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Der Israelit · 1929-07-09 · Heft 28 (9.7.1929) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 28 (9.7.1929)
Date
1929-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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11. Juli 1929 Der Israelit Nr. 28. Se-Ae 9 1928, ftM-sr Ml BMchlt der ExekMive der ZkoEstWm Weltorganisation als der Jewish Agency für Palästina über Ae Fortschritte -des Ausbaus des Jüdischen NationalhÄms, schließlich eine Reihe Petitioneni, so u. a. -sine Petition der Agudas Jisroel vom 4. Januar 1928 und des der Aguda nahestehenden Jerusalemer „Wand Hair Hoas>chkenasi" vom 29. April 1928 b>etvesfeNddas Gesetz über Knesseth Jisrael und Bemerkungen der Palästina- Regierung zu diesen- Petitionen (B-erichterstatter -der Spanier Palacias); P!MMm!M> der Arabor über die Frage des Kötel Maarawt wie z. B. 1. «in Telegramm der moSlemitischien Konferenz an -die Regierung vom 8. D-ezem-b-e-r 1928, 2. -ein- Teleg-r-amm dies Obersten Mvslemiten- Rätss mit Äern Gleichen Datum, 3. der Beschluß der allgmreinen MoSlenii-den-Konferenz, 4. eine Petition vom 8. Juni 1928, unterzeichnest! vom Emir Chekil Arslan, dem Jman El Djabri und Riad El Soult (Berichterstatter Prof. Rwppard.) Der Waad Leumi hat bekanntlich telegraphisch seine Koiel Maarawi-Petition zurückgezogen. Bei der Behandlung der PalästMa-Fragen -wird die W« tische Regierung durch «den- Oberkommissar für Palästina, Sir John Charwellor und G. L. M. Clauson vom britischen Külonialamt v-er!treteu sein, d>ie auf Fragen der KommissionsnMgilieder Auskunft geben werden. Frankreich. Franz Philippson gestorben. Paris,, 8. Juki. Franz Philip p son, -der Präsident der Jewish Colonisation Association (JCA), ist am Sonntag den 7. Juli in Paris, wo er zu -einer Tagung -des Rates der JCA aus Brüssel, seinem ständigen- Wohnsitz, eingetrof. fen war, plötzlich verstorben. Er stand im 78. Lebensjahr. Franz Philipp so n wurde in Deutschland als Sohn des bekannten liberalen Rabbiners Ludwig Philippfon geboren. Seit Gründung der JCA gehörte Franz Phllippson der Leitung dieser Frosten Körperschaft, die das Vermögen des Baron de Hirsch zugunsten jüdischer erzieherischer und sozialer Interessen verwaltet, ununterbrochen an. Er nahm hervorragenden Anteil an dem Ausbau des jüdischen KoloUie-nsystems in Argentinien und später -in Breslau, sowie an dem Ausbau desjüdischen Schulnetzes in denosteuropäischen Ländern, schließlich an der Schaffung einer Kontrolle der Mischen Auswanderung. Seit dem Tode Levens vor mehr als 20 Jahren war Franz Philippson ununterbrochen Präsident der JEA, die er während einer langen Periode streng nach althergebrachten! Grundsätzen Mtete, und dadurch die Kritik von Vertretern der jüngeren«. Generation gegen die Methoden dieser Institution herausforderte. Als vor einer .Reihe von Jahren vom Joint Distribution Committee und der JCA die Joint Reconstruction- Foundation zur Unterhaltung und zum Ausbau des Netzes der jüdischen Kreditgenossenschaften in -den Ländern Osteuropas begründet wurde, wurde Franz Philippfon Präsident der Foundation. Der Rabbmerverband Polens gegen die Legende von der Schändung christlicher Heiligtümer durch Juden. Warschau, 6. Juli. Dia seinerzeit von drei Erzbischöfen Unterzeichnete Erklärung des Lemberger Episkopats; wonach jüdische Jugend eine katholische Prozession verhöhnt und dadurch katholische Einrichtungen herabgesetzt habe (bekanntlich hat die gerichtliche Untersuchung die völlige Grundlosigkeit dieser Behauptungerwiesen), hat die antisemitischen Kreise , ermutigt, in -allen Teilen Polens ohne Unterlaß Legenden über oeheime und öffenWche Schändung christlicher Heiligtümer durch Juden zu verbreiten. Der Verband der Rabbiner Polens veröffentlicht nun den folgenden Aufruf: »An alle Bürger der polnischen Republik! Im Hinblick aus die durch verbisse gesellschaftliche Gruppen und Presseorgane geführte Rachekampagine! wegen angebilicher Beleidigung christlicher Heiligtümer durch jüdische Schuljugend hält es der