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Der Israelit · 1929-07-25 · Heft 30 (25.7.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 30 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Isra e l i i Nr. 30. 25. Juli 1929 \ym irnfc ihr Urteilt für den Leipziger Gememdevoirftand Mht maßgebend sein kann.. In der elngangs erwähnten Sitzung ergiriffen die tiedner mit persönlichen Gefühlsmome-nten, die mit sachächsr Bewertung nichts zu tun Hütte, gegen Rabbinat und Orthodoxie Partei. So behauptete ein Redner, er wäre glücklich eine Nichtjüdin zur Frau zu hablen, ein anderer bedauerte, daß feine Schwiegertochter zum Judentum Mergetreten fein, ein Judentum, das fo rückschrittliche religiöse Begriffe kenne. Ein Dritter, Rechtsanwalt, wußte auch kein «müderes Argument cmzusühren, als daß es ihm wohl wünschenswert sei, wenn seine Kinder Juden oder Jüdinnen heirateten, wenn sie /dies unterließen, würde er sich leicht damit absinden. So wurde also nichts Sachliches van diesen kenntnisreichen cheuren vorgebracht und als Resultat das Hunds'tagsei geboren. Daß die Hitze die logische Denkfähigkeit so sehr trüben würde, war nicht zu erwarten. Wer keine religiösen Bindungen kennt, hätte doch einfach die Konsequenzen ziehen und -erklären müssen: ich lasse Mich mal mit meiner Frau oder meinem Manne auf dem gemeinsamen Friedhof beerdigen. Es gibt ja in jeder Großstadt neben katholischen und protestantischen Friedhöfen auch dieses Zwitterding. Nun aber liegt die Situation so, daß die Friedhofsordnüng nicht verhindern kann, daß katholische oder protestantische Giestlichkeit den nichtjüdischen Partner einsegnen, wenn es der Rabbiner nicht tut, den ja halachifche Bedenken daran hindern. Das bezahlte jüdische Personal wird selbstverständlich den Dienst nicht verweigern dürfen. Für die Orthodoxie, das Stiefkind der Leipziger Gemeind«, für dessen religiösen Belange aus gottes-dienstlichem Gebiet nicht ein Pfennig im Etat vorgesehen ist, — man vergleiche damit andere Gemeinden — besteht, solange nach sächsischem Gesetz der Austritt aus der Gemeinde mit dem aus dem Judentum identifiziert wird, nur die Möglichkeit des Massenaustritts und- Anschluß an andere Organisationen. Durch diese ketneswegs ideale Lösung, die nur mit großen finanziellen Opfern, zu erreichen ist, kann man — über hundert Jahren — wenigstens zu ordnungsgemäßem Kewer Jisroel kommen. Aus der Breslauer Gemeinde. (Vorsiandsrvahl. — Gleichheit im Tode. — Bauen am Sabbat. — Beate Guttnrattn-Heini. — Bes Iaakauw.) Breslau, 15. Juli. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der aus der Gemeindevertretung in den Vorstand gewählte Justizrat Kalisch durch Handschlag verpflichtet; in die Repräsentanz tritt an seine Stelle R. A. Dr. Tarnowski. — Lebhafte Erörterungen löste ein Antrag der zionistischen Fraktion aus, der auf die Einführung demokratischer Grundsätze bei der Belegung, von Grabstellen auf den Friedhöfen der Gemeinde hindrängt. Cs soll niemand mehr das Recht auf eine bestimmte Grabstelle, zustehen. und die Gebühren sollen lediglich nach den Vermögens- und Einkornmenisverhältnissender Verstorbenen und der Hinterbliebenen abgestiuft werden. Vom Vorstande wurden dem Anträge in -erster Reihe finanzielle Bedenken entgegen gehalten. Wolle man das Prinzip, das der Antrag vertritt, durchführen, so müsse man damit bei den Lebenden anfangen und z. B. auch die Synagogenplätze dem Wettbewerb der Vermögenden entziehen. Durchführbar sei eventl. die völlig kostenlose Abgabe von Grabstellen mit gebührenfreier Beerdigung, wenn man sich -entschließen könne, dafür die Gemeindesteuer um 1% Proz. zu erhöhen. Allerdings bliebe dann -immer noch die Ungleichheit bei den Grabdenkmälern übrig. Nachdem man sich noch längere Zielt über das ethische Prinzip der Gleichheit unterhalten hatte, wurde der Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller ab geleh nt. ' Eine Beschwerde von Rechtsanwalt.Not hm a n n über die Tatsache, daß die Vauarbeiten beim Guttmannhl-iw am Sabbat. nicht ruhten, wurde vom Vorstand öurch eine ausführliche. Auseinandersetzung über die Frage der Sabbatarbeit bei profanen und religiösen Bauten, wenn der ganze Bau in Akkord vergeben fei, beantwortet. Die Arbeitsruhe am Sabbat sei wegen der Weigerung der