Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 8. Nr. 30 Der Israelit 25. IM- 1929 kann die Möglichkeit geschaffen werden, daß die besondere Lage der sabbathaltenden Angestellten genügende Berücksichtigung findet und organisch der Staatseinheit eingegliedert wird. In der sich anschließenden freien Aussprache kam das Programm der Gruppe zur Durchberatung.. Besonderer Nachdruck wurde aus das Problem der Stellenvermittlung und des Bildungswesens gelegt. Während elfteres durch Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und anderen Verbänden .ähnlich der Art des unsrigen, zu lösen ist, kann bei den zweiten auf die Mitarbeit eines jeden Mit-, gliedes durch eifrige Teilnahme an den noch einzurichtenden Kursen und Arbeitsgemeinschaften nicht verzichtet werden. ■— Als letzter Punkt der Tagesordnung war vle Wahl des Vorstandes vorgesehen. Die Herren'Klein und Rothschild!und die Damen' Gibermann und Reiner wurden per Rktlamation gewählt, ein fünfter Vorstandssitz wurde zunächst offen gelassen. — Zum Schlüsse darf noch mit Genugtuung erwähnt werden, daß ein weiterer nicht unbeträchtlicher Teil der Anwesenden sich als Mitglieder anmeldete. . Mit dem Appell an die Mitglieder, weiter werbend für die gemeinsame Sache zu wirken, schloß der Vor? sitzende die Versammlung. Es wird noch darauf hingewiesen, daß die Sprechstunde des Angestelltenbundrs jeweils Montag zwischen 21 und 22 Uhr, Hohenstanfenring 14, stattfindet. Berlin, 11. Juli (I. T. A.). Am 4. Iulr fand vor der Universität eine große Wahlkundgebung der völkischen „Allgemeinen Studentenschaft" statt, in deren Verkauf es auch zu judenfeindlichen Kundgebungen kam. Die Demonstranten zogen dis Linden herauf mit dem Ruf: „Deutschland erwache! Juda verrecke!" Da die völkische Studentenschaft nachträglich diese Demonstration als harmlos bezeichnete, berichtet ein Mitglied des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der „E. D.-Zeitung" ein Erlebnis, das beweisen soll, wie wenig zutresfend die Charakterisierung seitens der Studentenschaft ist. In der Zuschrift an die „C. V.-Zeitung" heißt es: „Am' 4. Juli, nachmittags 2,30 Uhr, fuhr ich mit meinem Auto durch die Dorotheenstraße in Richtung zum Reichstag, als plötzlich der Wagen von einer Horde Studenten umringt wurde, die wild durcheinanderschrien und gestikulierten. In meiner Begleitung war ein Berliner Augenarzt. 'Wir saßen ruhig in unserem Wagen. Bon den Rufen, die uns entgegenschallten, war nur zu verstehen, daß sie sich gegen die „reichen Juden" richteten. Plötzlich schlug ein-r der Studenten mit einer''"Aktentasche auf meinen Begleiter ein, von der anderen Seite wurde von zwei ^Studenten, gegen den Wagen gespukkt. Ein Wachtmeister der Schutzpolizei konnte die beiden Rüpel feststellen, die einer Anklage wegen tätlicher Beleidigung entgegensehen. Das Verhalten dieser verhetzten Burschen ist deshalb besonders sträflich, weil ich selbst schwerkriegsbeschädigt bin." Darmstadt, 14. Juli. Letzten Sonntag versammelte sich im Esraheim der Israel. Religionsgefellschaft eine frohe Schar zum Sijum auf maia 'oo. In pietätvoller Weise begann der Dozent und verdienstvolle Leiter des Schiurs, Rabbiner Wassermann, feinen Hadron mit einer Gedenkrede auf Rabbi Salomon Kluger V« den weltberühmten Rabbiner von Lemberg und Brody, an dessen 60. Todestage die hiesige Chewras Talmud Thauro das frohe Fest begehen konnte. In großer Ergriffenheit lauschten alle Anwesenden dem Lebensbild des großen Mannes und. feines bescheidenen Wesens, 'Lessen Gelehrsamkeit und Produktivität wir 23 roert* vollewiso i—darunter v"nn w und n»i>v vaan auf ßiis vinVw und pi'i7 ma auf oni: vo»— verdanken, außer der großen Fülle (146) nachgelassener Schriften. Zum Hadran. auf die. beschlossene »mors übergehend, verstand es der,-.'Vortragende in geistvoller Weise den Schluß..der rrnapa mit dem Anfang, svwie mit dem hjnsang, von 'lösrfäö zu verbinden und uilter scharfsinnigem Hinweis, auf die Wochen-Sidrä das Problem von nsw und.