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Der Israelit · 1929-08-08 · Heft 32 (8.8.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 32 (8.8.1929)
Date
1929-08-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 32 Sonntags" durch Schlemmerei, Sport usw. einschreiten zu müssen glauben. Gerade gegen Abend wirkt sich all das Tadelnswerte offensichtlich und oft bösartig aus. Allwöchentlich wissen die Zeitungen allerlei Skandalöses zu melden: *jrv aber wir, obgleich wir getrunken haben, richten wir des Nachmittags unser Gebet an Dich, o Ewiger. Uns Juden rühmt man Nüchternheit nach; auch die erhöhten leiblichen Genüsse am Sabbattage schmälern diesen Ruhm nicht, stören nicht bei Verrichtung unserer heiligsten Obliegenheiten gerade am Schabbos: 'ixi-Sollen wir durch Erscheinen m der Gartenwirtschaft den Glauben erwecken, als habe man auch hier eine — allerdings sehr bedenkliche — Konzession an den „Zeitgeist" gemacht? Liest man den Abschnitt inx nnx in unserer sabbatlich-enMincha- Schmono-Esre, so meint man fast, er sei auf die heutige Zeit gemünzt. Mit glühenden, Farben und warmen Tönen ist hier die Eigenart der jüdischen Sabbatruhe geschildert. Sie ist einzigartig wie Gott selbst und Sein Volk,inxnnx ■mx ■wiimb wer iftpxmnx 'i) brrnv' Eine herrliche Krone ist der Sabbat, eine Krane des Heils n$ntr> Ruhe der Liebe und freiwilligen Hingebung, eine Ruhe der Wahrheit und des Vertrauens, eine Ruhe des Friedens und Glückes, mm öjwm der Stille und der Zuversicht, na nxn nnxi? na1?^ nmaa* eine vollendete Ruhe, an der Du Wohlgefallen hast, '2 “pn ip'i itd’ 'tannuo X'.i *jiix» o, möchten Deine Kinder doch-erkennen und e i n s e h e n, daß v o n D i r i st ihre Ruhe, und durch ihre Ruhe heiligen sie Deinen Namen, ‘jaw ivnp'- Ja, der Sabbat ist kein „gesetzlicher" Ruhetag, sondern ein göttlicher; das mögen Deine Söhne erkennen. In ihm liegjüdische Eigenart, jüdisches Wesen, jüdischer Kern. Das fühlte man auch zur Zeit der Entstehung des Christentums;-, anfänglich feierte man — die sogenannten Judenchristen — dem Sabbat gemeinsam mit uns. Um sich vollständig abzusondern, verlegte man auf dem Konzil zu Nicäa 325 den jüdischen Sabbat auf Sonntag. Wenn man heute wieder mit Neid auf den jüdischen Sabbat hinweist mit seiner nahw nrmn» seiner vollkommenen Ruhe, seiner nax nniiaseiner wahren und beglückenden Ruhe, so liegt darin das -Zugeständnis, daß diese Ruhe — X'N *]nxa — göttlichen Ursprungs, göttlichen Charakters ist und einen Kiddusch Haschem bedeutet in den Augen der Umwelt, “ja^ nx -wpjp onman Vyv Wer diese Ruhe in jüdisch-idealem Sinne genießen, will, braucht dazu nicht äußerer Dinge, nicht sinnlicher Anreize bedenklicher Natur. Im jüdischen Heim, im jüdischen Haus liegen die starken Wurzeln unserer Kraft, ebenso wenig gerecht, wie sie ihm gerecht wurden. Da kapselte er sich zu früh innerlich ein-, und nur wenige um ihn wußten, wie sehr er innerliche -litt. Dazu kam das große Unglück seiner geliebten Frau,,, dieser selten feinen Seele, die für -andere lebte, und die durch ein schweres Geschick zu einer Dulderin wurde, die nur noch auf die Erlösung wartetet Still wurde es in diesem so gastlichen Hause, und M wenigen-/ Me dahin kamen, mußten mit rührendem Schmerz sehen-, wie diese herrliche Frau immer mehr zum Schatten wurde und wie die Liebe zu ihr zum -einzig-Ln Inhalt des Lieb-en-s dieses Mannes wurde. Es ist keine Phrase, wennich -sage. für diese Lieb-e allein hat sich dieser Mann die ewige Seligkeit verdient. Für diese Frau war der Tod die äußere, für den Mann die -innere Erlösung. Wie erschütternd schmerzvoll der Verlust dieser beiden Menschen -auch ist, nur die gültige Vorsehung konnte diesenheroischen, versöhnenden Schluß zweier Menschenlebenfinden, die zueinander durch ihre -innere Welt gehörten. rrasjn. Wochenkalender. 0. 