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Der Israelit · 1929-08-01 · Heft 31 (1.8.1929) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 31 (1.8.1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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i fl li « c der hier wirkenden Lehrkräfte, die eine Hingebung der Seele zeigen, die Du nirgends findest, die Dir aber die Lösung des Rätsels npjp N'2 erleichtern hilft! Und wenn Du meinst, daß da in Krakau ein stolzer Bau steht, in welchem diese Seminaristinstudieren, dann irrst Du wiederum! Ach, es ist ein armseliger Raum, in welchem diese Erzieherinnen der einstigen Mütter der östlichen Söhne herangebildet werden.. Doch gedulde Dich noch ein, Weilchen! Schon steht, im Rohbau vollendet, in Krakau ein fünfstöckiger Bau, errichtet dank dem Opfersinn von Brüdern und Schwestern, hüben und drüben, und wenn nun in Bälde dieses neue Krakauer Seminar seine Pforten öffnen wird und Du von seinem Dachgarten aus die schöne, weite Landschaft bewunderst, prächtiges Land, durchzogen von dem majestätischen Weichselstrom, dann wirst Du doppelte Freude spüren, wenn Du sagen kannst: auch ich habe meine Habe zu diesem Gottesheiligtum gegeben! Und Sara, die einst von all diesem Glück geträumt — Du kennst ihren vollen Namen, denn er hat heute schon historische Bedeutung: Sara Scheu irer — sie erlebt es nun in der dankbaren Bescheidenheit eines demütigen Herzens, sie und ihre Mitarbeiterinnen, sie. ruhen nicht aus, weiter und weiter soll Bars Iakauw seine Kreise ziehen — und dies ist seine werbende Devise: „Kommt, Kinder, höret auf mich — Gottesfurcht, die Möchte ich euch lehren!" 4. Die Zukunft: 1939. Und überall, wo weibliche Jugend unseres Volkes aufblüht — in Polen und Galizien, in Litauen und Lettlands in Rußland, dessen Grenzen ungestörter Religionsübung weit geöffnet sind, in der Slovakei und in Ungarn, im heiligen Vaterland und drüben, in den Staaten — im Zeichen von Bars Jakauw steht ihre Schule. In allen Ländern erziehen nach dem Vorbild Krakaus errichtete Seminarien b<ie hingebungsvollen jungen Lehrerinnen, Bais Jakauw Kindergärten nehmen sich der Kleinen in liebezarter Sorgfalt an, Vais Jakauwliteratur ist den Schulentwachsenen weiterhin Wegbegleiter. Aus welchen Mitteln wird dieses Riesenwerk gespeist? Vor allem sind es die Regierungen der Länder selber, die erkannt habein, wie segensvoll Bais Jakauw für die jüdische Jugend ihres Landes sorgt und die in dankenswerter Weise durch große Zuschüsse die Sicherheit des Werkes, seine weitere ungestörte Entfaltung fördern. Und dann — und vor allem — ists die Judenheit, die in Bais Iakauw sich selber hilft. Gegenüber Bäis' Iakauw^ schweigt politische Verhetzung und' Verleumdung! Die 'großen jüdischem, Hilfsorganisatidnen, die Frauenbünde mit ihren, weltumspattnenden 'Herzen, ländliche Orgamfatiönen;' Einzelne, — alle kommen, das große'Werk mitzllMgen. . E8 ist rstcht 'mehr wie zu Anfang, wo die Leistung der Agudas Jisroel für Bais Jakauw zum willkommenen Vorwand wurde — auä} für religiöse Juden — nichts zu tun. Nein, jeder, ob rechts oder links, ob agudofreumdlich oder nicht — für Vais.Iakauw gibt er froh und reichlich — denn Bais Iakauw ist das Symbol geworden für alle zukunftsbesörgten, wachen Menschen. Und so blüht der Baum und setzt Zweig um Zweig, und mit jedem neuen. Jahr wird,üppiger seine Krone,, süßer seine Frucht, und labender sein Schatten. ——. Ach, so träume ich von der Zukunft, heute, wo Bais Jakauw in schwerer finanzieller Not ist. Möchte meinem Traum doch das Schicksal jener Träume beschieden sein, denen Sara, die Schneiderin,, einst nachsann in