üWi,bei bcn iroro zu erläutern.'''f. - Die ms» bv nn»p oereinigie darauf alle Anwesenden in froher animierter Stimmung, die begleitet von Gesängen des Herrn Saffra alle Teilnehmer des Schiurs sowie die Gäste bis zur Morgenstunde beisammenhielt. Abbazia, 10. Juli. In Nr. 25 unseres Blattes beschäftigten wir'uns mit einer Ansprache, die der Rabbiner von Abbazia, Herr Alexander Stern, im Rahmen eines -Freitag Abend-Gottesdienstes an die Preisträgerin der europäischen Schönheitskonkurrenz, Frl. Böske Simon hielt. Gegenüber der Kritik, die wir an der Tatsache und dem Inhalt dieser Ansprache übten, macht uns Herr Rabbiner Stern darauf aufmerksam, daß er seine besonderen Gründe hatte, die religiöse Treue der Mutter von Frl .Simon und ihr eigenes religiöses Interesse feiner Gemeinde als Muster vorzuführen, weil bei seinem Amtsantritt vor 14 Monaten unter 50 Hausfrauen, von 4—5 orthodoxen Häusern abgesehen, noch keine, fünf jüdische Frauen es für nötig hielten, Sabbatlichter zu entzünden. Unter diesen Umständen hielt sich Herr Rabbiner Stern für verpflichtet, die günstige Gelegenheit zu benutzen-, um seiner Gemeinde die Bedeutung dieser jüdischen Frauenpflicht ans Herz zu .legen. Die bekannte Dampf-Waschanstalt Dietrich, Bad Soden a. T., ötie größte Wäscherei im Höchster Bezirk, hat am hiesigen Platz, Sandweg, 28. einen eigenen Laden eröffnet. Delegiertenwahlen zur Kenessio Gedaulo. Die Frankfurter Orts- und Iugendgruppe wählte unter starker Wahlbeteiligung zu Delegierten für die K. G. die Herren Leopold Oppenheimer, Leopold Schwab, Jacob Saub a\i, Simon Mugdan Hartog Hartogsohn, Rechtsanwalt Rosen heim. Joel Sänger; zu Erfatzdelegierten die Herren B. R a ch e l s o h n , Rechisanrralt Klibansky, Wilhelm Rosen, Saul Bod ner , Hermann Frankenthal Walter Joseph, Dr. Arnold M e r z b a ch. Ferienhort der Jüdischen Frauenvereinigung. Bor 18 Jahren hat die „Jüdische Fvauenvereinitznng, unter Leitung-von Frau ch. Best ho ff -den. Hort für jüdische Mädchen geschaffen. Seit fünfzehn Jahren be steht eine Sondereinrichtung, di-e sich als dringend notwendig und als besonders segensreich erwiesen hat. In den Sommerferien sind alle Hortkindre, die -eine Ferien -erholung zumindest genau so nötig, wie die Kurgäste der Hotels haben, täglich im Tivoli-Garten (Darmstädter Landstraße)- versammelt, um sich Kraft und Frische für das ganze Jahr zu holen. Eine ideale Bereinigung von körperlicher und geistiger Erholung: Luft und Sonne, Schwimmen und Turnen zu ihrer körperlichen Erfrischung, fröhlicher Volkstanz und Gesang, Gemeinschaftsspiel und Unterhaltung zu ihrer Freude und zu ihrer geistigen Förderung. Drei tüchtig« Hortnerinnen — frische und liebevolle Menschen — setzen ihre ganze Kraft ein, den Kindern nicht nur den Aufenthalt so freudvoll als möglich zu gestatten, nicht nur ihre Gesundheit zu stärken, ihren Körper wider standsfähig zu machen gegen Krankheiten, sondern auch sie zu erziehen. Selbstverwaltung der Kinder, ein modernes Crziehungspringip, wird in weitgehendstem Matze durchgeführt. Die älteren helfen den jüngeren jedes einzelne hat feine Arbeitspflichten für die Gemein fchaft zu -erfüllen. Das Verantwortungsbewußtsein wächst, echtes Kameradfchaftsempfind'en entsteht. 