Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1929)
- Date
- 1929-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israe l i t Nr. 32. Seite 5 '8. August 1929 _ wird. In der Hauptaussprache, in der, wie -b-eMts- Mmeldet, Rabbi, Meier Berlin den. Mlsrachi vertrat, brachte dieser die Angolegen-Heit der Klagemaue r zur Sprache, die durch die Musste Entscheidung der engKschen Regierung zu Gunsten der arabischen Bsstrebungen erneute Bedeutung erhMen ha». Nach Meir Berlin sprachen Die Führer der Hibachdnth- und der Poale Zion, A rlosoroff und Kap l a n s k k. Namens der ameri^- kanifchen Zionisten -ergriff in Her Dienstag Bormibtag-- "Sitzung A. Goldberg das Wort. Unter allgemein-er -Spannungbetrat Ia botinsky die Kongveßtribüne. Zn Der ihm eigenen -Mdrucksv ollen Beredsamkeit übte Jabotinsky scharfe Kritik -an der -gegenwärtigen Lage. Aus der ganzen Linie verieugm-ien, so meinte er, die englische Negierung! und die palästin,ensische Verwaltung die besonderen Verpflichtungen /die sie gegenüber den Judendurch das Mandat übernommen haben. Gegenüber dieser Tendenz -betreibe die zionistische Leitung eine unwürdige Povitk des Vertufchens und des Gich-Duckens. In der Leitung seien Männer, -die gar keime Zionisten sind. Die Agency bedeute nur eine'Verbeugung von dem amerikanischen Ge-lde. Nach der Jabotin-skyschen Rede fanden Me übrigen Diskussionsreden kein großes Jnt-erete mehr. Die Polemik gegen JäbotlNSky übernahm namens der Leitung Kurt Bl-umenfeld. Man könne Jab-oilinsky als Redner schützen, -als Politiker fei -er nicht ernst zu nehmen. , : i In der Nachtsitzung brachte Usf-ifchtin weniger scharf, aber nicht minder -energisch als Jab-otin-sky die Klagen des Jifchuw vor. Dann -ergriff Wetzmann das Wort zu einer dritten großen Rede, -in- Der er mit Den allgemein bekannten -aber aus -tiefster Seele kommenden Argumen-ten die ve-rmi-ttelnde Haltung der zionistischen- Exekutive in allenpo-littWen Streisfragen verteidigte. Hinsichtlich -Rußlands erklärte Weizmann, daß jede Aktion aussichtslos sei. Man könne Resolutionen -fassen, um sein Gewissen zu -befviedigsn, aber dis russische Regierung . mache sich aus der Mein-ung Der zivi-lisierten Welt nicht Das Geringste. Das einzige Heilmittel sei, so viel Menschen als möglich aus Rußland h>erauszub>ringen. Weizrnann erblickt in der Agency ein mächliges Instrument, Das „-die -Zionisten mit ihrem Geiste beleben werden". Cr schloß: „Werden-. Sie sich zu dem gebotenen Niveau erheben, dann wird -aus der Agency -eine Kneselh Israel werden. Werden- Siees nicht tun, dann werde ich Sie anklagen vor der jüdischen Geschichte und vor dem jüdischen Gott, daß -eine große Zeit eine kleine Generation gefunden hat." .... . Bon weiteren Rednern ausder Hauptaussprache sind .zu nennen: Sejmdeputi-ertier G y ün ba u m aus Warschau, Obevrabbiner Dr. Landau, Johannesburg!, Redakteur Fisch mann, und -der ehemalige litauische Minister Soloweitsch'kk. Den Höhepunkt Der Donnerstag VormMag-Sitzung bildete die Rede Martin, Du - b e r s, der u. a. -so-lgen-de-s ausführte-: Wo steht Ihr? Es gibt Drei Grundanschauungvn von. Der jüdischen Nation-: erstens Die.-der sogenannten! Nichtzionisten, M sagen, Israel ist nicht- -eine Nation im modernen vAker-rechtlichen Sinne;' zweitens Die- Auffassung Derjenigen, die Israelfür iden'ti-sch Mit einer modernen Na-tion erklären: -drittens die Anschauungen derer, die, wie ich selbst, sagen-: Israel ist mehr.