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Der Israelit · 1929-07-18 · Heft 29 (18.7.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 29 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 29 Der Israelit 18. Juli 1929 Der greise „Mader Gaon" regte auf Jni-tiMve des orthodoxen Organs „Zfido Ujfa-g" an, daß eme Person die gegendas Sabbatg-efetz v-erstöht, nicht als Vorsteher einer orthodoxen- Gemeinde gewählt werden dürfe. Di-e Landes kanzle-i wird sich demnächst mit der Frage be fassen. Cs wurden noch 'Fragen der Penstonsg-ehäLter der Gemeinde-An-g-este-llten- und der Unterstützung der Jsfchiwcth behandelt. Am Tage vorher befaßte sich die orthodoxe Zentralkommission mit der Frage der ofsizie-llen Teilnahme an der II. K e n e s s i o G e d a u l o; die Teilnahme wurde an eine Bed in gung g-e k nüpf t. Ein Komma n-'que hierüber wirdnicht ansg'egeben. Ein ständiges Komitee zur Wahrung der jüdischen religiösen Interessen bei der Kalenderreform. Zürich, 14. Juki. In Paris fanden vor einiger Zeit eingehende Besprechungen in efmim jüd-isch-en« Kneife über den Stän-d der Dinge in Bezug aus die Kalen-der-reform statt. Diese Besprechungen führten 'dazu, daß «die fünf Herren, die im Jahve 1925 vor dem Völkerbund in- Genf als Vertreter des jüdischen Standpunktes in Sachen -einer Katen-derreform gehört wurden-, sich zu einem Ständigen Komitee zur Wahrung b-sr jüdischen velH-giöfen- Jnterefs-enin Bezug aus die Kalenderresorm zusammengeschloffen haben. Diese fünf Herren sind: Oberrabb-iner Fürst-Wien-, als Vertreter des Rab-binisch-en Rates -der „Ag-udas Jisr-oel", Chief Rabb-i Herz- London, Grand Rabbinde France, L e v i - Paris, Oberrabbiner Dr. T. L e w e n st e i n - Zürich, Lucien Wolf- London. Der Sitz des- Sekretariats befindet sich in Zürich. ■ Rutzland. Sowjetrussische Greuel. Moskau, 14. Juli. Der Sowjet der Stadt Berditschew, die e-in>e lner größten und ältesten jüdischen Gemeinden des europäischen Ostens beherbergt (die Bevölkerungvon- Berditschew ist fast durchweg jüdisch), hat beschlossen, den im Zentrum der Stadt gelegenen mehr als 200 Jahre alben historisch denkwürdigen jüdischen Friedhof, auf dem sich Gräber berühmter Rabbinen befinden, -ineinen öffentlichen Park umzuw-and-eln-. Unter der religiösenjüdischen- Bevölkerung Berditschews, der dieser Friedhof als heilig gM, hät d>er Beschluß des Sowjet tiefe Bestürzung -hervorgerufen. Als Arbeiter auf dem Friedhof erschienen, um den Boden umzugraben und die Knochen aus den- Gräbernauszuheben, stelltensich' ihnen- -die frommen- Juden- -entgegen, es kam zu -einem schweren- Zufam-menst-oh, wobei' -ein Angehöriger der Miliz und mehrere Arbeiter durch Schläge und Stei-nwürfe blutende Verletzun-gen davon-- trugen. Während dessen hatte ein Teil der Arbeiter mehrere Gräber ausgehoben -und die Knochen auseinandergestveut. Das Rabbinat von- Berditschiew forderte alle Juden der Stadt aus, sich ander feierlichen- Bestattung der geschändet-en sterblichen Neste großer Rabbinen demonstrativ zu beteiligen. Die Kommunisten -erklären entgegen diesem Aufruf, daß die Knochen nicht von Men-- schen, sondern von Pferdenherstammen. In der Stadt verbreitete sich das Gerücht, daß .einige Arbeiter, die sich an der Zerstörung der Gräber beteiligten-, unter Lähmungserfchelnungen an -den- Händen- -erkrankt sind. Dieses Gerücht