Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1929)
- Date
- 1929-07-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 fix, 29. , Der 3l r fl € IM ___ 18, Juli 1929 aufhöre, ein Monopol der zionistischen Parteiorganisation zu sein, b) daß die Konstitution der Agency jede Majorisierung in Angelegenheiten, die religiösen Charakter tragenausschließen müsse. Die Kenessio gedaulo von 1933 hat diese Beschlüsse bestätigt und sie so laut m> alle Welt verkündet, daß auch die zionistische Organisation sie nicht , mehr überhören konnte. In der Tat fanden dann im Mai 1925 eingehende persönliche Aussprachen zwischen den Führern der zionistischen und agudistischen Organisation in London statt, bei denen es zum ersten Male gelang, zum mindesten ein, theoretisches Verständnis für die religiösen Grundsätze des historischen Judentums, wie sie Agudas Jisroel vertritt, auf der Gegenseite zu erzielen. Aber zugleich mit diesem Verständnis mag wohl damals schon auf der Gegenseite auch der Zweifel gereift sein, ob der Beitrag in cash, den die Orthodoxie für Kolonisationszwecke leisten könne, die Unbequemlichkeit rechtfertige, die das Eingehen auf religiöse Gewissensforderungen den Leitern einer politischen Bewegung mit starkem freidenkerischem Einschlag verursacht. Die Mindestforderung der Aguda war klar und einfach. Sie ging von der Voraussetzung aus, daß die Gegenseite von dem besten Willen beseelt sei, auf dem geheiligten Boden Palästinas grove Verstöße gegen die Grundlagen des Thoragefetzes zu vermeiden. Eine praktische Möglichkeit jedoch zu dieser Beachtung der religiösen Forderungen des historischen Judentums schien der Aguda nur dort gegeben, wo es sich um die Anpassung an äußere Verhältnisse, also z. B. um die Wahrung des Sabbats in der Wirtschaft handelt, nicht aber dort, wo die ganze Leidenschaft der differierenden Weltanschauungen in Frage kommt, nicht also auf dem Gebiete der Kult u r a u f g a b e n, des Erziehungs- und Unterrichtswesens vom Kindergarten bis zur Universität. Wollte man für die Agency, wie es das Mandat verlangt, ehrlich die Mitwirkung aller Juden gewinnen, die zur Mitarbeit gewillt sind, so mußte man die Agency entschlossen auf die Lösung politischer und w i rts chaf tlich e r Aufgaben beschränken, die ihr im Mandat in erster Reihe zugewiesen sind, und aus den „anderen" Aufgaben des Mandats die Kulturarbeit völlig a u s s ch a l t e n. Die Schaffung getrennter Kulturfonds für die großen Gruppen weltanschaulicher Gemeinsamkeit, die innerhalb des Judentums existieren, eine Beschränkung des Keren Hajeffod, sofern er Instrument der Agency werden sollte, auf politische und wirtschaftliche Aufgaben, war für die ihres Wesens bewußte Orthodoxie eine selbstverständliche Voraussetzung jeder verantwortlichen Mitarbeit. Ueber diese Tatsache war sich die zionistische Organisation seit Mai 1925 vollkommen im Klaren. Es ist auch nicht versäumt worden, den maßgebenden Persönlichkeiten im Lager der amerikanischen Nichtzionisten die Tatsache vor Augen zu führen: daß nach der überlieferten religiösen Anschauung des Judentums der thoratreue Jude, ohne den schlimmsten Verrat an Gott und seinem Gesetze zu üben, niemals daran Mitwirken kann, durch eine Körperschaft, an deren Verwaltung er, ob auch als Minderheit, beteiligt ist, durch die von ihr unterhaltenen Schulanstalten jahraus jahrein Generationen von j u n g e n j ü d i s ch e n K i n d e r n dem g e schichtlichen I u d entum z u e n t f r e m - den und der radikalsten Leugnung jüdisch-religiöser Grunblehren in die Arme zu treiben. Gegen diese furchtbare Tatsache systematischer Entjudüng von Generationen, die wie eine unheildrohende Gewitterwolke über dem ganzen Paläftinaaufbau schwebt und seinen Erfolg in Frage stellt, wird die Orthodoxie niemals aufhören zu protestieren. Ist ihr ja der Verlust des jüdischen Landes nicht die Folge materieller und politischer Faktoren, sondern eine sittlichreligiöse Tatsache, ein Strafgericht