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Der Israelit · 1929-08-15 · Heft 33 (15.8.1929) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 33 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. 2TI., den Der Israeli «f)| EinCentralorgan für das orthodoxe Judentum [[I III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. \\| Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatttch: Ausland: Btertelltschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber« Hing 8^-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli , Belga 5; Holland 8 fl.; Italien ab 1.1.88.18 Lire; Jugo» j Rumänien ab 1. 7. 37. ISO Lei;PoIen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs öder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slomakei 38 Kroueu; Nnsar« Pengö 5 ab 1.Juli 1837; Dänemark 8.80 Krön.; Norwegen 8.80 «ron.; Schwede» 8.60 Krön. Einzelnummer vierzig Toldpseunige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserat« 60 Toldvf. für die stebengespalteu« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle« bei Stellengesuchev und Famtliekanzetge» nur 40Pf. Die 75 mm breite Rettarnezeile: letzte Textsette 3.— Mk.. vorletzte Textseite 8.50 Mk.; ' ' " tos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende» Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Ät., Rechnetgrabenftratze 7, Tel. Hansa 8848 ev. des Sn-und Auslands. Alleinige Jnserateuan«. surFrankf. angestr. 7, ll, Tel. Hansa 4841. Platzvorphr. ohneBerbindlichk. sow. durch sämtl. Annoncen-ELll Geschäftsanz.: Sul. Schmidt, Ll Uschöm Nr. 190767. — Postscheckamt Zür^flr.Evill 7&1 — Jnkässo-Bänk Rotterdam^ Bukarest - Flliale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für Die neue llakon. „ . . .. daß hier ©imte Nadivui gegründet wird". (Prof. Einstoiln li. Beriichlt der „Frankfurter Zeitung".) Die konstituierende Sitzung der erweiterten „Jewish Agency", die am Sonntag in der glänzenden Inszenierung zionistischer Veranstaltung gen im Anschluß cm den Kongreß in Zürich stattfand, hat jüdische Staatsmänner und- Finanzleute, Männer d>es Geistes und der Kunst, darunter auch zwei Rabbiner, auf die Tribüne gerufen!, um tot wechselnden Wortformen die Größe der historischen Stunde zu verkünden. Me es scheint, hat aber niemand in so deutlicher Sprache das gekennzeichnet, worum es sich im Grunde handelt, wie die zweifellos bedeutendste Intelligenz in der Reihe der Redner, Professor Albert Einstein. Es fei, fo sagte er, die eigentliche Größe des Tages der erweiterten Agency, daß „ hier eine Nation gegründet wird". Dieses Wort eines klaren Kopfes spiegelt die ganze Berhängmsfchwere des Augenblicks wider, es rechtfertigt die quälende Sorge, mit der die geistig höchststehenden Führer des geschichtlichen Judentums von Anfang an das Großwerden der Zionistischen Bewegung trotz ihres unverkennbar providentiellenl und nach einer gewissen Richtung segensvtichen Charakters, verfolgt, und mit der ste bis auf den heutigen Tag in der Ideologie des Zionismus, der mit der Ideologie der Agenoy identisch ist, das gefährlichste Gift für den Organismus der jüdischen Gesa mth ei t erblickt hab e n. „Eine N a t i o n w i r d b e g r ü n d e t Durch die Jahrtausende hindurch, bis zum Beginn« der Emanzipation, lebte in dem Bewußtsein der jüdischen! Individuen kein anderes Bild von Wesen und Charakter der jüdischen Nation wie dasjenige, das uns aus der im Gottesworte niedergelegten beispiellosen: Urgeschichte dieser Ration, aus dem Höhepunkt ihres geschichtlichen Erlebens vor dem stammenden Sinai und aus jedem Blatt des Fünfbuches, der Propheten, des Talmuds entgegenleuchtet. Nicht dadurch unterschied sich das jüdische Volkstum von demjenigen anderer Nationen, nicht dadurch ward Israel zum erwählten Volke zur Vdd nViaO' daß auch bei ihm wie überall den Beziehungen zum Göttlichen, der „Religion", ein stiller Winkel des Herzens und des Lebens gegönnt und zur Abrundung des Weltbildes einige mehr oder minder sreischwebende religiöse Idem benutzt wurden, sondern es war die ausschließliche Unterordnung des ganzen nationalen Lebens unter die Herrschaft des Gottes wtllens, das v'vw hiv n^np' wie es bis zum heutigen Tage der schlichteste jüdische Mann als Inbegriff der nationalen Ausgabe des Judentums