Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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y-T' 25. IM 1929 belbm,- deren reiiWöse GrundanrschauunT der seimtzen Mnietr«k. LntAeAmH^rK feit Chief-RaübiDr-.^Hertzstellte der S^rMmÄUM Herrä Solomon Blö-orn, MWM'des Dongresie's W ' V«!reLmAterv Staaten vor, W? iäAmevikä mich an der.Spitzedtzs. Kampfes//gege-n d-ie MienLerref-orm-BestvebUiN^en steht. SolomE Bloom hielt-ein-e Ansprache, in-der -er an seine am 11: Jum d. I. im ReMäsestMtenHaus der VereüMjyn Sjiaaibm, gehäftene Rede. gegen öle Kalendepreforrn a;iLnWfü(...M zei-gteeineKalendd-viabellL, di«, den „mandci'nden Sab'bät" -illustriert. Der jüdische rme der christliche -rMg«öj>e.- .OrrhetW- -würden»'-in, jeder Woche Es .-Ändere Tage fallen. Die Reform würde niemond- Nutzen, aber Vielen Schaden bringen. Er warnte die Versammlung davor, sich ein-AMl-den, Äa-ß di>e Reform vielleicht doch nicht kommen, werde. In Amerika besteht eine geeinte jüdische Front ig'Lg-en die geplante Kalenderreform. Mr müssen alle Völker der Erde über den Emst der Lage äüfkl-Lren, -bevor der Völkerbund die Sache in die Hand nimmt: Die Kalenderresonn-BeweWng! verfügt Uber GÄd and EiiHlMiß. Man müsse fest -gegendiese Pläne -zusammenstehen. Tagung der Anglo-Iewish-Afsociation. /London, 15. Juli. Der Präsident der Anglo-Jervish Association, Leonard G. Montefiore, erstatte-te in der heutigen Sitzung der AssoriMon den Bericht der JCA und führte ouisi, daß die Tagung -des Rates der JCA am 6. Juli von dem einige Stunden vorher erfolgten Ableben ihres Präsidenten Franz Philippson' überschattet war. Die JCA hat, zm großen Teil unter dem- Einfluß von Philippson, ander Lösung der werden dringendsten Aufgaben des heutigen Judentums, Einwanderung und Kolonisation, in hohem Matze mitgewirkt. Zieht man in Betracht, daß noch im Jahre 1921 119 000 Judenin die Vereinigten Staaten einwcmderteni, aber schon im Jahre 1925 nicht mehr -als 10 000 in das Land kommen dursten!, bedenkt man ferner, daß bei 135 000 Wanderern ' im Rekordjahr nur noch 39 000 Wanderer im Jahre 1928 gezählt wurden, dann wird mansich über die Aktualität -und Dringlichkert dieses Problems im Klaren fein. ' Eine -der Maßnahmen zur Besserung dieser neuen Lage ist der russische Kolonisati-o-nspkan. Diesem Plan gemäß hat die JCA 2000 jüdische F-crmMen mit etwa 10000 Seelen auf dem Lands -ängefiedelt. Noch erfolgreicher -gestaltet sich das Werk der K re di tgen o ffe nsch ästen in Polen, deren- Zahl fortwährend steigt und durch die fast -ein Drittel -der gesamten jüdischen- Bevölkerung Kredite zu, angemessenen Bedingungen erhält. Die JCA sah sich einem in ein enges Bett gedrängten Strom der jüdischen Wanderung gegenübergestsllt. Sie versuchte durch Schaffung von- AbMssen nachden Ueberseeländern den Druck zu lindern. Sie versuchte ferner, die wirtschaftlichen Bedin-gungen in den Ursprungsländern zu verbessern. Die Einwan-derungslander bevorzugen -immer mehr gewisse Schichten von Einwanderern, insbesondere Land-a-rbeiter. Selten kommt es vor, schloß Leonard G. Montefiore, daß man unter ein Kapitel jüdischer Geschichte ein „Finis" schreiben kann-. Ereignisse, besonders unangenehme Ereignisse, wiederholen sich nur zu häufig. Und es ist darum beruhigend, zu denken, daß von den 6000 Unglücklichen, die sich in -den europäischen Auswander-erhäfen befanden, als Ne -a-merikani-sche Einw-anderun-g-sein-fchränkung in Kraft -trat, heute -alle -untergebrachl sind. Amerika. Amerikanische Reform-Bestrebungen. Newyork, 10. Juli. In Lang, Bronch -tagt gegenwärtig die Convention der Rabbinervdrsammlung des Jüdischen