- als eine Nation: Zionismus bedeutet, etwas arideres als jüdischer Nationalismus. Zion! ist kein Gattungsbegriff wie NaMon oder Staat, sondern.-ein Name' für etwas! einzigartiges-, das. -an einem bestimmte. Orte des Planeten , werden! soll. Für Israel ist Selbstbehauptung zu wenig-. Diese Selbstbehcmptung muß mit der Hingabe an eine überselbstische Sache ver-knüpfi sein. Der sacro egoismo darf für den Zionisten nicht gelten. Wenn wir nicht mehr als das Leben wallen, gewinnen wir -auch das Leben nicht. Es dämmert heute ein Nationalismus auf, für den- -die Nation nicht! Ziel, sondern Voraussetzung! ist. Der wahre Zionismus soll das Pionije.-rtu-m Dieses neuen. Nationalismus sein!. Keine Sicherung ist -so real wie die geistige Macht, Die neiu!e Fvrm-en des Völkerlebens schafft .und einen neuen Bund zwischen Orient und Okzident zu bereiten strebt. Max Weber -hat einmal -zu mir gesagt: Wenn Ihr einen kleinen Staat, neben den anderenkleinen Staatenerrichtet,, wird -er an-Der Peripherie der Geschichte stehen und , mit -den anderenkleinen Sitaatengefchichtlich -belanglos ble>bben. Wenn Ihr -aber eine ge-istigo Macht' aufrlchtch, dann werdet Ihr im Kerne der Geschichte stehen und dauern: Martin Buber wandte sich nun der Araberfrage zu und führte aus: Hüten wir UM, das Fremde als das Niedrigere anzufeh-en. Es ist -erschreckend, wie wenigdie- Zionisten in Palästina Das arabische Leben und den arabischen Menschenkennen. Bel aller Jntevesienverschiedenheiit zwischen Arabern und Juden ist eine gemeinsame Landespolitik möglich, weil dort wie hier dieses Land geliebt und eins Zukunft -dieses Landes gewollt wird. Der Satz: „Wir wollen Nicht majorifiert werden", muh ergänzt werden-durch den Satz: „Und Mir wollen nicht majoristeren". Martin Buber verlangt Ate Einsetzung einer ständigen Kommisiion für -die arabische .Frage als beratendes Organ Der Exekutive. ' Betreffs Der Erziehung der Jugend verilangt Buiber nicht allem- Formeln, sondern auch Gehalt. Mil -der hebräischen Sprache fängt -es erst -an. Was in dieser Sprache von Palästina aus gesagt wird, daraus kommt es an. Eine Richtung des Lebens tut not: Hebräischer Humanismus. Es gibt in der Jugend Palästinas furchtbar viel sacro egoism-o. Der Zionismus muH ab!er Den Me Woche. Berlin. In Berlin ist zum ersten Mal eine Dame zum Magistratsrat ernannt worden. Es ist Frl. Klara Israel, die sich als Leiterin der Bezirksfürforge in Charloitenburg bewährt hat. — Der preußische Landesverband fordert die silbischen Gemeinden zur Veranstaltung von Mendelfohn-Feirn anläßlich des 200. Geburtstages Moses Mendelsohns am 6. September auf. London. Am Morgen des 2. August ist der berühmte Philantrop Bernhard Baron im Alter von 78 Jahren verstorben. Er stammte aus Rostow am Don, hoar ursprünglich Zigareltenarbeiter und später einer der reichsten Männer Englands. Er hat in den letzten Jahren mehr als 1 Million Pfund wohltätigen Zwecken zugewandt. — Das Testament von B ac o n verfügt über 1 Million Pfund für philantropische Zwecke, davon ein Fünftel für jüdische Anstalten. Baron ist verbrannt worden. — Kowno. In der Nacht zum 2. August überfiel nach einer ITA.