10. — 17. Aug. 1929 / u. 4. - lt Ab 5689 Samstag 10 4 jun 712V 2'222 Sonntag 11 5 Montag Aug 12 2« 6 Dienstag 13 7 Mittwoch 14 8 Donnerstag 15 9 282 71572771 Freitag 16 10 Samstag 17] Hl 1VN2 71227 PNTiri, die alles Bittere und Betrübende überwinden half, aber auch alles Beseligende und Beglückende mit einstreute irr ben Qebenspfab, wahrlich -niest in letzter Linie durch den Sabbat innerhalb der Familie, im Kreise der Lieben, im trauten Heim. Nur dort erblüht er in voller Pracht und fleckenloser Reinheit, nur dort kann er seine Reize ungehemmt entfalten. Nicht die Gartenwirtschaft i t sein Milieu, sondern, das Haus. Ijsmzpvnaevren * ßacbricbfen Deutsches Reich. Bund Wischer Akademiker. Bertin, 29. Juli. Der Bund Jüdischer Akademiker (B. I. A.) steht im Zeichen der Ausdehnung. Schon zu Beginn des Somme rsem-esters wurde unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Felix Wertheim-er in Düsseldorf ein neuer Stammtisch gegründet, der die dortigen Bundesbrüder zugemeinsamer Arbeit vereinigt und so dem Bunde, der bereits ln Köln eine Bereinigung besitzt, einenweiteren Stützpunkt im Rheinland gibt. So werden -auch Akademiker, die bisher durch die Ungunst der Lage und des Milieus an der Arbeit des Bundes weniger interessiert waren, für dsn Bund gewonnen und könnenauf diese Weife auch ihrerseits befruchtend aus ihr Milieu wirken. Bor wenigen Wochen wurde auch in F r e i bürg dank der rührigen Tätigkeit d-es cand. phil. Hermann Ullmann -ein Stammtisch konstituiert, der bereits in der kurzen Zeit seines Bestehens wertvolle Arbeit geleistet hat. Herr Lehrer Kuflik, der sich um M Erziehung der Freiburger Jugend besondere Verdienste erworb^en hat, sprach über das Prinzip: p» pn dj? und der als Gast anwesende Obevrabbiner Dr. Carl e ba-ch- Alto n-a ergänzte seine Ausführungen in eindrucksvollen Worten, die -der Bedeutung des B. I. A galten An einem besonderen Ab-end -sprach dann Herr Dr. Carle-bach über das Problem des Wunders, und in der darau ffolgsndsn- Woche refs-r-ierte Herr stud. rer. nat. H. Kabln er über die Geographie Palästinas. Es ist zu hoffen, daß Freiburg in Zukunft auch von -einer größeren Zahl jüdischer Studenten besucht werden wird; denn nur so ist eine erfolgreiche Entwicklung der neu-en Verbindung garantiert. A-uch die Vemühungendes-Bundes, mit den Akademikern des Auslandes näheren- Konnex zu gewinnen, haben in letzter Zeit Früchte getragen. Mit der K o w - n o e r Studen-tenvereinigung „Moriah", die bereits auf dem Berliner Bundestag des B. I. A. durch Delegierte vertreten war, wurden Abreden getroffen, die die Ansicht auf eine dauernde.erfolgreiche Zusammenarbeit, eröffnen-. Dabei wird freilich die Eigenart beider Organiatron-en, die firn wesentlichen aus den verschiedenartigen Verhältnissen der Umwelt resultiert, in vollem Umfange gewahrt bleiben. Aber auch so ist zu hoffen, daß die geistige Annäherung die Arbeit auf beiden- Seiten befruchten und darüber hinaus -das' gegenseitige Verständnis der G-esamtorth-odoxie in beiden Ländernfördernwird. Uebör di-e Kownoer Vereinigung selbst, di-e im Winter 1927 nach dem Vorbild der -deutschen Vereinigungen- Jüdischer Akademiker gegründet worden ist, wurde im Juniheft der vom B. I. A. herausgegebenen Jüdisch-Akademifchen Blätter „Unser Weg" des näheren berichtet. Zur Zeit schwebennoch Verhandlungen mit dem Züricher „Bund Jüdischer Akademiker". Der Züricher Bund, der erst im vergangenen Winter gegründet wurde, wird durch eine Anlehnungandie deutsche Organisation eine wertvolle Stütze erhalten, aber auch diese darf für jede Anregung dankbar sÄn, die ihr ags dem- Auslande zufließt. Große Kundgebung des Zentralvereins gegen die Ritualmordlüge. Köln, 30. JUL Der Zentral-Verein -deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Köln, gab am Montag/ den- 29. Juki, den Nationalsozialisten die Antwort auf ihre Veranstaltung vom 26. Juli. Damals hatte Dr. Ley, nachdem er am gleichen Tage wegen Reli-gionsbefchiwpfung __ 8. August 1929 und Aufreizung zu 1000 Mark Geldstrafe v-erurdeilt worden war, ist Mer öffentlich,M Versammlung' Mi