Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-08-15 · Heft 33 (15.8.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 33 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450580--76219-2533784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15. August 1929 Der Israelit Nr. 33 Seite 3 Diese werden zwar die Steinwürfe der ara- Lrschen Rowdies nicht abwehren und die Verbauungsarb eiten der Moslims nicht hindern können, aber sie werden in Jerusalem und London Wache stehen, daß die heilige Gebetstätte dem jüdischen Volke Tag und Nacht offen bleibe. (Siehe die nach Redaktionsschluß emgegangene Korrespondenz aus Jerusalem.) Erlösungssehnsucht und Erez Iisroel-Arbeit. Von A. tz. Wir sind mit der Tendenz des nachfolgenden Aufsatzes ganz und gar nicht einverftanoen, weil er das Vorhanden-, sein der i?",irr aizp ima vollkommen ignoriert und subjektive Gedankengänge an die Stelle der klaren Halacha über p"ns 3i®’ ms» setzt — da aber der Verfasser interessant zu schreiben versteht und seine ehrliche Meinung in schöner Form vertritt, so glauben wir. seinen Ausführungen Raum geben zu müssen. In jenen finsteren Monaten, als das Geschick Jerusalems dem Ende zueilte, ging im heiligen Lande ein Jude auf seinem Acker hinter seinem Pfluge. Gerade zog ein Beduine einsam seines Wegs an jenem Acker entlang; da stieß der vor den Pflug des Juden gespannte Stier einen durchdringenden Schrei aus. Der Beduine rief: „Jude, Jude, spanne deinen Stier aus, schirre dein Gespann ab!" „Warum?" fragte der Jude. Die Antwort war: „Weil das Heiligtum der Juden zerstört worden ist". Der Jude fragte: „Woher weiht du das?" Darauf der Fremde: „Vom Schrei deines Stiers". Der Jude machte sich nun daran, sein Gespann ab zusch irren-, und während dieser Arbeit stieß sein Stier einen zweiten Schrei aus. Da rief der Beduine: „Jude, Jude, schirre dein Gespann ein, spanne deinen Stier an, denn der Erlöser der Juden ist geboren worden!" Auch jetzt fragte der Jude: „Woher weißt du das?" Der Fremde antwortete wieder: „Vom Schrei deines Stires". Der Jude fragte: „Wo ist der Erlöste geboren!?" Der Fremde antwortete: „Zu Bethlehem in Juda". Der Jude aber verkaufte sein Gespann und verkaufte seinen Stier und kaufte sich einen Ballen Wollkleidung. Mit diesem zog er, um ihn zu verkaufen, von Stadt zu Stadt und von Land zu Land, bis er nach Bethlehem in Juda kam. Dort kauften alle Frauen von ihm. Wollkleidung. Nur eine Frau kaufte nicht. Diese aber war die Mutter des neugebore- -■■■■■■MMBMWBaBaWMIIHUWaaPWBMW» Ein jüdischer Schriftsteller besucht die „Billige Küche für Intellektuelle"« in Tel Awiw. Der Kellner stellt ihm einen Teller hin. „So sauber scheint mirs hier nicht zu sein", tadelt der Besucher, „der Teller ist ja innen ganz feucht." „Irrtum, mein Herr", sagt der Kellner, „das ist die Suppe". In der Asfefath Haniwchorim kam es bekanntlich zu Schlägereien. Wer war schuld? „Kein anderer als Oberrabbiner Kuk" behauptete einer der Gesellschaft. „Wieso Kuk? Er war ja gar nicht dabei?" Er depeschierte an die Versammlung: 22'a' nüpiwi! („Es feien stark euere Hände! . . . .") „Was ist ein jüdisches Telefon?" „Wenn man mit einer Hand den Hörer hält und mit der anderen — spricht." (Der retigiöse Eid vor Gerichi). Zu diesem in der „Wochenrundschau" unserer letzten Nummer behandelten Gegenstand sind uns eine ganze Reihe von z. T., abweichenden Meinungsäußerungen von rabbinischer und juristischer Seite zugegangen. Wir werden ans diese Zuschriften und den Gegenstand selber demnächst zurückkommen. Mit Rücksicht aus die durch den asn -v beschränkte Arbeitsmöglichkeit der Druckerei erscheint die zu pnj naz? fällige „Liter. Warte" erst nächste Woche. nen Erlösers. Er fragte sie: „Warum kaufst du, nicht?" Sie antwortete: „Weil ich Schweres und Furchtbares dem Kinde bevorstehen sehe". Da bot er ihr einen geringeren