- Meldung ein bewaffneter Trupp die Juden in Slo - b o d k e, dem Sitz der berühmten Jeschiwa. Etwa 50 Juden wurden mörderisch geschlagen und zum Teil erheblich verletzt. Die Polizei griff nicht ein. '— Am 1. August wurden in Kowno und in der Provinz 150 Mitglieder des Sportklubs „Hakoa" und eine Anzahl jüdischer Schüler unter der Anschuldigung kommunistischer Amtriebe verhaftet. Moskau. Neuerdings beginnen die jüdischen Kommunisten Synagogen in Fabriken umzuwandeln. ' Dies ist in Wopeniork -(Kreis Tultschin) geschehen. Das Rabbinat sprach einen Cherem aus gegen jeden, Der an die Synagoge Hand anlegen werde. - In ' Witebsk wurde eine Synagoge in Z einen Klub der . Schneiderarbeiter umgearbeitet -und an Stelle der Thoralade eine rote« Fahne befestigt. Aehnliches wird aus einer ganzen Reihe anderer Orte gemeldet. Jerusalem. Der Lubawatscher Robbe, Rabbiner Schneersohn aus Riga, ist zu kurzem Aufenthalt in privaten Angelegenheiten in Jerusalem eingetroffen, — Am Freitag Abend haben Araber zweimal versucht, das Gebetan der Klagemauer zu -stören. Ein. Ruhestörer wurde festgenommen und zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine Gruppe jüdischer Schülerinnen wurde aus dem Wege nach Hebron zur Höhle Machpela von arabischen Burschen überfallen. Ein Mädchen wurde verschleppt und konnte erst nach großen Anstrengungen den Händen der Räuber entrissen werden. Weg von Der AssimUM-onan- DenübDchew Natiiomüüsmus zu- Der gc-fchichitlliche-u McufchhMsaufgMbie gehen. Die das JuDentmn an Dem ewützmi- Tove zwischen Asten unD Europa hat. .. Es-sal-gt -dann die zweite Serie der Panteiredner in unenÄWcher Fo-lg-e. Für Den- Msvachtz -sprach -dab!er Farbsteiin. In Der FveAag Nachm-kttag-iSißun-gj vierlsas So-- kolow, während fänÄliche ^Die'Cetgüeirtfe und Gäste sich zum Zeichen de-s Pr-oieftes u-nD der Trauer von ihren Sitzen erhoban, -eine Erklärung -Der zi-onisti-schen Exeku-Kv-e z-u d-en neuesten Vorgänge-n an der Klagem a.u e r. Man hab>e von Seiten der Regierung zwar autoritativ v-ersichevt. Daß Me Ausführung der Neubaaarbsiitenunter keinen UnrstänDen zur Belästigung- und Störung der jüdischen Beter -führenwerde, jedoch fei es zweifellos, daß Die Oeffn-ung einer direkten Verbindung zwischen Dem Gebiete Der Omar-Moschee >und der jüdischen . Andachtsstättie gerade Die Wirkung he-rvvrrufen müsse, die Die RegArungvermelden will-. Die CrkWrun-g machte tvefen Eindruck und die Sitzung wurde zum Zei'- chen Der Trauer auf kurze Zeit un-terb-r-ochen,. Es wurde beschkosien, eine Delegation nach Lo-nd-onzu eustenden, um anmaßgebender Stelle Ate ernstlichen Besorgnisse, mdt der Der Kongreß Die Lage an der Klagemauer betrachte, vorzubrmgsn-. Z ü r ir ch, 5. August. Die Sitzungen des Zionisten-kongresses wurden nach der Sabbadruhe am Sonntag Nachmittag 4 Uhr fortgesetzt. Zuerst sprach Aie umstrtttenste und meist bekämpfte Persönlichk-ett der jetzigen- Exekutive, Harry S a ch e r. Bereits am Freitag Nachmittaghätte er mit Der ihm eigenen Sachlitchkett das stna-nzi-ell^ Ergebnis feiner Sanierungsarbeti festgeftellt. BÄ feibn-em Amtsantritt hatten- Die Schulden des Keren Hajesiod Lstr. 219.000, -Die der Palästina-Exekuti-ve Lftr. 179.00Y b-ebrag-en. Dilefe Schuld-en von rund Lstr. 400.000 habensich jetzt auf Lstr. 250.000 ermäßigt. Im Mvkg-en berichtet Sacher eingehend über Die Tätigkeit Der Exeku-twe. Den ihn b-etämpstud-en