erfaßt, was uns zur jüdischen Nation gemacht hat. Diese jüdische Nation aber, sie ist für den Zionismus, ist für die Weizmann und Sokolow, für Einstein und Marshall, für Melchett und Blum, für Samuel und Asch—g e - st o r b 'e n. Diese Männer, so sehr in ihrem Herzen, in ihrem Blute die unbewußte Verbundenheit mit den Ahnen wohnen mag, deren Seelen am Sinai gestanden, haben sich widerstandslos dem Strome des modernen Kulturbewußtseins ergeben, und i h r Geist ist es, der, so wie früher den Zionismus, j e tz t d i e A g e n c y geschaffen hat. „ E i n e Nation w i r d begründe t" , jawohl: aber eine Nation, die das V a n d d e r Geschichte zerrissen hat, die sich von zwei herbeigeholten Rabbinern unverbindliche Einweihungsreden halten läßt, die auch Gelder für „religiöse Bedürfnisse" übrig hat, die aber die Anerkennung der einzigen großen historischen Aufgabe des jüdischen Volkes, Träger der o w rvo^ö' der Gottesherrschaft zu sein, bewußt ab lehnt. Ihr ist das Gottesgefetz die Angelegenheit einer Fraktion, die Privatsache einiger romantisch veranlagter oder im Ghetto zurückgebliebener Individuen, die man auf dem Wege von Verhandlungen mit diesem oder jenem Geldbetrag abspeist, deren Prinzipien aber nicht die Prinzipien der neuen jüdischen Nation sein können. Je größeren Respekt wir den einzelnen Menschen, die an dem Aufbau der Agency teilhaben, entgegenbringm und je mehr wir es für möglich erachten, daß auch die Weizmann und Sokolow, die Einstein und Marshall unbewußte und' willenlose Werkzeuge einer höheren Führung sind, desto höher gilt uns die Pflicht, dieser neuen jüdischen Nation um unsrer gemeinsamen jüdischen Zukunft willen den lauten Protest der a f t e n K ne s ses I rs r o el, den Protest des Volkes der Thora entgegenzuhalten. Es ist die furchtbarste Fälschung d e r Geschichte, es ist das größte Verbrechen an der religiösen Zukunft der Mensch.- heit, wenn die Nation, die in der Agency ihr Spiegelbild und ihr Organ erblickt, als die alte jüdische Nation vom Sinai her angesprochen wird. Was soll angesichts dieser fundamentalen Tatsache das Feilschen darüber, ob die Agency, wie es der M'israchi glücklich durchgesetzt hat, für die Rabbiner, die Schochtim und die Mikwoaus in Erez Jisrool ein Mar taufend' Pfund übrig hat? Welchen Zweck haben Rabbiner, Schochkim und Mikwoaus, wenn im Bewußtsein der Heranwachsenden Jugend der Grundbegriff der jüdischen Nation verfälscht und der Glaube erweckt wird, als dürfe diese jüdische Nation dem Meinen und Wähnen ihrer einzelnen Glieder mit neutraler Freigebigkeit gegenüberstehn. Diese Freigebigkeit nach rechts, auch wenn sie mehr als ein Bettelbrot, auch wenn sie volle Autonomie gewährte, könnte kein Aequivalent sein dafür, daß gleichzeitig nach links mit dem amerikanischen Golde die systematische Entjudunig der palästinensischen Jugend sorgsam gehegt und gepflegt wird. Wollte der „Mrsrachi" etwas Wesenhaftes im Dienste der Thora vollbringen, so hätte er nach unserer Ueberzeugung den e n t g e g e n g esetzten Weg gehen, er hätte dahin wirken müssen, daß die Agency jeder idealen Würde, jedes religiösen Anhauches entkleidet und in ein rein weltliches Instrument wirtschaftlicher und politischer Zwecke gewandelt werde. Die Verbrämung der unheiligen Agency mit dem erborgten Heiligenschein, einer „Einheitsgemeinde", die Aufrichtung der neuen jüdischen Nation von E i n st e r n, s Gnaden, verrammelt, so fürchten wir, jede Aussicht auf die Möglichkeit einer Verständigung der ihrer geschichtlichen Aufgabe bewußten Orthodoxie mit diesem neuen pseudonationalen und pseudoreligiösen Gebilde. Mit Recht hat in diesen Tagen einer der Führer der Aguda in einem Interview den Gedanken geäußert, daß dieser Agency von Einsteins Gnaden durch die Kenessio Gedaulo die „ Thora - Agency " , mit andern Worten ein Instrument der Rückg ewinnun g des jüdischen Volkes für den Gedanken der Thora Herrschaft entgegengestellt werden müsse. Ob das gelingt, kann! niemand wissen. Leider ist innerhalb der Orthodoxie selber, das Bewußtsein der inneren Zusammengehörigkeit, das Bewußtsein des Aufemanderangewiesenseins und der unbedingten Solidarität aller Thoratreuen nach außen, noch nicht so sehr ent-

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