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Der Israelit · 1929-07-18 · Heft 29 (18.7.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 29 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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18. Juli 1929 Der Israeli! Nr. 29 Seite 5 Ws." Korrespondenzen « Racbricbten. Deutsches Reich. Entlassungsfeier am Rabbinerseminar. — 30, Todestag Rabbi Esriel Hildesheimers ^»r- . - . Berlin, 12. Juli. Me alljährlich am Jahrzeitbage des Gründers des Rabbmerseminars Dr. Esri-ek Htldesheimer wurden auch am 12. Juli b. I. die dtesfährigeni Abfolbenteu der Anstalt mit einem Zierlichen ASt entlassen: Dr. Erich Hildesheimer, Enkel des Gründers, und JuKus Samuel. Der Vorsitzende des Dozente-nkollegiums, Dr. Wahlgemut., richtete an die Absolventen die eindringliche Mahnung, den Traditionen -des Gründers in Leben und Lehre treu zu bleiben. Sie folltMnicht weltfremdsich von den Kulturein flössen der Zeit sernhaltlen, sondern mitten in ihrer Gemeinde und in der nus umgeb!enden Kultur die Gegenwartsausgaben des Judentums auf dem Boden der alben Thora-Tradition zu lösen suchen. Im Nam^n deanderen Absolventen und für sich gedachte Dr. Erich Hildesheimer seines Großvaters und gelobte, dessen hohe Traditionen und damit die des von ihm gegründeten Instituts in die jüdische Welt hinauszutragen. Nach Ausfolgung der Rabbinatsdiplome an die beiden Absolventen sprach der Dozent Dr. Grünberg vor geöffneter Lade das El Moleh Rachamim-Gebet für den Gründer, dessen Todestag sich heute zum dreißigsten Male fährt. Anwesend waren sämtliche Dozenten und Schüler des Seminars, sowie ein größerer Kreis ihm nahestehender Persönlichkeiten aus der Berliner Orthodoxie. Würliembergischer Landesverband für die Interessen des gesehestreuen Judentums. Stuttgart, 7. Juli. Am 23. Juni ds. Js. fand in den Räumen der Stuttgart-Loge die Generalversammlung, des „ Württe mbergifchen Landesverbandes für die Interessen des gefetzestreuen Judentums" statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Herz- Hall, gedachte der Gründer des Verbandes und der erstmals gewählten Vorstandsmitglieder, der Herren Heinrich- Herz- Hall,, Hermann Hirsch-Mergentheim, Veit Kahn-Cannstatt, Emanuel Kaufmann-Stuttgart und David Reis- Heilbronn. Leider befindet sich von! all diesen Herren^ nur noch Herr Emanuel Kaufmann, jetzt in Frankfurt, am Leben. Zu Ehren der Toten erhebt sichdie Versammlung von den Sitzen-, Der Vorsitzende berichtet dann über die Tätigkeit des Verbandes seit der jüngsten Generalversammlung und erteilt daran anschließend das Wort Herrn Dr. Würzburger-Heilbronn zu einem Referat: „Ziele und Ausgaben unseres Landlesverbandes". Er bezeichnete als hauptsächliche Pflichten Sorge für die Heilighaltungi des Schabbos, Betreuung der Jugend, besonders auchnach der Entlassung aus der Schule, ferner das HiNaustcagen jüdischer Belehrung in die Landgemeinden'. Als äußerst wünschenswert bezeichnet der Referent noch eine Arbeitsgemelinfchaft mit dem sehr tätigen badischen Schwester-- verband. — Eine rege Aussprache schloß sich andas ausgezeichnete Referat an, die bewies, wie begeistert die Mitglieder für dis Erreichung der vom Redner ausgestellten Ziele eintreten wollen. Hierauf folgte ein gemeinsames Mittagessen in der Restauration Agulnik, das durch schöne Thoraworte der Herren Rabbiner Dr. B a mb e r g e r, Dr. Kahn und Dr. Fein b e r g gewürzt wurde. — Die Nachmittagsversammlung, brachte das Referat des Herrn Dr. Kahn- Mergentheim: „Die Einflüsis der neuen Verfassung für dis Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg auf das religiöse Leben in den Gemeinden". Der Redner erklärte die Vorteile der neuen Verfassung sowie, auch deren Nachteile gegenüber der alten, und führte aus, daß unsdie neue Verfassung zweifellos viele Zugeständnisse gebracht habe. Manche sehr berechtigten Wünsche und Anträge der Gesetzestreuen seien allerdings unberücksichtigt geblieben. Er hoffe, daß diese Versäumnisse später noch gutgemacht werden. — Auch an