Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. Nr. 27 Der Israelit 4. Juli' 1929 *Jung will heute Jeder Mn!~ 'Jmm Und nimm Jtß/Jer-, föorax-Selfe dazu. So flhldfdu dich vreyüngf im Mi/ aufzufaffen, als stünden sie für den Tüchtigen greifbar auf einmal da und sprächen: „Erfasse mich!" Sie bauen sich aus vielen früheren Atomarten zusammen zum Großmomente auf. Bei der zur Schicksalsformung berufenen Persönlichkeit ist es in einem noch viel stärkeren Maße fo. Nur, wo der beständige Sechus vorwaltet, das solide Fundament von Erprobung und Verdienst, ist die jüdische Linie verbürgt, die unser Schicksal aufwärts führt. Sonst ist es ein SchicksalsFestalten wie auf-gut-Glück-fpielen, wie auf. ein Gewinnlos setzen, das Masel als Schicksal zu einer Art Glücksfall degradieren. Nicht umsonst bemerkt Rabbi Samuel Elieser Halevi Edles (Meharfcha) zu.der bereits zitierten Kontroverse über dys Masel (in Sabbat 156), daß auch nach jenen, die Masel als Glücksfall auffassen und den Satz, btv V' es gebe ein Masel für Israel vertreten, mit den Verneinern dieser Auffassung einig sind, und sich zu der These: „ Vta brmw'b bekennen, wenn es sich nicht um den Einzelnen handelt, sondern. um die Gemeinschaft geht, um den Klall-Gedanken; wenn um die Schicksalsgestaltung und Geschichtsformung Israels als Ganzes, als Volk gerungen wird. Der historisch bedeutsame Moment darf daher weder dem Schicksalswürfler noch dem Schicksalsstürmer Vorbehalten sein, sondern nur dem Gradlinigen in der Schicksalsbildung. Rabbi Pinchas ben Jair hat (vgl. Sota, Mischna 9, 15, Aboda-Sara 20, 2 a. O.) den Stufenweg dieses Gradlinigen gezeichnet. Seine Meilensteine heißen nicht Geschicklichkeit und Blendung, blitzartiges Momentunh schlügstrtiges Zugreisen, sondern Thoraeifer und Gssinnungsreinheit, Standhaft tigkeit und Heiligung, Demut und Gottesfurcht, Frömmigkeit und heilige Geistigkeit. Daran haben sich in ineinandergreifender Folge die Gestalten zu schulen und die Gestaltungen zu formen, um berufen zu sein, Schicksale in Israel zu bilden und Geschichte zu prägen. Der Zaddik ist es demnach — um mit. den Alten zu reden — dem der geschichtliche Moment unterstellt ist, und nicht das Genie, der Ethiker und nicht der Politiker. Mag auch die Genialität des Politikers das Mechanistisch-Volkswirtschaftliche beherrschen und ihm erwägende und berechnende Wendung geben, das geistige oder das religiöse Gesicht des Judentums zu prägen, muß er dem überlassen, der von Grund auf und beständig am Ethos des Judentums orientiert, am deutlichsten zum Willenswerkzeug des Schicksals ausersehen ist. (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Jewish Agency und organisierte Orthodoxie. Von zionistischer Seite werden gegenwärtig in allen Ländern sogenannte Jnitiativ-Komitees gebildet, deren Aufgabe es sein soll, Vertreter des betreffenden Landes für die Jewish Agency zu ernennen. Man bemüht sich dabei, sowohl Gemeinden und Körperschaften als auch einzelne prominente Persönlichkeiten, die im öffentlichen Leben hervorgotreten sind, zu gewinnen, um nachher sagen zu können, daß die in der Agency natürlich einflußlosen wenigen Vertreter der nichtamerikanischen Landesjudenheiten wirkliche Repräsentanten ihres Landes seien. Obgleich die zionistische Organisation weiß, daß die in Agudas Jisroel organisierte Weltorthodoxie für ihre Mitarbeit in der Jewish Agency Bedingungen gestellt hat, die bis heute nicht erfüllt sind und die aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit nicht erfüllt werden, bemüht sie sich doch auch, orthodoxe Persönlichkeiten von Rang, die der Aguda angehören oder nahe stehen, für die Agency zu gewinnen. Ob dieses Verfahren loyal ist oder nicht, lassen wir dahingestellt. Erfreulich ist, daß die in Betracht kommenden Persönlichkeiten, von wenigen bedauerlichen Ausnahmen abgesehen, den zionistischen Lockungen widerstanden und die gebührende Antwort erteilt haben. Wir verweisen in dieser Hinsicht insbesondere auf die in der vorigen Nummer veröffentlichte Erklärung des Herrn Oberrabbiner Z i r e l s o h n von Beßarabien. Das Zentralkomitee der Agudas Jisroel in Polen hat diese Woche eine Proklamation erlassen, die