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Der Israelit · 1929-08-15 · Heft 33 (15.8.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 33 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 33 Der Israelit 15. August 1929 wickelt, daß man selbst angesichts der höchsten Gefahren auf unbedingte Einheit im Innern rechnen könnte. Vielleicht ist es kein Zufall, baß es g-erckde der Schöpfer der modernen Relativitätstheorie ist, der das Wort von der Neugründung einer Nation! -gesprochen hat. Die neue Nation der „Jöwish Agency" ist wie alles geschichtlich Bedingte und Gewordene der Relativität der Erscheinungswelt preisgegeben, sie wird blühen und welken je nach den kausalen Faktoren, die ihr Schicksal bestimmen. Ihr stellt die jüdische Ueberkieferung die Absolutheit ihres Wahrheitsanspruchs und die Absolutheit ihrer übersinnlichen Existenz entgegen, und wenn im Strome des geschichtlichen Geschehens alles fest Scheinende versinkt, die Wahrheit von gestern zur Torheit von heute wird, so wollenwir um so fester und zuversichtlicher an dem Ewigkeitsbewußtsein festhalten, das wir aus jedem Worte unserer Thora schöpfen, wenn wir uns demütig und wahrheitsdurstig in sie vertiefen. Aus diesem Quell allein strömt uns ewige Erneuerung. Wochenrundschau. Von Bafel nach Zürich. Der Züricher Zionistenkongreß ist am Sonntag mit der K o n st i t u i e r u n g d e r I e w i s h Agency zu Ende gegangen. Er hätte gleich damit beginnen können' denn alles drehte sich auf diesem Kongreß, dessen Massenaufgebot an Menschen und Verhandlungstagen! in gar keinem Verhältnis zu der Mannigfaltigkeit seiner Traktanden stand, um die Frage der „ ErWeiterung",^.^. um den Einfluß der Nichtzionisten auf die künftige zionistische Politik. Und diese Frage war entschieden, bevor noch das Züricher Stadttheater feine Hallen geöffnet hatte, als nach den Wahlen sich herausstellte, daß die „Allgemeinen" den überaus größten Teil der Parkettsitze beherrschen werden. Was wir über den Grundkern dieses Kongresses, die Zusammensetzung der Jewish Agency, zu sagen haben, ist an leitender Stelle dieser Nummer gesagt. Was sonst noch in den zehn Verhandlungstagem geschah, war nur Ausläufer und Ausstrahlung des Agencygedankns. Selbst- Doppeltes Weh, doppelter Trost. Doppelt war Israels Sünde nsvn rrvn, doppelt seine Strafe n^sa n t» nnp^ so wird auch doppelt der göttliche Trost sein: Die zwiefache Sünde mag wohl darin bestanden haben, daß die Generation der Zerstörung gegen Gott und gegen Menschen gleich pflichtvergessen war, in gleichem Maße die ms p2 mim wie ms p? übertreten hatte. Auf doppelte Sünde folgte doppelte Sttafe, und zwar m» *ma ms. Israel erhielt Sttafe aus der Hand Gottes, aber auch rnw mnona durch Menschenhand.?d’tti3*5 }>snp’i 2,7!" no’»n> jm m nmv» ist die direkte Sttafe aus der Hand Gottes, zudem kamen noch die mnia. die Bestien in Menschengestalt. Warum die doppelte Heimsuchung? Antwort: •\b usm ii 'i s^n, erste Sttafe kommt von Ihm, weil wir gegen Ihn gesündigt. vdtd ras kVi, die Feinde waren auf Israel gehetzt, weil sie nicht in Seinen Wegen wandeln wollten, d. h. Nicht gleich Ihm Siebe und Erbarmen für ihre Mitmenschen hatten. Aber doppelt wird am Ende auch der Trost bemessen sein, entsprechend der doppelten Rückkehr und Heilung. Doppelt wird Zion erbaut, befestigt nach außen und als Träger des Heiles. Doppelt: für Israel und die Menschheit:i»na mm J ’ 72 y vrständkich verzichtete die Opposition, obwohl sie ihr Spiel von vornherein verloren gab, nicht auf die Rhetorik. Auf linksradikaler Seite steigerte sich zuweilen die Opposition bis zur Obstruktion. Jabotinsky spielte wieder