diesen Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion an, die zeigte, welche große Zahl von Wünschen für das Wohl der gesetzestreuen Judenheit Württembergs in den Herzen der Mitglieder unseres Verbandes schlummert und -auf die Zeit wartet, wo au!ch diese noch bei den jüdischen Behörden unseres Württembergischen Landes, die ja seit einer Reihe von Jahren unseren Bestrebungen mehr Verständnis als früher entgegenbring-en, sich werden durchsetzen lassen. Bei der hierauf erfolgenden Wahl des Vorstandes wurden die seitherigen Mitglieder, die Herren Herz- Hall, Kahn- Baisingen, Kahn- Eannstatt, T a n n«- Stuttgart und Dr. W ür zb -u r g e r - Heilbronn miedergewählt. . > Oesterreich. Rabbi Awrdechai Löb Rubin Wien, 10. Juli. An den Folgen einer Operation verschied der seit 14 Tagen hier weilende bekannte Rasch Besdin des Waad harr Afchkenasi in Jerusalem, Rabbi Mordechar Löb Rubin im 59. Lebensjahr. Der Heimgegangene war erst vor wenigen Wochen nach Europa gekommen, um wegen eines schworen Leidens ein Ba>d aufzusuchen und gleichzeitig an 'den Tagungen der Agudas Jisroel teilzunehmen. Auf den Rat der Wiener Professoren unterzog sich Rabbiner Rubin der Operation/ die Leider nach wenigen Tagen zum Ende führte. Vor seinem Heimgang richtete der Rabbi die dringende Bitte an seine Umgebung, ihn sofort nach dem Ableben nach Erez Jisroel zurück zu bringen, damit er in der 'heiligen Erde ruhen könne. Diesem Wunsche ist auch entsprochen worden. Eine Würdigung des Lebensganges des Heimgegangenen bleibt Vorbehalten. Polen. Austritt des Lodzer TNisrachi aus der zionistischen Fraktion in der Gemeindeverwaltung. Lodz, 9. Juli. Große Sensation hat die Nachricht heroorgerufen-, daß der Misrachi aus der zionistischen Fraktion in der Verwaltung der hiesigen Gemeinde. ausgetreten ist. Die Ursache soll sein, daß die Zionisten die Misrachisten gezwungen haben, in allen dem veiligiösen Gewissen widerstehenden Abstimmungen sich der Fraktionsdiszistlin zu unterwerfen. Es dürfte das erste Beispiel in der zionistischen Geschichte sein, daß eine ganze misrachistische Gruppe den Mut hat, ihre religiöse Ueberzeugung höher zu stellen als dm zio nistischen- Partei zwang. Biel träg t dazu natürlich die beherrschende Stellung, bei, die in der hiesigen G-emeinde die Aguda einnimmt. Rumänien. B u k a r >e st, 5. Juli. Der rumänische Kultusminister Aurel Vlad hat sich in einem Interview über die von ihm -im Parlament e-ingebrachte Vorlage zur Abänderung des jüdischen Kultusgesetzes dahin geäußert, es fei höchst merkwürdig, daß jemand ge-gen Freiheiten, die man ihm gewähren will, protestiere. Nachdem bei den Juden eine orthodoxe- -eine neologe und eine sp-an-iolifche Richtung vorhandensei, wäre es sine Absurdität und eine Vergewaltigung der Ueberzeugung, wollte man diese verschiedenen Richtungen in einheitliche Gemeinden zusammen zwingen. Niemandem -ist verwehrt, in der Gruppe zu bleiben, -in der er verbleiben will. Wokein Bedürfnis der Separation besteht, wird sie auch nicht stattf-inden. De Protestbewegung, die jetzt ein-gelettet wird, ist daher -ganz unberechtigt. Zionistischer Enkrüftungssturm in Rumänien. Bukarest, 15. Juli. Dank der weitgehenden propagandistischen Geschicklichkeit, durch die sich die zionistische Leitung vonjeher -auszeichnet, werden in ganz Rumänien Demonstrationen und Cntrüstungsstürme aller Art arrangiert, um die rumänische Regierung, die bekanntlich beschlossen hat, das Kultus gerne indegesetz durch Gewährung des Rechtes auf freie Gemeindebildung zu ergänzen-, einzuschüchtern. Im Senat hat Dr. Mayer Ebner eine große Rede namens des jüdsich-parlamentar-i-fchen Klubs gehalten-, worin er sich nicht fchsu-ie, die unwahre Behauptung aufzustellen, für alle Juden Rumäniens sei die Thora, der Talmud und der Schukchan Aruch die anerkannte Ouelle des religiösen- Lebens und v o n einer dogmatischen Ve rsch-i-edenhei-t könne unter den Juden nicht die Rede sein! Die Orthodoxen und Neologen unterschieden sich nur durch unwesentliche Diss-er-enzen -in der Lrbuvgie, die das Wesen -des Judentums nicht betreffen. Es