Theologischen Seminars. Auf der Tagesordnung der Beratung steht die Frage der Errichtung eines autoritativen Ra-bbmischen Tribunals -in Amerikazur Interpretierung des jüdischen- Religionsges-etzes und zur Entscheidung der mitder Zeitneu auftauchenden Probleme. In der Eröffnungssitzung wurde eine Botschaft des Präsidentender Rabbinerv-ersammlu-ng- Rabbi Louis Finkelstein verlesen in der dieser erklärt: „Wir dürfen es nicht zulassen, daß sich der -einzelne Rabbin -er über Gesetz, Tradition und Sitte hinwegsetzt.. Dadurch, daß einzelne Rabbiner sich die AutorMt anma-ßen, Präzedenzfälle e-inzu- D er Äsr a et ist fühven, reißt eine M^chie die.eine Wr größten Gefahren für unsere Religion bedentet. '. Die Rabbinerversämmlung sollte stch mA anderen, Mischen- Institutionen,, die aus der jüdischen Tre-abMon fußen-,, zusammenschließen, um einautoritatives Tribstnal zur- Entscheidung -in Frcchen^ des - jüdffch^ ReliWonsMetzes zu bilden,. Ditz R-gbbmetwerscmunilung soll -ein Komitee für-jüdisches 'Re- -WchM«fetz ''ÄnsieW,'-'wMes.-We Rabbiner, bis das goplanlde autoviiativ-e Tribunal, gegründet ist, über Fragen titusller..und reKgröstr Ordnung, iunilemchten' f-oll. / Rabbiner Max D r o b ./der frühere Präsident der Rabb-inewersammlung beim Jüdischen Theologischen Seminar, trat den gegen die Rabbmerversammlung erhobenen' Besihüldignngen, daß sie eine -d rst t-e jüdisch- -relig-jöse Pg-rbei s-chaffen -wolle, entgegen-. „Die Rabb-inerversammLung", erklärte er, ,M idemtifch mit der Orthodoxie (?> fie unterscheidet sich von ihr nur in der - Methode." (Wie erinnerlich, hat - eine im Juni v. I.'-stattgefunbene Konferenz zweier -orthodoxer Rabbinerverbände in -den Bereinigten Staaten, „Degel Ha'Ra-b- -ban-ün" und „Kenesse-th Ha'R-abbanim", «ine Resolution angenommen, in der -die Schaffung, -eines- „Boch Din Ha'gadol" als eines -obersten religiösen Gerichtes der amerikanischen ^udenheit zur Enischeidung über strittige und neu auftauchende'-religiöse Fragengefordert worden ist. Die Union orthodoxer Rabbiner wurde aufgesordert, sich -cmder Bildung -der neuen Körperschaft zu beteiligen.-), - - Personalien. C. P. Scott. London, 17. Juli. Nur wenigen Lesern des „Israelit" dürfte dieser Name etwas zu sagen haben. E. P. Scott hat 57 Jahre eine der angesehensten Tageszeitungen des britischen Imperiums geleitet, deren außergewöhnliche .Objektivität niemand zu bezweifeln wagte, den „Manchester Guardkän". Dieses politische Blatt, das. in der ganzen gesitteten Welt gelesen wird, scheute sich, nicht, wie damals im Burenkriege, entgegen der öffent-, lichen .Meinung des eigenen Landes, ja mit weit größerer Vehemenz den Weltkrieg zu einer Zeit zu kritisieren, m der Hochverratsprozesse etwas alltägltches waren. Scott und der „M. G." blieben sich aber auch in anderen Fragen. streu. Wo immer in irgend einem Winkel der Erde Minderheiten litten, Unglückliche ihrer religiösen oder politischen Ueberzeugung halber verfolgt und geknechtet wurden, überall dort machte der „M. G." seinem Namen Ehre: er stand treu Wache. Die Presse der alten und neuen Welt ohne Ausnahme ergeht sich anläßlich des durch das hohe Alter Scotts bedingten Rücktritts in den überschwänglichsten Lobesäußerungen über die Verdienste des bisherigen Leiters des „M. 05"; auch die jüdische Presse der Vereinigten Staaten nicht minder.. Und dies mit Recht. Denn wo es sich um jüdische Belange handelte, Zurück etzungen, Mißhandlungen oder Vergewaltigungen von Juden, immer wieder — seit mehr als einem halben Säkulum — trat der „M. G." mit der vollen Wucht seiner Autorität in die Schranken; furchtlos, uneigennützig, -allein von