Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450578--76191-2533754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit Nr. 31 Seite 5 1. August 1929 _____ Das gefamte riesige arabische Gebiet! ächze unter dem -rechendes Imperialismus. Man habe dem Führer des linken Flügels des paiWstmenisifch-ärabifchen Kongresses, ^andi el Hussein i, im Visum verw'eigert, um ihm die Zeitnahme am Frankfurter Kongreß unmöglich zu Aachen. Budeiri (Irak) erklärte, Palästina sei ein! Streitc'bsekt zwischen England und Frankreich, wobei die Arhrtter und Bauern das unfreiwillige SchVachtopser abceben. Die Balfour-Deklaratiion sei schlimmste Heucheüi; in Palästina gebe es keine Freiheit, es herrsche dort große Armut -und chronische Arbeitslosigkeit. Der Kampf Ui- Revolutionäre gehe unterirdisch weiter bis zum siegeichen Ende. Ben Sau! (Palästina) vertrat den Standpunkt der linken Poale Zion. Er verteidigt die Rechte des jüdischen Proletariats aus Palästina und führte aus, innerhalb Palästinas zerfalle die Bevölkerung in arabische und jüdische Sektören/ Dte arabische und die jüdische Masse sollten sich zu einer Einheitsfront zusammenschließen, um für ein freies sozialistisches Palästina zu kämpfen. Die jüdische Bourgeoisie stütze sich auf die BalsoM-DMaration, Lite arabische Bourgeoisie wolle die jüdische Einwanderung verhindern, beide aber haben das Bestreben, sich von den Engländern^ Vorteile zu verschaffen. Die englische Regierung verhindere die Einwanderung einer revolutionären Arbeiterschaft, auch Anhänger der linken Poale Zion dürfen nicht ins Land kommen. Die faszistische Bewegung erstarkt in Palästina. Nureine Einheitsfront des arabisch-jüdischen Proletariats könne Rettung bringen. Rach der Rede von Ben Saul gaben die arabischen Delegierten eine Erklärung ab, in der sie dagegenprotefbterten, daß e in Zio n ist au ch im Kongreß der Liga gegen I m periaki s m u s ausz u tr eten wagt. Sa k la t o a ta (Indien) sprach die Meinung des Kongresses wie folgt aus: Der Konflikt zwischen den Arabern und den Zionisten wird van uns geprüft werden. Wir -müssen sedoch unsere Sympathie allen jenen versagen, die nach Palästina gehen, um den Jmperallsten zu helfen, die Revolution zu unterdrücken. Die Liga ift nicht gegen jene, die als Freunde der Araber nach Palästina kommen, aber gegen jene, die nach Palästina gehen, um die Araber zu beherrschen. Die Sprecher der französischen und der deutschem Delegation schlossen sich der Erklärung der Araber an. Der Kongreß faßte schließlich eine sehr umfangreiche Resolution, in der auch ein längerer Absatz über Palästina und Zionismus enthaldM ist. Es heißt darin, daß der Zionismus die stärkste Stütze des britischen Jmperailismus in Palästina ist. Unter dem Vorwände, ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu schaffen, ließ man aus Europa Arbeiter kommen, die besser bezahlt sind als die ausgebeuteten arabischen Arbeiter. Dadurch entstanden Reibungen zwischen Arabern und Juden, die durch imperalistische Manöver in religiöse und Rassenkämpfe umgewandelt wur. den. — Der Kongreß stand vollkommen unter kommunistifchvr Führung. Schweiz, j Zionistenkongreß. Zürich, 28. Juli. Der XVI. Zionistenkongreß wurde heute um 4.30 Uhr nachmittags im hiesigen Stavttheater in Anwesenheit von 2500 Menschen aus aller Herren Ländern mit der gewohnten Feierlichkeit eröffnet. Präsident Weizmann hielt die Eröffnungsrede. Sokolow folgte ihm mit einer längeren Gedächtnisrede in hebräischer Sprache auf Theodor Herzl. Vertreter der Regierung, der Stadt, des Völkerbundes sowie der jüdischen Körperschaften verlasen längere Begrüßungsansprachen. Auch der englische Botschafter in Bern entbot dem Kongresse wärmste Grüße und herzlichste Glückwünsche seiner Regierung. Um 7 Uhr abends ‘«Dar die Eröjinungsfeierlichkeit zu 'Ende. Der Beginn der Referate -und Verhandlungen im Plenum findet morgen, Montag, 10 Uhr vormittags statt. Zürich, 31. Juli. Am Montag Vormittag erstattete Dr. Gronemann den Bericht des Kongreß-Gerichtes, demzufolge der Kongreß 322 Mitglieder zählt. Es entfallen auf die allgemeinen Zionisten 140 Mandate, aus Misrachi über bO, Hitachduth 43, Poale Zion rund 40, Revisionisten 17, Radikale 