wir im folgenden im Wortlaut wiedergeben möchten. Das Schriftstück lautet: „Im Zusammenhang mit der Organisierung der jüdischen, Agenz durch die Zionisten hat Ae zionistische Organisation in Polen jüngst Einladungen an verschiedene RabGnen und orthodoxe Führer verschickt, worin um deren Anteilnahme an den Beratungen über die Wahl nichtziontstischer Mitglieder in Ae Agency gebeten-wird. Wir halten uns daher für verpflichtet, zu erklären, daß. für die zum größten Teil in Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie die Mitarbeit an der Jewish Agency noch ein ungelöstes Problem ist, das erst durch, die II. Kenessto Gedaulo und den allweltlichen rabbinifchen Rät im Ellul ds. Js. entschieden werden wird. Vis dahin kann niemand, der der Aguda als Mitgliled angehört oder nahe steht, überhaupt kein religiöser Jude, für den die Memung der nrri'.n, niuw Hi-n, maßgebend ist. sich an der Agency oder an der Dorbereitungsarbeit für diese beteiligen. Die Agudas Jisroel, die auf der Wache steht, um die Interessen des reMgiösen Judentums zu schützen, und zu hüten, im Golus wie. in Erez Jisroel;, wird jeden Schritt von einzelnen Orthodoxen, an der Agentur-Arbeit Anteil zu nehmen, ohne einen Beschluß der Aguda-WeltAentrale, nicht bloß als Disziplinlosigkeit betrachten, sondern als. eine Aushöhlung der Fundamente der selbständige organisierten Orthodoxie, als eine Erschwerung des Kampfes für die Heiligkeit von Erez Jisroel und als eine Erniedrigung der Autorität der nrri'm rrrmn ’*>m unserer Zeit. Wir sind überzeugt, daß wie in der ganzen Welt die orthodoxen Rabbinen und Klallfühver, an Ae sich Ae Zionisten in der Angelegenheit wandten, es abgekehnt haben, sich ohne einen Beschluß der Agudas Jisroel cm der Vorbereiitungsarbeit der Agency zu beteiligen, auch die orthodoxen Führer Polens nicht ihre Hand zu einem Schritte bieten werden, der gegen Ae Interessen des religiösen Judentums und der organisierten Agudas Jisroel ganz besonders gerichtet ist. Sollten sich trotzdem Einzelne finden, die an dieser Arbeit auf eigene Verantwortung teilnehmen, so erklä- . ren wir kategorisch, daß diese Männer unter keinen Umständen die G esa mtheit der Orthodoxie vertreten und daß ihr Anteil, vom gesellschaftlichen Standpunkt ans, keinerlei Bedeutung hat." Man darf der polnischen Aguda für diese mannhaften Worte, die ebenso auch für alle änderen Länder gelten, besonders dankbar sein; gewiß wird auch der rabbmische Rat der Gesarnt- Aguda mit seiner Meinung nicht zurückhalten. Jüdische Händler und Angestellte. Wir haben in jüngster Nummer an dieser Stelle bei Besprechung der in Polen blühenden Boykotthetze gegen die Juden Gelegenheit genommen, auf die Pflichten der jüdischen Gesellschaft gegen jüdische Arbeitsuchende und Geschäftsleute Hinzuwersen. Heute geht uns ein Schreiben des „Vereins jüdischer Händler und Angestellter in Dresden" zu, das wie eine Illustration zu unseren Ausführungen wirkt: „Das angesehene Blatt „Die TeM-Woche" veröffentlicht an der Spitze ihrer Nummer 17 einen groß ausgemachten Artikel „Das Ha usierer - Unwesen im Textilhangerechtfertigt gewesen sei. Auch der Rezensent des „Israelit" wird es mit Befriedigung sehen, wenn die Übersetzung des Talmud dem Studium desselben recht viele Jünger gewinnt, und wäre auch bei demeinen oder anderen nicht immer ms. Tsin, so ist doch zu hoffen: rmw)> Na Dr. Bähr, Prenzlau. (Ohne in fallen Teilen unsere Argumente widerlegt zu sehen, wollen wir diese Hoffnung mit Herrn Dr, Böhr gern teilen. Die Red.) - j i Zum Andenken an Rabbi Abraham Eljahu Kaplan Die Jjar-Nummer des in Telschi erscheinenden „Haneemon", ist dem Andenken Rabbi Kaplans Vs; gewidmet. Es ist ein Heft, das, einige und fünfzig Seiten stark, wertvoll und hochbedeutsam in seinen wissenschaftlichen, publizistischen wie feuilletonistischen Teile ist., Der Leiter der Telfcher Jeschiwa, Oberrabbiner Bloch und Rabbi Melzer, der „Sluzker Raw", der zur Zeit in Jerusalem die Jeschiwa „Ez Chajim" leitet, sind mit zwei Schreiben vertreten, in denen sie mit warmen Worten die rabbmische und talmudpädagogische Bedeutung Kaplans feiern. Ein leitender Artikel bespricht den Zweck der Doppelnummer: die