Rabbinerverbänd als «die höchste Bertreterfchaft der jüdischen Geistlichien Polens für seine heklige Pflicht, die folgende Erklärung zu veröffmtkichen.: Me vileltMsendMrige jüdische U-kberlieferung kehrt -uns, alle Religionen, die die Eingi-gkeit des- Schöpfers proklamieren, zu tolerieren und zu achten. Die vom Blute heiliger Märtyrer getränkte jüdische Gieschichie ist die stärkste Widerlegung aller falschen- BeschuMgungen und Verleumdungen über Schändung fremder Heiligtümer, die zu allen Zetten gegen Inden erhoben wurden. Kein Jude, dem sein Judentum teuer ist-, wird je wagen, -eine andere Religion zu beleidigen. Im 20. Jahrhundert, im 10. Jahre des Wiedererstehens des polnischen Staates, sollten solche schändlichen Verleumdungen keinen Widerhall findenbei Intelligenz -und Volk. Als die -religiösen Führer der Mischen Bevölkerung Polens erklären wir feierlichst, -daß -in keinem einzigen- Falle eine beabsichtigte Beleidigung christlicher religiöser Gefühle -seitens der jüdischen Schuljugend vorgekommen ist. Wir protestieren mit aller Entschiedenheit gegen dieauf Grundlage dieser Verleumdung betriebene Hetze gegen die jüdische Bevölkerung." Der kalischer Aaw und die Iewish Agency. K a lisch, 2. Jüli. Entgegen -anderslautenden Nachrichten von zionistischer Se ite teilt Herr Oberrabbiner Lüpschitz, Kalisch, mit, daß er seinen Eintritt in die Jewish Agency von der Zustimmung der Agudas Jisroek abhängig macht. Angarn. Der ungarische Landesrabbinerverband. Budapest, 4. Juli. In der Ausschußsitzung des Lande srabbinerverband-es teilte Großra-bbiner Dr. Simon H-evefi mit, daß der Verband beim Ha-ndelsmiNiste-rium bie Verleg-ung von Wochenmärkten vom Samstag auf andere Wochentage, ferner die Erhöhungder staatlichen Subventionen für die tsr-aelitifch-e Konfession erwirkt habe. Die in Ungarn für die Juden aktuelle Frage -der Bo - denref-orm werde seiner Ansicht nach erst erledigt werden können-, w>enn der Rabbinerv erba-nd an die Spitze der Aktion tretenwerde. Dr. Bela Bernstein beantragte die Schaffung eines Diszpilinarrates zur Hebung des Ansehensder R-abbiNer. Dr. Hev-esi' b-eantragte, daß auch eine Dienstvorschrift für R-abbiNer a-usgeiarbeitet werde, die ihre Rechte, Pflichten- und Berufsaufgaben feststellt. (Die Dienstvorschrift der Rabbiner ist der Schulchan Aruch. Red-.) Amerika. Das religiöse Fazit des amerikanischen Zudem tums. Juli. N-ewy ork, 1. Das von der Union -amerikanisch-jüdischer Kongregiationen eingesetzte Komitee zur Erforschung der Beobachtung d-er jüdischen RelWon-sgesetze unter den amerikanischen- Resormjuden veröffentlicht soeben das- Ergebnis der Umfrage, aus der hervorgeh't, daß 50 Proz. der Reformjuden in Amerika, am Berföhnungstage (Jom Kippur) nicht fasten und auch sonst religiöse Zeremonien nicht beobachten; 90 Proz. der ‘ Befragtenaber gabenan, daß sie die JahrzeÄ-Vorschriften beobachten. Die Umfrage ergab ferner, daß der Proz-entteik der aus dem europäischen Osten stammenden Mitglieder der Reformtempel stetig im Ste-igen ist. 20 Proz. d>er' Resornttempelmitglieder — besonders -der Mgeren Generaition — find Zionisten; -dies ungeachtet der traditionellen Opposition des amerikanischen Reformjudentums gegen- Zi-onismus. Eine weitere Tatsache, die. die Umftage ergab-, -ist der zunehmende Wunsch nach einer verminderten Anwendung des Hebräischen im TempelgotöesÄienst und im Lehrplan der Religionsschü-l-en, sowie der Wunsch nach Intensivierung des Mischen Geschichtsunterrichtes,, wobei -besonders -die Geschichte der nachb-i-blischen Zeiten begünstigt werden -solle. Die Möhrheit der Befragten antwortete, -daß sie Predigten vorzögen, diesich mit Literatur und Drama befassen-; -eine Minderheit wü-nschte politische und wtr'tschafMche Themen; rein religiöse Themen , kamen in letzter Reihe. Dreivier-te-l der.Reformtempel-MitgOed-- schaft gehören -der Föderation Mischer Wohkfahrtsanstalten -an-; 50 Ptoz. der Mitgliedschaft -trägt -außerdiem nö-ch zu an-derm philantropischen- Unternehmungen 6ki. Zeil 95 Tönqesgasse25-2r AlteUhren u.Schmudc werden umgeiausaii