dem Thema Stellung genommen: „Ist der Ritualmord geschichtlich und rassisch begründet?" — Die Jüdische Gemeinde Kölnhatte die Einladung, für diese Versammlung, einen Redner zu stellen, ab gelehnt. Dafür er folgte die Kundgebung des Zentral-Vereins. Der große Saal der Harmonie, der -etwa 1400 Personen faßt, war von übler 2000 Zuhörern besucht und stark überfüllt. Lange vor Beginn der Veranstaltungmußte er polizeilich gesperrt werden. D-ie Flut der Einlaß-begehrenden schwoll aber derart an, daß der Verkehr inden umliegenden- Straßen stockte und starke Polizeiaufgebote Ordnung schaffen mußten. Uebe-r 90 Proz. der Zuhörer waren Nichtjuden.. Die Leitung der Veranstaltung lag in den Händen von Syndikus E. Jacoüi vom linksrheinischen Landesverband des C. V. Zu Beginn der Versammlung überbrachte Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln die Sympathie-- Erklärung des erzbifchöflich-en Generalvikarats. Sodann sprachen- RahM-er Dr. EschÄb-acher und Rab-b-ine-r Dr. Rosenthal in historischen und religionsgefchichtlichen Au-sführungen unter starker Anlehnung andie aktuellen Geschehnisse über den Aberglauben d-es Ritua-lm-ordes und wief-en überzeugend die Aehnli'chkett dieses Aberglaubens mit dme H-ex-en-wahn und der antideutschen Kriegs greu-elpropagand-a nach. Beide Referenten' fanden langanhaltende stürmische Zustimmung. Verfafsungsfeier der jüdlschen Gemeinden. Halbe r st a dt, 11. JuV. Der Rei-chsmmiste-r des Innern, ist, wie an die christlichen Kirchen, auch andie preußlischen Landesverbände jüdischer Geme-inden mit dem Wunsche herangetreten, den Versasfungsgedenktag am 11. August auch in den Synagogen festlich zu be-gehlen. Die Verbände haben den Gemeinden' anheim gestellt, die Feier entweder -am Sonntag- -den- 11. August oder im Rahmen des Sa-bbat-Gottesdienstes am 10. Aä-gust zu begehen. Der g-efetzes-treue Verband -empfiehlt mit Rücklicht auf die Trauerwoch-e die Versassungsfeier mit dem Sabbatgottesdienst zu verb-mden-. Kafchruth an Kurorten. Hamburg, 5. August. Der V srein zur Förderung ritueller Spe rse h-äu ser >e. V., Hamburg, sieht sich veranlaßt, -die folgende von geschätzter Seitean ihn gerichtete Mitteilung öffentlich bekanntzugeben: An vielen Kurorten und kleineren- Plätzen besteht das Verfahren, -daß -ein auswärti-ger Schochet -die Sch'echbtoh und V-edikoh ausübt, aber nicht Z-slt halt, unr auch den Nlkku-r (das Porfch-en) vorzunehmsn. Letzteres wird daher -in oielen Fällen, iiNsb-efonder-e da, wokein jüdischer Metzger- -am Platze ist, von der Hausfrau bezw. von der jüdischen Köchin oder der Sch-aumeres vorgenommen. Auch wenndie Halacha wäre, daß Frauen grundsäWch zur Vornahme des Wkkur zugelaffen Den, so ist doch zu bedenken-, daß hierzu viiele Kenntnisse und große Uebung erforderlichl. sind. Dieses gilt ganz b-efond-ers bezüglich des Porfchens^ von Zunge und Mlz, zumal wenn diese sch-onkalt -geword-en sind. Es ist daher auch beim besten Willen nicht möglich, -daß M,e' Hausfrau o. ä-., die mit dem Besehen von Gemüse, Koschermachen von Fleisch usw. ’ vollauf beschäftigt ist, das Po-rfchen inzuoerilässiger Weise vorn-chmenkönnte. Es mußde-sha-lbdafür gesorgt werden, daß entweder -der betr. Schochelt oder ein au-torisierite-r M-enä-kkerdas Porfchen besorgt. Ferner -empsiehlt essich dringend, daßin folch-en Fallen, wo das koscher Fle-ifch im- Laden des nichtjüdischen Metzgers zerlegt wird, nicht die Geräte des- Metzgers, sonderndi-e -d>es Käufers zum Zerlegen, Zersägen und Aushacken benutzt werden-. Schweiz. Zionlstenkongreß. Zürich, 1. August. Aus dem Referate von Dr. Felix Rofenblüth über die Verfassung der Agency ist noch von Wi-chtigk-ei-t eine offizi-elle Erklärung der englischen, Regierung, wonach für den Fall einer et-waigen Auslösung der erweiterten Agency die zionistische Organisation gemäß dem Artikel 4 des Mandates in den früheren Status als alleinige Agency znrückversetzt werden

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