencykonferenz entsandt wurde. Die ungarische Orthodoxie stehe nach wie vor ablehnend dem Zionismus, dem Mrsrachl, wie der Jewish Agency gegenüber. Die Woche. Berlin. Am Tage der Verfassung wurde im Reichstage ei,n>e Büste von- Hugo Preu ß, dem Schöpfer der Verfassung von, Weimar, ausgestM. Budapest. Am 22. AiMst beginnt m Budapest ein für ein-e -dreitägige Dauer berechneter Kongreß der im Ausl-aMe lebenden Ungarn. Großrv-bbiner Dr. Simon- He - . v e s i wurde als Mitglied in, das Große Komitee des Kongresses berufen-. Moskau. Die Sowjsdregitsrung hat den jüdischen Schriftsteller Schal-om A sch gew-issermaßien in den Bann getan. Seine Werke sind aus allen- Bibliothekenand Lesehallen entsend u-nd deren Lektüre ist bei Strafe verboten. — Aus den jüdischen- Kolonien in Rußland, in der Krim wie in Birio-Bidschan, wird über -eine recht gute Ernte berichtet. — Die jüdische Kolonie Z abo r oschk e in der Ukraine wurde von Ukrainernüberfallen. Die Häuser wurdenzerstört und deren Bewohner mißhandelt-. Es -handelt sich um M«itg,lieber von Pogromba-nden, die dort angesiedelt' wurd-en. Gtreng-e Untersuchung ist ei-Nge-leitet. Rewyork. In Milwaukee tst^Mktor L. Berger, -der Vorkämpfer des «Sozialismus in den- De-veinigteu Staaten, gestorben. Er wänderte 1876 aus Wien und Budapest in Ame-Ma ein undwürde Führer im öffentlichen politischen- Leben. Washington. Im Wer von 78 Jahren verstarb in Washington der berühmte jüdische Erfinder Emil Bert,i >n e -r. BeMner, der in Hannover geboren wurde -und in jungen Jahrennach Amerika kam, ist der Erfinder des- Mikrophons^ das -dem Telefon und dem- Radio den Weg bahnte. Roch im Jahre 1925 machte Berliner Erfindungen, die das Luftfahr wesen vervollkonnnnöten. Schwerz. Der Zionistenkongretz. Zürich, 9. August. Die enitschM-Lnds Sitzung! über den B e rfassungs-- e n-t murf d>er Jewish Ag»n-c y konnte erst Donnerstag Nachtbeginnen, nachdem ihr langwierige Verhandlungen der Fraktionen oorangegangen waren-. Auch im Plenum zeigte sich keine Geschlossenheit. Man stritt über den Modus einer eventuellen Auflösung. Ms-rachi wünschte neben Pflege der hebräischen! Kultur, erhöhte Pflege der relig-iö s en Kultur. Kaplansky plädierte für das Recht der Siedler. Weizmann suchte zu verm'it-te-ln, hält ab-er daran fest, daß zuerst eine neue Ex,ekutive aus der Basisder Koali-tio n gewählt werde. Alle-in bis 6 Uhr morgens konnte sich der Kongreß auf emo neue Exekutive nicht einigen. Ihre Bildungsoll Weizmann und Sokolow üb-erlassen werden-. Darauf wird die Zusammensetzung, der Jermf-H Agency bekannt gegeben: Deutschland stellt 7 Mitglieder, unter ihnen Rabb. Dr. Bäck, Berlin, Iustizrat Dr. Blau und Stadtrat Bruno Asch,, Frankfurt a. M., Rabb. Dr. Jsak Unna, Mannheim. Aus England kommen 6 Mitglieder, aus Frankreich 4. Palästina ist mit 6 Mi-Wiedern vertreten. Polen schickt 14 Mitglieder (als eines der nichtzivnisti-s-chen Mtglieder Oberrabbiner L-ipschitz, Kälifch). Die Schweiz ist mit Herrn Dreifus— Br-o d s ky vertreten. Es schicken außerdem Delegierte Rumänien, Tschechoslowakei, Bulgarien, Griechenland, Italien, Li,tauen, Ju-goflao-ien, Lettland und Finnland. Am größten ist die Zahl der nichtzioNistischen- Vertreter von- Amerika. An erster Stelle der -amerikanischen Liste stehen Lo-uitz Marsh a $ l und Felix M. W ä r b u r g. Kantoren-Aortbildungskursus. Berlin, 11. August. In Berlin fand im Verlauf des Monats Juli ein, Ranlorenfortbildungslursus statt, dem der Preußische Lan- VtWUCtt* desverband und auch die Berliner Gemeinde ihr Interesse I Der Pogrom IN Sstlbodfa UNö dkp Antisemitismus bezeugten. Kantoren und Lehrer aus verschiedenen Geder litauischen Polizei, meinden waren als Teilnehmer nach Berlin gekommen ' K-owno, 7. August, und verbrachten hier die Ferienzeit in ebenso anregender Der Pogrom -in Slabodka und- -in anderen Vorstädten wie auch anstrengender Fortbildungsarbeit. Der Lehr- Kownos am 1. und 2. August hat, wie schon berichtet, plan des Kursus enthielt eine Fülle von Unterrichtsstoff, auf -di» gesamt» jüdische Bevölkerung- Litauens erfchü-t oder durch Vorlesungen und praktische Uebungen den Teiltsvnd gewirkt. Es -ist -WgesteW worden, daß die G»hÄimnehmern vermittelt