Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-08-01 · Heft 31 (1.8.1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 31 (1.8.1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450578--76192-2533755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Nr. 31_ sofort gemerkt hoben werden, nicht um die Gemeinde Miskolcz, die in Ungarn liegt und die selber eine urolle orthodoxe Kshilla ist, handelt, sondern um die Gemeinde M i k u l o s in der Nähe von Hunsdorf. Palästina. Die Wetterführung der moslemitifchen Bauarbeiten an der klagemauer. — Erregung in der , palästinensischen Iudenheit. I e r u s al e m, 26. Juli. Die Mittsi-lung der Regierung an Oberrabbinrr Kuk, Laß den Mo-iLmiten gestattet werde, die begonnenen Bauarbelten über und an der Klag.smaner fortzuführen und ferner einen Durchbruch durch die Mauer herzustellen, hat unter der Judenheit Palästinas starke Erregung hervorgerufen!. Oberrabbiner Kuk und twe Beamten der zionistischen Exekutive haben bell der Regierung vorgesprochen, UM sie über die Stimmung untsr der Judenheit zu informieren. Die Beamten der Exekutive haben sich telegraphisch nach Zürichs um Instruktionen gewandt. Oberrabbiner Jacob Meir, das Oberhaupt der sephardischen Gemeinde, greift die Exekutive und den Waad L-eumi an und erklärt, es sei fhver Untätigkeit zuzuschreiben, daß es soweit gekommen ist. Man ist hier der Meinung, daß die Moslemiten hm Durchbruch durch die Mauer unternehmen wollen, um sich einen Durchgang zur Omar-Moschee zu schaffen; dies fei aber eine eklatante Verletzung des Status quo, da zu erwarten ist, daß die betenden Juden durch die Moschee-Besucher allmählich verdrängt werden würden. vermischtes. Mannheim 28. Juli. Jomtow-Stimmung. Das Beth-Hamidrasch der Ostjuden ist festlich geschmückt. Der Saal ist hell beleuchtet. Mehrere bunte Lampions sowie ein von Herrn Buchdrucker Mar Silberberg kunstvoll ausgesührtes .Transparent in der Form eines Parocheth erstrahlten im vollen Lichterglanz. . Der Saal ist überfüllt. Alle sind sie erschienen. Männer, Frauen und Jugend, um an diesem selten Feste — der Vollendung eines Scfer-Thora teklzunehmen. Um 5 Uhr nachmittags beginnt die Feier. Herr Bor „freund begrüßt im Romen. defi Vorstandes die erschienenen Gäste, insbesondere Herrn Oberrat Prof. Dr. Moses, sowie die Herren Rabb. Dr. Unna, Dr. Lauer und Dr. Erünewald und Herrn Oberkantor Eppstein. Er begann mit den Worten: „atem nizawim hajom lifne Haschem Elokechem". Man ist heute hier einheitlich zu der Ucberzeugung gelangt, daß zwischen dem Osten UNd dem Westert keine Grenzen mehr gezogen werden. Das nennen wir die wahre Achduth-Jisrael. Er benutzt diese Gelegenheit, um dein Synagogenrat und Gemeindevorstand für das bei jeder Gelegenheit bekundete Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Ostjuden herzlich zu danken. Ganz besondere Anerkennung zollt er dem Spender des Sefer-Thora, Herrn Moses Weinberge! und dessen Gemahlin. Herr Pros. Dr. Moses weist darauf hin, daß durch die Thora nicht nur der Klal-Israel, sondern auch die Völker miteinander verbunden sind. Nach einem Gesangsvortrag des Herrn Herrn Obe'- kantors Eppstein „Zadik ka'tomor jifroch" ergriff S. E. Herr Rabb. Dr. Unna das Wort zu einer Ansprache meinjane, d'joma. Er verweist auf den Doppelcharakter der Thora, wonach durch Kijum-HamiFwoth die wahre Simcha schel Mizwah entsteht. So bei Schmirath- Schabath der Oneg-Schabath. Ebenso bei der Beachtung der Speise- und Ehegesetze, wodurch die Stufe der K'duschah erlangt wird. Der Sinn des Thoralernens