11. Dr. Arthur Ruppin referierte über die 'Bedeutung Palästinas für die Zukunft'der Juden. Redner charakterisierte die allgemeine Lage der Judenheit an Hand der Ziffern über Mischehen, Geburtenrückgang usw. Als Mittel gegen den Zerfall könne nur das nationale - Zentrum in Palästina Die Woche. Berlin. Der frühere Bochumer Pastor M ün chmeyer, gegen den zurzeit nicht weniger als 48 Beleidigungsklagen schweben, ist vom Schöffengericht Hannover in ganz merkwürdiger Weise sreigesprochen worden. Er hatte in einer Versammlung auf die „Judenrepublik" geschimpft und die Ermordung Rathenaus als ein „großes Glück" für Deutschland bezeichnet. Das Gericht begründete seinen Freispruch damit, daß es auf die begleitenden Umstände ankomme. — Bialik hat nach gut überstandener Operation das Krankenhaus verlassen und hofft, an « der Agency-Konserenz teilnehmen zu können.— In der Berliner medizinischen Gesellschaft hat der bekannte Chirurg Prof. Sauerbruch eine neue Heilmethode für Tuberkulose bekannt gegeben, deren Erfolge verblüffend seien. Urheber der Heilmethode ist ein jüdischer Arzt in Bielefeld, Dr. Mar G e r s o n, der bei seinen Kollegen in Bielefeld verfehmt war,ünd den man nicht auskommen ließ. Durch einen Zufall erlangte Prof. Sauerbrunn Kenntnis von den enormen Erfolgen der Gerfonschen Methode. — Im Gegensatz zum Schöffengericht Hannover hat das Schöffengericht Hamburg einen Angeklagten, der das Wort Judenrepublir gebraucht hat, der Beschimpfung des Staates als schuldig erkannt und ihn zu einer Geldstrafe von 150 Mk. verurteilt. — Der preuf siche Jmeiimi iister Glzesinsly veröffentlicht eine Selbstbiographie, worin er darauf hüloeist, daß sein Vater und seine Mutter durchaus arischen Ursprrmgs seien. — Köln. Der nationalsozialistische .Landtagsabgeördnete Dr. Robert Ley ist vom Schöffengericht wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft und Aufreizung zum. Klassenhaß zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Er hat den Ritualmord als eine Einrichtung der jüdischen Religion dargestellt. — Vcuthen. Die Kattowitzer Polizei hat durch Zufall einen von zwei Polizeibeamten vor 9 Jahren an einem fremden Juden in Kostuchna 8 ' begangenen M o r d entdeckt. Die beiden Mörder wurden im Laufe des gestrigen * Nachmittags verhaftet. — Wien. Der Fürst von Lichtenstein hat eine jüdische Dame, die Baronin Guttmann, geheiratet. Eine Abordnung der Lichtenstern'schen „Ilntertanen" war vorher erschienen, um gegen die Thronbesteigung einer Jüdin zu protestieren. Der Protest hat aber nichts genützt. — Czernowitz. Der bekannte antisemitische Terrorist C o d r a n u macht an der Spitze einer Hakenkreuzlerbande von 50 Mann die Gebirge in der südlichen Bukowina unsicher. Jüdische Touristen und Ausflügler werden mit Eebirgsstöcken und Fußtritten in der brutalsten Weise mißhandelt. Die Presse fordert die Bekör^e^u erercischem Vorgehen aus. —Moskau. Die Sowjetregierung beabsichtigt auch in der Krim autonome jüdische Rayons zu bilden. 50 000 Hektar sind von Komzet bereits in Besitz genommen. — In zahlreichen größeren und kleineren Städten sind antisemitische Organisationen unter verschiedenen Rainen aufgedeckt worden, die Propaganda betreiben. Ihre Losung lautet: „Schlagt die Juden und rettet Rußland. — New Port. Bei einem Zusammenstoß zwischen streikenden Arbeitern und der Polizei ist Miß Annn S ch e ch t e r . die Tochter des berühmten. Leiters des jüdischen theologischen Seminars ün New Park, des verstorbenen Prof. Salomon Schechter, verhaftet worden. Miß Schechter leistete Fürsvrgearbeit zugunsten , der Kinder der streikenden Arbeiter. — Drei bewaffnete Räuber drangen während des Gottesdienstes in die Bne Israel-Synagoge im Stadtteil Harlem ein, um zu plündern. Einer der drei Räuber wurde auf der Flucht festgenommen. —r Der Schomre Sabbos-Verein im Stadtteil Dorough-Park im Verein mit der Organisation „Joung Israel" besuchten an den Freitagnachmiltagen die jüdischen Kaufläden und fordern den Ladenschluß am Sabbat. Der Verein will einen Boykott gegen die Ladenbesitzer, die am Sabbat geöffnet halten, einleiten. — Beirut. Die arabische und französische Presse . in Beirut betreiben seit einigen Zagen eine Ritualmordhetze. Es