ist schwer begreiflich, wie ein Abgeordneter die Stirn haben kann, derartige faustdicke Unwahrheiten öffentlich vorzutragen. Herr Dr. Ebner wleiß ganz genau, daß sich der -gläubige Jude von dem ungläubigen Juden in den tiefsten Tiefen der Weltanschauung unterscheidet, daß dem einen die schriftliche und mündliche Ueberlvefeirung buchstäMch Go-tteswort ist, während die Liberalen und liberalen Zionisten in diesem Punkte sich v ölkig von dem Strom der allgemeinen Bib-elkritik treiben lassen. Die gewaltsame Vereinigung vongläubigen und ungläubigen Juden in einer und derselben Religionsgemeinde, kann nur von solchen Politikern vertreten werden, denen die R e -r ligton gleich-gül-ti-g und das Volkstum die Hauptsache ist. (Siehe Wochenschau.) Annahme des Gemeindegefehes im Senat Bukarest, 15. Juli. Nach der Rede des Senators Dr. Ebner ergriff der jüdische Senator Zi pst ein, Mitglied der nationalzaranistischen! Partei, das Wort, um auszudrücken, daß der jüdische Parlaments klub nicht im Namen des gesamten rumänischen Judentums sprechen könne. Die Regierung, sagte er, übe Objektivität gegenüber allen Religionen. / ' Kultusminister Vlad erklärte, -die orthodox gesinnten Juden lehnen -es ab, sich den spaniolischen Gemeindenanzuschließen. Er, der Minister, habe zahlreiche Petilionen und Klagen betreffend Sicherung der Freiheit des Kultus erhalten. Wir können nicht alle Juden zwingen, eine Einheitsgemeind-e zu bilden. Das Gesetz verwehrt es den Juden nicht, sich, falls sie w ollen, zusammenzuschließen. Senator Landesrabbiner Dr. Niemirover sagte, die große Mehrheit der Juden lehne das Projekt der Regierung als -ein Attentat gegen die Einheit der Gemeinde ab. Die Einheitsg-emeinde seiim jüdischen Leben Tradition. Er appellierte -andie Regierung, -die Vorlage zurückzuziehen und einen Kongreß der jüdischen- Gemeinden ein-zuiberusen-. Räch Schluß der Aussprache schritt -de-r Senat zur Abstimmung. Das Gesetz über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Großrumänien wurde mit den von der Regi er ung vorgeschlagenen Aen-Äeru ng e n mit einer Mehrheit von 82 Stimmen angeno mm e n. 3m letzten Augenblick wurden noch die folgenden Verbessevun-gen -eingeführt: Die Organisierungdes Kultus geschieht auf der Basis der religiösen- Gemeinden. Es werden drei jüdische Riten anerkannt: Orthodoxe, Okzidentale und Spaniolen-. Jeder dieser Riten hat das Recht, sich in jedem Orte eine eigene Gemeinde zu schaffen, doch können die vresch-ied-enen Riten-, wenn sie wollen, eine Ernheitsgemeinde bilden. Ineiner Ortschaft dürfenaber nicht zwei oder mehrere Gemeinden des gleichen Ritus bestehen. Ungarn. Tagung der orthodoxen Landesrepräsentanz Angarns. Budapest, 11. Juli. Im Prunksaale der Budapester orthodoxen! Gemei-nde tagte vor kurzem die h-undertglieürige ungarische orthodoxe La-ndesrepräsentanz unter dem Vorsitz des Präsidenten Adolf Frankl. V-izepräsident Ludwig Hartstein berichtete, daß, seitdem die neologe- Landeskanzlei die rechtliche Grundlage -der orthodoxen Separation anerkannt hat, zwischen Orthodoxie und N-eolog-ie Frieden und Harmonie herrschen. Damit -ist eine jahrzehntelange unglückliche Kampfperiode zwischen diesen beiden Lagern beendet. — Es wurde sodann eine Proklamation verlesen .wonach sich die ungarische Orthodoxie f-sisrli'chst der „Reoisionsliga" (Ligafür Herbeiführung einer Revision des Friedens Vertrages von Triano-n) anschließt. Oberra-bbiner und Mitglied des Magnaten Hauses Koppel Reich (Budapest) und die Oberrabbiner von Büdszentmihaly, Erlau-, Mab, Wai-zen- und Sieinamang-er wurden zu leben-slängli-ch-en Ehrenmitgliedern des orthodoxen Landesrabblnerkolle-gi-ums gewhält. Haristei-n refe^ ri-erte über die fogenannte-n Status q-uo-Gemeind e n und über erneuerte z i o n i st i s ch e B e w e g u n g in Ungarn, die unter dem Titel „Pro Palästina" propagiert wird. Die Landesversammlung stimmte der Auf-- sassung des Rabbinerkomiteeszu, daß beide, Status quo und Zionismus-, für die Orthodoxie unter „Jssu-r" stehen.

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