Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1.. August 1929 8 s r a e! i t L a u ä t h ei t" an. (Bi Erde' es int Egeüscttz hü Agudas Äisroel nicht btifbert, daßder Gedctüke I n? „Einheit des ganzen jüdischest Pöftes" Uv Mrt!?, ntergründ gedrängt Wird durch den „Oalstth- Iqc'h bei Trennung". Die Forderung üstch Einheit!de-' jüdischen Volkes fei.ein „ integral er B efund t e if ju bischer Se e lenhältUn g." Ai s diesem ÄrUNde könnten Misdächisten uri!- j m j g l i ch innerhalb der Aguda arbeiten — mit lunö ohne § 4. . •> , Prof. Frankel hat auf die Adlerfchen Aus- ^füi.rungen noch einmal erwidert und hat den Gegeusatz zwischen sich und seinem Gegner vollkommen zutreffend, kürz also formuliert: „Stellt der Misrachi eine p o l i t i s ch e P a r t e i dar, die sich auf em umgren z t e s Ziel, hie Verwirklichung des Baseler Programms im Sinne der jüdischen Tradition innerhalb des Rahmens der Konistischsn Organisation konzentriert und beschränkt, oder ist er e i n e w e l t ans ch a u - l i ch e G r u p p e, geeint und von anderen Gruppen geschieden, durch die Art seiner jüdischen Auffassung, aus der die Betätigung auf allen hierzu geeigneten Arbeitsgebieten fließt?" Wer auf dem letzteren Standpunkt steht, wird die Mitarbeit eines Misrachisten in der Aguda natürlich für unmöglich erklären. Wer aber mit Frankel die erstere Anschauung vertritt, muh, so glauben wir, notwendigerweise zu der Ueberzeugung kommen, daß gerade Mis-' rachiste'n, weit sie glauben, einen, Teil ihrer jüdischen Pflichten .innerhalb der zionistischen Organisation lösen zu sollen, e s s ch o n u m d e r Jugend w i ll e n s eelisch um s o n o t - wendiger haben, ihre innere Solidarität mit de r d u r ch d i e g e m et n - same Weltanschauung der Thora geeintenOrthodox ie der W e l t du r ch kräftige Arbeit i«v de r Aguda zu b e - tonen. Die ganze Frage ist nur, ob innerhalb des heutigen Misrachi der Fränkelsche oder der Adlersche Standpunkt das Uebergewicht hat. Soweit uns ein Urteil möglich ist, scheint es uns, daß Fränkel Anhänger seiner Ueberzeugung leider nur in der älteren misrachistischen Generation hat und auch nur m den westlichen Ländern. Im ganzen Osten, insbesondere in Polen, in der Slovakei, in Rumänien hat der Riß zwischen, Misrachi und selbständiger Orthodoxie bereits so tief hineingewirkt, in die seelische Verfassung der Jugend, daß die vernunftgemäßen Gedankengämge Frankels überhaupt nicht mehr verstanden werden. Es ist schmerzlich, diese Tatsache zu betonen, aber man muß sie hervorheben, um die scharf ablehnende Stellung der orthodoxen Uleines Feuilleton. Erinnerungen an Rabbi Mordechai Loeb Rubin?"XT VN22VUN pl IV»3 Win in Jerusalem. Im Jahre 1924 — rmy-mn, n^y — kam ich als Aule der Agudah nach Palästina. Da ich Herrn Rabbiner Mordechai Loeb Rubin V"xr Grütze und Briese aus Frankfurt von' seinen Verwandten Zu überbringen hatte, so galt ihm mein erster Privatbesuch. Er wohnte in pv'« ww genannt nach ihrem Begründer Moses Montefiore. In diesem Stadtteil bekleidete er das Amt eines Raw, das er vorher in der Kolonie - Ckron inne hatte. Seine hohe Gelehrsamkeit befähigte ihn auch zu der Stellung eines s'i rra twn der Kehillath Aschkenasim. Diese Tätigkeit übte er jedoch unentgeltlich aus. In der Nähe des Beth Hamidrosch bewohnte er ein kleines Häuschen, das lediglich 2 Zimmer und eine enge Küche enthielt. Durch den Vorderraum gelangte man in das Hinterzimmer, das Arbeits-, Empfangs-, Wohn-, Schlaf- und Etzraum zugleich darstellte. 'Ein die ganze Wand einnehmender S'forim- Schrank, zwei Betten, ein Sofa, eine Komode und ein Tisch mit Stühlen halfen gemeinsam mit einer immer großen Anzahl v)n Besuchern, Schülern und Bittstellern, das Zimmer eng und unscheinbar erscheinen zu lassen. Umsomehr ist die peinliche Sauberkeit und'-die wohltuende 'Ordnung' hervorzuheben,, mit der seine Wohnung von denen der anderen Jerusalemer ab stach. — Ich rich-. tete Imeinen Auftrag aus, übergab die Briefe und wollte mich wieder verabschieden, wurde aber von ihm so gast- Krelse d^s MWÄ gWüüber jedem Warben uw Mtz Seele des Misrüchi Zü b e gre i f e n. Hier Dyk Watt iw Msrächi lehigltch sine Gruppe, die