dem Wunsche beseelt, das dem Juden angetane Unrecht aller Welt kund zu bin. C. P. Scott hat 'stets ein warmes Interesse für das Judentum bekundet, insbesondere förderte er in Wort und Schrift die jüdischen Siedlungsbestrebungeir m Erez Jisroel, und wir pflichten unserer Kollegin, dem „Jewish Morning Journal" (Newyork) gerne bei, wenn wir Juden die Bedeutung dieses Ereignisses gebührend würdigen, indem wir die sympathische Stellungnahme Scotts zu jüdischen .Problemen hervorheben. Auch wir danken Scott, dessen .Organ übrigens unter der neuen Leitung seines Sohnes im alten Fahrwasser bleibt, für all das Freundliche, «das ec dem Judentum bewiesen hat, und wünschen ihm leinen recht glücklichen heiteren Lebensabend. H. N. Hersfeld, 21. Juli. Lehrer Nnßbaum ist nicht mehr und unsere Gemeinde, ja die Gesamtheit haben einen «mp verloren. Als er Chanukka vor 50 Jahren zu uns kam, hatte er sich die schwere Ausgabe gestellt, der -yix p der Gemeinde zu sein — siehe o«nn tu?- Heule sehen wir, daß er sie glänzend gelöst hat. Er „neigte seine Schulter", uns die Thora, dieses herrliche Gut 'K ]/U' das Gott gegeben, zu tragen und in Menschenherzen zu berpslanzen. Manche Bücher, die noch die Namen von vma '^a tragen, dir längst nicht mehr leben, erzählen, uns von dem mächtigen Einfluß, den dieser wahre -Zaddik ausübte. Und nsm, wenn schwerstes Leid ihn straf, wenn ein hoffnungsvoller Sohn, sein Schwiegersohn in der Blüte der Jahre, seine ihm gleichgesinnte Gattin ihm entrissen wurden, wenn jahrzehntelange Krankheit an seinem Lebensmarke zehrte, da war es sein hingebungsvolles Lernen, das ihn immer wieder aufrichtete. Noch vor wenigen Wochen hörte ich ihn klagen: „Wenn niemand, so werden meine wivv mich betrauern." Aber -au den am. den Bausteinen, erkennt man am besten den Meister. Wie hat er die Gefahren des "ivx am Vru gemeistert. Wie ein stellte er sich Nr. 30. Seite 7 den - Meeresslnten seiner-; Zeit entgegen. Es wäre eine Beleidigung - feiner Persönlichkeit, wenn man von ihm sagen -würde, sein Friedenssinn hätte ihn den Verkehr mit. Ändersgesinntensuchen lassen. -Nein, .er verzichtete liebejr -für sich , und seine .-Famllie. ans /die Annehmlichkeiten und.. Freuden der. Gesellschaft, um seine Kinder keine..ändere Atmosphäre als. .die Luft-der Thora und der -Mizwos atmen zu. .lassen. So kann man . sich nicht wundern, wenn kein Glied seiner Familie sich von den Idealen: jdes geliebten.. Vaters entfernt hat. — Mit feiner Erscheinung ist . die .wunderbare Harmonie zwischen Lehre und Leben geschwunden; aber noch klingt sie uns nach. Auch dieser. Lehrer .iv» steht nach nanm auf der Warte, und ruft uns seinen mahnenden Nus entgegen:?»• rrasj/v Pattensen (Leine), 9. Juli. Der 60. Geburtstag unseres verehrten Lehrers A p-t war nicht nur.ein. Freudentag für seine Familie, sondern für die ganze Gemeinde. Aus Nah und Fern strömten jetzige und ehcmalige Gemeindemitglieder und Schüler — letztere teilweise schon aus dem 2. Geschlecht — herbei, den Jubilar zu ehren. Viele sinnvolle Geschenke, schmückten das Festzimmer, in dem am Abend Gemeinde und Freunde mit ihrem treuen Führer gemütliche Stunden verbrachten. Tischlieder .Und Gedichte, vorgetragen von den Jüngsten unserer Gemeinde, erhöhten dir Festesstimmung. Der Verein ehemaliger Kölner Seminaristen, dessen Begründer Herr Apt ist, überreichte dem verehrten Bundesbruder durch Koll. v. d. Walde-Obernki chen eine Dankadresse. — Möge es unserem verehrten Füh.er noch recht lange vergönnt sein, diesen Tag in der Jugendfrische zu feiern, wie heute, zum Segen der Gemeinde, der Kinder und zur . Freude aller, die ihm nahe