Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 3V Der Jsraelir 25. IM- 1929 den, um die -Juden bei deu-ArVeik zu sehenumso wirksamer gegen den AnttsemiÄsMus kämpfen * zu Metfch ein Mandat. Cs, verlautet, daß die Partei Zr. Strauchers, die auf mmideftens 10 Mandate Anspruch streben, sich von ihr -loszulosen und eine eigene orthodoxe Gemeinde zu bilden. In der vergangenen Woche fand eine Plenarsitzung in der Hunsdvrfer Gemeinde statt, die sich mit der Wahl von Rabbiner Salman Horowitz anstelle des zum Frankfurter Raw ge Mahlten Rabbiners Josef Horowitz beschäftigte. Zur Sitzung erschien eine Abordnung der Miskolcer Orthodoxie, mit der Bitte, die orthodoxen Juden der Gemeinde Miskolcz als Filiale der Gemeinde Hunsdorf anzuerkennen. Demgemäß wurde -eine orthodoxe Filialg-emeinde Miskolcz gebildet-. Miskolcz war vor Jahren eine hervorragende orthodoxe Gemeinde, die aber mit der Zeit verfiel. Nun Hab. sich aber eine Gruppe junger Leute dafür -eingesetzt, die Loslöfung vonder Neologengemeinde auch formell durchzufühven. Verschiedene orthodoxe Gruppen von Reolog-eng-emlein-denin der Zipfer Gegend folgen diesem Beispiel. Polen. Der Ehofez Ehajim und die Kenesfio Gedaulo. Radin, 12. Juli. Eine Delegationdes Wiener Zentralbüros der „Ag-uda-s Jisroel" sprach heute bei Rabbi Israel Meier Kogan, dem Chofez Chajim, vor, um sich zu erkundigen, ob die Kenesfio gedaulo und die Sitzungdes rabbinischen Rates auf die Teilnahme des greifen Gaon rechnen dürfe. Der Chofez Chaim, dessen geistige Frische gottlob trotz körperlicher Schwäche unverändert ist, -erklärte, daß die Leiter der Aguda unmöglich den Wunsch-, daß sr, der Chofez Ch-aim, nach Wien komme, mit solcher Lebhaftigkeit empfinden könnten, wi e -er selb er sich danach sehne, bei diesem viw wiederum für mi/i und mn’ öffentlich werben zu können. Er werde alles daran fstzsn, um rechtzeitig in Wien zur Stelle zu fein. Man darf hoffen, daß es demgreifen Lehrer 'n I'NNDI v»’ vergönnt fein wird, auch diesmal seinen Wunsch zu verwirklichen. Die Delegation begab sich auch nach W -i l n a, wo mit Rabbiner Chajim Ose-r Grodz e n s k i d:-e Gegenstände der Tagesordnung der Rabbmischen Rat-Sitzung durch gesprochen wurden. Eine Massenversammlung in Wilna, in der die Herren Rabbiner Tobias Horovitz und Wolf I a c o b f o n sprachen, bot ein überwältigendes Bild von dem starken Interesse. das auch in Litauifch-Poven der K. G. entgegengebracht wird. Das polnische Dildungsmmisterium unterstützt orthodoxe Schulen. Lodz, 15. Juli. Durch Vermittlung der Wojewodschaft Lodz erhielt der hiesige Magistrat vom Innenministerium einen Erlaß folgenden Inhalts: „Hinsichtlich der religiösen Privatschuken, deren Lehrplan auch die profanen üshxgegenstände umfaßt, steht das Innenministerium auf dem Standpunkt, daß diese Schulen der Lehrpfticht Genüge tun. Somit sind solche Schulen-, insbesondere die oon der Agudas Jisroel in Polen geschaffenen Schulen, hinsichtlich der Subventionierung den anderen, nichtreligiösen Prioaischulen gleichzuhalten. Polnische katholische Geistliche ermahnen das Volk, mit den Inden in Frieden zu leben. Warschau, 11. Juli. In Siedlec wurde in diesen Tagen- -ein katholischer Kongreß abgehalten, zu welchem sich mehr als 70.000 Wallfahrer aus verschiedenen Gegenden Polens einfanden. Im Hinblick auf den Raummangel' im Orte wurden den Wallfahrern auch die öffentlichen Mischen Gebäude, wie Waisenhaus, Wandererasyl usw. und auch zahlreiche jüdische Priva-twohnungen zur Verfügung gestellt. Die katholischen Geistlichen appellierten in -ihren Ansprachen an die Massen, mit der Mischen- Bevölkerung in Frieden zu leben. Die Leitung des Kongresses sprach der Jüdischen Gemeinde von Siedlec für das- Entgegenkommen gegenüber den katholischen Gästen den Dank aus. Rutzland. Gäste in den jüdischen Kolonien Rußlands. Moskau, 11. J-uK-. Die Mischen