Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1929)
- Date
- 1929-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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De r Israelit 18. >Juli 1939 _•__ im wesentlichen Hi-as und Joa, während das sogenannte Emigrationsdirektorrum lediglich orgapisatorische Bedeutung hat — recht zufrieden fern. In den beiden genannten- Jahren haben sich in den AuswamÄerungsländern nahezu 100 000 Personen an die Komitees der Gesellschaften gewandt, in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Canada, nahmen ihre Hilfe 17 000 Einwanderer -in Anspruch. Arbeit wurde 6200 Personen vermittelt. Den Einwanderern wurdet? Darlehen m Höhe von 145.000 Dollar gewährt. Durch Sprachkurse undberusstechnische Ausbildung bemüht man sich um die baldige Eingliederung der Eingewanderten in das Wirtschaftsleben der Jmmigrationsländer. Die Kredithilfe wurde im vergangenen Jahre etwas mehr ausgebaut. Vorsitzender des Rates ist Dr. James Simo n. Die engere Leitung liegt in den Händen einer Direktion, die aus den Herren A, Benjamin (Hias), Dr. Edouard Oungre (Jca) und Dr. M. Krainin (Emigdirekt) besteht. Das Abkommen der drei Gesellschaften, das nächstes Jahr -abläuft, wird wohl verlängert werden, denn gerade mit Rücksicht auf die verhältnismäßige Enge des Arbeitsspielraumes wäre ein zusammenhangloses Nebeneinanderarbeiton' besonders unzweckmäßig. Ein dankenswerter Schritt der rumänischen Regierung. Die jüdische'Presse hat sich so oft gezwungen gesehen, an den Handlungen und Unterlassungen der aufeinanderfolgenden rumänischen Regierungen auf dem Gebiete der Iudenpolitik scharfe Kritik zu übeu, daß man mit besonderer Genugtuung daran geht, den führenden Politikern jenes Landes, das -in der Leidensgeschichte des jüdischen Stammes eine so große Rolle spielt, auch einmal ein Wort dankbarer Anerkennung zu sagen. Diese Anerkennung muß mit-aller Entschiedenheit ausgesprochen werden gegenüber der vor zwei Wochen im Nachrichtentell unseres Blattes bekanntgeg-ebenen Gesetzesvorlage des rumänischen Kultusministers, die fürdas g a n z e G ebiet Rumäniens den Juden das Recht auf freie G e m e i n d e b i l d u n g nach dem Diktate ihres Gewissens gewähren will. Es hat eindringlicher Vorstellungen von Seiten der rumänischen Orthodoxie bedurft, um dieses Ergebnis zu erreichen, und man braucht sich nicht darüber zu wundern, daß die Regierungsentschließung in den Kreisen der jüdischen Machtpolitiker zionistischen und liberalen Gepräges geradezu Wutausbrüche auslöst. Die Mitglieder der Jugendorganisation - und Angestelltenbund erhalten bei jedem Versicherungs-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefellfchaft PHÖNIX ‘ Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Vfersicherungsbestl f,2 Milliarde GMk. »Mitarbeiter za günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucHi Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 Bekanntlich hat die Neuordnung der Dinge nach dem Kriege einen Teil des alten Ungarn, Transsylvanien, in den rumänischen Staatsverband -eingegliedert. In Transsylvanien sind die Gemeinden, wie es überall in Ungarn der Fall war, in selbständige orthodoxe und neologe Gemeinden geteilt und eine: Landeskanzlei faßt die orthodoxen Gemeinden zur Einheit zusammen. In den älteren Teilen Rumäniens, wo das überlieferte Judentum in den letzten 50 Jahren in geradezu beängstigendem Maße zurückgegangen war und sich gewissermaßen in den Winkel der Klausen und Chassidimstübel geflüchtet hatte, kannte man die Gemeindetrennung nicht. Hier fand darum die zionistische Bewegungmit ihren den religiösen Gedanken aus dem Mittelpunkt des jüdischen Lebens an die Peripherie drängenden Tsn'denzen freie Bahn, und es konnte daher unter dem Einfluß der zionistischen Vormünder ein Gememdegesetz geschaffen werden, das für jeden Ort nur e-ine Z w ang s g e me i n d e anerkennt und das in der Praxis zur vollendeten Dergewaltigung der Orthodoxie geführt haben würde. Rur wenige Männer führten den Kampf um die Gewissensfreiheit