hatte die Wirkung, daß sich mehrere Arb-eller nunmehr weigern-, sich an der weiteren Aushebung der Gräber zu beteiligen. Der Stadtsowjet von- Berditschew sucht die erregte Stimmung durch die Erklärung zubeschwichtigen, daß er bei Umwandlung -des Friedhofes in einenöffentlichen Park einen kleinen Teil der Fläche -umzäunen und dort die Grabsteine des ulten Friedhofes auifftsllen laffenwerde. Portugal Die erste Marannen-Synagoge in Oporko. Lissabon-, 9. JuG. Die Grundsteinlegung für die -erste Synagoge in Oporto, Portugal, stand im Zeicheneines feierlichen Ereignisses für die Ma-rannen Portugals, die nun'auch offiziell zum jüdischen Glaubenzurückk-ehrten. Die Synagoge wird in der Straße errichtet, die den Namendes portugiesischen Marannendi-cht-ers- Guerra Junqueirv trägt, der eine frappante Aehnlichkeit mit Rembr-an-dts Rabbiner-Bild hatte. Die Mar-a-nm-en von- Be-knon-te und CoVÄHan sandtenan den Präsidenten -der neuen Mischen Marannen-Gemeinde in Oporto, Kapitän- Ba-rros Baston, eine Begrüßungsbotschaft, dankten ihm für die Die Woche. Berlin. M-e deutschen Zionisten feierten am 11. Juki den 70. Geburtstag von Prof. Oskar Marburg. ' München. Die nationalistischen Studenten der hiesigen Universität, etwa 1360 bis 2000 Mann, demonftriiertenheute für den Numerus clausus. Ihre Plakate wurden von der Polizei beschlagnahmt. Breslau. Auch hier ist ein Ortsausschuß des Hilfsv-evbänides für russisch-jüdische F l ü ch t l i ng e gegründet worden. Vorsitzender ist Justizcat P e i s e r. Paris. Der gegenwäriigL Vizepräsident der JEA, Leonhard L. C o h e n in London, soll als Nachfolger PHMpfons Präsident werden. — Hier fand die Jahresversammlung des Rates der vereinigten Or-gonisation-sn- Hias, Jea und Emigrationsdirektortum unter Vorsitz von Dr. Oskar Cohn statt. London. Im Kabinett Macdonald befindet sich ein Jude, Em-anuel Sh-een well. Bemerkenswert ist dabei, daß Shsenwell, der jetzt 44 Jahre alt ist, nicht wie die früheren jüdischen- Minister Englands geborener Engländer ist, sondernder Sühn eines jüdischen Flickschusters aus Lodz; in seinem vierten Lebensjahr sah sich seine Familie gezwungen, infolge Arbeirsmangeks nach England -auszuwandern. Er hat im Kabinett das Referat für Kohlengruben und Montanindustrie. Sheenwell hat -den- Zusammenhang mit seinen Verwandten in- Polenjederzeit ungefche-ut aufrecht erhalten. Athen. Auf B-erlangsn der jüdischen Gemeinden- und Abgeordneten hat das KabxnM eine Ae-nderugn des Sonntagsruhe-gefetzes vorg-efch lagen, wonach unter gewissen Bedingungen Läden und Werk-, stätden am Sonntag 5 Stundengeöffnet sein dürfen. Brüssel. Franz P h i l l i pp son, der Präsident der JEA, ist im 78. Lebensjahr in Panis v-er-ftorb-en. S-e-ine Veftattu-ng fand am 10. Juliin Brüssel unter Beteiligung zahlreicher Personen der Politik und Diplomatie statt. Namens dre JEA sprach am Grabe Salomon Rem-ach. Budapest. Der R-eichsverweser hat ein Mitglied der hiesigen neologen Gemeinde, Dr. Armin- Fodor, zum Senatspräsidenten an der königlichen Kurie ernannt. Belgrad. Laut offizieller Statistik te-be-nin Belgrad unter einer Gesam-tbevölkerung von 226 000 Seelen 7443 Juden. Jerusalem. Ms probates Mit-' tel, um den Freitag Abend-Gottesdienst ander Klagemauer vor moslemrbifchen Störenfrieden zu schützen, bewährte sich -an einem -der letzten Freitag-Abende die Anwesenheit