120 Kinder fahren täglich in reservierten Trambahn wagen, -immer von neuem erwartungsvoll, zu ihrem Ferien-„Kurplatz". Den ganzen Morgen tummeln sie sich in Badeanzügen ,im großen, weitläufigen Garten Spiele aller Art, selbsterfundene und altherkömmliche, ruhige und ausgelassene, füllen ihre Zeit. Sie schwimmen in dem nahe gelegenen Bad Schwimmen ist das Allerschönste!" sagte eine. Mittags fährt ein großes Auto vor: Mittagessen! Das jüdische Heim liefert kräftiges und sehr reichliches Essen! Momentaufnahme: 120 Kinder sitzen mit roten, von Spiel und Unterhaltung erregten Gesichtern <m> langen Tischen und löffeln -ihre kräftige Suppe. Dengrößeren Mädchen sieht man an, wie stolz sie sind, daß sie aus teilen und herumreichen dürfen. Die Mittagsruhe auf schönen neuen Ltegestühlen wird streng eingehalten. Um 4 Uhr' trinkt man den selbstgekochten und darum besonders guten Kakao, um mit erneuter Kraft ans Spiel, zum- Singen oder Turnen zu gehen.,— Es existiert sogar ein Hortorchester! Die Kinder sind dankbar und glücklich, sie wissen zu gut, wie es anders sein kann. Sie -erzählen begeistert von den bisherigen Ferienerlebnissen im Tivoli-Garten Ein kleines Mädel antworOte mir auf -meine Frage, ob sie -auch eine Wiese hätten,, mit - den Worten: „Ja, und es ist extra Sonne dort!" — Echte Fröhlichkeit ist hie beste Erholung für Kinder, Re bedrückt sind von dem Elend zu Hause, von den Sorgen der Eltern, -vonden kleinen- Verhältnissen. Liebevolle und tatkräftige 'Menschen versuchen, > ihnen auf diese Weise zw helfen, sie zu gesunden, und brauchbaren, zu jüdisch wertvollen Menschen zp machen. Doch nicht Webe allein, auch nicht? Tatkraft Wch DabM'ft^ude, genügen, mm -diese großen Ziele zu -erreichen. ® £l d gehört dazu! Injeder'-staubigen Banknote steckt lebendige Helferkraft! Wenn Ihr wollt! Postscheckkonto .Frau H. Besth-off, Frankfurt a. - 'M., Nr. 51113! Jüdisches Heim. Entgegen anderslautenden Gerüchten, wonach „Das jüdische Heim" M der RechneigrabenstraßeZ sich demnächst auflösensoll, gibtder Vorstand, desselbenbekannt, daß d a g H e im n -a ch wie vor b e st e h e -n b ,l e i b t mit der einzigen Aenberung, daß -es der Lehrers-witw-e, Frau N. Rachelsohn mit ihren Töchtern in Pacht gegeben wird. Anlaß dazu gab die Tatsache, daß durch die Besitzerin des Hauses, in dem sich das Heim befindet, Frau Cohn in Kopenhagen, der, Vorstand des Heims ohne Grun-d gezwungenwurde,-die Lokalitäten zu räumen. Mit der Verlegung des Helms wird dasselbe an Frau Rachelsohn verpachtet, Re es ab Mitte August in den hellen, geräumigen und -günstig gelegenen Lokalitäten in der Lange st raße 5.5, 1. weiterführen wird. ... Frau Rachelsohn, Re mit eigenen geschulten Kräften torat seines früheren Vorstandes unverändert fvrlfiihren. Die Preise der McchlMten werden dieselben sein wie seither, auch werden sich wie bisher Privatfam-ilien durch idas Heim verköstigen lassen können. Frau Rachelsohn., die mit eigenen gesuchlten Kräften an die Sache herangeht, genießt in Bezug auf Kafchrus den besten Ruf; übrigens wird das Heim der Rabbinatsauffrchh der-Israelitischen- Religwnsgefellscha-st! unterstellt fein. Bautätigkeit m den Ferien. Die großen Sommerferien 'werden sowohl ln der T h or-a I ehranst a l t in der Friedbergeranlage, als bei der. I s rae l it.i fchen V o 11 s sch u l e in der Bärenstraße zur Durchführung ziemlich durchgreifender Um- und Neubauten, die sich schon -lange als -erforderlich erwiesen haben, benutzt. Die Thoralehranstalt baut im Erdgeschoß einen