Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1929)
- Date
- 1929-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 29 Der IsraeltL ficht über diese Frage habe -ich in" der Einleitung zu dem Lesebuch „Hasefer" wie folgt dargestellt: „Bei -er Durchsicht des Manuskriptes ging ich von dem Prinzips aus, prosaische oder poetische Stücke, die das religiöse Leben berühren,' nicht aufzunehmen, wenn sie!von „freien" Schriftstellern stammen, auch wenn die Lesestücke selbst im religiösen Geiste geschrieben sind. ' Denn es ist nun einmal bei orthodoxen Juden Grundsatz, daß eme poetische Verherrlichung des Sabbats oder Feftlags, wenn sie von jemand geschrieben ist, der selber diese Tage (entweiht, keine Ehrung, sondern eine Entweihung der Sabbatheiligung darstellt. Deshalb habe ich Wert darauf:gelsgt, daß alle Gedichte, die das religiöse Leben verherrlichen, von religiösen Autoren stammen, damit das Büch ,in allen religiösen Erziehungsanstalten ohne Bedenken benutzt werden kann." Nun kommt der Rezensent B. M. und schreibt dazu folgendes: „Nach Ansicht des Herrn 'Friedmann mutz der Herausgeber «eines Lesebuches den religiösen Standpunkt der Autoren prüfen. Dem können wir nicht zustimmen. Wir benutzen vielmehr die Erzeugnisse der besten Schriftsteller und (Dichter der Neuzeit. Etwas Gutes darf man selbst von einem Acher annehmen. Und das erste Wort, das unsere Lippen flüstern, wenn wir ins Gotteshaus gehen, ist der begeisterte Ausruf des Frevlers Bileam: „Wie schön sind deine Zelte, Jacob, deine Wohnungen, Israel." Herr B. M. bekundet hier schriftlich, was ich zu wiederholten Malen von religiösen Pädagogen in Deutschland auch mündlich gehört habe, und es scheint, daß diese Anschauung derjenigen der meisten religiösen Lehrer Deutschlands entspricht, die die Erzählungen von I. Peretz und Schalom Asch in ihren Schulen benutzen, indem sie glauben, daß der von mir entwickelte Standpunkt der polnischen Orthodoxen eine Art ma mT»on sei, der keine Grundlage in der Halacha hat. Cs erscheint daher nötig, die Dinge doch einmal zu klären, damit meine Freunde in Deutschland einsehen, daß ihr Standpunkt einer im Rambam und im Schulchan Aruch festgelegten Gesetzesvorschrift widerspricht. Rabbi Josef Karo im Schulchan Aruch Joredea § 246 Ziffer 8, schreibt folgendes: „B e i einem Lehrer, der nicht auf gutem Wege wandelt, obgleich er ei n große r G e l e h r t e r i st u n d d a s g a ni z e V o l k auf ihn angewiesen ist, darf man nicht lernen, bis er sich Hessert." Diese Worte sind dem Rambam, Kap. 4 der Vorschriften über das Thoralernen Halacha 1, entnommen, der diese Halacha mit folgenden Worten schließt: „Denn es heißt: die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis wahren und Thora sollst du suchen« aus feinem Munde, denn er ist ein Engel des Gottes der Heerscharen. Unsere Weisen haben darauf gesagt: w e n n der Der Mensch ist heute schier zur Maschine geworden. Jeder fühlt sich als Maschinenteilchen, das, wenn es stehen bliebe, das ganze Räderwerk zum Stillstand bringen möchte. Die armselige menschliche Maschine ist ja schier gefangen zwischen allen eisernen Maschinen, die ächzend und stöhnend ihren Weg verfolgen. Dabei ist dann die Seele erstickt. Dort wo die Millionen wikbeln, ist die Seele verloren aegangen. Das "thoratreue Judentum will helfen, die Seele widderzufinden und sie kn ihrer «RenHeit zu erhalten. Das Thora-Judentum gebietet Keuschheit, Sittenstrenge -und Heiligung der Ehe. Man erkennt heute immer besser, daß die vom Goitesgesetz diktierten Schonzeiten für die Frau nicht nur Maßregeln sind, die sich mit der modernen Hygiene decken, sondern auch, daß die nV'av- Vorschriften unserer min größte Lauterkeit bewirken und von allerhöchster, göttlicher Weisheit zeugen. Das 'Thora-Judentum "lehrt die Einheit der Menschheit ytnd ist allumfassend. Es verbietet jede Gleichgiltigkeit gegen das Gemeinwohl und jede eigensüchtige Abschlietzung