der verletzten Thoramajestät. Blasphemie und Wahnsinn ist es ihr daher, am „Aufbau" des heiligen Landes innerhalb einer Körperschaft mitzurvirken, in deren Namen die junge Generation zur verhundertfachten Wiederholung der gleichen Treulosigkeit gegen den Schöpfer des jüdischen Volkes und Landes erzogen werden soll, die vor zweieinhalb Jahrtausenden zum Untergang des jüdischen Staates führte. Verständnis für diesen in der Geschichte des Judentums unerschütterlich verankerten Standpunkt hat die Orthodoxie bisher leider — nirgends gefunden, weder bei Louis Marshall noch bei MeierBerlin, dem Führer des Misrachi, dessen Antwort auf alle Forderungen der Aguda bis zum heutigen Tage — Schweigen war. So wird denn die organisierte Orthodoxie — wir sind dessen sicher — auch außerhalb der Agency, ihre Hingabe an Chibas hoorez nach Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac,, Phenyldimethylp., || 4 nn Acetylsai., Coff.M.I.ZU in allen Apotheken Helort den leitenden Gesichtspunkten,^ die ihre rabbirüschen Autoritäten ihr vorschreiben, ohne Haß im) in der ganzen Würde ihres durch die Geschichte legitimierten Standpunktes, betätigen. Ihrer ist, über allen vergänglichen Flitter einer erfolghaschenden Tagespolitik hinaus, die Ewigkeit. -VN'- rrb Vochenrundschäu. Ausiv linderungssorgen. Die im Laufe der vorigen BZoche in Paris stattgehabte Jahresversammlung des Rates der unter dem geheimnisvollen Namen „Hicem" zufammengeschlofsenen jüdischen Emigrationsgesellschaften gibt wieder einmal Anlaß, sich die furchtbare Lage der zwischen Tod und Leben schwebenden verelendeten Massen des jüdischen Volkes in Osteuropa vor Augen zu führen. Welche Tragik liegt darin, daß man heute an die „schönen" Zeiten, in denen ungezählte Taufende Woche für Woche aus dem großen russischen Gefängnis über Meereswogen hinweg in die Freiheit eines menschenwürdigen Daseins hinüberziehen durften, daß man an jene Zeiten geradezu wie an ein verlorenes Paradies denken muß, wenn man sich die heutige Lage vorstellt. In den Jahren 1927 und 1928 hat sich die jüdische Auswanderung aus Osteuropa nach den überseeischen Ländern auf die kleine Ziffer von jährlich 35 000 bis 40 000 Personen stabilisiert. Sicherlich ist es das Zeh nf a ch e dieser Ziffer, das sich aus den natürlichen soziologischen Bedingungen der unerträglichen Wirtschaftsnot des Ostens ergeben würde, wenn das freie Spiel der Kräfte noch im Leben der modernen Völker waftete. Allem die Einwanderungsländer, und zwar nicht nur die Vereinigten Staaten von Nordamerika, verschließen ihre Pforten mehr und mehr. Selbst in Argentinien, Kanada, Südafrika werden die Einwanderungsbeschränkungen immer strenger gehandhabt und das alte Eldorado aller Verfolgten, Nordamerika, hat durch feine neuen Quoten fast gänzlich aufgehört, den Opfern östlicher Wirtschaftspolitik Zuflucht zu bieten. Sowjetrußland aber hält feine Opfer mit eisernen Klammern fest. Angesichts dieser Verhältnisse muß man mit der Wirksamkeit der in der oben erwähnten Vereinigung zusammMgeschlosfenen Gesellschaften — Aus den „Sprüchen der Väter". Aus dem Nachlaß von Professor Adolf Deyl. II. Jetzt 'gibt es einen wohlverstandenen und einen falschen Individualismus, und' das religiöse Volksbewußtfein ist so groß, daß gar manches, was wir Ehrgeh, Selbstbehauptung, Vorwärtsstreben usw. nennen, nur deshalb verworfen wird, weil es allzusehr dem eigenen Ich, dem eigenen Namen gilt, na» na« tmv -r»aa Wer seinen Namen '.ausbreiten will, verliert seinen Namen. Es darf nur 'ein Individualismus gelten, der sich der religiösen Volksgemeinschaft eingeordnet hat. So groß ist dje Forderung Dieses großen Sittenlehrers. Er zwingt den Einzelnen jtt das volksverbindende Gesetz der Thora. Wer an ihr nicht reifen will, sie nicht zur Richtschnur nimmt, ihr innerstes Wesen nicht immer neu ersaßt, wer nicht forlschreilet in seiner Wissenschaft und nicht immerdar die Thora als Lebensnerv erkennt und bewährt: sm «Vop- Das Recht zu leben