ihrem Kämmerlein. Gottes Segen braucht Bais Iakauw weiter, zuerst und vor allem! Aber auch den Willen der Menschen, ihren hilfsbereiten Willen, ihre aufgeschlossenen Herzen und ihre begreifenden! Gemüter — wenn sie wollen — dann ists kein Traum! Zweiter Aufruf der „Arervulh". Unser Aufruf vom 19. Mai rief zur Wiederherstellung der Einheit in der Orthodoxie und zur Umgestaltung der Agudas Iisroet als Träger dieser Einheit auf. Ueber alles Erwarten groß war; der Widerhall und die Wirkung, die diesem unserem ersten Bemühen um die Arbeitsfähigkeit und Stoßkraft des Taurohjudentums beschieden waren. In der jüdischen Presse ist unser Ruf ausgenommen worden, prominente Führer aller orthodoxer Richtungen traten uns zur Seite und begrüßten unsere Bestrebungen. Gesetzestreue Führer versicherten uns ihrer Mitarbeit und ihrer Sympathie. Der Haupterfolg aber: die deutsche Agudas Jisroel hat wieder und wieder allen taurohtreuen Brüdern, die ihre Freunde sein möchten, aber noch zweifelnd beiseite standen, den Beweis geliefert, daß sie bereit und willig ist, sie gleichberechtigt bei sich aufzunehmen und für diese Gleichberechtigung als für die Bürgfchaft der Einigung zu kämpfen. Es hat die deutsche Agudas Jisroel auf ihrem Leipziger Delegiertentag in beinaher Einstimmigkeit den Beschluß gefaßt, bei der Kenessio Gedaulo eine Umgestaltung des unheilvollen Paragraphen 4, die feiner Abschaffung gleichkommt, zu beantragen. Als Ausdruck dieses Willens hat die deutsche Agudas Jisroel Führer der Gemeindeorthodoxie in ihren Landesvorstand gewählt. Zur gleichen Zeit hat die Jugendorganisation der deutschen Agudas Jisroel in einer Jugendkonferenz den ersten Versuch zur Vereinheitlichung unserer Jugendarbeit und« des gesetzestreuen Erziehungswesens gemacht und ist auf dem Wege eine Plattform für praktisches Zusammengehen zu finden. Zur gleichen Zeit haben große agudistische Ortsgruppen in öffentlichen Versammlungen den Wortfühvern unserer Anschauung begeistert zugestimmt. Aber. dies alles bedeutet nur Anfang. All diese Kräfte bleiben ungenützt, alles Sehnen geht verloren, wenn es nicht gelingt, weiterzuarbeiten, weiterzubauen und fortzuschreiten. Unsere Ziele aber können nur erreicht werden, Venn die Freunde einer orthodoxen Einigung tön Agudas Jisroel mit uns arbeiten, Wenn in Deutschland und im Auslande die Anhänger unserer Anschauung bei der kommenden Kenessio Gedaulo zum gemeinsamen Vorgehen sich finden. Wenn tön der öffentlichen Meinung in Presse sind Versammlung unsere Freunde von überallher den Willen zum iycholäum über alle persönlichen Hem- . mungen hinweg zur Volksbewegung machen.;; Von unseren noch nicht der Agudas Jisroel angehörenden Freunden erwarten wir, daß jeder in seinem Kreise über enges Parteidogma und angebliche Organisationsdisziplin hinweg, stets für die eine, die wichtigste Idee unserer Gegenwart kämpfe und immer wieder kämpfe: Für eine« einzigen umfassenden thoratreuen klall! Namens der Arbeitsgemeinschaft „Arewuth": Dr. Ernst Freimann, Rechtsanwalt Klibansty, Herbert Kruskal, Jacob Landau, Dr. Arnold Merzbach, Rechtsanwalt Pinkus, Rechtsanwalt Rösenheim. Das äußere Bild der Senesfio Gedaulo. Von Ariel Birnbaum in Vien. Wohl mancher Teilnehmer ün der ersten Kenessio Gedaulo wird zwischen allen seinen stolzen Erinnerungen an dieses große Erlebnis doch auch etön mißmutiges Gefühl der Enttäuschung nicht ganz verwinden können. Das war die Enttäuschung, die ihn damals gleich beim ersten erwartungsvollen Eintreten in die Kongreßhalle überkam und -erst bei Teilnahme an den Verhandlungen des Kongresses vergessen werden konnte: Enttäuschung über das äußere Bild der