für gewisie Teile heb Jugend die Brücke, den Ü e b e kg a n g a ü s b em Lag e r de r O rt h o d o x i e i n b i e klng e 6 ü n d e n h e i t lib eraler W eltanschauung bildet. Es wäre vor allen Dingen Aufgabe von Männern wie Adolf Fränkel, in n e rh alb fe ine r Partei ein re l i g i ö f e s Z e n t r u m zu bilden, das zur Selbstbesinnung mahnt und, i n s - bes6ndere aüf dem Boden von Erez Iisr de l s e l b e r, das Hrimal des Thoragesetzes und der Emunath Chachomim in der Absolutheit ihrer Ansprüche vor aller nationalen Begeisterung betomt; ein religiöses Zentrum, das auch die un'geheüre Gefahr erkennt, die für den jungen Misrachi in dem zionistischen Heroenkultus liegt, in der Verehrung und Vergötterung von Persönlichkeiten, deren Verdienste außerhalb des Judentums liegen und die unserer Jugend nimmermehr Vorbild sein bürfmi. Durch eine solche Wirksamkeit könnte der Tag vorbereitet werden, an dem in der Tat auch für den Misrachisten die Zugehörigkeit zu der gemeinsamen einheitlichen Volksorganisation der Thora zur Selbstverständlichkeit werden wird. Dann würde sich vielleicht auch die Stellung der rabbinischen Führer des Ostens zum Misrachi wesentlich ändern. Ist die Zewish Agency die Verkrekung der Zudenheik? Man schreibt uns von unterrichteter, der Agudaleitung fernstehender Seite: Unter der Ueberfchrift: Jewifh Agency und thoratreue Judenheit enthält Nummer 29 des „Israelit" einen Artikel, der in knapper Form Werden und Sein der Jewifh Agency darstellt. Anknüpfend daran wird, in gleichfalls überzeugender Weise, das bittere Unrecht klargelegt, das die zionistische Organisation durch die konsequente Ausschließung und Ignorierung der in der Agudah organisierten thoratreuen Massen seit Jahren begeht und das bei der Zusammensetzung der erweiterten I. A. seinen Höhepunkt erreicht hat. Nach zwei Seiten scheinen mir die sonst vortrefflichen Ausführungen einer Ergänzung bedürftig: Erstens. Keine andre Richtung im Judentum führt das Wort D e m o k r a t i e so häufig im Munde, wie der Zionismus. In Deutschland z. B. war seinen Vertretern kein Wort kräftig genug, wenn es galt, die „ N ot a b e l n w i r t s ch a f t " zu verurteilen. Alles Unheil in den Gemeinden rührte angeblich voll diesen Notabetw her. Ihnen freundlich ausgenommen, daß ich meinen Besuch auf einige Stunden äusdehnte. Dies Haus würde mir später, wie vielen anderen, zur zweiten Heimat. Schon in der ersten Unterhaltung merkte ich, datz Herr Rabb. Rubin neben feiner hohen talmudischen Gelehrsamkeit und seinem Feuereifer für alles wahrhaft Jüdische, auch eine tiefes Verständnis für die Forderungen der Zeit besaß. So gehörte tzr schon seit jeher der, Agudah an — bei der ersten 'Kenessio. Gedaulö war er Delegierter der palästfi nensischen Agudah — nahm rege an ihren Sorgen und Nöten teil und zeigte, für Jerusalemer Verhältnisses eine 'selten anzutrefsende fortschrittliche Denkweise. Ueber seinem Leben stand wie ein finsterer Schatten' ein altes böses Leiden. Aber trotzdem ließ er es sich nie nehmen, die r-pim» nben mit Sonnenaufgang pp'71112 zu.verrichten und blisb diesem Brauche bis an sein Lebensende treu. Schon 'früh morgens scharten sich in seinem Stübchen Leute aus allen Volksschichten. .Der eine bat um einen Rat, der andere für einen wohltätigen Zweck,, der dritte in ^iner Angelegenheit der Orthodorie und! wieder -ein anderer wollte über eine schwierige Stell« des Talmuds Aufklärung haben, Seine Antworten waren immer treffend und bestimmt. Er befatz die Fähigkeit, in kurzer Zeitspanne alle die sich um ihn Scharenden zu befriedigen, ehe er zur ■p'i v'a -Sitzung ging, die noch am Vormittag begann. Oftmals geschah es, datz die Besucher derart , zahlreich waren, datz die Zeit der Sitzung herannahte, 'ehe alle Antworten erteilt waren. Da begleitete ihn der Rest seiner Besucher auf dem Wege zum ,n?a. das in der Altstadt sich befindet und wurden so rm Gehen zufrr'-en gestellt. Wenn er vann am späten Nachmittage abgespannl 'und müde nach Hause kam, wurde er schon wieder von. zahlreichen Leuten erwaKet, die ihn mit ihren Wünschen und Sorgen bis 'in die späte Rächt hinein in Anspruch nahmen. ^Nan hatte also die