ist zu lehren, zu beobachten, in die Tat umzusetzen und zu erfüllen, damit sich bewahrheite das Prophetenwort „Ueborall wo mein Name erwähnt wird, werde ich zu Dir kommen und Dich segnen". Hierauf sang Herr Eppstein „Baruch haba B'schem Haschem" untor allgemeinem Beifall. Es sprachen dann noch Herr Rabb. Dr. G r Ü Newa I d , der besonders drei Momente hervorhebt, welche die Voraussetzung zu Kijum-Hamizwothbilden ünd uns zu Chisuk-Emunah führen: R'ijah (Sehen), Sechirah (Gedenken) und Asijah (Tun). Nachdem Herr Erünebaum das „Omar Rabbi Eleasar omar rabbi Ehaninah" mit klangvoller Stimme vorgetragen hatte, wurde drei Hakasoth mit allen Sisre- Toroth um den Almemor gemacht und das neue Sefer Thora dem Aron-Hakaudesch übergeben. Herr Oberkantor Eppstein, welcher durch seine Gesangsvorträge vie>l zum Gelingen der würdigen Feier beitrug, beschloß den offiziellen Teil der Feier mit dem „Uw'nuchoh jomar" und dem 24. Psalm. Während der S?udah ergriff noch S. E. Herr Rabb. Dr. Lauer zu e,iner eindrucksvollen Aussprache, das Wort. Mit dem Segensfpruch der Kohanim und dem Wunsche, daß der Segen Jakow a'winü's in Erfüllung komme. Der Israeli' und (vaß die göttliche Gnade auf den Werken unserer Hände ruhen möge, schloß er seine Rede. Sodann hielt Herr Bornsreund eine sehr eindrucksvolle und sinnreiche Drasch ah Uchwod haachsanja G'lichwod hatorah. Es war eine erhebende, echt jüdische Feier. Personalien. Berlin, 23. Juli. Am 9. Tamus verstarb hier der in ostjüdischen Kreisen weithin bekannte Rabbi Israel R a.n d. Der Verstorbene war erst 45 Jahre alt. Er war ein Talmio Chochom und Jere Schomajim von seltenem Ausmaß und sein Haus bildete den Mittelpunkt und die Zufluchtsstätte nicht nur für die Armen, sondern auch für alle fremden Talmide Chachomim und rabbinischen Größen, die in Berlin weilten. So war z. B. der Sohn des berühmten Diwre Ehajim, Rabbiner H a 1 b e r st a m nt, regelmäßig sein Gast. Sein Sabbattisch, der immer von zahlreichen Gästen besetzt war und den Mittelpunkt angeregter Aussprachen über Thora und Chassidismus bildete, konnte man wahrhaft einen ]nbv 'i~i 'wt> nennen. An der Bestattung beteiligten sich tausende von Menschen, wie man es in Berlin selten sieht, sodaß die Polizei Mühe hatte, Ordnung zu halten. Einen Hesped hielt Rabbiner Rubin. auf dem Friedhof der Adaß Jisroel-Gemeinde. Wien, 30. Juli. Der Komarner Eroßrabbiner Jakob Moses S a f r i n s. A., der nach Tatzmannsdorf zum Kurgebrauch gekommen war, ist dort plötzlich verschieden. Sofort nach Bekanntwerden der Todesnachricht in Wien führ eine Gruppe von 'Anhängern nach Tatzmannsdorf, wo beschlossen wurde, dr- Lriche nach Komarno (Galizien) zu überführen. Der Ueberführung stellten sich jedoch große Schwierigkeiten entgegen. Oberrabbiner Schapiro- Piotrkow, der zufällig in Wien weilte, und Rabbiner Dr. P. Kohn intervenierten erfolgreich bei dem Polnischen Konsulat in Wien, sbdaß. es möglich war, den Abtransport noch am Donnerstag zu bewerkstelligen. Die Beerdigung konnte Freitag in Komarno unter ungeheurer Beteiligung ftatifinden. Am 'Bahnhof in Wien hielt vor einer großen Zuhörerschaft Oberrabbiner Jeruchem in bewegten Worten einen Nachruf. Der Heimgegangene erreichte ein Alter von 63 Jahren. Er genoß den Ruf eines Wundertäters, zu dem tausende von Hilfesuchenden von allen Enden der Welt wallfahrtelen. Er entstammt einer berühmten Navbmergeneration, sein Großvater war der bekannte Wunderrabbi „Reb Eisikl Komarner". Der Verblichene hinterläßt einen einzigen Sohn. Seine Schwiegersöhne sind die