Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1929)
- Date
- 1929-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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©orte 8. Nr. 28 Der Israelit 11. IM 1929. nicht mir die Bedürftigkei-t, sondernvor allem die besondere Cignu-ng für den Berus WSschtaWebend Mn. Es wurde schließlich darauf hinge wiesen, daß besonders in den Anstalten ein Mangel an Beamtinnenherrscht. Diesem Mangel könnte dadurch abgeholfen werden', daß man nach Beendigung der theoretischen Ausbildung der jungen Damen für sie in den Anstalten PraWkantenstellen schafft. Es soll der Versuch gemacht werden^, neben den> in Deutschland bere-its beftchenden 4 Haushaltungsfchulen wenigstens >in den großen und mittleren- Gemeindenweitere Kurse einzurichten, in denen junge Mädchen Gelegenheit haben-, sich zu Haushaltungslehrerinnen auszubÄdenj, vor allemaber auch tüchtige Hausfrauen zu werden. Die Kurse müssen vonstaatlich anerkannten Lehrerinnen, frei von DMe-ttantismu-s, nach modernen- Grundsätzengeleitet werden. Das Erlernen der rituellen Hau s Halts führung so ll -besondere Berücksichtigung finden. Soweit möglich sollendie neu zu errichtenden Schuten mit bereits bestehenden Anstalten (Waisenhäusern, Altersheimen ufw.) verbundenworden, um sie von vo-rnherin -produktiv zu-gestalten. Sobald dsr Landesverband Beträge hierfür frei machen kann, sollen auch zukünftige Haushaltun-gsschu-K-eh-rerinnen Stipendien für ihre Ausbildung erhalten-. Es wurde beschlossen,, zur Unterstützung Mischer Stubertlert und Handwerker einen Betrag ei-itJu-s-stzen-. Zur Unterstützung der mensae academi ca ein preußi-- schen Un-lversitäts-städten hat der Landesverband inseinem diesjährigen Etat eine Dumme vorgesehen. Da die Lehrer und Kantoren dendringenden- Wunsch -haben, in Ems ein Alters- und Erholungsheim zu bekommen, und sogar durch eine Selbsthilfen kiion die Gründung des Heims ermöglichen wollen, wird ein Betragzurückgestellt und der Vorsitzende ermächtigt, diese Summe zur Auszahlung zu bringen, sobald durch die Selbsthilfe der Be^ ambenschaft der Bestand und -eine genügende Inanspruchnahme des Heimes sichergestellt ist. Der Kampf gegen die Friedhofsschändung. Berlin, 5. Juli. Von den Maßnahmen, die der Zentral-Be-rein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die Verrohung im öffentlichen- Leben- Deutschlands, die sichin den zahlreichen Fried-hofsfchändungen ausdNickt, -unternahm, gibt -eine Denkschrift: „Maßnahmen zur B-ekämpfung der Friedhofsschän-dungen in Deutschland miteiner Liste der Synagogenschändungen-" ein deutliches Bild-. Die Denkschrift -enthält einenhistorischen' Ueberblick über Friedhofsschändung-en, eine genaue Liste -der 71 Schändungenjüdischer Friedhöfe seit 1923, eine Liste der Syn-agogenschändungen-, die Ergebnisse der Schvi-tte des Zentral-Vereins bei den Behörden, ein- Mid von der Auswirkung -in der Presse und einengenauen Bericht über die Kundgebung „Versündigung an der deutschen Kultur", d-ie -am 18. Oktober 1928 im Herrenhaus stattfand, und aus der nebenzahlreichen führenden jüdischen Persönlichkeiten d-er Neichsminister -der Justiz, der Präsident des Preußischen Landtags, der Staatssekretär Hölscher vom Preußischen Justizministerium und der PoKz-e-ioiz-öpräsident von Berlin, Dr. Weiß, sprachen. Zahlreiche Bilder verwüsteter Fredhöse vermitteln ein Bild von der Auswirkung, antisemitischer Hetze. Die Schrift ist im Philo-Verlag, Berlin,, erschienen. Die jüdischen Ingenieure organisieren sich. Berlin, 8. Juli. Man schreibt uns: Unter dem Namen „Verband Mischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland- E. V." hat sich am 2. Juli 1929 in Berlineine Berufsorganisation Angehöriger techniisch-naturwiss-enschafWcher Berufe konstituiert. Me berufliche Notlage des angestellten Mittelstandes ist allgemein b-ekannt, findet aber für -die jüdischen Jn-- gemeure und Chemiker, die aus einen vorwiegend anti>- semNschen Ar-beitgeberkrets angewiesen sind, nocheine besondere Verschärfung. Den