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Der Israelit · 1929-07-25 · Heft 30 (25.7.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 30 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ssite 4. Nr. 30 Der Israelit 25. Juli 1929 heit nichts mehr ändern kann, so soll man wenigstens versuchen, so lange es noch Zeit ist, eine bessere Zukunft vorzubereiten. Dieser Wille, da einzuspringen, wo es am nötigsten ist/hat die Gründer des „Institut des Sciences Juives" geleitet, das am 3. Februar in Straßburg eröffnet wurde. Als Hauptdozent wurde Herr Dr. Nacht angestellt, dessen ausgedehnte Kenntnisse sich eben bei jenem Kongresse gezeigt hatten, ebenso wie sein seltenes Talent, bei Indifferenten Interesse für jüdische Dinge zu wecken. Die Kurse finden abends, am Samstag und Sonntag auch während des Tages statt, zu einer Zeit, während der sowohl Kaufleute als Studenten frei sind. Gelehrt werden alle Gegenstände, die das Judentum betreffen, nämlich klassisches und modernes Hebräisch, Bibel und Talmud mit Kommentaren, jüdische Geschichte und Literatur, Philosophie und Dogmatik, Geographie von Palästina. Wie wir hören, hat das Publikum die pessimistischen Erwartungen, die vielfach laut wurden, nicht erfüllt, sondern sich so zahlreich gemeldet, daß man zu großen Hoffnungen« berechtigt ist. Auch das Lehrerpersonal zeigt einen Eifer, der an die Arbeit in Erez Jisroel erinnert. Der Vergleich ist berechtigt, und diejenigen, die einen Gesamtüberblick über das Judentum haben, betrachten beide Tätigkeiten mit gleicher Liebe. Nicht der kleinste Erfolg des Unternehmens besteht darin, daß das erste Mal ein wirklich jüdisches Werk geschaffemi wurde, an dem die verschiedenen jüdischen Parteien friedlich miteinander arbeiten. In der Tat werden die Vorlesungen sowohl von Orthodoxen als von Liberalen, von Zionisten und Nichtzionisten, von Franzosen und Ostjuden besucht.3) Wenn ich mich nicht sehr irre, so ist dieses Unternehmen das ernsteste unter all den Erscheinungen jüdischer Renaissance, die wir seit dem Kriege erlebt haben. Wenn es gelingt, so hat man dem allgemeinen Bedürfnis nach jüdischer Bildung Rechnung getragen'; wenigstens bei einer Elite wird wieder das echte Judentum aufleben. Sollte aber das Ganze an Interesselosigkeit scheitern, so kann als bewiesen gelten, daß nichts mehr zu machen ist; man wird sich damit begnügen müssen, wohl oder übel das zu erhalten, was man jüdisches Gefühl nennt, fr. h. ein ausschließlich auf der Rasse begründetes Gefühl, was selbstverständlich die Möglichkeit eines künftigen Wiedererwachens nicht ausschließt, aber vollständig außerstande ist, uns momentan ein lebendiges, seiner Tradition würdiges Judentum zu geben. 3) Die Zahl der eingeschriebenen Hörer beträgt momentan 63, die Gesamtzahl ca. 120. Dieser systematische und interessante Unterricht in jüdischen Dingen hat in Straßburg eifrige Unterstützung gefunden, welche wenigstens bis jetzt angehalten hat. Man kann sich ohne zu großen Optimismus die Frage stellen, ob ein solcher Versuch in Paris nicht auch Erfolg haben könnte. Könnten sich die Jugendvereine, welche unter verschiedenen Namen derselben Zweck jüdischer Erziehung verfolgen, sich nicht zu einer derartigen Arbeit zusammenschließen, anstatt ihre Kräfte in kleinlicher Konkurrenz zu zersplittern. — Dieser Artikel schließt sich an die zahlreichen Aufsätze an die bereits an dieser Stelleft über „religiöse Unwissenheit und ihre Bekämpfung" erschienen sind. Vielleicht erfaßt er aber genauer die Wurzel des Uebels. Denn wem es unbedingt nötig ist, den jüdischen Schulunterricht, um den' man meistens mit Recht besorgt ist, zu verbessern, so wäre es doch traurig, wenn man bekennen müßte, daß das Judentum für die Kinder nichts weiter tun kann und sie gerade dann im Stich läßt, wenn ihre bester entwickelte Intelligenz das Bedürfnis nach jüdischer Blldung besonders empfindet. Da es heute glücklicherweise jüdische junge Leute gibt, deren Devise ist: „Zurück zum Judentum", selbst wenn diese Devise noch wenig verstanden wird, so muß man doch daiKn denken, ihnen die Pforten der Erkenntnis zu öffnen. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Konflikt zwischen dem Landesverband und der Kölner Gemeinde. Köln, 18 JuV. Wir Lesen in der „Jüd.--lib. Zeitung": Der Landesverband preußischer Synagogengemeinden hat dem Kölner Lehrerseminar die Subvention von 15.000 Mk. 'für das Jahr 1929 entzogen, dagegen' der Würzburger Anstalt einen Gesamtbetrag von 26.000 Mk. bewilligt (20.000 Mk. Beitrag und 6000 Mk. für Stipendien). Die Kölner Mitglieder des Rates vermochten trotz nachdrücklicher Fürsprache den Verbandnicht zu bewegen, die Streichung rückgängig zu' machen. Ebenso erfolglos bVbebeti die Eingaben des Kölner Gemeiudevorstandss sowie eine Marse Entschließung' der Kölner Repräsentanz, die dem Verband übermittelt 4) Im „Ilnivers JsraAite", (Anm. d. Hebers.) EnisaEEmi» IV kalt getrunken : das beste Erfrisch unqsqetränk keine Gratiszugaben.dafür Qüalität wurde. Die Spannung, die sich bereits zuentwickeln! begann, als der Landesverband es ablehnte, die Jsop ausreichend mitfinanJieren zu heften, hat sich infolge dieser Vorgänge erheblich verschärft, und wenn nicht bald eine Konfliktlösung gefunden wird, die Köln zufviede-nstellb, müssen bedenkliche Verwicklungen befürchtet werden. Vor zwei Wochen hat sich die Kölner Repräsentanz in geheimer Sitzung mit -den Vorkommnissen befaßt, und auf Antrag des Vorstandes beriet sie am vergangenen Donnerstag erneut über die Haltung!, die Köln dem Landesverband gegenüber einzunehmen hätte, und zwar m öffenWicher Sitzung!. Der stellvertretendes, Vorstand svorsitzende, Justizrat Bodenheimer, gab die Erklärung ab, die GemeindeoerwaMng erkenne die Bedeutung und Existenznotwendigkeit des Kölner Seminars durchaus an; sie sei aber der Auffassung, nicht die Gemeinde Köln-, sondern die Gesamtheit der deutschen Juden habe den Fortbestand dieser allen zugute kommenden Einrichtung zu sichern. Jnfolgedesssn sei der Landesverband als Vertreterin der preußischen Judenheit verpflichtet, die Subvention zu gewähren. Mi erhobener Stimme zieh Bodenheimer den Landesverband des Mangels an Veran-two rtli chkeitsgefühl. Seme Darlegungen ergänzte mit bemerkenswerter Schärfe ein anderes Mitglied des Vorstandes, Dr. Lifsvuer. Er schilderte den Verlauf der Verhandlungen zwischen Landesverband und Gemeindeverwaltung und bezeichnete die letzte Antwort aus Berlin als eine starke V rüs tieru ng Kölns und als einen Schlag ins Gesicht der Gemeinde, den man nicht hinnehmendürfe. Die lebhafte Aussprache endigte mich der Annahme eines Antrages des" Repräsentanten- Nathan- Kahn, durch den der Vorstand ermächtigt wurde, mich dem Landesverband weiter zu verhandeln, von dem. Pflichtbeitrag von 38.000 Mk. zunächst nur 23.000 Mk. 'nach Berlin abzusühren, und den Restbetrag von 15.000 Mk. erst dann zu zahlen, wenn der Landesverband' de«. Wünschen Kölns in zufriedenstellendem Maße 'entsprochen habe. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Leipziger Gemeinde kontra Religionsgeseh. Leipzig, 22. Juli. Das GemeindMatd der letzten Woche meldet: „Auf einen Antrag der Chebra Kaddischa zur Friedhofsordnung wird nach längerer Aussprache-zur Tagesordnung übergegangen." Diese Form bekam das Hundstagseii, das Schreckliche ereignet.