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Der Israelit · 1929-07-04 · Heft 27 (4.7.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 27 (4.7.1929)
Date
1929-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4 »1929 , , _ __ stärker? schickscllsmäßjge Gestaltung, je mehr Sechus, desto niehr Masel. DaM erfährt Acht nur däs ProttleM des Schicksals im allgemeinen feine WiW O?tMWM, .foMeÄ es mH daltt it ä oH' mehr auf einen geMchtspsycholoMchen Zmekg des Problems, um den es uns in diesem Zusammenhänge geht, ein ebenso klares wie eigentüMMes Lickst E?worsen, aüf den Sctzicksalsmonrenh di h. auf me Frage des geschlchtlichen Augenblicks, von dem — wie man sagt —- nur zu oft die Formung des Gesamtsch'icksals abhängt. Die Frage ist Mckstig, sie berührt sich rstit Merkmöilett und.AÜfgcwemi unserer Zeit. Wie ist es damit im Judentum bestellt? Man hört doch diesbezüglich , dem Judentum und insbesondere dem überlieferungstreuen Judentum —- uüi däs eS sich bei tms handelt —7 EäüDn Donvurf machen.. Mein sagt, das Judentum, vor allem aber däs ttaditronskonsequeNte Judentttttt, verstehe sich nicht üüf Ke HchickMMürnente tintf gehe, starr uüo ckW Ün MWeite, gn Men vorbei. Es fehle Hm an Rihney Wendungen, ün entschlossenen Schritten der Genialität. ES versäume, an grüßen Punkten seines ScKckjälsöerkiufS auch großzügig zu handeln!. Es habe gewissermaßen kein MWrmngsopWNsozusagen kein Fingerspitzengefühl für historische Gestaltung, klebe zu sehr an ausgeführenen Mkörsen, stehe den ÄrenNpuDen der Zeitetr ällzü heMguttMräge, wenn nicht gar hilflüs gegenüber und habe zu wem-ig Auge Und Ohr für die gebieterischen Forderungen, die oftmals die StlMe stellt., Bei anderen Bokkern sei Ws anders, unA ich ÄudeNtume selbst — so sagt man — müssen sich deshalb mit Recht gewisse Widerparte regen und als Gegenpole aufspielen, FaktEen, die die Zeichen der Zeiten besser verstehen und dett Strom des Geschehens, der am Leben des Judentuchs abläuft,! kühner und freiet in fruchtreiches Neuland zu lenken wissen. Wie ist es fcämit? Verdient das Judentuch, zumal das streng ay der Ueberlieferung feschaltende Judentum diese Vorhaltung und sind die Faktoren seiner Gegenpole wirklich gerechtfertigt? Keineswegs! Die vorerörterten Darlegungen übet das Schicksal vom Ständprchkte des Judentums haben gezeigt, daß gerade das streng könsequente, peinlich genaue Judentum es ist, das, je mehr es das jüdische Ethos hegt, umso besser das jüdische Schicksal pflech. Dieses Judentum ist es ja eben, das sich sehr wohl auf deck Moment versteht, den allezeit zu erfassen und beherzt zu nützen, ihm lebensnotwendiger Gestaltungs.drang ist, ein Drang, der ihm den Grundsatz: „Wenn nicht jetzt, wann denn?" (Spr. d. V. 31, 1) .diktiert und ihn zum Augenmerk auf die enteilende Stunde anhält. Nur versteht dieses Judentum unter Schickfälsmoment nicht einen Gebietet des Stürmeys und Drängens, emen Wink zur Loslösüng von Gebundenheiten, eine Aufforderung, den Knoten zu durchschlagen, anstatt ihn zu lösen. Denn es versteht unter Schicksalsmoment überhaupt nicht bloß dsN Augenblick der zufäüigen Spannung, des plötzlichen'Auftretens einer Chance, sondern ebenso, wenn nicht noch Mehr den stillen, vorbereitenden Moment, der sich inr Unbemerkten abspielt. _ Friedrich. Hebbel m