Uebelständen-, die sich hin-, sichtlich Arbeitsvermittlung und 'Berufsberatung eingestsllt haben ,will der Verband, der den ersten Versuch einer jüdischen Organisationdes Mittelstandes in Deutschland mit wirtschaftlichen Zielen üarstellt, durch seine Tätigkeit abhelfen. Es dürfte -für alle jüdischen- Ingenieure und Chemie ker ratsam sein, durch ihre Mttgil-iedschafd die Stoßkraft des Verbandes zu stärken. Die Anschrift des Verbandes ist: „Derbiand jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland (£. V.", Vevlm- W. 24, AuguWrahe 17. Angestellley-Iund (Bundesleitung). Mainz a. Rh-, 8. Juli. Auf Grund einer Aussprache, die -am 3. IM ln- Mainz mit einer Reihe von gesetzestveuen A-rbe-itnehmern in Anwesenheit eines Mitgliedes der Bundesleitung des Angestellten-Bund Agudas Jisroel ftattfanb, wurde die Gründung einer Ortsgruppe des Angeftellten-Bundes der Agudas Jisroel in Mainz beschlossen. Dem voNläufigen Arbeitsausschuß gehören an Herr Hermann N. H. Auerbach und Frl. Jdel Rudows kl. Die Gruppe ist bereits m diesen Tagen mit -einem Ausruf an die Firmen Rhein-Hessens herangetreten und hat für Stellensuchende eine ständige Sprechstunde -eingerichtet, die jeweils am Montag von 8 bis 8.39 Uhr fta-ttfinde't. Schlutztagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. A s ch a s f enb u r g, 5. Juki. Am Sonntag nachmittag -erstattete Komme-rzien-rat RosenzwÄg-Nürnberg den allgemeinen- Finanzbericht, dem zu entnehmen ist, d-a-ß die Stener-elin-gäng«- des Jahres 1928 den- Voranschlag wesentlich überstiegen.. Die Jahresrechnung 1928 fchlteßt mit -einem Saldo von rd. dreiviertel Millionen Mark ab. Es folgten Berichte über den- Wohl fahr tsetat- und den Etat -des Landeswohlfahrtsamtes sowieüber die Ausgestaltung des Laude-ssiechenh-eims. Zu dem weiteren Punkte der Tag-es-ordnung „Ausbaud-er Lehr-erbildungsanstalt Würzbiurg" sprach Oberlehrer Stoll-Würzburg, der aus die auß°-rordentl-iche Bedeutung dieser Anstalt für den jüdischen Lehrernachwuchs in ganz Deutschland -hinwies. Die zur Prüfung, des- Ausbaues eingesetzte Kommissionschlage vor, 20.000 Mk. als einmaligen Zuschuß und -ein rückzahlbares Darlehen von 100.000 Mk. zu gewähren. In der- Aussprache wies Rechtsanwalt Dr. Jung-Nürnderg (W.) auf die Notwendigkeit hin, in -eimer Zeit des schwersten Existenz-' kampfes der Crwerbsstände künftig die Etatposition und Zuschüsse an die Gemsinden genauer als bisher zuprüfen. Für die Zwecks der Siedlung beantrage die liberale Fraktion, einen Betrag von 12.000 Mk. zu bewilligen. Einen geforderten Betrag von 1000 Mk. für den Keren Hajesiod zu bewilligen, habe sich d-ie liberale Fraktion aus finanziellen, politischen und weltanschaulichen Gründen nicht -entschließen können, ein Fraktionszwangwerde jedoch -in dieser Frage nicht aus-geübt. - Rechtsanwalt Dr. Feilch-enfeld-Nürnberg (konf.) erklärte', -angesichts der Ritu-alm-ordhetze in Manau stehe man mit Entsetzen vor einem Abgrund, der sich im 20. Jahrhundert auf-ge-tan hat. Die Fremden-PoMk d-er^ bayerischen Regierung habe sich in keiner Weise geändert. Wider sei d-er Gedanke der jüdischen Schule nochnicht Allgemeingut geworden-. Er stelle den Antrag, die Erhöhung des Staatszuschusses um 10.000 Mk. (von 60.000 auf 70.000 Mk.) für Zwecke der Mttelftand'shllfe zuverw,enden. Am Montag wurde die Versammlung nacheiner Reihe von Bewilligungen geschlosssn. Oesterreich. Plenarsitzung des Gefchäftsausschusies und der politischen Exekutive der Agudas Jisroel in Wien. Wien, 5. Juli. Am gestrigen Nachmittag gingendie vier-tägigen Beratungen der obersten Agudaorgane zu Ende-, dieden Vorbereitungen zur Ken-efsio Gedaulo und -einer Reihe wichtiger aktueller Frag-engewidmet waren. Da Rabbiner Chaj-im Ofer Grodzenfkiaus g-esundheiWchen Gründen im letzten Augenb lick ab sagen mußte, konnte eine formelle Sitzung der Exekutive -des vabb-inisch-e'n Rates nicht stattf-rnden. Diese muß vielmehr mit der Plenarsitzung des großen rabbinifchen- Rates am 30. Aw gereinigt werden. ß Die Tagesor-dnüng