von den zur Wohltätigkeit und zur Veredelung der Menschen geschaffenen Einrichtungen der Gesellschaft. Es gebietet, das Wohl der Mitmenschen zu befördern, den Einzelnen oder der Gesamtheit nach dem Maße seiner Kräfte zu dienen. Das Thora-Judentum gebietet den nav. den Tag der Muhe und der -Sammlung, der allen, die ihn im Sinne -es Tn? mV? halten, festen Halt bietet, fodaß ( die'Worgen keine Kraft mehr haben und der Knecht zum Herrn iwirö. — Das Thora-Judentum gebietet, den Namen ’ Gottes durch unser Tun zu heiligen und dazu mit- , zuwirken, daß jene Zeit herannahe, in welcher alle Menschen rin der Liebe zu allen Neb"enmenschen geeint sein : sollen. Lehrer einem „Engel des Gottes der Heer-, slhaveni""" gleiM "darm chcktf man Thora aus fernem Munde suchen; wenn aber nicht, dann darf man keine Thora aus seinem Munde suchen." Soweit der Rambam. Die Quelle dieser Halacha im Talmud ist Traktat Moed Koköch Matt 17, S. 1. Dort ist die Rede von einem Thorajünger, auf den das Völk angewiesen war und der sich eines schlechten Rufes erfreute. Rabbi Jehuda legte ihn in den Bann aus dem oben erwähnten Grunde. Obgleich nun der Talmud ich Traktat Chagigo, Matt IS,. Seite 2, auf Rabbi Meier fragt, weil er bei Acher Thora lernte unid gegen Rabbi Meier den eben erwähnten Ausspruch ins Feld führt, wobei dann ein Unterschied gemacht wird zwischen einem bedeutenden Mann wie Rabbi Meter, der auch von einem weniger würdigen Lehrer zu lernen wagen durste und einem ge-, wöhnlichen Menschen, der dies nicht darf, so m a ch e n d o ch w e de r Rambamnochder Schulchan Aruch für die Praxis diesen Unterschied in der Qualit ät der Schüler. Der Grund hierfür ist wohl der vom Schach, Joredea z. St., angeführte Gesichtspunkt, wonach wir in unserer Zeit und auch zur Zeit des Talmuds uns a l «l e im Vergleich zu einem Rabbi Meier als Dutzendmenschen zu betrach«- ten haben. Vielleicht ist für die praktische Entscheidung des Rambam auch der im Mffchne lamelech angeführte Grund maßgebend, wonach der Talmud nur zur subjektiven Rechtfertigung Rabbi Meiirs jenen Grund anführte, ohne jedoch die Unterscheidung zwischen gereiften und« unreifen Schülern für die Praxis anzuerkennen. Aus meinen Ausführungen erhellt jedenfalls, daß Herr V. M. mit femer Behauptung, man dürfe „etwas Gutes von jedermann annehmen, auch von einem Acher" dem Standpunkt des Talmuds und der Dezisoren w i d e r s p r i ch t. Sollte aber der Ausspruch: „Wenn der Lehrer einem Engel des Gottes der Heerscharen gleicht usw." unseren deutschen Freunden als bloße Agada erscheinen und sie geltend machen, wie es einige mir gegenüber mündlich getan haben, daß wir heutzutage eben keine Lehrer hätten, die „Engeln gleichen", so weise ich daraus hin, daß der Rambam den Ausspruch ja durchaus als halachische Entscheidung ausnimmt, wie ihn ja auch Rabbi Jehuda s einer gerichtlichen Praxis zugrunde . legte. Aber abgesehen davon, mögen die Herren nachschlagen was Raschi, Malbim und andere aus den erwähnten Schristvers in Maleachi IV bemerken. Sie erklären das Wort im Sinne von B o t e, d. h. der Lehrer ist der Bote Gottes, um Israel Thora zu lehren. Nur wenn er die- Jn «einem Schlußartikel erfolgt ein geharnischter Appell;an 'die Ehrlichkeit des Lesers, das "ihoratreue Judentum «erst kennen zu kernen, bevor man darüber .urrerlt. Dr. M. 'A. (Maimonidss-Manufkcipte.) Bei der letzten Versteigerung der Firma S o t h e b y war ein halachisches Manuskript angeboten, das angeblich einen verlorenen Kommentar des Maimonides - auf Traktat Ehulin und tzwar in des Autors eigener Handschrift darstellen sollte. Wie der bekannte jüdische Forscher David S, S a s s o o n «nunmehr durch Vergleichung mit. den in seinem Besitz befindlichen Maimonides-Autographen festgestellt hat, ist die Angabe irrig. Es handelt sich bei dem Manuskript nicht um einen Kommentar aus den Talmud- Traktat Ehulin, sondern um einen Kommentar auf A l s a s i. Die Handschrift stammt