seiner Tragödie: „Herodes und Mariamne" läßt in einer Szene Mariamne folgendermaßen, zu Herodes sprechen: „Du hüst öietkeM geräde jetzt dem WicksÄ in deck Händen und kannst es wenden, wie es dir gefällt. Für jeden Menschen kommt der Augenblick, in dem der Lenker seines Sterns ihm selbst' die Zügel übergibt. Rur das ist schlimm, daß der Mensch den Augenblick nicht kennt, daß es jeder sein kann, der vorüberrollt." Das. ist, trotzdem es in den Mund der Jüdin Mariamne gelegt ist, in nichtjüdischem Geiste empfunden. Jüdisch aufgefaßt, ist. es, umgekehrt, gevctdö mehr das Gute als das Schlimme, daß man den. Mpment nicht kennt, ttüd weit man ihn nicht kennt, von jedem Meint, er sei es, aus den es ankoMMe, den Man nicht Mgenützt vdrüberZiehen lassen dürfe, Der gesetzestreüe Jude erblicht den schicksalsschweren Moment rtt einer iMMerwätzrettden Spannung für Me MoMente. Die Grenzer?. des Wissens seiner Stunde bedeuten chm SteigerUüMn jeder Stunde. Ihm gilt für alle Augenblicke, in denen es iM Kleinen öder Großen sich zu bewahren heißt, das Wort: „Was man von der Minute ausgeschlagen, gibt keine Ewigkeit zurück." Es ist ihm damit wie in dein Ko-" heletfprüche: „Zu jeder Zeit seien deine KtMer weiß, und Del fehle nicht auf deinem Haüpte" (Koyelet 8, 9), Mas bekanntlich Rabbi Elreser (Spr. d. B. 2) auf die beständige Vorbereitung und Spannung aller Tage für den einen großen und letzten Tag bezieht (vgl. Sabbat 153) und was Rabbi Jochanan den Sakkai zu der Anwendung des schöllen Gleichnisses von dem König Veranlassung gibt, der seine Diener zu einem Festmahl einlädt, ohne ihnen zu sagen für wann. Die Klugen und Bedachtsamen unter ihnen sehen gerade darin, daß sie die große Stunde nicht kennen, den Ansporn, des Rüstells und Nützens aller Stunden, während die Törichten und Leichtfertigen oorbereitungslos der einen Stunde harren, aber dann, da sie wirklich da ist, sich ihr nicht gewachsen. zeigen und vom Kömg verschmäht werden (Sabbat a. a. O.). Das Judentum erzieht seine Genien nicht, um sie nur in gewissen Augenblicken, zu bestimmten Anlässen in die Nr. 27. Seite 3 Die Mitglieder de# Agudah Jugendorganisation und Angestelltenbund erhalten bei jedem Versichertings - Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefelllchäft PHÖNIX ViertKollke SS^Wehrttt ck«S§ Ko'tiHkeätä yeralcherungsbest. 1,2 Milliarde GMk. ÄI gSiutigttea Bediagnagen u, ff Gehalt; hohe Provision', ÄltereTefsorjfÄjf,' Q CSUChl || Bewerbnngen an PliÖnlX, Berlin, Meinekeefr. 10 HHÜÜfi Wägjchäle ch werfeM Äüs dem Gmizech HrÄw Wißen si? geivächM fern un'H cin allen Momenten bäuell, üm Gewähr und Pewähllung lü sich zu trägen, Mische' SchkWWsMlW jusein. Wer sichnW SchM für Schritt dutH alle WiMÄgen und Wendungen des judisWn Stufenweges dürchgerungen, sich nicht äch Mchn uäd kleinsten WöchmoMent der jüdischen Lebensfotderung erprobt Hatz wird auch nicht im großen, entscheidenden SchrcksälÄnoMentz aus voller jüdischer Ideologie und Historie heraus Echtung geben können. Er wird vielleicht der Form nach zu heb einen öder anderen genialen Wendung greifen, iM Westn der Sache sich aber ganz gewiß vergreifen. Es wird ihm wie jenem Minäer gehen, der-den blinden Rabbi Scheschet über den spannungsvoll erwarteten Momellt der KöMgsankünst täuschen wollte und sich selber täuschte, da er, wiewohl sehend, das Kennzeichen' des großen Moments im Wesen verfehlte, währelld es der äußerlich blinde, aber innerlich Orientierte im Westn verstand (vgl. Berächot 58). Oder — um es vulgär auszudrücken — es wird ihm wie dem Sonntagsjäger ergehen, der wohl auch schießt und trifft, aber daneben. — Jene, die sich mit judentumsfremden Ideologien hindrängen, jüdische Schicksale zu formen, in einem zufällig erhaschten Moment jüdische GeisteSgeschühte zu gestalten, mögen wohl manchmal geniMisch-fubjektive Gebilde erzielen, aber jüdisch Kongeniales werden sie nicht treffen,. Denn die MvmeMe, in denen sich Schicksale knoten und Schwerpunkte zusammenballen, von denen man sagt, daß sie die Zufälle seien, die die Vorsehung gibt, damit sie der Mensch zu Zwecken gestalte, sind nicht so gefunden hat, stelle ich Ihnen meine Darlegungen zur Verfügung, wie sie mir gerade nach Durchsicht des Artikels in die Feder fließen. — Nach einigen einleitenden Worten der Anerkennung für den Fleiß, der zu dieser Riesenarbeit einer Talmud- Übersetzung gehört, geht ber Rezensent zu der Frage der Nützlichkeit derselben über. Seine Antwort läßt sich auf die kürze Formel bringen: Der kundige braucht sie nicht, und dem Unkundigen nützt sie nichts. Das kann aber in dieser. Allgemeinheit von jeder Übersetzung gesagt werden, sogar vom Pentateuch. Und man weiß, welch' heftigen Widerspruch anfangs die Mendelssohn'sche Bibelübersetzung gefunden hat und welches Ansehen trotz alledem heute die Bibelübersetzungen von S. R. Hirsch, sowie Leviticus von Hoffmann in der jüdisch religiösen Welt genießen. Bei der Talmudübersetzung liegt die Sache noch wesentlich anders: Selbst derjenige, dem das talmudifche Idiom nicht ganz fremd ist, ist nicht immer imstande, von sich aus all der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich aus der eigenartigen Methode und Gedankenentwicklung des Talmud ergeben und hier ist eine Übersetzung doch ein sehr willkommenes Hilfsmittel zur leichteren Überwindung nicht bloß formaler, sondern auch sachlicher Schwierigkeiten. Selbstoerständttche Voraussetzung ist dabei, daß derjenige, der sich ernstlich mit dieser Materie verttaut machen will, auch den Urtext zur Hand hat und diesen als "»?’? und die Übersetzung nur als ^>sv gebraucht. Wir denken dabei nicht an ben Talmudjünger, der sich auf der m'2?' unter kundiger Leitung - dem Talmudstudium widmet, auch nicht an den asn r>rt>n, dem imvi» 10N1N der das Lernen zu feinem Lebensberuf gemacht hat — wohl aber denken wir an die große Schar der Kaufleute, der Gewerbetreibenden und Handwerkern die aus innerem Herzensttieb gern und willig die Nacht zum Tage machen, um einige Stunden dem .rm, naV zu widmen, ferner an die große Zahl der Geistesarbeiter, der Lehrer und Beamten, die gyr keine Gelegenheit haben, ihre-stüher erworbenen Kenntnisse unter Leitung eines Führers fortzusetzen und zu erweitern, die aber jetzt gern zu dieser Übersetzung greifen, weil sie an Hand derselben über die sprachlichen und sachlichen Schwierigkeiten leicht hinweg kommen und vor allem in dem bwd der talmudischen Diskussion sich schnell gurechtfinden. Hier kann und muß die Übersetzung zum Berständnis und damit zur Freude am „Lernen" führen. Die Zahl dieser Sttebenden ist unübersehbar und gewiß größer