der K. G. und die damit -irrt Zusammenhang stehenden- Fragen sowi-e Rahmen üN-d Jn-HM der in Aussicht genommenen Nebenv eranst a l t u n g e n (Erziehungskonfer-enz, Jugendkvngreß, Fvauenkongveh) wurden festgelegtdie Arb-eitskommissionen, die -sinige Tage vor B-öginn der K. G. zusammen treten sollen, -gebildet und die- Materialienfür -die Tätigkeit -dieser Kommissionen -besprochen!. Vi-elstündige Erörterungen waren de-r Frage der J-ewish Ageney und den in der Presse seil Monaten stark diskutierten- Merfassungssrag-en gewidmet. Die Stellungnahme zur' Jewish Agen-cy-Frage gelangite in folgender R-esoluti-on zum Ausdruck: «Der G. A. -der Agudas Jisroel gibt nach Anhörung der Referate und Gutachten m der Agency- Frage feinem -tiefen Schmerz darüber Ausdruck, daß diie von Agudas Jisroel als Vorbe-dingung für ihre Teilnahme an der Ageney gestellte Gewissensforderun-g (Befchrän-kung der Agency auf wirtschaftliche Aufgaben mit Ausschluß der kulturellen) seitensder zionistischen Organisation Ni-ch-t angenommen wordenist, Hvürdurch ist di-e Mö-glichkeit -einheitlicher Vertretung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden in und' für Palästina wieder einmal vereitelt worden-. Indem der G. A. die end-gültige Enbsch-eidu-ng d-er Angelegenheit ihrem großenrabbinischen- Rate-, dar vor der Kenessio Gedaulo zusammentritt, überläßt, beschließt der G. A. -einstweilen zu- «rklänen: a) daß vorerst kein Mitglied d-er Agudas Jisroel-Weltoygani-- sation dem Counöi-1 -der Jewish- Agency b-eizutve-den berechtigt ist, -b) daß di-e- Agency in ihrer -gegenwärtigen Verfassung in keiner Weifeals Vertretung der in Agudas Jisroel organisi-ertmjüdischen- Orchod-oxie der Welt biötra-chdot w-e-rden kann." Nach bebhaften- Auseina-ndersetzun-gen wurde in der Frage des § 4 beschlossen, dem Versassungsausschu ß der K. G. folgende Refolu-tj-on zuempfehlen-: „An Stelle von Absatz 3 und 4 des § 4 wird folg-ende Vestimmung -in Analogie mit Absatz 2 des § 3 g-etrossen: Dem rabb-inischM- Ra-tz steht Äas- Mcht zu, -c-inschränk-sn-d-s Bestimmungenüber die Wählbarkeit in di-e zentralen Verwaltungsorgane der A. I. für «ine begrenzte Zeitda-Mr — längstens von K. G. zu- K. G. gültig — zu treffen. Auf Vierlangen einer Landesorganliisatlon hat d-er G. A. -dem rabbiuijschieu- M-t vor jeder K. G. zum Erlaß b-ezw. zur Abänderung o-der Ergänzung d-er b-etre-ffenden Bestimmungen unter U-eberr-eichung des einschlägigen Maberi-als GWegenhÄt zu geben." Bon -den Vertreternd-e-r gegensätzlichen Anschauungen wurde erklärt, daß man sich der Entscheidung des großen rabbmischen RcrtW -in der Frage des § 4 unter allen Umständenun'terwersen werde. Eine ganze Reihe sonstiger Anträge auf Dersasfungsän-d-erungen wurden durchberaten- und mit einem- Votum d-es G. A. -der Verfassungskommission überwiesen. Weitere Punkte der Tagesordnung bildeten die innere Po'lit-i-k in Erez Jisroel, -die Frage der Sch-echita, der Kalenderreform, die Marannen frage sowie die dem rabbinischen- Rate zuunterbreitenden Anregungen des Frauenbundes. Hinsichtlich der Beziehungen zum W e l t v e r b a n d- Schomre Schabb-os wurde -beschlossen, zu-erklären, daß Agudas Jisroel getreu -ihrem universalen, auf Ge-, samto-ertvötung d-e-s ge-setzsstwu-en Judentums gerichteten Programm sich -e-iner anderen Organisation nicht einfügen könne, daß sie aber zur sreu-ndschaftlichen' praktischen- Zusammenarbeitjederzeit bereit ist. Sie schlägt M diesem Zwecke die Bildung -e-ines gemeinsamen- Ausschü-sses von je 3 Bertretern zwecks Bearbeitung der Sab» batprobleme vor. Schweiz. Palästina vor der Mandatskommission des Völkerbundes. Genf, 8. Juli. Seit Montag dev' 1. JuW hält in Genf die Ständige Mandatskommission des Bölkerbündes unter dem Vorsitz des Marquis DoodoW (Italien) Ihre 16. Session ab. Diese Session wird zu -einem -großen- DM -den Fragen, Palästinas gewidmet sein. Zur Beratung stchen ein Bericht der britischen Regierung als der MianAakarmacht Palästinas über die Verwaltung des Landes im Jahrs TZ wjrrf: