Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 31 die nicht verschmäht, bewußterweise auch Nichtzionisten zu diesen Wahlen heranzuziehen, um die Mandate der eigenen Partei zu vermehren, (s. Artikel Dr. Schachtel in Nr. 56 der „Jüdischen Rundschau", ferner die Artikel der „Stimme" betr. die Wahlen in Berlin und Wien.) Der Stimmenfang, mit Hilfe nichtzionistischer Wähler wird wessn-tlich erleichtert durch den niedrigen Satz des Schekels, der in Westeuropa in der Landesmünze nur einen sehr niedrigen Betrag ausmacht; in Deutschland z. B. Mk. 1.50. In den Ländern des Ostens wird ein noch niedrigerer Satz erhoben; im Durchschnitt der Jahre 1928/29 erbrachten, 600.000 Schekolim netto rd. Mk. 800.000; das dürfte mit dem Satz von Mk. 1.50 ungefähr übereinstimmen. Als Fazit ergibt sich, daß der Zionismus feinen Anspruch, -Vertreter des jüdischen Volkes zu fein, auf eine über die ganze bewohnte Erde zerstreute Zahl von rund 200 000 Anhängern und bestenfalls ebensoviel unsicheren Mitläufern stützt. Das jüdische Volk zählt aber zurzeit 16—18 Millionen Seelen; davon dürsten ca. 12 Millionen in wahlfähigem Alter stehen. Von dieser Zahl bilden die wählenden Schekelzahler 2—3 Proz i Das Hinzutreten des kleinen Kreises der Notab eln, aus denen man die nichtzionistischen Mitglieder der I. A. erkoren hat, verbessert das Zahlenverhältnis nicht. Das Ergebnis dieser auf unanfechtbare Zahlen gestützten Untersuchung ergibt also: Es ist ein ziffernmäßig unbedeutender Bruchteil der Gesamtzahl jüdischer Seelen, auf den gestützt die neue Agency ihr Mandat ausübt. So wenig wie früher die Zionistische Organisation, kann daher heute die I. A. als berufene Vertreterin des jüdischen Volkes gelten. Hier setzt u. E. die Aufgabe der Aguda ein. Sie wäre berufen, ,die Forderung gegenüber der jüdischen Oeffentlichkeit wie gegenüber dem Völkerbund und de,r Mandatsmacht England im besonderen, zu erheben: daß in naher Zukunft, die Jewish Agency, die sich auf eine Minderheit stützt, ihr Mandat an eine wirkliche Vertretung des jüdischen Volkes abzugeben habe. Mit anderen Worten: es wäre die Forderung nach einer gänzlichen Neuwahl der I. A. zu stellen, einer Neuwahl, die es allen Juden der Welt ermöglichte, ohne Bevorzugung zionistischer Elemente, daran teitzunehmen. Hier dürfte wohl der Einwand erhoben werden, was hat die thoratreue Judenheit von einer aus all-gemeinen Wahlen hervorgehenden I. A. zu erhoffen? Hierauf ist zu sagen: „Was ist zu verlieren,?" Eine Verschlechterung gegen die jetzige Lage kann Jomtof ihre Grütze und Wünsche zu Überbringern gab er ihnen als Abschiedsgrutz eine «’vip auf o-an-r auf. Zufällig weilte ich an jenem Jomtof in Hebron! Staunend tonnte ich feststellen, daß die meisten,, rra’iina, über ihren aufgeschlagenen Folianten den ganzen Jomto.f über saßen, und die-von Rabb. Rubin Vst gestellte Aufgabe zu lösen versuchten. Selbst auf ihrem Spaziergangs war dieses Thema ihre Unterhaltung. So war'das Leben und Wirken dieses seltenen v p’is» dessen Bescheidenheit es verhindert hat, datz er schon im Leben so bekannt und bewundert wurde, wie er verdiente, -s»rr,12’bsp’ iniar I. L. Wochentalender. v. 3. — 10. Aug. 1929 / o. 26. Tammus vis 4. Ab 8689 Samstag 3 26 vinn pana» ’3?o»i mu» Sonntag Aug 4 27 SRauIeb Montag nachm. 3 Uhr Mn/ Montag 5 tlvd 28 Dienstag 6 29 pp usa ov Mittwoch 7 1 vin pm Donnerstag 8 an 2 Freitag 9 3 Samstag 10 4 ]iin mp nnai Verantwortlich für de» allgemeinen Teil und va» jfeiuUcw» S. Schachnowitz» Frankfurt a. SR.; Inserate t. B.r S.Schach» tfotoffe, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen («r. Offenbach). — Verlas .Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a. SR, — Druck «errnon Berlaa» Aktiengesellschaft, Frankfurt a. R. __ Der 9 g x a e 111 _ unmöglich eintreten. Jetzt besteht die unsagbar traurige Lage, daß wir Gesetzestreue bei dem Ausbau des Heiligen Landes vollkommen ausgeschlossen sind. (Die Misrachisten, deren gute Absicht nicht verkannt werden soll, haben sich durch ihre sklavische Unterordnung unter die zionistische Leitung jeden Einflusses längst selber begeben.) Jede Aenderung kann also nur eine Aenderung zum Besseren sein. Eine solche Aenderung liegt im Bereich der Möglichkeit. Die neue I. A. birgt gewaltige Gegensätze in ihrem Schoße. Wir denken hier nicht in erster Linie an den Gegensatz zwischen Mchtzilmisten und Zionisten, auch dieser wird sich geltend machen. Die Harmonie, die in schönen Reden ausklang, solange es sich nur eben um eine rednerische Betätigung handelte, sie wird wahrscheinlich schon bei der Beratung des ersten Jahresbudgets der. Jewish Agency auf eine harte Probe gestellt werden. Aber nicht dieses ist es, was wir zunächst im Auge haben. Nicht alle nichtzionistischen Mitglieder werden mit der Kulturpolitik einverstanden sein, die bisher seitens der Exekutive beliebt wurde. Nichtalle neu Hinzugekonimenen werden es als ein wünschenswertes Ideal bezeichnen, aus Palästina „ein sozialistisches Laboratorium" zu machen*) uff. Damit soll mdjt etwa der Erwartung Raum gegeben werden, daß die I. A. in ihrer neuen Gestalt sich als arbeitsunfähig erweisen wird. Das scheint ausgeschlossen; aber die Gegensätze, die sie umschließt, müssen sich auswirken. Spannungen werden entstehen, für deren Lösung allen Teilen eine grundlegende Neuwahl als bester Ausweg sich bieten dürfte. Für diesen Moment gilt es gerüstet zu sein. Es mag als Chimäre erscheinen, heute, da die neu gebildete I. A. sich erst anschickt, zusammen zu treten, den Ruf nach ihrer Neuwahl zu erheben. Jetzt, bevor sie ihre Arbeit beginnt, gilt es festzustellen, daß die I. A. nicht denVolkswillen verkörpert, daß sie nicht das Recht hat, sich als Vertretung des jüdischen Volkes zu fühlen und zu fü hren. Das in aller Deutlichkeit festzustellen, dazu dürste die Wiener Tagung Gelegenheit bieten. Sommer-Sabbake Von A. Mannheimer in Dettelbach. In gut christlichen Blättern kann man oft Klagen und Anklagen gegen die „Verwilderung des Sonntags" lesen. Spiel, Sport, Wettkämpfe, Ausflüge per Auto, Extrazug, politische Versatnmlungen, bei der auch Geistliche mittun, hätten 'düs dem Sonntag einen Werktag gemacht uswh Mitunter fehlt -es auch nicht.an -Hinweisen auf die Strenge des jüdischen Sabbats Es kann: uns nur mit Genugtuung erfüllen, rpenn man uns beneidet um diese himmlische HZeyft. In der Tat, den Zauber eines echten Freitag-Abend, wo im Frieden der Sabbatlichter sich die Familie an festlich beleuchteter Tafel zusammenfindet und vielleicht das Mahl würzt durch die Klänge der alten Semiraus, diesen seelischen Hochgenuß wird man uns nicht so leicht nachmachen. Vom Sabbat sagt die Thora selbst: ffsi'i und Er beseelte ihn. Ihm gegenüber gelten die sorgendeladenen, arbeitsreichen Wochentage als tot, als seelenlos. Der Talmud weiß geradezu von einem direkten Zuschuß geistiger Kraft zu melden, den jeder Jude mit Eintritt des Sabbat erhält, von derftNN' fraiw einer zweiten Seele, die ihn erst beim Ausgange des Ruhetages wieder - verläßt, was dann einen fühlbaren Schwächezustand verursacht, dem man durch das Rischen an Gewürzen entgegenwirkt. Kann man schöner und sinniger den raff mp darstellen, die intensive