bekannten Großrabbiner von Radzimin, Munkacz und Oswiecim. Die Todesnachricht rief in Wien in den weitesten Kreisen große Anteilnahme hervor. ' Krefeld, 28. Juli. Der bekannte Senior unserer Stadt, Herr Gabriel P a tz m a n n , feiert s. G. w. am 15. August seinen 99. Geburtstag. Baden, 30. Juli. Im Älter von 79. Jahren ist gestern plötzlich der Badener Oberrabbiner Dr. W. Reich ins Jenseits abberufen worden. Die Todesnachricht hat weit über die Grenzen Badens hinaus tiefe Erschütterung ausgelöst. Der Verstorbene war ein Bruder des Budapester Oberrabbiners Koppel Reich und eine bekannte Persönlichkeit innerhalb der ungarischen Orthodoxie. Oberrabbiner Reich s. A. war einer der aktivsten Agudafreunde unserer Stadt. Roch am jüngsten Sonntag hat der Heimgegangene anläßlich der Badener Jugendtagung eine eindrucksvolle, flammende Rede für den Agudas Jisroel-Gedanken gehalten. Ehre seinem Andenken! v"a22v Bad Schwalbach, 29. Juli. Am 27. Tamus (Sonntag, 4. August) rr'K begeht Herr Lehrer L. Spier in geistiger und körperlicher Frische seinen 60. Geburtstag. In mehr als 28. Jahren ist er mit dem Leben unserer Gemeinde als ihr begeisterter Lehrer und kraftvoller Führer aufs innigste verwachsen. Die reichen Erfolge seines Wirkens im Dienste unserer Gemeinschaft, die er durch Heranbildung einer echt jüdischen Jugend zum Mittelpunkt und Bollwerk jüdischen Lebens gemacht hat, verdankt er ebenso seinem unendlichen Schaffensdrang wie dem Zauber seiner Persönlichkeit. In Geilen Kreisen der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt erfreut er sich größter Beliebtheit ünd tiefster Verehrung. Möge er noch recht .lange Jahre die Befriedigung seines noch immer drängenden Schassenseifers erleben und die Früchte seiner Werke genießen. Kassel, 29. Juli. Am »iip na» beging Herr Lehrer Joseph Moses dahier sein 30jähriges Lehrerjubiläum und gleichzeitig seinen 50. Geburtstag. In Treysa geboren, besuchte.er das Lehrerseminar zu Hanno- 1. 1929 ver. Lange Jahre wirkte er am hiesigen Lehrerseminar und nach Auflösung derselben trat er in die hiesige, Israelitische Volksschule ein. Höchst a. M., 29. Juli. Am Mittwoch, wsn T-t wurde Frau David Mannheimer (eines Bruders des Herrn Hauptlehrers Mannheimer in Dettelbach) den Ihrigen durch einen sanften Tod nach langem, schwerem, aber gottergeben ertragenen Leisen genommen. . Dir Heimgegangene war, wie Herr Lehrer Kallmann Levj am nap in warmen Worten ausführle, eine 'wahrhafte *->'n n»s ihr ganzes Leben war Gottesdienst. Als Aeltestc von 5 Kindern von Jugend auf verwaist, war sie ihren Geschwistern immer die treusorgende, mütterliche Freundin, ihrem Manne die beste Gattin, den Kindern die liebevollste Mutter. Ihren baldigen Tod' ahnend, doch nicht darüber klagend, benutzte sie die letzte Kraft ihres Lebens, noch einmal die Enkelkinder aufzusuchen und ihnen in ihre. Kinderaugen zu sehen, was ihre größte Freude, der letzten Jahre war. Wie hat sie ihr Haus in bestem jüdischen Geist verwaltet, wie hat sie jeden na» und jeden aic dy> tri ihrem Hause zu gestalten verstanden! Als Erste betrat sie mit ihrem Gatten, so lange sie nur gehen konnte, das naaan r-> a und als/ Letzte ging sie nach Hause. Ihr n-ar möge ihrer Familie und Gemeinde beistehen! Osnabrück, 27. Juli. Herr Kantor Elias Alex. Giitelsohn begeht am 4. August sein 25jähriges Ortsjubiläum und kann gleichzeitig auf eine 30jährige Amtstätigkeit zuiückblicken. Durch vorbildlichen Pflichteifer hat sich der Jubilar hohe Anerkennung errungen. Ec hat beim Bau der Synagoge sowohl als auch bei der Errichtung des Schulhauses seine ganze Kraft zur Verfügung gestellt und manche praktische Einrichtung zeugt von seinem Schaffen. Der Jubilar ist auch als hervorragender vm» und ^m» überall im Lande bekannt und geschäht. ' Möge es ihm rw ns» vergönnt fein, das Amt in Gesundheit und. Frische auszuüben. Kassel, 23. Juli. Ihren 75. Geburtstag beging heute in bester körperlicher Rüstigkeit Frau Johanna Vogel. Kassel, 1. August. Ihren 80. Geburtstag begeht heute in körperlicher Rüstigkeit und Eeistesfrische Frau Bertha Süßholz. Ausseß/Fürth (Bad.)» 30. Juli. Nach. kurzem Leiden im Alter von bereits 82 Jahren verschied Herr Lehrer Leopold Schloß, gebürtig aus Oberlauringen in Fürth (Bad.), wo er l1/2 Jahre bei seiner Tochter seinen Lebensabend verlebte. Vor 52 Jahren kam er, nachdem er schon in anderen Gemeinden amtiert hatte, als .Lehrer, Kantor und Sch.ochet nach Aufseß, wo er durch seine Pflichterfüllung und Tüchtigkeit im Beruf großes Ansehen genoß. Aber auch in den nichtjüdischen Kreisen war der Verblichene sehr angesehen. Herr Dr. Behrens, Fürth (Bad.), entrollte in seiner Trauerrede ein lebhaftes Bild von dem Wirken dieses Lehrers in seiner Gemeinde, in der er sich einen unvergeßlichen Namen erworben hat. Sprechsaal. „Unter Aufsicht". Vor einigen Wochen war an dieser Stelle mit Recht darauf hingewiesen worden, daß heutzutage in bezug auf niiva in Restaurationen dis allergrößte Vorsicht geboten sei. Es war daran dis Mahnung geknüpft, nach Möglichkeit nur Gaststätten aufzusuchen, die unter Aufsicht stehen. Sind alle Betriebe, die Nabbinatsaufsicht unterstehen, auch wirklich zuverlässig? Leider muß diese Frage verneint werden. Ich bin mir der Tragweite meiner Behauptung und der Schwere des Vorwurfs, den ich hiermit gegen manche a’iai erhebe, voll bewußt. Wo es aber gilt w>i»a» da gilt kein m!> naa ppl>m Unverständlrck bleibt mir freilich auch das Verhalten von vielen Gästen — sonst Lum»' — die zwar von den Mängeln und Verstößen Kenntnis haben, aber nichts davon wissen wollen und sich mit den Worten entschuldigen: „Ich esse auf die n»»3 des Herru Rabbiner X“, eine Antwort, die ich schon häufig erhielt. Zur Erhärüing. meiner Behauptung einige Beispiele: In einer Restauration, die im Verzeichnis des Hamburger Speisevereins steht, gibt es keine iva-Milch, nur na: bv abn (Die Tatsache ist einem Vorstandsmitglied des Hamburger Vereins bekannt, wie ich positiv weiß.) Trotzdem steht das Restaurant unter Aufsicht. Wer aber glaubt, daß wenigstens durch einen Aushang auf diesen Umstand hingewiesen sei, irrt. Wer nicht zufällig davon erfährt, trinkt wider seinen Willen 'ia2 bv ai>n Einer Dame, die davon wohl wußte, und deshalb stets ihren Kaffee schwarz trank, wurde trotzdem am letzten n»na r’ Essen vorgesetzt, das mit nicht koscherer Milch gekocht war. Auf ihre erstaunte Frage erhielt sie vom Wirt die Antwort: „Wenn ich milchding koche, muß ich doch Milch und Butter verwenden". Was wird nun in den 9 Tagen sein? Entweder man muß fleischding essen, oder man muß 'las aVn trinken. Heißt das nicht dem iwrr von - 'ias bv aVn, der leider ohnehin schon vielfach leichtfertig übertreten wird, noch Vorschub leisten und ihn sanktionieren? Kann der aufsichtssührende Rabbiner, der ihn hier stillschweigend duldet, in seiner Gemeinde noch dagegen auftreten? Wird man ihm nicht erwidern:?*py i'a» nnp V>» In . einer anderen Gaststätte erklärte die Wirtin sogar einem Gast n»m »a^ rron» daß sie weder i»> Milch Noch »»a Butter habe!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.