- Auch „der weihevolle Stoff des Religionsunterrichtes" hat nichts dagegen vermocht. Wie gesagt: vermocht gegen jene furchtbaren Mächte schlimmster, seelischer Perwirrungen im Kinde einer, russischen FlüAtlingssamilie der Pasfauerstraße, dessen körperliche Zurückgebliebenheit es an 'einem dunklen Nachmittag in vermeintlicher Notwehr zur Pistole greifen ließ, vermocht gegen diese Mächte hätte nur — ein Schul re serent etwas. für feine Behauptung, das Gute chürfe man von. Jedem nehmen. >7 ' Nun ist es interessant, zu wissen, daß kein Geringerer als der V't Venn» in seinem nnnwr ünter Nr. 64 schreibt: rxin nn-,' d y b a nns» •ab na s^iai;"nan ama *-a»rmä ’JK" •'•TlWp* 11»»'; , V Warum dieser pnos dennoch in unsere ni-ov ausgenommen wurde, ergibt sich klar aus dem bi'sn ppn vii's zur Stelle in dem nbsnn nxis* ' (Energische Töchter.) In Falenice (bei Warschau) bestand eine Beth Jakob-Schule, die aus Mangel an Mitteln geschlossen worden war. Die Zöglinge, etwa 100 an der Zahl, die der Schule in großer Liebe anhingen, konnten über die Sperre nicht hinwegkommen. Eines Schabbos Nachmittags, als die Balbatim der Stadt gerade bei Schoko fch-Sudos-Tisch in der Klans saßen, drangen die mutigen kleinen Kämpferinnen ein' und erklärten dezidiert, nicht eher abziehen zu wollen, als bis sie die feste Zusage hätten, daß die Balbatim sich von nun an größere Opfer auferlegen würden, um den Bestand der Schule zu sichern. Erst als ihnen diefe Zusage in bindender Form gegeben worden war, zog die junge Schar beruhigt ab. (Bileam im Gotteshaus.) Herr Jos. Sänger in Frankfurt a. M. schreibt uns: Zu dem Artikel „Eine pädagogische Prinzipienfrage von Herrn A. S. Friedmann in Warschau", gegen den Rezensenten des Lesebuches „Hasefer", Herrn B. M., möchte ich mir folgenden Hinweis gestatten: Herr B. M. bringt u. a. als Beweis für sich die Tatsache, daß beim Eintritt ins Gotteshaus: raio na" gesagt wird. Diese Worte, dem „Munde des heidnischen Lehrers Bileam" entflossen, sind ihm eme Bestätigung Lassen Sie Sture UHREN bei Neeser-LAPP,Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. Wochenkalender. v. 27. Juli bis 3. Aug. 1929 n. 19. — 26. Tammus 5889 Samstag 27 19 onra Sonntag Juli 28 20 Montag 29 ran 21 Dienstag 30 22 Mittwoch 31 23 Donnerstag Aug 1 24 Freitag 2 25 Ennn pnaa '-v»i niva Mauled Montag nachm- 3 Samstag 3 26 Uhr 8',g Min. trrantwortllch für de« allgemeinen Teil und da» Feutlle»^r!. Schach«owttz» Frankfurt a. M.; Inserate i.B.r «.Schachowitz, ebenda.-Für die pädagogische Beilage: Lehrer» ians«an» itt Sprendlingen (fft. Offenbach). — Berlar Irrarltt" Frankfurt a. M. — Druck ««nron Berlage- «in wohlweiser Vorstand in Verbindung mit dM> Veroxdneten der'israeMschen ^Mmemde ausgebrütet hat. Wenn man' die lapidare Kürze rmt der AusstihrAch- M. vergleicht,,'fri« von 'anderen' weniger wichtigen Dingen erzählt/? W man das G^U hier gab es etwas zu verbergen, wcchirscheinlich wollte man der. Mick- und Nachwelt gegenüber die Blamage über den Ausfall des Sitzungsergeb-nlsses verdeckend Was lag, vor? Vor knapp einem Jahre ist der neue Friedhof eröffnet worden mit einem Statut, das viele halachifche Anordnungen verletzt und das infolgedessen Gegenstand heftigster Kontroverse mit dem orthodoxen Chewra Kaddischahvvrstand geworden ist. Die Chewra Kaddischa-Gabb-oim werden an maßgebender Stelle so ungefähr mit den Berusslei-cheowafchern in Parallele gestellt: Nach schwerem Kampfe wurde die Bestimmung durchgesetzt, -daß >ein- Teil -des Friedhofes kränz- und urnenfrei bleiben sollte. Der Kon-- ftikt spitzte sich zu, als man die Frage diskutierte, ob wie bisher im alten Friedhof auch weiterhin Mchtjuden zur Bestattung gebracht werden dürften. Selbstverständlich verneinte die Chewra Kaddischa -die ZMjstigkeU doch wollte sich der Vorstand damit nicht absinden -und ersuchte um rabbinische Gutachten. Nach bekannter Prxais war es dem Eingeweihten klar, daß wie immer das Resultat aussallen würde, man sich -doch nicht danach richten würde. Und so geschah es. Orthodoxe uyd liberale- Gemeinderabbin-er äußern sich dahin, daß nur £fea hu-dim auf jüdischen Friedhöfen bestattet werden dür- \m, müssen sich nun sagen lassen, -daß sie genarrt wur-

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