stehen. Königstein t. T., 17. Juli. Herr Leo Rosenblüth, der die hiesige Kantorenstelle seit drei Jahren vertretungsweise .versehen hat, verläßt nunmehr seinen Posten, da dieser von jetzt ah mit einem ständigen Lehrer -und Schochet besetzt wird. Herr Rosenßlüth hat es in den Jahren seiner Wirksamkeit stets verstanden, durch die Schönheit seines geschulten Gesangs sowie durch die besondere Wärme seines Vortrags, auch das anspruchsvollste Kurpublilum zu fesseln.. Die Gemeinde sieht Herrn Rosenbliflh -mit größtem Bedauern scheiden. Würzburg, 15. Juli. . Heute starb dahier Herr Hauptlehrer H. G o I d st e i n, früher in Heidingsseld, langjähriger Vorstand des bayr. jüd. Lehreroereins; er wurde Mittwoch in Höchberg beerdigt. Jeden Nachruf verbat er sich. Wenn Freunde und Kollegen, ihm einen —ns'p lernen wollen, so entspricht das gewiß seinem frommen Sinne. ~ Wiesbaden, 15. Juli. Am 25. Siwan verstarb hier im Alter von fast 75 Jahren Herr Paul Su lzb e rg er. Einer alten hiesigen frommen Familie entstammend — sein 'Großvater war der vor 100 Jahren hiertätige „Vorsänger" Meyer Sulzberger, der den Reformen des damals -ämiierenden Rabbiner Abraham Geiger heftigen Widerstand entgegensetzte, sein Vater war mit eines der ältesten Mitglieder der vor 60 Jahren gegründeten frommen Gemeinde — hat der Verstorbene während einer mehr denn 40sährigen Ehe, unterstützt von seiner vor fast 3 Jahren verstorbenen Eatiin, einer Tochter des bekannten Gelehrten Joseph Perlstein aus Kopenhagen, hier ein wahrhajt jüdisches Haus, ein v7» vipa unterhalten und bas Sechus gehabt, seine Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Seit Jahren von einem Leiden geplagt, war tzs ihm vergönnt, trotz einer vor 2 Jahren eingetretenen .'Verschlimmerung, die sich wie durch ein Wunder gebessert chatte, auch noch seine Enkel in seinem Sinne heranwachsen zu sehen. An der Bahre sprach Herr Rabbi/.er Dr. Ansbacher vor einer stattlichen Trauerversammlung Worte des Trostes und nach ihm gab ein Sohn, Rechtsanwalt Dr. M. Sulzberger, namens der Famitie in kurzen Worten dem Schmerz über den Verlust des Vaters Ausdruck. :rax:m> Kaffrl, 15. Juli. Ihren 79. Geburtstag begeht heute in seltener Frische Frau Henriette Voremberg, dah'.er. Gurhagen, 15. Juli. Ihren 77. Geburtstag beging gestern in größter Rüstigkeit und Geistessrische Frau Lisette Katz, dahier. Sontra, 15. Juli. Ihren 75 Geburtstag beging gestern .in bester Rü-tigkeit und geistiger Frische Frau Math. Schönemann, geb. Heilbrunn. Kirchhain, 16. Juli. Die israelitische Gemeinde beabsichtigt, die 25. Wiederkehr des Weihetages ihrer Synagoge, -am 17. August, festlich zu begehen. Vorgesehen ist Festgottesdkenst, Konzert usw. Mit der Ausführung des Festprogramms sind verschiedene Kommissionen betraut worden. Vermischtes. Köln, 0. Juli. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung der Ort-gruppe des Angesielltsnbund „Agudas Jisroel" sprach Herr Rechtsanwalt Hi.rrich Eohen über das Thema „Orthodoxie und moderne Wirtscha t". Nach Begrüßungsworten des Herrn Heinrich Klein-Köln nahm der Referent des Abends das Wort. Ausgehend von der Gegei.uterste'lung marxistischer Wel'a: scha'-ung der Wernei.mng des Jrdioimms ei:erseits und jüdischer Wirtschafls^estaltung a-'be'er,ei:s, ferner modcr en Kapiläirzmus ,ge~e.'Üler der CMalges tzgebung unse.es^ heutigen Staates als dem Zusammenschluß der Vielheit unter Berücksichtigung und Würdigung des Jndiojdualismus, jgipselten die Ausführungen in der dringenden Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller sabbathaltenden Llrbeitnehmer. Rur dadurch, so führte der Redner aus,