Kenessio Gedaulo. Da hierüber noch nie gesprochen wurde, ist es gerade jetzt höchst zeitgemäß, nicht mehr schonend zu schweigen, sondern offen herauszusagen, daß das äußere Bild der ersten Kenessio von schlechthin trostloser Häßlichkeit und Würdelosigkeit gewesen ist. Hierzu trug schon, der Saal bei — ein nur für abendliches . Lampenlicht und als Massenarena gedachter Zirkussaal mit Sandboden; ' wegen seiner schlechter Akustik' mußten die oberen Ränge, die jedes gesprochene Wort verschluckten, verhängt werden und das geschah auch — aber mit riesigen, groben, nicht einmal straff angespannten, sondern unordentlich hängenden Wagenplanen. Schranken und Abtetölungstafeln aus rohem Holz standen zwischen häßlichen Bänken, und die großen Jnschristentafeln, der einzige Schmuck, an den man gedacht hatte, waren so unpassend angebracht, daß sie das uneinheitliche Durcheinander des Saalbildes nur noch weiter verwirrten. Dies Urteil klingt hart, kann aber ehrlicherweise nicht gemildert werden; denn es darf nicht beschönigt werden, daß jene Kenessio Gedaulo, die erste nach zweitausend Jahren, ay ein so edles und ehrwürdiges Vorbild anknüpfende „große Versammlung", dem äußeren Eindruck nach nicht wie ein erhabenes jüdisches Weltparlament wirkte, sondern wie ein grotesker jüdischer Weltjahrmarkt! Zweifellos wird solchen Bemerkungen ontgegengehalten wreden, daß äußere Schönheit ganz nebensächlich sei, wo Dinge von solcher inneren Größe verhandelt würden; daß es unjüdisch sei, dem äußeren Rahmen geistigen Geschehens viel Wert beizumessen; daß der erhebende Verlauf der ersten Kenessio genügend bewiesen habe, daß es auf die Schönheit öder Häßlichkeit seines Bildes nicht angekommen sei. Darauf muß erwidert werden, daß die heute von mancher orthodox-jüdischen Seite gerne propagierte Meinung, Streben nach Schönheit sei verwerflich, offenkundig unjüdisch ist — was zu bekräftigen der Hinweis auf zahllose Aussprüche der Bibel genügen mag, insbesondere aus die herrliche Schilderung des Wirkens und des Werkes jenes „mit dem Geiste Gottes erfüllten" Vezalel. Es ist also vom jüdischen Standpunkt aus höchst angemessen, eine so ganz der Ehre der Thora gewidmete Tagung auch äußerlich schön zu gestalten. Und:, noch ein zweiter, sehrgewichtjger Grund spricht dafür: Rücksichtnahme auf dgs Urteil der Umwelt. . Wohl stehen heute weite jüdische Kreise (innerhalb wie außer-halb der Orthodoxie) aus dem Standppnkt, daß die Meinung der ntöchtjüdischen Uchweft von jüdischen Dingen gleichgültig-sei und das Vorgehen der Juden nie beeinflussen dürfe — ja, daß es eigentlich würdelos sei, sich tön irgendetwas nach den Wünschen der Umwelt zu richten. So selbstverständlich dieser Standpunkt> dann ist, wenn jene Umwelt tönüüdisch-religiöse Lebensfragen eingrÄfen will (wie etwa bei der Hetze gegen das Schächten), so muß gegenüber verallgemeinernden Behauptungen solcher Art betont werden, daß dieselben unjüdisch sind, weil sie eigentlich anstelle einer Rücksichtnahme auf die nichtjüdische Umwelt ein Bekenntnis zur Rücksichtslosigkeit dieser gegenüber setzen. Vor allem aber ist eine solche Einstellung auch politisch unklug, da -sich die Kenessio Gedaulo nicht * zum kleinsten Teile auch auf die nichtjüdische Welt wirken will, was sie nie können wird, wenn der Fremde, der für den geistigen Inhalt der Kenessio interessiert werden, soll, schon vorher von deren äußerem Bilde abgestoßen wird; Vernachlässigung des äußeren Bildes der Kenessio bedeutet also, daß man diesen der Ehre der Thora gewidmeten Kongreß — letzten Endes also die Thora selbst zum Gespött macht.

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