linken PartÄen stellte er Die Vertrauensfrage. Hantte berichtet über den Keren- Hajesiod, Usfifchktn über den Keren KajemÄh. D^r Konfsi-kt zwischen Diesem letzteren, Der sich als seLbständ-ige JnWuiiion fühlt und Dek Exekutive und der Agency auf d-er anderen Sei-te werden der Lett-ung «in- Der nächsten Zukunft manches zu schaffen machen. Der Nationalsonds hat im Den letztenzwei Jahren Lstr. 550.000 -und 100.000 Dunam Bodenneuerworben. Der jüdische Bodenbesitz in Palästina umfaßt jetzt 13 Proz. der fruchtbarsten Zonen des Landes. Zürirch, 7. August. In der Montag Nachmittag-Sitzung referierte Miß Szold in Ergänzung Der gedruckt vorliegenden Berichte über GesundhMsfürforge und E r z i -e h u n g sw es e u. Miß Szold betonte mit großem Nachdruck die No-twen- DigkeN einer straffe n a d m i n -i st -r a tr v e n E inh e i t des Erziehungswefens und poivsMPsrte lebhaft gegen Den Misrachi, der sich gegen diese Einheit-fortgesetzt oersünd-ige. Die zionistische Orgackisja-Üi-onsei die Eigentümer,inder zionistischen. Schrillen, also auch der misrachistischen und -linksstehenden. Sie habe-daher nicht NM Die:.-PMcht, Das G-e>ld herzugeben,' sondernauch das Recht, für eine gesunde pädagogiische Entwickelung zu sorgen. Die religiöse Erziehung se-t k-Än Monopol des- MisraM, .pistlmehr trage Die Exekudibe auch hi-erfür die' vplke Berayt-. wovtung. Der hebräische Humanismus, den ^.Duber wüns-ch«, sei nur durch strenge administrative EinhÄt zu errÄchen. Wr den Misrachi -trat Rabbiner Oströwsky den Ausfü-Hrungen dsr Miß Szoild entgegen-. In Sichron Jakob hätten von- 100 Eltern 92 Mis-rachi-E-rzsehung'- verlangt-, was doch maßgebender seials der Formalismus der Administration-. Dia Tachkemoni-Schu-le in Jerusalem habe sich ihren religiösen Eharaklter Nicht bewahren können, nur weil die genügende Unterstützung der Exekutive fehl-te. Die Auton-omie seiner Schulensei für den Msrachi eine L-ebensfrage. Sie sÄ wichtiger als d-as Geld. Durch Jntoleran-z der Leitung könne d-er Misrachi leicht- -aus der Partei hevausgedrängt werden. Dann kamen -die Vertreter der -linken Parteienzu Wort. Mo ssi-nso n verlangte, daß der Kongreß das ganze Problem Der Kältura-vbeii in- Palästina aufrollie. Frau Persitz verteidigt, die Exekutive; der Misrachi könne zwar Die DradM-oy> v-erteiidigen, aber keine Richtung haben-, das Rocht, -den, Namendes Glauben-s, für sich allein zu, -beanspruchen. Rednerkn tritt für Die Schaffüng eines b esonderen Erzieh-uu>g.s- und Kulturfonds ein. Am Montag' Bormittag, begann Die Spezialdebaitte über die erwMerite Jewifh Agency. Es wurde namentliiche Abstimmung beschlossen. ' An -der Annahme der Agency-Vorlage ist nicht zu zweifeln!. Schwrerig-LeDen bestehen nur noch hinsichtlich der Verteilung der zionistischen Sitze zwischen- Amerika- und Europa. Die ame-rikanifchon Zionisten v-er!langen 25 Mandate. In der Klagemauer-Antzelegenheit haben sich Colonel K-ksch und David Je llin im Flugzeug nach London begeben, um den- Colonial Office den- Beschluß des Kongresses in der K-tagema uier-Angelegenheich rnitzuteil-en. Oberrabbiner Ku-k hat,e!in sehr -scharfes. Telegramm in der -gleichen Angelegenheit an -den Kongreß gerichtet, worin Dieser -aufgeforDert wird, sich um die Einstellung der Bauarbeiten zu bemühen. Der Kyngreß wird am Donnerstag geschlossen w-erden.