des stellvertretenden Distriktskommissars und -des Polize-ikomm-an-danten bet dem Gottesdienst. Die Störungenmachtensich m der letzten- Zeit wieder sehr unangenehmbemerkbar. — Die von der zionistischen- Exekutive ausgearbei-tete Budgetvorlage für das kommende Arbeitsjahr, die vom C-ounc-il der Jewi-fh Agency genehmigt werden soll, beläuft sich aus eine Summe von 15 Millionen Mark. — Die „Liga zur Bekämpfung -des Imperialismus" will in Frankfurt a. M. einen Weltkongreß abhalt-en, mit dem eine Konferenz von Delegierten -aus ' den arabischen- Ländern verbundenwerden soll. Die Pläne der arabischen Opposition werden von den deutschen- Kommunisten unterstützt. — Di-e hebräische Universität ist im Wintersemester von 241, im Sommersemester von- 219 Studentenbesucht worden. Kowno. Auf Anordnung des Unterrichtsmlnisters wurde kein einziger jüdischer Kandidat -in die neugegründeten pädagogischen Kurse für Lehrer ausgenommen. Moskau. Wie ITA erfährt, wird die Errichtung eines dritten autonomen jüdischen Rayons in der Ukraine geplant. Eine amerikanische Expedition ist in Moskau eing-etroffen, die unter Führung von Prof. Harris nach dem fernen Osten gehensoll, um zu prüfen, ob -der Distrikt Biro-Bidschan sich zur Massenkolomfatron' für die Judeneignet. Newyork. 19 000 streikende jüdische Arbeiter der Bekleidungsindustri-e k-ehrten am Dienstag, den 16. Ju>li, zur Arbeit zurück. Die schnelle Liquidierung des Streiks ist ein Verdienst des Vizego-uverneurs Herbert H. Lehman. große Arbeit im Interesse der Rückkehr der Mamnnen zum Judentum und wünschten der Jüdischen Gemeinde in Oporto Frieden und Gedeihen. Die Kundgebung chloß mit denhebräischen- Worden: „Schalom lejisrael". Personalien. Breslau, 12. Juli. Am vergangenen Sonntag ist Frau (Prof. B a d t, hier zu Grabe getragen worden. Mit ihr schwindet die lebendige Erinnerung an ein altes, weithin bekanntes Breslauer Haus, in dem als streng lonsewatioer Jude der weithin bekannte Gymnasialprofessor -Dr. Badt jahrzehntelang segensreich wirkte. Man mutz seiner opferreichen Tätigkeit gedenken, "frtit der er den Pogromflüchtlingen beistand. In seinem Hause richtete er ein Minjan ein, damit die jüdischen Gymnasiasten vor dem Unterricht am Sabbat dem Gottesdienst beiwohnen könnten. Mit Strenge hielt er darauf,, datz sein Haus und seine Schüler dem gesetzestreuen Judentum treu blieben. Nun ist seine Lebensgefährtin dayin gegangen, die mit vorbiidlicher Treue das Vermächtnis des Gatten zu hüten verstand. De: eiizige Svhn der Heimgegangenen neben zwei Töchtern ist der bekannte preutzllche Ministerialdirektor Dr. Badt, der sich in seiner hohen Stellung durch gewissenhafte religiöse Treue auszeichnet. Schönla-rke, 9. Juli. Ihren 80. Geburtstag feierte in vollster Rüstigkeit Frau Salomon. Als langjährige Vorsitzende des Frauenvereins hat sie sich um denselben, ebenso wie um alle - Wohlfahrtsangelegenheiten unserer Gemeinde, große Verdienste erworben. Der'Frauenoerem rhrte die Jubilarin, die an der Seite ihres um unsere Genreinoe hochverdlenten Gatten diesen Tag begehen durfte, durch Ucberreichung einer Adresse. Bei der Ueberrekchung hielt Herr Rabbiner Berlin g er Tm Aufträge des Frauenvererns eine ^Ansprache, in der er auf dte grogen Verdienste der Juöilarrn 'hinwies uiio der Hoffnung Ausdruck gab, datz sie noch lange Jahre zum Segen des