von einem jemenitischen Autor und ist viel älter als Maimonides. (Von den Ksräerü.) Aus der Feder von Rüben Fahn ist vor kurzem als Ergebnis langjähriger Studien eine umfassende Darstellung der Lehren, Anschauungen und Ueberlieferungen sowie der Geschichte der Karäer erschienen. Der Verfasser, der viele Jahre in Halicz, dem Sitze einer Karäergemeinde gelebt hat, kennt die (ganze Tragik der Karäer, die seit Jahrhunderten den Zusammenhang Mit ihrer Volksgemeinschaft und ihren Traditionen zerrissen haben und das Opfer der eigenen sektenmäßigen Willkür geworden sind.! Karäer und. Samaritaner «sind in der Tat der glänzendste Beweis für die! lebenerhallende (Kraft, die allein dem von der talmudischen Tradition getragenen echten Judentum innewohnt. , •_ 18, Juli 1929 sen feinen göttliches Auftrag als solchen-erfaßt, selber an die Thora glaubt und« ihre Vorschriften im Leben verwirklicht, darf man« von,ihm lernen. Noch viel verwunderlicher ist der zweite Beweis, den Herr B. M. für seinen Standpunkt .anführt. Abgesehen davon, daß Me Segenssprüche Bileams nicht der Ausfluß feines eigenen Willens wären, sondern gegen seinen' Millert -seinem Munde entströmten, so daß es sich überhaupt nicht.-um einen „begeisterten Ausruf Bileams des Frevlers", sondern üm eine prophetische Gottesrede handelt, die den größten Hasser des jüdischen Volkes zur Verkündigung seines Lobes zwang; «abgesehen davon bilden ja «die Worte Bileams einen Abschnitt der Thora und« sind geheiligt durch die Heiligkeit der Thora«. Wie kann« man aus der Tatsache, daß wir einen Posuk der Thora m unserem Gotteshause sprechen, das Recht herleiten, sich der — wenn auch objektiv einwandfreien — Aussprüche der Frevler unserer Zeit als Lehrmittels zu bedienen, der Aussprüche und dichterischen Schöpfungen von Männern«, deren ganze Absicht darauf gerichtet war, die jüdische Tradition zu entwurzeln und in die Herzen« der jüdischen Söhne Gedanken der Leugnung und des Abfalles zu pflanzen«? Wer hat solchen Schöpfungen Keduscho verliehen«? Wie kann« «ein die Sabbatruhe verherrlichendes Lied eines Mannes, von «dem man weiß, daß er den« Sabbat entweiht, in die Herzen der Söhne Israels die Heiligkeit des Sabbats pflanzen? Wenn man vielleicht «noch zugeben könnte, daß man die moderne Literatur benutzen dürfe, wenn es sich um profane Dinge, um Naturbeschreibung oder ähnliche Stoffe handelt, ja sogar auch bei rein künstlerischen Darstellungen«, so kann man unmöglich auf religiösem Gebiete «ein solches Zugeständnis machen. Hier handelt es sich zweifellos um einen schweren Verstoß gegen den Geist des Judentums. Dieser Geist derjüdischen Treue kommt ja deutlich in dem bekannten Ausspruch unserer Weisen zum Ansdruck, daß sogar «eine durchaus einwandfrei geschriebene Thorarolle mit allen i h re n G o t t e s na m e n verbrannt werden muß, mmn -sin Leugner sie geschrieben hat! Ich habe mich verpflichtet gefühlt, diese Darstellung zu veröffentlichen«, um vor allen Dingen im Kreis «der deutschen Pädagogen auf die Erkenntnis der Wahrheit hinzuwirken. Schließlich handelt es sich um Thora, der wir alle folgen müssen. Familiennachrichten. ni8» -na: Walter Jacob, Sohn des Herrn Sigmund Strauß, Frankfurt a. M., Jügelftr. 9, Synagoge Unter* Imbau, pVavnpn's rnp - - .nrna-iar,« Hermann Schächter, Zögling'der Israel. Waisenanstalt,- Frankfurt a. M. pVa npn mv, Waisenhaussynagoge 6^ Uhr. nisa-ia; Walter Feuchtwanger, Sohn des R. A. Or. Sigbert Feuchtwanger, pVai npn nms in München, Liebigstr. 37. Geburtstag: Frau Kätchen Löbenberg in Wächters - bach, feiert am 16. Juli in körperlicher und geistiger Frische ihren 84. Geburtstag. «h Briefkasten. „Ilngemmnl". Brief eingegangen und weiter geleitet. Wochenkalender. v. 20. - 27. Juli 1929 / v. 12. - 19. Tammus 6689 Samstag 20 12 'f\ 'i pns - pVa npn Sonntag; 21 13 - Montag Juli 22 rian 14 i | . Dienstag 23 15 Mittwoch 24 16 Donnerstag 25 17 nana nws? Freitag 26 18 Samstag 27 19 VNI'S