einmal den wilden Mann und hatte den Beifall der Galerie. Leichter hatte es der Kongreß, wie immer, mit der rechts radikalen Opposition. M i s r a ch i machte Vorbehalte und stellte Bedingungen. Das tat er auch sonst. Dieses Mal geschah es bei ihm, wie bei allen anderen Gruppen und Fraktionen,! unter dem Gesichtspunkte der Agency. Man gab ihnen gute Worte und wurde einig. In der Debatte hoben sich aus der endlosen Fülle von Flachheiten und' Plattheiten ein paar gedankenschwere Worte Martin B u b e r s ab, die, wären sie so gemeint, wie man sie a u s l e g en könnte, über den Zionismus hinaus ins Zentrum des jüdischen! Denkens und Handelns treten könnten. „Es gibt drei Grundanschauungen von der jüdischen Nation: Eine, die sagt, Israel sei weniger als eine Nation. Eine zweite, die Israel an die Seite der modernen Nationen stellt. Und schließlich eine dritte, die auch die Ansicht Bubers ist, die uns Israel über d e n N a t v on! e n zeigt." Das ist es ja, was wir seit Jahr und Tag sagen und womit wir unsere ablehnende Stellung zum modernen Zionismus begründen: daß er nicht Israel über die Nationen stellt, sondern D'i:o 'Mi lehrt. Wäre die zionistische Ideologie von dem Gedanken der Auserwähltheit Israels, mit prophetischer Mission führend an der Spitze der Völker zu marschieren-, befruchtet, würde Buber, der erfolgreiche Vermittler des biblischen Wortes und Gedankens, die übernationale Aufgabe Israels fo verstehen, wie er sie von den Propheten gelernt haben müßte, und rückten dann diese Worte, so verstanden!, als Programmpunkte ins Zentrum des zionistischen Denkens und Geschehens, wir hätten kaum noch einen Grund, im Zionismus eine gegensätzliche Auffassung der jüdischen Nation, ihrer Welthoffnung und Weltausgabe zu sehen und zu bekämpfen. Allem, Buber selbst läßt in der Folge seiner Rede keinen Zweifel darüber, wie er das meint, und die Kulturzionjisten um ihn herum reklamieren ihn und feine Worte für sich. Nicht von Zion geht für sie die Thora aus, sondern vom Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile; Phenac., Phenyldimethylp., |f f nn Acetylsai., Coff.ITI. I.4.U in allen Apotheken Heien Skopusberge. Im falschen Lichte der zionistischen Kulturanschauung,- deren fanatische Vertreter auf dem Wege von Basel nach Zürich wenig hinzugelernt haben, erhalten die schönen Buberfchen Worte ihre e r h ö h t e G e f a h r. Gebekstunden an der Westmauer? Daß sich seit dem Skandal an der Westmauer am letzten! Jom-Kippur die Dinge gebessert hätten, kann man leider nicht behaupten. Die läuten Proteste und Demonstrationen sind nicht verhallt, aber sie haben das G e g e n t e i l bewirkt: Die Araber bauen an der Gebetstelle immer weiter, die Juden protestieren, die Regierung prüft, schickt Berichte nach London, und die Moslemitemi bauen weiter. Inzwischen mehren sich die Ueberfälle und Steinwürfe auf betende Juden in einem Maße, daß man davon, wie von unvermeidlichen täglichen Erscheinungen, gar nicht mehr spricht. Nun hören wir aus palästinensischen Zeitungen, daß von zionistischer Seite in London Schritte dahin getan wurden, an gewissen Stunden des Tages ein störungsloses Beten der Juden an der heiligen Mauer zu garantieren. Dagegen! wehrt sich die Orthodoxie in Palästina mit Recht. ' Nicht eine organisierte Orthodoxie, alle Juden des alten Jrschuw undalle frommen Pilger aus der Gola würden eine Rationierung der jüdischen Gebete an der Klagemauer undihre Bindung an bestimmte Tagesstunden als einen Schlag ins Gesicht des Judentums, der jüdischen Tradition und des jüdischen altgeh eiligten, Rechtes empfinden. Wir sprachen es schon seinerzeit gleich nach dem