herrscht starke Panik. dienen. Es fei möglich, innerhalb von 20—30 Jahren dort eine Million Juden anzusiedeln. Redner beantragt die Einrichtung eines besonderen Kolonisationsfoinds. Mit bloßer ^Wirtschaftlichkeit könne man jedoch Palästina nicht ausbauen, vielmehr müsse die Hoffnung aus bessere soziale Lebensformen Mitwirken. W e i z - m a n n ergänzte alsdann feine Eröffnungsrede durch einen Rechenschaftsbericht, der die Beziehungen zur englischen Negierung und zur palästinensischen Administration behandelt. Die Arbeitslosigkeit sei heute in Palästina auf eine verschwindend geringe Ziffer zurückgegangen. Nachdem die Erweiterung der Agency abgeschlossen sei, wird das zionistische Budget 1 Million Pfund betragen. Im zweiten Jahre nach der Erweiterung der Agency wird man mir neuer großer Kolonisationstätigkeit beginnen können. Nachmittags referierte Dr. Felix Rosenblüth über die Verfassung der Agency, worauf Prof. S. Brodetsky über die Aufgaben der zionistischen Organisation in der Zukunft sprach. In der Abendsitzung begann die Hauptaussprache, wobei als erster der Vorsitzende des Misrachi, Herr Meic>p B e r - I i n das Wort ergriff. Zürich, 26. Juli. In einem Gespräch des JTA-Vertreters mit dem Präsidenten der Welt-Misrachj, Rabbi Meier Berlin, äußerte sich dieser über die Stellung des Misrachi zu den Problemen des XVI. Zionistenkongresses ungefähr wie 'folgt: Misrachi hat bei den Wahlen zum XVI. Kongreß sehr gut abgeschnitten; Misrachi-Kandidaten wurden sogar in Ländern gewühlt, in denen eine Misrachi-Organisaiioit nicht besteht. Dies beweist das tiefe Interesse des religiösen Judentums für Zionisnrus und Palästina- Ausbau. Die wichtigsten Misrachi-Probieme des XVl. Kongresses find das Budget für religiöse Angelegenheiten und Erziehungsarbeit, das Kolonisationswerk des Hapoel Hamisrachi und die Frage der Exekutive. Die Erziehungsfrage ist nicht eine Finanzfrage, sondern d!ie Frage, vb Misrachi die Möglichkeit erhält, seine besondere Erziehungsarbeit fortzusctzen, ohne in der inneren Einrichtung der religiösen Schulen von irgendwem abhängig zzu sein. Die Exekutive gibt diesem Problem die politische Note, indem sie sich sogar der Hilfe der Regrchung bedient, uni das Misrach'.-Schukwefen zu bekämpfen, ungeachtet dessen, daß es ihre Sache ist, vollkommene Freiheit für die innere Einrichtung der Schulen zu verlangen. Der Kongreß steht hier vor einem schwierigen Problem; Misrachi ist entschlossen, seinen Standpunkt kräftig zu betonen. Wir bedauern es, daß die Agudas Jisroel nicht in die Agency geht, um die religiöse Position zu verstärken. Ich begrüße die Rabbiner, die in die Ageycy emtreten; ,Misrachsi wird mit ihnen Hand in Hand gehen. Ich glaube, daß auch die Agudah schließlich ihren Fehler erkennen und sich der gemeinsamen Aktion für den Aufbau Erez Israels anschließen wird. Herr Eedalia Bublik, der Präsident des amerikanischen Misrachi, erklärte, Misrachi nehme zu der Frage der Agency einen positiven Standpunkt ein. Erez Israel ist Sache des Klal Israel. Wir hoffen, daß die Richtzionisten die religiösen und kulturellen Forderungen stützen werden. Ich hoffe, daß auch die Agudah in ihrer Arbeit für Palästina sich auf unseren Standpunkt stellen wird. So wird die religiös-nationale' Idee beim Ausbau Erez Israels den Sieg daoontragen. Rumänien. Annahme des jüdischen kuttusgesehes durch das rumänische Parlament. Bukarest, 24. Juli. Di>e rumänische Kammer hat mit großer Stimmenmehrhoit den von der Regierung im'fcerbmteten- Gesetzentwurf betreffend die Organisation der jüdischen Kultusgemeinde angenommen. Gegen den Regievungsientwurf stimmten sämtliche jüdischem AbWvrdnelen, auch diejenigen, die der Regierungspartei (Nationakza ranksten) angehören; ferner die Soz-iaidem okralen, die Deutschen und einzelne Abgeordneten anderer Gruppen. Der Beschluß der Kammer hat in der Orthodoxie große Befriedigung heroorge rufen. Tschechoslowakei. Eine neue orthodoxe Gemeinde in-der Slovakei. H u n c o v c e , 28. Juli. - Der Vorstand der orthodoxen Kultusgemeinde Huncovce ersucht uns, im Anschluß an den in voriger Nummer erschienenen Bericht, darauf hinzumöissn, daß ss sich bei der Neugründung, wie Kenner der Verhältnisse