hat er verwirkt. Und eigentlich, dies innere Strafgericht 'kommt von selbst. Denn sein ihn erhaltendes Lebensprinzip hat er verlassen. Sein Dasein muß jetzt auseinanderklasfen, ruhelos werden und zugrunde gehen. Bescheidenheit und Demut, und gleichwohl in Gott ruhende Lebensfreude, das ist die Quintessenz dieser Lehre. Die Krone der Thora, darum geht's. sie ist der Wert an sich. Das Leben kann nur ein Streben um ihrer selbst willen sein. Man kann ihr, der Thora, der Krone 'der Thora, man kann ihr nur dienstbar, und kann nur so ^Gottes Diener sein. Aber sich ihrer bedienen, das kann man nicht. Denn in menschliche Bezirke um der Prosanie willen flößt sie sich nicht herabziehen. Wer's aber versucht, der vergeht. Der hat den inneren Lebensmaßstab und den äußeren Lebensstab verloren. Der geht unter im eigenen Chaos und in seiner Wesenlosigkeit. •r^>n sana oammn Diese religiöse Moral weist dem Menschen, dem UM seine Vollendung ringenden jüdischen Menschen deu richtigen Platz an im System der Natur. Ueber sein eigenes, ihm von Gott verliehenes Eigen- und Jndividualleben geht es und muß es gehen. Für sich ist der Mensch, ,und muß es sein (Principium individuationis). Wäre es anders, er könnte ja nicht mehr der einzelne Mensch. Dicht mehr der einzelne Gottesträger fein, und er wäre ansgelöscht als Kreatur in das Nichts, ns p« ns 'b ‘>b< Aber über sich hinaus weist's ihn, in die hohen Zusammenhänge der Gemeinschaft, der Gottesdienerschaft, der großen religiösen Weiten und der großen gottbeseelten Natur. In seiner Gotteserkenntnis und in seiner Gottesbetätigung findet er sein Zentrum, die Berechtigung feines Daseins. „Denn für mich nur allein, was bin ich?" m na ->mtvb ’atwsv Vielmehr, und jederzeit, bin ich, der Mensch, zu dieser Gottesbetätigung verpflichtet, und nicht etwa warten darf ich auf ein Morgen und ein Uebermorgen. Es ist erkannt, und muß schon jetzt begonnen und in Tat umgesetzt werden. Denn jedes Menschliche Leben ist jederzeit in Entwicklung und in Uebergang begriffen, und verlangt auch jederzeit die Krastanstrengung hin zu dem Ideal und dem erkannten Thoryziel. Diese Krastanstrengung muß in jedem Jetzt, tn; jedem gegenwärtigen Augenblick geleistet werden. Denn das menschliche Leben setzt sich ja nur aus solchen gegenwärtigen Augenblicken, aus solchen Jetzt zusammen. In jedem Jetzt muß Thoraleben und Gottestat begonnen werden. Würde dieses Jetzt verfehlt, auch alle folgenden Jetzt würden wahrscheinlich verfehlt werden müssen. Dies bedeutet der Schlußsatz der Mischna: 'va-rr itwy nb arr „'Md wenn cklcht jetzt, wann dann?" (Schluß folgt.) UtofteSünbe. Von Rabb. Dr. M. LewiN in Hamvllkg. Moses und Sünde! Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Moses, dessen Leben die heilige 'Schrift besiegelt mn Dem eyrenden Zeugnis: nwaa bvnv a ny traa np nb Und 'nicht stand ein Prophet mehr auf in Israel, der Moses glich", — hat geirrt und gefehlt, — kann ein schärferer Gegensatz wohl gedacht werden? Die Schrift aber erzählt uns von seiner Sünde, die ihn um das Glück gebracht, mit seinem Volk als dessen Führer das heilige Land der Sehnsucht und Hoffnung zu betreten. Das ist eben das Schicksal des Sterblichen, das über ihn für glle Zeiten Koheles' Wort waltet : pm cm j»s ••Ipsa „Keinen Menschen gibt es, wäre er auch ein Gerechter, der nur das Gute tut und nicht sündigt." Von diesem ehernen Gesetz des Menschenloses ist auch der Größte unter den Menschen, die je auf Gottes Erde gewandelt, Sticht ausgeschlossen. Auch Moses hat dem Irdischen den Tribut zollen müssen, — er hat gesündigt, das jist die Schuld der Gesamtheit, die gemurrt und sich aufgelehnt. Sie sollte die Strafe finden, die den erneuten Abfall sühnte, — es ward das Schwerstes was das Volk traf, daß ihm hart an der Grenze, am Ziele seiner Hoffnungen seine Führer genommen wurden. Welches uun war Moses' Sünde? Die Mten haben große Mühe, diese aus der Erzählung vom „Haderwasser" herauszudeuten. Mofes schlug auf den Felsen,