Jom-Kippur-Skandal an der Klagemauer in unserem Blatte aus: Man mache aus der Sache keine nationale Affäre. Hier hätten die N ä ch st b e t e i l i g t e n zu reden, zu proetstieren und intervenieren: diejenigen, denen die heilige Mauer die alte Mutter ist, bei der sie ihr Herz ausweMen. Hätte man Me ganze Aktion den r e l r g i ö f e n Instanzen überlassen, diese hätten es nie und nimmer fertig gebracht, von „Gebetstunden" nur zu sprechen, wo doch die alten Quadern seit Jharhunderten da stehen, um zu jeder Stunde des Tages und der Nacht die jüdische Tränie aufzunehmen. Die Bescheidenheit der Männer in diesem Belange, da wo sie in nationalen Dingen mit einem Maximalprogramm hervortreten, sollte endlich alle religiösen Kreise darüber belehren, daß in Sachen der Klägemauer die Rel t g i o n und nur die Religion und ihre berufenen Vertreter zuständig sind. Uleines Feuilleton. Palästinensischer Witz. Ein^ Chaluz aus Jerusalem teilt seinem Freunde in Tel-Aviv mit, daß er sich mit einem Mädchen verlobt hätte, das in steter Verbindung mit den achtbarsten Familien der Stadt, ja sogar mit Regierungstteisen steht. „Wie kommst du zu solcher Ehre?" fragte der Freund. „Meine Braut ist Beamtin an der Telefonzentrale von Jerusalem", lautet die Aufklärung. Welche Sttafe ttifft die Türken, die in Mißachtung des neuen Gesetzes ihre Nebenfrauen behalten? Es wird ihnen auferlegt, die Frauen wegzuschicken und sämtliche Schwiegermütter zu behalten. * 9 » Ins Missionshaus tritt ein Jude, der erfahren hatte, daß jeder, der hier die Taufe annimmt, ein türkisches Pfund, gewissermaßen als Handgeld, erhält. Der Missionär nimmt ihn freundlich auf, sagt aber, er müsse sich noch eine Zettlang gedulden, etwa einen Monat, bis die Vorbereittmgen getroffen und die Formalitäten erledigt sind. „Der Eifer ist zu loben.'' UnstillbaresHeilessehnsucht. Aber stüher gehts nicht," bedauert der Missionär. „Schade", sagt der Jude, „Pessach steht vor der Türe und ich brauche das Geld dringend für Mazzoth". Ein Ehaluz wanderte von Palästina nach Brasilien, um jdort sein Glück zu machen, und kam nach einem Jahre nach Palästina zurück, mit leeren Händen, aber einem, vollen Munde. Er liebte es aufzuschneiden und mit seinen Heldentaten in den brasilianischen Urwäldern zu prahlen. 500 Gorillas hätte er in einem Jahr getötet. „Wie hast du das nur angefangen?" stagten die Freunde. „Einfach und gefahrlos. Ich ging mit dem ungeladenen Revolver in den Wald, tat so, als würde ich auf mich selber schießen, lud dann die Waffe und legte sie hin. Schwups kam der Affe, griff in seiner Nachahmungssucht nach dem Revolver und erschoß sich. — ,—" Als Palästina in den Krieg hineingezerrt wurde,, standen zwei jüdische Zwillingsbrüöer vor der Aushebungskommission, die sich zum Verwechseln ähnlich sahen, besonders wie sie entkleidet dastanden. Der eine kam jetzt als untauglich heraus, der andere sollte ins Untersuchungszimmer hinein. „Du kannst mir helfen", sagte dieser zu dem Befreiten. „Du gehst noch einmal auf meinen Namen hinein und machst auch mich stei". Der gute Bruder tat so. Nach wenigen Minuten kam er aber wieder heraus: „Ich gratuliere, lieber Bruder,, man hat dich für tauglich befunden . ." Zwei jemenitische Jungen standen vor dem Richter wegen einer wüsten Rauferei. „Warum hast du deinen Freund geschlagen?" fuhr der Richter den Angreifer aü. „Hast du nicht in der Schule gelernt, daß man den Nächsten so lieben soll/wie sich selber?» „Schon", erwiderte der Beschuldigte, „aber als Moses diesen Satz lehrte, war dieser Lump da noch^ gar nicht auf der Welt ..." * *

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