als die Zahl der Ialmudjünger, die sich berufsmäßig unter Anleitung eines Lehrers dem Talmudstudium widmen. Wäre dieser Erfolg allein nicht schon des Schweißes wert, den diese Riesenarbeit gekostet hat? Der Vergleich mit dem Targum jdes Jonathan b. Usiel oder mit der Übersetzung der Septuaginta ist hier nicht angebracht, zudem stehen ihm entgegensetzte Zeugnisse gegenüber. Bei der überttagung der Thora kommt es auf die präzise und adäquate Wiedergabe des Textworttzs an, eine Forderung, die auch bei der gewissenhaftesten Übertragung selten zu erreichen ist. Auch die beste Übersetzung des biblischen Textes kann zu Mißverständnissen führen und hat dazu geführt; ich erinnere hier nur an den Mißbrauch, der mit der Übersetzung des Wortes min durch das Griechische Nomo? bis zum heutigen Tage gettieben wird. Wir verstehen daher die Abneigung unserer Weisen jeder Übersetzung gegenüber. Trotzdem wissen wir, daß die griechische Übersetzung des Akylas unter den Augen und unter Billigung unserer Weisen entstanden ist und selbst die Septuaginta genoß bei den Juden und Ägyptern ein so hohes Ansehen, daß der Tag ihres Abschlusses von den ägyptischen Juden festlich begangen worden ist; sie verlor erst ihr Ansehen, als ihr Text durch fremde Hände entstellt worden ist. Bei dem Talmud kommt es indes in erster Reihe darauf an. der sprachlichen und sachlichen Schwierigkeiten Herr zu werden, und den oft verwickelten Gedankengang zu entwirren; und diese Aufgabe erfüllt die Goldschmidt'sche Übersetzung, die zudem zwecks größerer Deutlichkett in Fußnoten wichtigere Erklärungen der Kommentare heranzieht, nicht zu vergessen einige persönliche hochbedeutsame Bemerkungen. Der Rezensent des „Israelit" hat scheinbar übersehen, daß von einigen Trattaten des Talmud schon seit Jahrzehnten Übersetzungen erschienen sind, ohne irgendwelchen prinzipiellen Widerspruch zu finden — es ist schwer einzusehen, warum die vollständige Übersetzung des Talmud auf größere Bedenken stoßen sollte. Wenn die bisherigen Übersetzungen des Talmud nur eine mäßige Verbreitung gefunden haben, so liegt das in zwei Umständen: erstens sind bisher nur einzelne Traktate ins Deutsche überttagen, zweitens ist der Preis der vollständigen Übersetzung mit Text (Goldschmidt) für den Einzelnen zu exorbitant. Hier, in der Bolksausgabe, wird üns der ganze Talmud zu einem mäßigen Preise geboten, der auch dem Privatmann, und nicht bloß den Bibliotheken, die Anschaffung leicht macht. Was man sich also von dieser neuesten Talmudübersetzung versprechen darf? Rur Gutes und Segensreiches für die ehrlich Sttebenden — böswillige Leser, auf die der Rezensent hindeutet, mögen wir gelassen beiseite schreiten. Es wird n'2 so kommen, wie es aus alter Zeit uns überliefert wird. R. Gamliel in Jabne ließ nur eine beschräntte Zahl von Schülern zum Lehrhause zu, da ein Türhüter den Auftrag hatte, unwürdige Elemente von dem Lehrsaal fern zu halten. Als sein Nachfolger R. Elasar b. Asarjah den Türhüter entfernte und jedem Lernbegierigen die Pforte des Lehrhauses öffnete, da strömte eine so große Zahl von Schülern herbei, daß die Bänke für die Schüler um mehrere Hundert vermehrt werden mußten, und R. Gamliel selbst in Zweifel geriet, ob seine Sttenge

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