Vereins und der ganzen Gemeinde wirken möge. Herr Mottek überbrachte Frau Salomon die Glückwünsche der Gemeindevertretung. Die Mjtsreude der ganzen Gemeinde und weiter Kreise unserer Stadt beweist, welcher Liebe und Hochachtung die Jubilarin sich erfreut. Gurhagen, 7. Juli. Sein SOjährrges Gefchästsjubiläum beging Herr Gemeindeältester Moses Plaut, einer der angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde. Zu der Feier hatte sich ein großer Kreis von Eeschäftesreunden Md Verehrern eingebunden. Viele wertvolle Geschenke, Glückwunschtelegramme und -Adressen bezeugten dem Jubilar die Anerkennung, die er in allen Kreisen genießt. Herr Landrabbiner Dr. Walter- Kassel verlieh ihm den Ehrentitel des begleitet von einem Schreiben, das die tiefe Frömmigkeit des Jubilars aussprach. Der Bürgermeister überbrachte ihm persönlich seine Glückwünsche. Bei der Mittagstafel sprachen die Herren Katzenberg pnd Goldschmidt, bei der Abendtafel Herr David stlllmann aus Kassel über die Anerkennung und Verehrung des Jubilars. Oberaula, 6. Juli. Ihre goldene Hochzeit begehen morgen in seltener Frische Herr Manus Wallach und Ehefrau Mosa, geb. Stern, dahier. Gudensley, 7. Juli. Seinen 82. Geburtstag beging am vergangenen Herr Lew Hahn, Veteran von 1870—71, der hier in allen Kreisen geschätzt und angesehen ist, in seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische. Urbana ^Jll.j, 4. Juli. Herr ' Dr. Möses Jung, der feit 5 Jahren als Professor für Jüdische Studien an der „Hillel Foundation" der Universität von Illinois wrckte, hat einen Ruf an die Staatsunioersität von Iowa als Professor für Jüdische Kultur angenommen. Dr. Jün§ ist -der älteste Sohn von Nabb. Dr. Meir Jung, V"t London. Vermischtes. Schönlanke, 9. Juli. Anläßlich des 10 jährigen Bestehens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten veranstaltete -die hiesige Ortsgruppe eine wohlgelungene Feier. Herr ,Rabb. Berlinger hielt vor der zahlreich besuchten Veranstaltung einen Vortrag über das Thema: „Die Bedeutung Lessings für das Judentum". Der Redner stellte die wesentlichen Ergebnisse der Tätigkeit Lessings zusammen iund suchte dann ihren Einfluß auf dir Verbesserung der Lage der deutschen Juden und das allmähliche Werden dsr Emanzipation nachzuweisen. Von ganz besonderer Bedeuwng Ist tn 'diesem Zusammenhang der weltanschauliche iEtnflutz, den Mendelssohn auf seinen Freund üusübte und dre gegenseitige Befruchtung, dre durch -das Verhältnis Lessings und Merrdelssohns die jüdische und deutsche Literatur erhielten. Viele einzelne Aussprüche, die Lessings Weltanschauung und seine großen Menschhertsideale erkennen lassen, ähneln in Form und Inhalt talmudrschen Aussprüchen und Sentenzen. -Besonders instruktiv waren die Ausführungen über (die Stellung Lessings zur Religion überhaupt, insbesondere ober zur positiven Religion und speziell zum Judentum, i Briefkasten. Rabbiner in- G-alizien. Wen>den- Sie sich an das Kuratorium der Thora-Lehranstalt Frankfurta. M. . Syb. Herrn Josef Rofenbaum, Rückerfftr. 59. Z. in Neukirchen. Die Arbeit ist zu spät eingegangen, um in diesem Jahr noch berücksichtigt werden zu können. Familiennachrichkev. Barm i z w o:.Max, Sohn -des Herrn- Eduard Freimarm und Frau, Frankfurt a. M., Waldfchmid-tstr .119,1. am Börn-eplatz

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