Kolonienin- -der Krim und -in der Ukraine sind überschwemmt von vielen Hunderten- Besuchern, Industriearbeitern, Soldaten -der Roten- Armee und Schülern, die von den Behörden in die Koloniengeschickt werkön-n-en. — Karl Radek, der v-e-rbännt gewes-ene frühere Führer der linken Opposition, der nach Aussöhnung! mit Stalin nach Moskau zurückgekehrt ist, teilte dem.JTA- Dertreter mit, daß -er demnächst eine Reife durch die jüdischen Kolonien machen werde. Rumänien. Zur Annahme des rumänischen Gemeindegesetzes. Bukarest, 10. Juli. Ju der letzten Sitzung des -rumänischen Senats-, in der -bekanntlich die von der Regierung vorge-schlagenen Aenderungen zum jüdischen Kultusgesetz angenommen wurden, führte Kultusminister Blad aus, daß die- Juden, die das R-egierungspr-ojekt als ein Attentat gegen die jüdische Religion ansehen, sich andas Ausland um Hilfe -gewandt -hätten. Lan-desrabbiner Senator Dr. Niemirower trat dieser Behauptung entgegen und meinte, es fei w-ohl möglich, daß der Widerhall der jüdischen- Proteste das Ausland -erreicht hat, allein die jüdischen Organisationen hätten sich -nicht cmdas Ausland gewandt. Minister Blad erwiderte, -es fei jedenfalls Tatsache, daß das Gesetz im Auslande eine Beleuchtung erfahren hat, die den Absichten der Regierung nicht gerecht wird. Der Reg-ierungs-entwurf -entspricht dem Geiste der Verfassung und dem Prinzip der Gewiss-ensfr-schsi-t. W-enn man mir vorwirst, -daß ich den Rat des Mischen Kongresses nicht emgeholt habe, so -erwidere -ich, daß die Regierung das Recht hat, Gesetzesvorlagen einzubringen, ohne vorher jemandes Rat einzuholen. Die orthodoxen, Juden haben seinerzeit ge ge n die Beschlüsse des jüdischen Gemeindekongresses -in einer Versammlung in G r o ß w a r d e i n p r o t >e st i ert. Dr. Niemirower: Der Gemeindekongreß war die Gründungsv-ersammlung aller Juden, der Kongreß der Orthodoxen war nur eine partikuläre Versamml-ung. Die oon der Regierung, oorgeschlagenen Aenderungen öffnen dem Unfrieden unter den Juden Tür und Tor. Minister Vlad: Dre Herr Ob-e-rrabbiner will .uns überzeugen, daß die Beschlüsse d-es Gemeindev-er-bandes für uns Gesetz zu sein haben. Aber -de n Erklärungen der orthodoxen- Rabbiner ist zu entnehmen, daß zwischen den Riten fundamentale Unterschiede bestehen. Darum tun wir am besten, wennwir das konstitutionelle Prinzip zur Geltung bringen. Der Kampf um das jüdische Gemeindegeseh. Bukarest, 19. Juli. Nachdem der Senat, wie gemeldet, das G-emei-ndegefetz mit den von der Orthodoxie gewünschten Aenderungen akzeptiert hat, ist die Vorlage jetzt -in -die zweite rumänische Kammer gelangt .Der Minister fordert für die Beratung die Dringlichkeit.' Die Mischen Deputierten hielten hefttge Reden gegen di-e Annahme -des Entwurfes und suchen auch außerhalb des Parlamentes auf den Minister einzuwirken, damit -er das Gesetz zurückzi-eht. Auch im ganzen Land veranstalten die Zionisten weiterhin Pro-testoersammlungen unter dem Schlagwort, man müsse der jüdischen Kultus ge mein schaft das Recht geben, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen, -d. h. mit andern Worten, die orthodoxe Minderheit gewaltsam zu unterdrücken. Das Ergebnis der kulkuswahten in Czernowih. Cz-ern-owitz, 16. Juli. In Czernowitz der. Hauptstadt der Bukowina, die eine der -größten Mischen- Gemeinden Osteuropas- -beherberg^ sind am vergangenen Sonntagzum ersten Male seit dem Kriege allgemeine Wahlenin den Vorstand der Jüdischen Gemeinde durchgs führt worden. Cs wcwen 50 Mandate zu vergeben um die sich 10 Parteien bewarben. Es -entfielen auf die Liste -der oon Senator Dr. Mayer Ebner geführten Einheitspartei 1537 Sttmmen, auf die des einstigen Kul-tusprästdenten Dr. Strauchsre 1207, auf -die des sozialistischen „Bund" 986, auf die Liste Greif 607 auf die -der Orthodoxen- 490, auf die des Kubtusgsrenten Lazarowicz 645 Stimmen. Der