und wagten es auch für die Gebiete außerhalb Transsylvaniens, das Recht auf freie Gemeindebildung auf 'ausgesprochen orthodoxer Grundlage zu fordern. Die Regierung hat sich nun auf den Standpunkt gestellt, daß es nicht angehe, in dem einheitlichen rumänischen Reich in religiösen' Gewissensfragen Unterschiede zwischen den einzelnen Gebietsteilen zu machen. Bestand keine Möglichkeit, die vorhandenen selbständigen orthodoxen Gemeinden in Nr. 29 Seite 3 Transsylvanien mit Gemeinden neologen Bekenntnisses gewaltsam zu vereinigen, so hat. das Ministerium dankenswerter Weife - die Konsequenz gezogen, dasselbe Recht, das den t r a n sfy l v ani s-che n Iuden z ust e h t, ihren Glaubensgen offen, im ganze n L a n d z u g e w ä h r e n. Wir hoffen, daß die Regierung sich durch den Entrüstungssturm, der von zionistischer Seite nunmehr im ganzen Landorganisiert wird, nicht einschüchtern lassen, sondern bei ihrer Entschließung verharren wird, die a l I e i n eines auf Gew i f f e n s f r -e i h e i t begründeten Kulturstaateswürdig ist. Eine pädagogische Prinzipienfrage. Von- A. S. Frisdmann m Warschau. (Wus dem Hebräischen übersetzt.) Wir haben zu Anfang dieses Jahres anläßlich der Veröffentlichung eines Jugendfchrifteuverzeichnijes des Hamburger 5ke:en- Hathora auf die schweren religiösen Bedeuten hingewiesen, die uns gegen jede Benützung literarischer Erzeugnisse aus der Feder thorafremder Autoren zu pädagogischen Zwecken zu sprechen scheinen. Wir sahen uns gezwungen, aus diesem Grunde gegen eine ganze Reihe von Schriften Verwährung eirzulegen, die in Mein Jugendschriftenverzeichnis als jüdische Jugend lekiüre empfohlen waren. Im Zusammenhang mit den damaligen Auseinandersetzungen scheint es uns besonders interessant, die Aeüherung einer jüngeren führenden Persönlichkeit aus dem Kreise der polnischen Orthodoxie zu veröffentlichen, dje sich mit dem-gleichen 'Gegenstände in bezug aus die Zusammenstellung jüdischer Lesebücher befaßt. Gegen die halachische Beweisführung des Herrn Verfassers könnte man natürlich einwenden, daß es ein Unterschied 'ist, ob man bei einem Lehrer persönlich lernt (aus feinem „Munde"), oder nur -eines seiner Bücher liest. In der letzten Nummer der Pädagogischen Beilage des „Israelit" befindet sich eine Besprechung des von Dr. A. Langleben herausgegebenen und von mir eingeleiteten jüdischen Lesebuches „ H a f e f e r Der Rezensent, der das Werk mit warmer Anerkennung bespricht, wendet sich jedoch gegen das vom Verfasser zugrunde gelegte Prinzip, «n> u r gesetzestreue Autoren in dem Lesebuch zu Worte kommen zu lassen. Die Frage ist nun, ob es Berechtigung hat, in Schulbüchern, die für orthodoxe Schulen bestimmt sind-, Erzählungen und Gedichte abzudrucken, die an sich zwar in religiösem Geiste geschrieben sind, jedoch der Feder von Autoren entstammen, die m Leben und Gesinnung auf gegnerischem Standpunkt stehen. Meine eigene Anstatt 'zu ihm zu sprechen. Er hatte den Stab in seiner Hand, wie er ihn haben sollte. Einst hatte er auf Gottes Gehsitz in ähnlicher Lage aus den Felsen geschlagen. Nun sollte er mit Ahron zum Felsen nur reden, forderte Gott. Aber, ach! Des Volkes ungestümes Rufen und Murren hatte dem Führer den Sinn verwirrt, menschlich wohl zu begreifen, — aber Gott der Allheilige nimmt es genau mit den Frommen erp-nsn Dy si» pnpna/ — es darf keinen Augenblick der Führer seine Fassung verlieren. . . . Andere sehen in den Worten mn vbvn i»n Q’ö «'SU Werden aus diesem Felsen wir auch Wasser herausbringen?" eine Unvorsichtigkeit, dir leicht im Volke den Glauben hätte wecken können, als ob Moses etwa selber gezweifelt. . . Und doch waren' diese Worte, wenn isie das Volk recht begriff, nichts anderes als der Hinweis auf Gott, — als ob Moses dem Volke zuries: Werden w i r denn auch das Wasser aus diesem Felsen hervorströmen lassen? — Unklar waren aber diese von Erregung zeugenden Worte, es kann dieser Satz zur Beleuchtung dienen für die Mahnung: oanna nnrn D’tian- Ihr Weisen, seid vorsichtig in euren Worten!" . . . Wieder ändere