Nr. ,31 Seite' 3 gegenüber erglänzten die zionistischen Heroen im Brillatttfeuer einer urechten Demokratie. Unter der Losung „Demokratisches Wahlrecht" begann seinerzeit der Stürm auf die Gememden, trat man für die Ausdehnung des Wahlrechts auf Frauen und Jugendliche etn». Aber seltsam, jetzt, wo es sich nicht UM die, für die jüdische Gesamtheit relativ belanglosen Interessen einer Einzelgemeinde, jetzt, wo es sich um vitale Entscheidungen für den Klal Jisroel handelt, jetzt steckt man sein.demokratisches Programm in die Brufttafche da, wo sie am tiefsten ist. Die Äuserwählten, die für Deutschland berufen warenim Saale der Berliner Krolloper, die deutschen Delegierten für ldie I. A. zu wählen, sie waren vorher von der zionistischen Leitung sorgfältig gesiebt und« geprüft: aus ihren Beratungen ging ein Resultat hervor, das längst vorher feststand, so daß die Namen der Erwählten schon Wochen vorher die Spatzen von allen Dächern pfiffen. Was kann demgegenüber heute geschehen? Es gilt m. E. der Oeffentlichkeit, und nicht nur der jüdischen Oeffentlichkeit, klarzulegen, daß auch 'diese erweiterte Jewifh Agency, nicht die Vertretung des jüdischen Volkes ist, dem die Balfourdeklaration die jüdische Heimstätte überantwortet wissen will, so wenig wie das bisher die Zionistische Organisation—, die seitherige Inhaberin des Mandates war. Es ist nicht ganz überflüssig, sich emmal klar zu machen, auf welche Massen sich die Zionisttsche Organisation selbst stützt. Ihren Unterbau bilden die seitens der Schekelzahler vollzogenen Wahlen zum Kongreß, der seinerseits die zionistische Führung zu ernennen. hat. Diese Schekelzahler find es also, die den Anspruch des Zionismus, die Vertretung des jüdifchM Volkes zu bilden, rechtfertigen sollen. Nun erfolgen die Wahlen zum zionistischen Kongreß nur in jedem zweiten Jahr; der Schekel über wird alljährlich erhoben. Eine Prüfung ergibt, daß in den Kongreßjahren, d. h. in den Jahren, wo Wahlen stattfvniden, die Zahl der Schekelfpender sich nahezu verdoppelt. So gab es Schekelzahler in 1926 . . . 214.963 1927 . . . 418.803 1928 . . . 206.484 1929 ... 391.635 Es leuchtet ein, daß für die Frage nach der Zahl waschechter Zionisten nur die Ziffern der kongreßlosen Jahre maßgebend sein können. Das Mehr der Jahre, in denen ein Kongreß stattfindet, ist in der Hauptsache das Produkt rastloser Agitation seitens der verschiedenen Parteien innerhalb dse Zionismus, eine Agitation Möglichkeit, auf alle Lebensfragen aei dl'efem Manne sich Rar zu tjolen. Vorbildlich war fein Tun auf dem Gebiete der Zedokoh und des Gemillus Chasodim, wo er oftmals über seine Verhältnisse hinaus aus eigener Tasche spendete. Er verfügte auch über verschiedene Privat-Zedvkoh-Kassen. . Infolge seiner fortschrittlichen Gesinnung verstand er es, die orthodoxe Jugend zu sich heranzuziehen, die, sich hauptsächlich aus ira'vvt •mm und miss '^sis -.zusammensetzte. Mit Rat und Tat stand er ihnen hilfreich zur Seite und bemühte sich oftmals persönlich, den cv'^sis Arbeit zu verschaffen. Ja, soweit ging seine Sympathie, mit ihnen, datz er sich in einer prinzipiellen Frage über die Statuten der Agudah hinwegsetzte und zugunsten der.c-'^io entschied. Ein Vorstandsmitglied der &nizr imis 'i-viv -Organisation fand nämlich nach langem Suchen Arbeit in einem Institut der Allgemeinen Arbeiter-Organisation (Histadruth)I Er mutzte deren Statuten gemäß Mitglied der Histadruth werden, was aber wiederum den Satzungen der miss ■ü-yis zuwiderlief. E.i n e Person konnte nämlich nicht Mitglied beider Organisationen sein. Das betreffende Mitglied wollte und könnte aber nicht auf die Arbeit verzichten und so entschied Nabb. Rubin für eine tolerante Handhabung der Statuten und ließ den Ausschluß des Betreffenden aus den i-rrnv' nusrr 'i>sis nicht zu. Als damals eine Jechiwoh gegründet wurde, die das Lernen und den Ackerbau pflegen wollte — nitHpimi" mmV M’P» — wurde er ihr. geistiger Führer und sammelte für sie Schemittoh-Eelder. — Bezeichnend für seine. Einstellung zu den m'vn mm ist folgende Begebenheit. An einem ErewJomtow, an dem einige aus der Hebroner- Jefchiwah zu ihm kamen, ihren verehrten Meister zu i