Gewerkschaften nicht durchführbar; man hoffe jedoch, daß der preußische Landesverband mit der Spitzenorganisaiian der Gewerkschaften in dieser Hinsicht erfolgreich verhandeln werde. Das erwähnte Beate Gutimann-Heim ist für verarmte Frauen des Mittelstandes bestimmt, denen Die Woche. Berlin. Der Dichter B i a l i k hat sich in Berlin einer schweren Nierensteinoperatio.n unterziehen müssen. Man hofft auf einen guten Verlauf. — Der Thüringische Landtag bewilligte als Beitrag zu den Besoldungen der Landesrabbiner in Eisenach und Meiningen 5000 Mark. — Hier tagte der, internationale Rat des Verbandes ,„£> r t". Der Generalsekretär, Herr Aronsohn, konstatierte für das Arbeitsjahr 1928—29 bedeutende Erfolge auf landwirtschaftlichem und handwerklichem Gebiete. Den Vorsitz führte der Präsident der amerikanischen ErekuUve, Dr. Henry Mos ko witz. — Die achte Weltkonferenz der Po als Zion ist am letzten Donnerstag hier eröffnet worden. Leipzig. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Handlungsgehilfen in Düsseldorf, der wegen Beschimpfung der Verfassung als „Judenverfassung" zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Hannover. Hier tagt gegenwärtig der 12. Deutsche Studententag, besucht von mehr als 200 Vertretern aus Deutschland und Oesterreich zumeist von völkisch-eingestellten Verbänden. Von den Studentenschaften Würzburg und Erlangen liegen Anträge auf Einführung des Numerus Clausus? für jüdische Studierende vor. — Der Studententäg hat gemäß Vorstandsantrag den Numerus Elausus-Vorschlag der verschiedenen antisemitischen . Vertreterschasten mit Mehrheit , von der Tagesordnung abgesetzt, da sie gegen die Verfassung der Deutschen Studentenschaft verstoße. Zürich. Die konstituierende Sitzung des Councils der Jewish Agency findet am .11. August statt und ist auf 3 Tage berechnet. Lemberg. An Stelle des zurückgetretenen Präsidenten Allerhand ist ' Dr. Chajes, ein Führer der Assimilanten zum Vorsitzenden der Lemberger Gemeinde gewählt worden. Stockholm. Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis feierte seinen 60. Geburtstag. Budapest. Stadtrat Ko re in, der bekannte Vorkämpfer der Orthodoxie in der Budapester Komunalverwaltung, hat einen Antrag durchgesetzt, wonach in den städtischen und staatlichen Betrieben die Lohnzahlung fortan am Mittwoch, statt am Samstag stattfindet. Für die am Sabbat geschlossenen jüdischen Detailqeschäfte bedeutet dies eine starke Eristenzerleichterung. Die Schomre Schabbos-Organisaiion hat ein. ähnliches Zugeständnis bei 'einer Anzahl von gewerkschaftlichen Betrieben erlangt. — Der Kultusminister veröffentlicht eine Verordnung, die die Höchstzahl der an den Universitäten aufzunehmenden Hörer (ohne Unterschied der Konfession) feststellt. Die Verordnung besagt, daß alle Vorzugsabiturienten die sich melden, ohne Rücksicht darauf, welcher Konfession sie angehören, ausgenommen werden müssen. London. Herbert ,Samuel forderte im Unterhaus die Regierung auf, die Garantie für eine größere palästinensische Anleihe zu übernehmen. Ferner forderte er den Bau einer Eisenbahn von Haifa zur syrischen Grenze. Moskau. Drei Lehrer der Handwerkerschule in Minsk wurden wegen systematischer antisemitischer Verfolgung der jüdischen Schüler aus dem Dienst entlassen. Kowno. Das Memeler Regierungsdirektorium veröffentlicht eine Mitteilung, wonach der Tod des Dienstmädchens Martha Jakumait, der, wie bekannt, seinerzeit zu einer ausgedehnten Ritualmordhetze Anlaß gab, gemäß dem Untersuchungsergebnis unzweifelhaft auf Gasvergiftung zurückzusühren ist. Sarajewo. Die -aschkenasische Gemeinde ' hat ihrem verstorbenen Oberrabbiner Dr. Samuel W e s z e l ein monumentales Grabdenkmal gesetzt, das diese Woche in würdiger Feier übergeben wurde. Bei der Feier sprachen der Nachfolger, Oberrabbiner Dr. Heinrich Urbach und Ingenieur Oskar G r off. Wien. Das Hakenkreuzlerblatt „Deutsche Arbeiterpresse" veröffentlicht einen Hetzartikel gegen die Ksnessio Gedaulo, die 10 000orthodore Juden nach Wien führen werde. Jerusalem. Das landwirtschaftliche Kolonisationsmerk der Agency soll, wie verlautet, von Dr. Arthur' Ru pp in geleitet werden. — Arabische Blätter melden, die-!Regierung habe auf Grund einer Entscheidung des obersten Eerich'shofes dir Fortsetzung der moslemitischen