Beeinflussung der Wichen Seele durch den himmlischen Ruhetag, der allwöchentlich unsere Häuser und Familien« be- *) Oscar Cohn hei der Berliner Konferenz der Poale Zion. 1. August 1929 glückt? Wahrlich, er bedarf nicht äußerer, sinnlicher Reize, er kann auf das verzichten, was moderne Wochenend-Menschen zu ihrer Erholung nicht glauben entbehren zu können . Bei uns ist der Sabbat nicht Wochenende; er bildet die golune Achse, um die sich die sechs Werktage, drehen', der Mittwoch schon vom Morgenstrahl des kommirden Sabbat getroffen, der Dienstag noch im Abendrot des vergangenen Ruhetages schimmernd. Die breiten Massen können sich den Sonntag kaum •. ohne Wirtshaus denken. Was sich dort alles abspielt, ist allbekannt, und es fehlt Nicht an Geistlichen, die immer und immer wieder auf jene Tatsachen und Zustände klagend und warnend Hinweisen. In der Moraluüd Kriminalstatistik spielt - der Sonntag und „blaue Montag" keineswegs eine ideale Nolle. Der Jude möge auch jeden Schein vermeiden, als ob er den raff >115 durch Wirtshausbesuch, insbesondere im Sommer durch dom Besuch von G a r t e n w i r tschaften erhöhen könnte. Das Bild des rinp ist mit dem des jüdischen Hauses so innig verwachsen und verwoben, daß nur Gedankenlosigkeit und oberflächliche Nachahmungssucht hier störend eingreifen können. Der Besuch von Gartenwirtschaften am r-ap bringt eine Reihe vom (Verfehlungen) mit sich. Das Hintragen von Speisen, die man dort genießen möchte, das Unterlasten des Händewaschens; die Verrichtung des Tischgebets unterbleibt nicht selten, schließlich wirdman auch zahlen. Aber auch.da, wo man den nötigen Ernst, die nötige Gewissonhaftigkeit aufbringt, solches zu vermeiden, kann niemals in der freien Sphäre und Ungebundenheit des Wirtsh ausbetrieb es jene Weihe und Würde gewahrt werden, die ein selbstverständliches Postulat der echten Sabbatfeier ist. Wie schnell, wie leicht wird dort raff n*njr& zu einem crxV affiai Die überlaute, schäkernde Ausgelassenheit, welche nicht jedes Wort auf die Goldwage legt, ist kein gutes'Veispiel für die Heranwachsende Jugond. Eineni2v Vff nnnff ist keine rvMin w nnvff« Es gibt auch noch eine Reihe anderer Gründe, die gegen die Einnahme der Mahlzeit im Garten sprechen. So schreibt Abraham Danzig in seinem Chaje Adam rr raff naVn: „Alles, was das wafchens; die Verrichtung des Tischgebets unterdas Verbot des Säens, also auch das Begießen einer Pfanze mit Wasser. Darum vermeide man es bester überhaupt, im Garten zu esten am Sabbat, wenn man daselbst mit Getränken, hantiert; denn schwer ist es, hier die nötige Sorgfalt, walten zu lasten.*) „Und der Verfasser des yvix «joi* sagt in der poetischen Uebertragung seines „Sanges für Sabbat" (Strophe 4): „Im Garten, da alles steht im vollen Blut (Blüte) , , Und als (alles) das wol riecht, In' einer Sukko, (Gartenlaube), die da im Schattenruht, *’ V;; Esten die Vrumen (Frommest) nicht. (Fortsetzung folgt.) Korrespoitdeitzttt « nacbridwn Deutsches Reich. Die Paläfiinafrage auf dem Weltkongreß der Antiimperialisten. / F r ankfurt a. M., 26. Juli. Mit einer fünftägigen Verspätung trat der 2. Weltkongretz der „Liga gegen Imperialismus urd nationale Unterdrückung" in der Nacht zum 26. Juki - in die Behandlung der Palästinafxage ein. Hierbei kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den arabischen Delegierten und dem Vertreter der linken Poale Zion, Ben Saul.-»Pousses (Aegypten) erösfnete die Ausspräche über das arabische Problem. *) Auch ist das „Tragen" in einem größeren Garten (70 Ellen im Quadrat) nicht so ohne, weiteres gestaltet. 1