meinen, daß Moses das Volk anredet: aminn k: iyaio Höret doch, ihr Widerspenstigen!", — das ward ihm vom Herrn als eine Sünde angerechnet. Das Volk mag murren, in Unverstand zweifeln und sich auflehnen, einem Moses steht es aber an, wie er es auch sonst immer getan, immer noch Duldung und Schonung und -garte Rücksicht zu üben. Wer aber an Moses Stelle hätte Gleichmut und Geduld wahren können? . . Welches war nun Moses' Verfehlung? Das wird ewig .eine Frage, ein Rätsel bleiben. Glücklicher Lehrer, daß vergeblich sich alle darum mühen, zu finden, woran du .gestrauchelt bist. Wahrlich, deine Sünde ist nur die Schuld Heines Volkes, das du geliebt! — caa enp’i Gott ward beim Haderwasser geheiligt, — aber auch Moses wird durch seinen Fehltritt nicht erniedrigt, sondern erscheint noch groß und unerreichbar auch da, wo er als Mensch sündigt. Wir können kaum seinen Fehltritt 'ergründen. Das ist eben seine Größe und Würdex. Die heilige Schrift stellt ihn aber nicht als einen Heiligen dar, der keine Spuren irdischer Schwäche zeigte. Das ist die Erhabenheit unserer Thora, die keine Heiligen auf Erden Anerkennt. So bleibt uns Moses unser Lehrer für alle Zeiten und Geschlechter, das Ideal, dem wir nachstreben, um im ernsten Ringen ihm immer näher zu kommen. Meines Feuilleton. Die amerikanische „Zewish Library". Nachdem mit diesem Buch*) eine zweite Serie der „Jewish Library" eröjfnet wird — die erste Serie umsagte 12 Schriften — ist es wohl am Platze, ein paar Worte über diese Jewish Library zu sagen. Jede Zeit hat ihre besonderen Bedürfnisse und jedes Land hat wieder seine eigene Art, die nur für es und nicht für ein anderes Land paßt. Da nützt nicht Geist und Witz und alle Philosophie ist keinen Groschen wert. Da üutzt nur ein tiefes Verständnis für unser Geschlecht UNd sein demeürsprechendes Handeln. In Amerika hat man nicht Zeit, lange Werke zu kösen. Eilig wie das Wasser unter der Brooklyner Brücke zieht dort geschäftig das Leben dahin. Der Zweck eines *) Wlhat is orthodox Judaism? von Rabbi,Dr. Leo Jung. The Jewisch Library. Herausgeber Rabbiner Dr, Leo Jung. (The Union of orthodox Jewish Congregations of America. New-York ) Buches soll doch aber sein, gelesen und beherzigt zu werden. ' Oscar Vlumenthal soll gesagt haben: Leicht ist, ein 'Buch zu schreiben,' schwerer ist schon, ein Buch zu lesen,' am schwierigsten jedoch ist, ein Werk zu verkaufen. Gilt dies schon für West-Europa, so möge man ermessen, wie schwer es 'wohl erst in. Amerika sein mag, ein Lese-- publikum zu erwerben. Rabbiner Dr. Leo Jung hat es verstanden, sich in der „busineß" Stadt par ercellence ein Lesepublikum zu sichern, Kaum kann man die Zeit erwarten, bis wieder eines dieser dünnen Büchelchen erscheint, die man bequem tn die Tasche stecken kann und deren Inhalt man verschlingt. Im Laufe weniger Jahre ist so unter der Leitung "des Dr. Jung schon eine ganze 'Bibliothek jüdischen Wissens «entstanden, die sich auf alle Gebiete erstreckt. Jedes Spezialgebiet wurde von einem Fachgelehrten bearbeitet, wobei als Parole galt: „In der Beschränkung nur zeigt sich der Meister". Auch für die nun beginnende zweite Serie werden uns wichtige Arbeiten bedeutender Gelehrten avisiert. In -dem Merkchen „What iS orthodox Judaism", dessen Inhalt seit zwei Jahren in den angesehensten amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurde, wird mit einer Menge von falschen Vorstellungen aufgeräumt. Es muß darauf "aufmerksam gemacht, daß das Wort „orthodox" heute wohl besser durch „thoratreu" -ersetzt wird. — Das Postulat t=pai?n ja mm zeigt den Weg jeder möglichen Interpretation. Das Postulat firr *yn o? min gibt dem Verfasser Anlaß zu zeigen, wie zeitgemäß noch heute die mm ist. Es wird klargestellt, wie thoratreues Judentum in Wirklichkeit das Herrlichste Gut ist, und daß es auch heute noch Israel Uneitdlich viel zu bieten Hat, nämlich Gerechtigkeit, Ausgeglichenheit, Frieden und Glück in unserer Eigenschaft ,äls Bruder, Vater, Freund, Bürger und in allen un|eren Beziehungen zum Rebenmenfchen.