neuen -großen Hörsaal an, wobeizwei Zimmer der ehemaligen Rabbinerwohnung ei-nbezogen werden. . Die beiden vorderen. Zimmer dieser Wohnung beabsichtigt die Gsmemd-everwaltung späterhin als- Amtszimmer des Rabbin-ates zu benutzen. Gleichzeitig -werden auf Anordnung der Baupolizei- Re Treppenanlagen in dem Haufe, stark vergrößert. Bei der Israelitisch e n- Volk s s ch. u -l e hat sich infolge des starken Wachstums der Frequenz die Einbeziehung der Rettorwohnung m das Schulgebäude- -und der Umbau der Räume zu Klassenzimmern als notwendig erwiesen. Ausflug der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Diesen Sonntag, den 28. Juli, findet ein Ausflug dier Agudas Jisroel-Jugendg-ruppe nach Eberbach, Hirschhorn und Heidelberg statt. Abfahrt 6.38 Uhr nach Eberbach. Treffpunkt 6 Uhr am Haupt-portal des Hauptbahnhofes. Pünktliches Erscheinen ist unbedingt erforderlich, da sonst die Ermäßigung für die Fahrt nicht mehr besorgt werden kann. Sie kostet für Mitglieder unter 20 Jahren etwa Mk. 4.—. Rabbinische Besuche. Der Beizer Rebbe trifft Freitag in Homburg ein und wohnt Hotel Metropole. niiyo in bet Agudas Irsroel. Es wird nochmals auf die diesen Samstag, den 27. Juli, im Lokale Schwanenstraße 12 um halb acht Uhr beginnende mrw aufmerksam -gemacht. Am ersten Abend wird -anläßlichder Eröfftr-ungdieser Veranstaltung Herr Jacob Rosenheim eine Ansprache halten. Auch im übrigen ist für angemessene Ausgestaltung des Abends injeder Beziehung gesorgt. Frankfurter Vereinskaleuder. Verein Alekor Chajim. Morgen nach Schul- „Dinim", Herr Dr. E. Posen. Samstag Mittag, 3U Stunden vor Minchoh: nipa Herr Louis Kahn. Sonntag morgen nach Schul (ebenso Mittwoch) du? "n vorm. S% Uhr (auch Samstageine Stundevor Nacht> Gemoro, Herr I. Sofer. — vorm. ö1/« ÜfyT (QlUCfy Dienstag eine Stunde von Mincho) Gemero, Herr R. A. G. Posen. Montag morgens nach Schul (ebenso Donnerstag)^ Mischna. Mrtglieüerlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Mirnvoch) im Vereinsloka-le, Gemoro, Herr Rabbiner Dr. Jof. Breuer. — drii Uhr vbends- (ebenlo - Donnerstag), Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Di-ensta-g morgen nach Schul (ebenso Freitag), Mschna, Herr Dr. E. Posen. Iahrzeitsstifkungen. nw 19. Tamus: Loeb Schwab-Stiftung. Dienstag, 22. Tamus: David Held-Stiftung. Agudas I.isroe!-Iugeudgruppe, . Sonmag,-8 Uhr vornMägt Uhr abend) Chumifch. Herr?LevpÄd OppM^mE i Montag, 9 Uhr abends' (ebiMoiMtA^ch^ Recht-sänsvatt M. Kgtz. 9 UU abends keb-nfsnw nachm-iltte-Z 3 Uhr) Gem-or-o. Herr >!Emanüel. Wolf. — 9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Demovo. Herr Gerson Schnerb,- i Dienstag, 3A9 Uhr abends (ebenso .mv' SU5 Uhr) Gemoro. Herr Leo Schnerb. — 3/*9 Uhr (ebenso nar' 3 Uhr nachmittag) Gemoro. He-rr Dr. W. Hofmann. — 3Ia9 Uhr -abtznds («beüso nw- 3/J0 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Äs.. Posen. Agudas Iisroel-Mädchengruppe.; Sonntag, 7—8 abds., Herr Dr. A. Merzbach, Jefajah Montag, 9—10, Herr S. Unna. Rewiim, Uhlandstr. 68. Dienstag, 9—10, Herr Dr. S. Wogev> Trer-.Ofvr, Zobelstraße 5. Mittwoch, 8—9, Herr Lehrer A. Hirfchberg!, Dinim. Samstag, 4—5, Herr Lehrer A. Hirfchberg, Tauroh. Jüdischer Turnerbund. Sommerprogramm 1929. - Herren: Sonntag, 9—12 Uhr vvrm. Sport, Riederwaildwiese. Dienstag, ab 7 Uhr abe-nbKSport, Ostpark, Laufbahn. Mittwoch. 8.30—10 ttjjr Durnep, Annaschüle, Rechneigrabenstr. Donnerstäg,- ab 7. Uhr abends Schwimmen b. Mosler. Jugend: Gemeinsam mit Herren. Alte Herren: Mittwoch 9.30—10 Uhr, Turnen, Anna- -schule, Rechneigrabenstr. (Fortsetzung siehe Seite 9.)