Wahkkommifsar hat die , Listen Dr. Strauchers, der Orthodoxen und drei andere Listen wegen« Formfehler annulliert. Die 50 Mandate wurden wie folgt v-erteilt: Einheitspartei 20, Bund 13, Lazarowicz 9, Greif 7 Mandate, -erhebt, den Spruch des Wahlkommissars -cmfechtenw-ch. Schweiz. Von der Mandatkommission. Genf, 21. Juki. Die Man-datskomm-issio-n des Völkerbundes hat ihre IS. Sessionbeendet. Die Protokolle der Sitzungen- und die Beschlüsse werden erst nach Zusammentritt des Mlk-erbundr-ates veröffentlicht. Wie -der JTA-Vertreter erfährt, ist die noch unerledigte Petition der Jerusalemer Agudas. Jisroel und des Waad hair Afchk-enafi im Einverständnis mit den Petenten se-bb-e-r auch diesmal noch zurückgestellt worden, werk man sich Vorbehalt, -das -ei'nschläg-ig-e Material zueinem späteren Zeitpunkt einzureichen. Schreckensnachrichten aus dem Jemen. Jerusalem, 14. Juki. Das Jaffaer Oberrabbinat veröffentlicht auf Veranlassung des Verb-and-es der jemenittschen Juden -in Erez Jisroel erneut dringliche Aufrufe zur Hilfeleistungfür die unglücklichen jemenitischen Brüder. Inder Hafenstadt Aden habensich allein- 44 jüd-ifche Waisenkinder gesammelt, die wie durch Wunder den furchtbaren, auf -gewaltsame Bekehrung -hmausgehen-den Verfolgungen entronnen sind und die dort aller Mittet entblößt auf. Hilfe -harren. Weitere 80 Kinder, Knaben und Mädchen sind im Inneren des Jemen gewaltsam dem Mohammedanismus zu-geführt w-ord-en-. We-r einmal gefangen gesetzt ist, hat keine Rettungmehr. Die Regierung stellt falsche Zeugen auf, -die aussag-en, daß die Eltern irgendwelcher Kinder, die eingefangen sind, nicht mehr leb-en, worauf die Kinder -dann als „Waisen" 'behandelt und gewaltsam bekehrt werden. Wer das Jemen verläßt, dessen Vermögenverfällt der Konfiskation. In Erez Jisroel hat man jetzt eine große- Aktion eingeleite-t, um wenigstens diejenigen Waifenkin-der, -die der Verfolgung entrinnen, mit Cinreifeerlaubn-is nach Erez Jisroel zu versehen und sie in dortige Familien - aufzunehmen. Ern Hungerstreik im neuen Palästina. T e l - A w i w, 14. Juli. Etwa 60 Famili-en-häupter, -die wegen chronischer Erkrankung dauernd arbeitslos sind und, wie sie behaupten-, von der Arbeiterorganisation nicht -genügend unterstützt werden, sind mit -ihren Frauen und Kindern in das Gebäudeder Avbe-iterorgamsati-on eingedrungen, haben sich dort nied-ergel-assen und erklärten den Hungerstreik. Ein Teil der Stveikend-eNist fl-eb-erkrank und leidet an starkem- Kräft-everfall. Man darf annehmen, daß das starke Mittel seine Wirkung auf die Oeffentlichkeit und die beteiligten Instanzen des Jischuw nicht verfehlen wird. England. Englische Predigerkonferenz. London, 17. Juli. Unter Vorsitz des Chief-Rabbi- Dr. Hertz begannen gestern die Beratungen der -a-lljährlich tagenden -englisch on Prediger-Konf-erenz. Wie üblich, wurde die Dagu-ng du-rch eine große Rede des Chief-Rabbi, -eingeleilet, worin rr einen Ueberblick über diewichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Jahres gab- und die Lage der jüdischen! Gemei-nschasterk der verschiedenen Länder der Welt würdigte. Mit b-eso-ndever Genugtuung hob Dr. Hertz d-ae Wachstum der I es ch i w a - B e we gUN g! in den- W-estlichen Ländernhervor. Er schloß feine Rede mit den. Hinweis auf dien 200. Geburtstag Mofes M-en-dels- ' -o h n s. Ueber Leben und geistige Leistung- -des letzteren hielt Ehacham Dr. Ga st er -einen tlefgründi-Fön wissenschaf-tlichen- Vortrag. In der Drskusston pro-testterü der Geistliche der Berkeley-Street-Refo-rmsynagivge g-egev den Ausschluß der liberalen Rabbi-ner von d e r Konferenz. Der Chief-Rabbi! übe eine, Autokratie. Die Kluft zwischen dem Leben und dem Gesetze müsse uotwendig immer größer werden, so daß man d-en Schulchan.Oruch endlich „vevidieven-" solle. Dr. Hertz enotderte, er könne nicht mit. Männern zusammen ar-