Kaufpreis und lange Bezahlungsfrist und beredete sie, bis sie kaufte. Nach vielen Jahren kam er wieder in die gleiche Gegend und wollte einmal sehen, was aus dem in so bedeutungsvoller Stunde geboreüen Kinde geworden fei. Da kam er nach Bethlehem und fragte dessen Mutter. Sie antwortete: „Habe ich dir nicht gesagt, daß dem Kinde Schweres und Furchtbares bevorsteht? Bald nach jener Zeit kamen Winde und Stürme und trugen es fort." Unsere Weisen überliefern in Echa rabbati 1, 57 und im Jeruschalmi diese Erzählung, aus der wir ersehen, daß gleich dem Propheten Elia auch der Moschiach in eine uns unbekannte Himmelsferne kurz nach seiner am Tempelzerstörungstage erfolgten Geburt entrückt worden ist. Diese Ueberlieserüng ist viel zu wenig beachtet worden. Zwar ist diese geringe Beachtung verzeihlich und gewiß dadurch zu reklären, daß unsere Weisen das Geschick der anderen Religionen, in denen der Messiasglaube auf Kosten der Reinheit der Gottesvorstellung gehegt und gepflegt und in den Vordergrund gerückt worden ist, unserem Geistesleben ersparen wollten. Doch sollten wir in der heutigen Zeit, in der diese Gefahr geringer und durch die viel furchtbarere Gefahr völliger Herzenskälte und völligen Unglaubens verdrängt worden ist, diesen' Gedanken so oft und so laut als möglich verkünden, uns einprägen und stetig in uns wachhalten: Der Prophet Elia und der Mofchiach-König sind alle Beide lebende Menschen, Menschen, die Gott nach einem unbekannten Ziele entrückt hat und bis zu dem Tage unsterblich leben läßt, an welchem Ihm ihr Erscheinen und Wirken Wohlgefallen wird. Sogar der Name und Vatersname des Moschiach ist im erwähnten Midrasch und seiner Parallelstelle im Jeruschalmi benannt: Menachem, Sohn Chiskias. In jedem Geschlechte, lehrt die Peßikta und mit ihr der Paitan der Keduschath Müssest des Jomkippur, erschafft ihn der Allbarmherzige als ein neues Geschöpf, da die Sünden des Zeitalters ihn verzehrt haben. Vielfach hat der Gedanke, daß der Messias lebt und immer neu in Erscheinung tritt, in den Köpfen von überreizten Menschen Verwirrung angerichtet. Sie glaubten an öftere Wiedergeburt des Gesalbten und hielten sich für die Wiedergeborenen. Sie lebten, wie Molcho, Sabbatai Zwi und Fränk, in Zeiten großen Elends und großer Erlösungssehnsucht. Auf ihre Unfähigkeit zu solchen pfeudomessianischen Bewegungen sollte jedoch unsere Zeit nicht gar zu stolz sein. Denn dieses Ausbleiben falscher Erlöser ist durchaus nicht überall Folge geläuterter Gotteserkenntnis, sondern ebensosehr, vielleicht vorwiegend des ödesten Materialismus. Man hat die nationaljüdische Bewegung der Gegenwart schon oft mit den vorher genannten Erscheinungen unserer Geschichte vergleichen wollen. Es soll nicht verkannt werden, -daß frappante Vergleichspunkte vorliegen. Anlässe hier wie da die schlimmen Galuthzustände, der Idealismus Einzelner, die Kunst Anderer, diesen auszubeuten, der bald bewußte, bald unbewußte Gang ins Irre, die Lossagung von der Autorität des Gesetzes, ihre Abwehr als aufreibeide Lebensarbeit Großer und — die Fehlgriffe der Gegner der Bewegung. Molcho wurde verketzert und bandelte mit der römischen Kirche an, der Verdacht, an Sabbatai Zwi zu glauben, genügte, um die Erhabensten zu beschimpfen; der Kamps gegen den Zionismus blendet den Blick der Orthodoxen so sehr, daß sie gegen ihn auch den als Kampfgenossen willkommen heißen, der Gesetz und Nation des Judentums leugnet. Nicht umsonst aber haben Misere Weisen die Erzählung von der Geburt des Moschiach mit einem Berichte verknüpft, der uns das Geschick des jüdischen Volkes deutlich typisch-symbolisch erklärt. Alle Versuche, seit der Temp^lzerstörung Erez Jisroel wieder zum Lande zu machen, das von Milch und Honig fließt, sind gescheitert. Erez Jisrael ist das Erez Zwi, das Land der Hirschhaut, die nur den lebenden Hirsch umhüllen kann und -nach seinem Tode nicht einmal einen Bruchteil seines Körpers faßt. Gescheitert sind auch alle Versuche, uns anderwärts landsässtg zu machen. Dies deshalb, weil im Augenblick der Tempelzerstörung der Jude sein Rind ausgespannt, fein Gespann ausgeschirrt hat und weil auch die Sehnsucht nach dem Moschiach, der im gleichen Augenblick geboren wurde, ihn nicht zum Wiederanschirren! seines Gesanns und Wiederanspannen seines Rindes zu bewegen vermochte; nein, Wandern und Handeln ist seither unser Geschick, und selbst dem Geburtshaufe des Moschiach naht der Jude als — Händler. Wenn der Tisch Gottes nicht mehr gedeckt ist, des Vaters Heim verödet, -dann hat auch seines Gesetzes Befolger keine Stätte mehr auf Erden-. „Du," läßt die .tVk nn'nr, den Allgütigen zu Israel sprechen, „du bist edler als ich, denn seit du mein Haus verlassen, bin ich in meine Höhen heimgekehrt; du aber bist nirgends mehr zuhause und bist in kein Heim getreten." Wenn nicht mehr die ganze Schöpfung in ihren edelsten Gaben! zum Schöpfer in Seinem Hause dankbar zu erheben uns vergönnt ist, dann lebt in uns auch keine Kraft, dem Boden Israels oder -irgendwelchem Boden Segen durch Anbau abzugewinnen. Andere Völker mügen ihres Unterhalts oder ihres Ansehens wegen die K.raft finden und immer erneuern; in uns ist sie erloschen, wenn sie nicht dem Boden Segen entlocken soll, der Gottes Heiligtum umgibt. „Wenn nicht des Vaters Mahl alltäglich mehr gedeckt ist, wie muß der Kinder Leib darben! Der Herr des Hauses gleich einem Gast in der Herberge, — wo, wo sollen w i r Ruhe finden!?", klagt die Aboda. Vermessene sind wir, wollen wir also, wenn wir das bedenken, es unternehmen, unseren Pflug einzuspannen und im Lande der Väter oder gar in der Fremde wieder landsässtg zu werden. Nicht die es am nötigsten haben, nicht die Getreuen des Gottesgesetzes, denen der Kampf Aller gegen den Sabbat alle Berufe verleidet und raubt, würden davon den Nutzen haben. Nur solchen, die ganz aus fremder Quelle ihren Lebenswillen und ihre Lebenskraft beziehen, kann dieses Beginnen Erfolg bringen, ihnen und einem kleinen, machtlosen Häufchen Gesetzestreuer, das neben ihnen sein Plätzchen sucht. Wandern und Handel bis vors Haus des neugeborenen Erlösers ist das Einzige, wozu uns nicht die Kraft fehlt. — Oder spüren wir dennoch in uns Kraft zu etwas Altem und Ewig-Neuem, zu einer schöpferischen Berufsumschichtung und Siedlung eigenster, thoratreuer Art? Ahnen wir noch etwas vom Sinne des Ausspruchs, daß die Bewohner Babels -- lebten-für das Sechuth der Thora? Lebenskraft und Lebenswillenfanden, um wenn nickt Ihm, dem Vater, so ihr, Seiner Lehre die Stätte auf Erden zu bereiten? Vermessene sind wir, wenn wir heimstürmen naina wie mit einem Krregszeltlager gegen Erez Israel; unsere Aufgabe kann es nicht sein, gewaltsam. Himmel und Erde zu einen, gewaltsam den irdischen Segen dem Boden Israels zu entlocken und Gottvorerst nicht opfern zu können. Von Land zu Land und von Stadt zu Stadt führt unser Weg vors Haus der Gesalbten.' Und wenn der Zug des Zeitalters uns auf eine Scholle zwängt, so sei es nicht der Boden, den Gott Fremden, „Aeußeren", Andersdenkenden aus Israel und den Völkern zur Bewahrung gegeben, damit wir nie vergessen, daß wir zu Ihm noch nicht nV ^22 tf/an heimgekehrt sind. Cs ist vielmehr unerläßliche Pflicht und Schuldigkeit unserer. Volkswirte und Volksführer, uns ein Land zu ermitteln und es besiedeln zu lehren, das derThora allein dienen soll und worin jeder Schritt am Pflug undjedes W e r f e n e i n e s S a a tkorns im Dienste der Thora und ihrer Erfüllung steht. Wir fürchten nicht, daß dort, sei es in, sei es nahe oder fern von Erez Jisroel, — sei es im Zweiströmelande, das anderthalb Jahrtausende Thoraheimat war, — uns die Sehnsucht nach dem wahren, jetzt der Lüge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.