oder umgearbeihsr Palästina. Skandalszenen in der Asfefat Haniwcharim. Haniwcharim. T -e l - A rv i m, 5. Juli. Am Mittwoch den 3. Juli -trat in- Tel-Awiw, vom Waad Leumi eiiinberusen, dte Assefath Hantwch a r i m (Nati-onalv-ers-ammlung der Juden Palästinas) zu einer außerordentlichien- Tagung zusammen-, um sechs Mitglieder und 12 Sbellv-ertreter als die Vertröte-rfchaft der Juden Palästinas im Council der Jewish Agency zu wählen. Wladimir Ja-botinsky be-zeichneie das geplante Verfahren für die Wahl des Präsidiums als „Betrug". Der Vorsitzende, Dr. Thon, geriet in Erregung und rief Jabotinsky zu, er solle sich schämen, solche Ausdrücke zu gebrauchen. Die Revisionisten und ihre Freunde nahmen erregt gegen den- Vorsitzenden Stellung und forderten, daß Dr. Thon den PräsideNtenstühk verlassen solle, was Dr. Thon schließlich tat. Nunmehr geriet die Mehrheit der Versammlung in Erregung. Jabo-> tinsky und seiner Anhängerschaft wurde vo-rgeworfen, daß sie nur zu dem Zweck gekommenwären, -die Wahl von- Delegierten für den- Ag-ency-Council zu verhindern. Es kam dann zu Tütlichkeiilenzwischen- NevisionMen und der Arbeiterpartei. Da der Tumult nicht aufhören wollte, mußte -die Sitzung unterbrochenwerden-. Die herbei-gerufene Polizei trennte die Streiiten-den. Um Mitternacht hielt der Waad Leumi eine Sitzung ab, um zuder Lage Stellung zu nehmen und über Maßnahmen zur normalen- Durchführung der Sessionzu beraten. Am Donnerstag den 4. Juli trat di>e- Assef-at Ha-- niwcharim wi>eder zusammen. Sofort nach Beginn der Sitzungkam es zueinem neuen Tumult, als Ja-bvtinsky bei der Forderung behär-rte, daß die Bersammlung allein berechtigt sei, sich -ihre Dagesordnu-ng festzu-fetzen und -daß der Tagesordnungsbeschluß des Waad Leumi einen Eingriff in die Souveränität des Assifah bedeute. Schließlich wurde mit 72 g-egen- 26 Stimmen beschlossen-, all- -der vom Waad Leumi gegebenen, Tagesordnung ftstzuh-alten. Diese Tagesordnung enthielt an erster Stelle d-ie Wahl von Vertretern der palästin-ensischen Judenheit für den Council der Jewish Agency. Die Redner der N-evisioni-sten behaupteten nun-, -daß der Waad Leumi ei-n-e ungesetzliche Existenz führe. Jabotinsky erklärte, die Wahl des Präsidiums fei rechtswidrig du-rchgesi'ihrt worden. Schließlich wurde ein neues Präsid-ium gewählt. Ihm gehören an: Dr. Thon, Meyuchas, Oftrowsky, Remez, Mosfenson und ein Hem>enite>. Personalien. Philippsburg, 8. Juki. Am 15. Juli ds. Js. kann Herr Lehrer Neuburger auf eine 40jähnge Tätigkeit in der hiesigen Israelitischen G-emeinde zur-ückblicken. Jesberg. 1. Juli. Ihren 70. Geburtstag begeht heute -in körperlicher Rüstigkeit und Geistes-fbische Frau Rofa R e n h dahier. Treysa, 1. IM. Aus ein 50jähriges Bestehen konnte der hiesige I s r -a e l i t i s ch e I ü n g k i ng s v e r e in zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand «ine Feier statt, wobei der Vorsitzende, Herr Sakomon- Katzen stein, ernen Ueb-erblick über Gründung und Werdegang des Vereins gab. Fünf Gründe;: sind noch am Leben. Herr Lehrer Plaut hielt die jftstrede, -der sich ein b-ei-teres Theaterstück anschloß. ^riedberg, 7. Juki. Im Krankenhausezu- Frankfurt am Main verstarb im Alter von nur 57 Jahrendie Witwe des ehemaligen Lehrers der Js-raeMschien Gemeinde, Frau Helena Neüman-u geb Frank Ihr früher Tod b>edeutet nicht -nur fü-r die Familie 'einen fchm^rzlrchen Verlust, auch -di-e Jüdische Gemeinde Friedberg? -und '-deren Wohlfahrtsinstituti-on-en -beklagt den Heimgang einer unermüdlichen Mi-tarb-eiterin. Bei der Beerdigung, die unter. auß^r-o-vdenMcher Anteilnahme aus, allen Kreisen der Vevölkerung ftattfandj, schilderte Lehrer Seelig die Verewigte. ^. Dkeslau,. 8. Juli. Am 22. p'v verschied hier Frau Clara B resl-a u -e r, geb. Schey-er, im Alter von 75 Jahren. Ms eine von den seltenen Mütternunseres Volkes war es ihr befchieden, in leb-endiger persönlicher Tradition ihre Kinder und Enkel m!vt einer großenjüdlschen Bergangen-heit zu verknüpfen- In Kempen (Po-

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