Vauarbeiten an der Klagemauer gestaltet, da sie keine Verletzung des Status quo darstelle. Newyork. Anläßlich der Agency-Konferenz in Zürich wird auch die Exekutive des Joint eine Sitzung in Zürich abhalten. Moskau. „Ort" und Agro-Joink errichteten im Kiew eine Kunstseidesabrik mit einem Kostenaufwand von 40 000 Doll., um 100 jüdische Arbeiter und 300 jüdische Heimarbeiter zu beschäftigen. dort «in, behaglicher Lebensabend bereitet werden soll. Außerdem wird in dem Herme eine Haushaltungsschule fürjunge Mädchen eingerichtet. In den ersten Tagen dieses Monats weilte hier Fr!. Dr. Judith Rosenbaum, um für die Bajs Jakob- Schulen in Polen und das Krakauer Lehrerinnenseminar zu werben. Sie entwarf einer stattlichen Anzahl von geladenen Zuhörern und Zuhörerinnon im Hause von Frau Ollendorss ein packendes Bild von der geistigem Lage der polnisch-jüdischen Frauenwelt und von der gewaltigen Mission des Bajs Jakob-Schulwerkes. Die Erschütterung des Hamburger Gemeindesystems. j Hamb u rg, 19. Juli. D ie Beratung des Re p räsentain te nko llegiums der deutsch-israelitischen Gemeinde vom 8. Juli wird historische Bedeutung erlangen. In dieser Sitzung ist, ob endgültig oder nicht, wird die nahe Zukunft lehren, der Bruch mit dem Grundprinzip der Hamburger Gemeinde — Beschränkung des gemeinsamen Verwaltungssystems auf wirtschaftliche — administrative- und Wohltätigklelts-Anigelegenheiten — zur Tatsache geworden. In Anwesenheit von 13 Repräsentanten beschloß man, ungeachtet der eindrucksvollen Proteste der orthodoxen Minderheit, einen Vertrag mit dem Tempel verband abzuschkießen, der diesem nicht nur ein Darlehen von Mk. 250.000 für den Bau eines neuen Reformtempels gewährt (also ein unmittelbares •>y> y«oa vollzieht), sondern der auch eine dauernde Verknüpfung zwischen Gemeinde und Tempelverband herstellt, indem der Haushaltungsplan des Tempelverbandes der Kontrolle der Gemeinde unterstellt wird. Für die Orthodoxen verlangte Rechtsanwalt Dr. Spitzer, daß dem Tempelverband -lediglich die Eingänge aus den Gemeindesteuerzahlungen feiner Mitglieder zur Verfügung gestellt werdendürften und forderte ferner, daß die ganze Vertragsfrage dem Hamburger Oberrabbiner zur religionsgesetzlichen Beurteilung unterbreitet werde. Der Vorschlag wird ab gelehnt mit der Begründung, daß der Oberrabbiner lediglich für den Synagogenverband zuständig sei, nicht aber für die Gemeinde. Hiermit ist der ganze Widersinn und die ganze innere Unmöglichkeit des heutigen Zustandes schlaglichtartig illustriert. Die Hamburger Gemeinde hat also üb erhaupt keine r e kigi o nsg-esetzlrche Autorität, da für sie weder die Rabbiner des Synagogenve-rbandes noch die Tempelprediger zuständig sind. Sie gleicht -einem Staatswesen, in dem die Verwaltungsbehörden nach Willkür schalten und walten können und keinerlei Instanz -existiert, die dem Recht zur Geltung verhilft. Religiöse Gewissensfragen werden nach dem Prinzipe des „do ut des" behandelt: Entgegenkommen der Liberalen gegen die Orthodoxen, Entgegenkommen der Orthodoxen gegen die Liberalen alles nach den Grundsätzen des ehrbaren Kaufmannes — als ob es niemals eine Thora in Israel gegeben hätte. Wie lange noch? Oesterreich Jüdische Hochschulfragen aus internationalen Sludenten-Konserenzen. Wien, 15. Juli. Vom 30. Juli, bis 7. August wird in Krems (Oesterreich) die achte Jahrestagung des Weltstudentemverkes des christlichen Studeniten-Weltbundes abgehalten werden. Auf der Tagesordnung stehen auch Fragen der Not- und Selbsthilfe jüdischer Studenten -in verschiedenen Ländern, wie auch der geistigen Zusammenarbeit zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Im Zusammenhang mit dieser Tagung fand kürzlich eine Konferenz des Institutes für jüdische StudeNten- Selbsthilfe in Dresden statt, in welcher nach erregter Auseinandersetzung folgende, für die jüdischen Studenten bedeutungsvolle Resolution angenommen wurde: „Die Studente-norgan-isationen haben auf dem Bodender völligen Neutralität in Bezug auf Rasse, Religion, Nation und Weltanschauung zu stehen." Eine neue orthodoxe Gemeinde in der Stovakei. H u n 2 d o r s, 15. 'Juli. ■ Schon feit längerer Zeit haben di-e orthodoxen Juden innerhalb der Ne otogen gemeinde Miskolcz das Be-

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