würde. Die Drei Kantoren der jüdi- Polizei mi-t Hilfe der „Schützenvovelne" und der faschistische Gnemeinde Davidsehn, Asch und Ahlbeck teilten sich in schen Organifaitron „Eiserner Wolf" die Pogrome orgader fachlichen Arbeit. Oberkantor Asch, dieser wertvolle und I ni-slerch hat. Di» Hilferufe der -derrorisreuten jüdischen- Beausgezeichnete Lehrer, der eine Stütze des Kursus feit 15 vöMeriung wi> die Behörden, waren fruchtlos; höhere Po- Jahren bildet, starb nach kurzer Krankheit während dev I l-izeibeamte erklärten, sie hätten Befehl-, den- Pogrom Kursusarbeit. Der Verlust, den die alljährlichen Kurse nicht zu stören. durch das Hinscheiden dieses trefflichen Kantors erlitten! Ministerpräsident Woldemaras hat einer jüdischen haben, ist sehr groß. Sein Unterricht übernahm Herr I Abordnung, die bei -chmvorgesprochenhatte, erklärt, daß Davidsohn. lerne strenge Untersuchung der Vorkommnisse idurchgeführt Ungemein interessant war die belehrende Tätigkeit werden würde. Bis heut» ist aber von -einer Untersuchung des bedeutenden Talmudkenners Rabbiner Dr. Freimann, nichts zu merken. Der 'gesamten- Presse des Landes ist der über die geschichtliche Entwicklung der gottesdienst- -es verboten worden, -über die Pogrome etwas zu ve-rlichen Bräuche reiches Material gab. Wie in den früheren öffentlichen. Ausländisch» Zeitung,e-w, dr» über die Po- Jahren, so verließen auch diesesmal die Teilnehmer den grome berichteten, wurden beschlagnahmt. Insgesamt Kursus voller Dankbarkeit für all das Gebotene, das wurden- 63 während der Pogrome verletzte Judenj, unter sich unleugbar im Beruf und Amt fördernd und anregend -rhrven -bekannte Bürger und- Zöglinge der Jeschilwah, auswirken wird. Leider mußten aus Mangel an Geldj gezählt. Zürich, 11. August. Dös Sch-luhsitzun-g nahm die ganze Nacht von Samstaig zu Sonntag in Anspruch. Gegen Morgen war en-Wch die Exekutko e zusammengesetzt. Präsident der Org-ani'sation ist Dr. W-eizma-nn, Präsident der Weltexekutive Rachum Sokolow. Die wettere- Exekutive setzt sich - zusammen -aus Zentrum, MsMchii und ArbeiterpartsiM. Es sind gewählt bezw. Wvedlsrge-wähit: S. Brodezkö, Fellix RofenbWth, Louis Lipski, Miß- Heurietta Szold, Cotoneil Kisch Dr. Arthur Ruppm, Rabbi Meie-r Berlin,, Lazarus Barth, Kaplans ky -und Josef Springsak. Die letztgenannten Vertreterdev Arbieiter-Parteien traten m Ae Exekutiv» ein-, nachdem Harry Sacher, den sie ablehn-te-n, Dr. Ruppi-n- Platz gemacht hatte. . Voneiner Detlungin -e-tn,e Londoner und Jerusalemer CxekuKve sah manab-. Die Revisionisten stimmtengegen Weizmann und diegesamte Exekutive. In das A. C. wu-rd-en 54 Mbglieder und 54 ErsatznÄtgNeder gewählt. Als Vi-retisten in ,das A. C. -und in, die Agency traten noch e'fim M. M. UWMn, Leon MoMn und Dr. Sch-emarj-ahu Lewin Das Budget beträgt ^Lstr. 750.000. Gegen 9 Uhr morgens ging der Kongreß Mt dem Absingen der „Hatökwah" zu Ende. Die Eröffnung des Councils der. Iewifh Agency. Zürich, 12. August. Das Zielt, demdi» -endlosen Kongrehverhandilungen zuströbten, wurde Mt der imposanten Eröffnung^ des Councils der I. A. am Sonntag -vornÄtag erreicht: Damit ist die erweiteru-n-g Agency zur Tatsache geworden.-und sie tritt, zur Hälfte von RtchWonisttzn bechiickt, in Wirksamkett. 2000 Menschen waren Zeugen dieses Aktes, von -dem man. Me Sokolow launig meinte, erst später wird sagen können, ob er historisch war. Dr. Weizmann leitete die fei,erliche Sitzung Mt einer Ansprache ein, dte Mlräisch begann, enMch! fortgesetzt wurde und in -deutscher Sprache ab schloß. Hauptaufgabe der ersten Tagung würde Ate Verfassung der erweiterten I. A. sein, deren Gesichtspunkte er im Großen erörtert. Rach Begrüßungen -durch den Mnister der Schweizerischen Eidgenossenschaft, einem Vertreter der Mandatssektion- -am VölklerbunÄe, des- Schweizerischlen JsrweWtischen- Gemein-dchündes u. a. m. sprechen nacheinander Herbert Samuel, Louis Marsh all, Mbert E-i!nstein, Lord Mel-chett, Leon, Blum, D'Avigdor Goldsmid, Oskar Wassermann, Felijx War-burg, Schalom Asch und Ussischkin. Alle haben sie gute Wünsche für die I. A. und knüpfen, jeder in seiner Weise, frohe Hossnungen -(tu diie- Zusammenwrbeit für Israel! -und Erez Israel.