Gesamtpersönlichkeit Kaplans zu erfassen. Unter einem guten Bilde lesen wir eine lyrische Widmung. Dann folgt eine erschöpfende Abhandlung über das Muffar und die ersten Mussarblüten im Westen (B. Palgie.) Halevi veröffentlicht Reminiszensen. Dr. Moses Auerbach spricht über die sittlichen Eigenschaften und den Seelenadel Kaplans, Oberrabbiner A. M. Bloch über sein talmüdisches Universalwissen. Herr Dr. Deutschländer gibt persönliche Erinnerungen und Eindrücke aus der Zeit, da er in der Nähe Kaplans in Litauen wirkte, wieder. Dr. F. Grünberg gedenkt in Liebe des guten Freundes und Kollegen. Eine eingehende Biographie schließt mit einem Gedichte, dem noch mehrere poetische Beiträge in gebundener und. Ungebundener Form folgen. Eine ganze Reihe von Artikeln von und über Kaplan sind aus früheren Veröffentlichungen im Jeschurun und anderen Zeitschriften Wiedergegeben und wirken in diesem Zusammenhänge mit doppelter Wucht. Bedeutsam an sich ist ein Aufsatz von Dr. Nathan Birnbaum über Moderne Religiösität, nicht minder die Aufsätze Rabbiner A. M. Wesselers über den „Glauben an die Geula". In Episoden und Aphorismen ehrt Rabbiner I. Weinberg das Andenken Kaplans. Zu erwähnen sind noch u. v. a. lesenswerte Aufsätze von Dr. Holzberg und I. Schmuelewitz. Es ist kaum möglich, im Rahmen einer Anzeige ein volles Bild von der bUNtschimmernden Fülle der Gedanken Und Anregungen ,jri den Beiträgen zu geben. In einer eigenen Beilage finden wir ein vollständiges Expose über einen zu verfassenden Kommentar zu Talmud Babli und eine Einführung in denselben aus dem literarischen Nachlasse von Kaplan. Man ersieht daraus, wie viele hochwichtige Pläne für Vertiefung und Verbreitung des Talmudlernens mit dem Frühvollendeten zu Grabe getragen wurden. Das Doppelheft des „Haneemon" sollte allerwärts gekauft und gelesen werden — nicht allein aus Liebe und Verehrung für Rabbi Kaplan, sondern in erster Reihe mit Rücksicht auf den eigenen literarischen, erzieherischen und bildenden Wert dieses höchst gelungenen Heftes. Wir sind der Redaktion für diese 0212, die sie aus „dem Andenken an den Zadik" für uns gewann, dankbar. Zu beziehen ist das Doppelheft des „Haneemon" im „Zeire Jisroel"-Vüro (I. Schmuelewitz), Telschi (Litauen). (Die Rolle des jüdischen Schrifttums auf dem Ren- Kluö-Korrgreß in Wien.) Aus Wien wird der I. T. A. geschrieben: In Wien tagt gegenwärtig der Kongreß, der die internationale Schriftstellerwelt repräsentierenden Pen- Klubs, an dem Vertreter aus 30 Ländern teilnahmen. Die jiddische Literatur ist durch den Ehrenvorsitzenden des jiddischen Pey-Klübs Schalpm Asch.repräsentiert, Ehrengast des Kongresses ist, da der jiddische Pen-Klub [bet Organisation noch nicht angehört. Neben Schalöm Asch nehmen noch die Schrifffteller Melech Rawitsch, Setzalowitschs Nachmann Meisel, Reisin, Jmber, Perle, Tunkeler,. Horovitz, Fuchs, Ehmielnicki und Groß teil. ' Auf dem Kongreß selbst hielt Schalom Asch eins Rede, in der er die Grundwahrheit von der Selbständigkeit des Geistes gegenüber allen politischen Grenzziehungen aussprach. In Verfolg dieser Rede stimmte der Kongreß einstimmig dem neuen Grundsatz zu, der die Staatsgrenzen für die Literatur nicht mehr gelten lassen will. Künfttghin soll die Gründung eines Pen-Klubs und feine Vertretung in der internationalen Organisation einzig und allein davon abhängig sein, ob eine kulturell selbständige Literatur sich darum bewirbt. - Man will künftig nicht mehr das Prinzip der Staatsgrenze gellen lassen, sondern die Autonomie des Geistigen zur entscheidenden Distanz erheben. Nach Annahme dieses Beschlusses, womit das von der überstaatlichen jüdischen Literatur im vorigen Jahre unterbreitete Gesuch, sie als selbständige Gruppe in den internationalen Pen-Klub aufzunehmen, positiv erledigt wurde, gab sich spontaner Beifall kund. Ein Komitee wird nunmehr zu prüfen haben, welche Literaturen es eigentlichim europäischen Kulturkreise gibt, die eine eigene Sprache und eigeye klassische Schöpfungen hervorgebracht haben. . -■ i ’ L... ■ - : (Hrtßodore Jugendölätter). Die in Warschau erscheinenden „Jugendblätter" für die Probleme der orthodoxen Jugend in Polen, deren erste Nummern uns vor-