Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2. Nr. 26 Der Israelit 27. Juni 1929 erschien in Nr. 31 der ..Welt am Montag" vom 31. Juli 1927 eine Abhandlung „Seelische Kräfte. Der heutige Stand der Suggestionslehre" von Dr. med. M. Poets, Facharzt für Suggestions-Therapie in München, die auch vom Standpunkte des gläubigen Judentums Beachtung verdient, zumal sich der Verfasser nicht ins Fahrwasser des religiösen Nihilismus treiben läßt. Dr. Poets hat den Weltkrieg mitgemacht. Cr schreibt: „Wir, die wir als junge' Generation die Schrecknisse des Weltkrieges draußen mitgemacht haben, die wir dankbar oft in. dem schlimmsten Hexenkessel eines schweren Tages erkannten, daß die ^Macht des Priesters und des Arzztes größer, heilbringender und vor "allem nachhaltiger war als die des Offiziers, der mit allen Mitteln die bis zum Tod ermatteten Leute an den Feind heranzubringen versuchte. Wir, die wir durch das sogenannte Stahlbad dieses grauenhaften, weltgeschichtlichen Ereignisses gegangen sind, die wir den Menschen in '/seiner ärmsten, seelischen Nacktheit (im Original gesperrt) erschreckend deutlich fahen, wir find keineswegs als kalte Rationalisten zurückgekommen, sondern wir haben die ungeheure Tragweite der metaphysischen Probleme in der wildesten menschlichen Aufgelöstheit staunend erkannt." Dr. Poets weist nun auf Indien hin, als das Quellerland der klassischen Seelenforschung, das heute mehr denn je in den Gesichtskreis der gebildeten Menschen tritt. Er zieht aber auch die Bibel" heran und meint: „Wir wollen nur daran erinnern, dpß schon die Schriften der Inder wie auch die Bibel voller beweiskräftiger Stellen für die Kraft des Willens und die Wunder des Glaubens sind." In der naturwissenschaftlichen Anschauung hat sich mittlerweile eine grundlegende Veränderung vollzogen. Für die Psychologie oder Seelenkunde haben sich neue Gebiete von bisher unerforschten Grenzen eröffnet. Wer die unerhörte Macht der Suggestion am eignen Leibe jemals hat kennen gelernt, der versteht ohne weiteres, daß Heilungen durch Suggestion nicht nur im Bereich des Möglichen liegen, sondern eine durchaus erklärliche Erscheinung bilden. Der Verfasser weist auf den unter den Trümmern Thebens gefundenen Papyrus hin, aus deni Jahre 1552 vor der christlichen Zeitrechnung stammend, aus dem die Wissenschaftler der Welt und Quellenfprscher deutlich die tiefen und vielsagenden Worte entziffert haben: ^Lege die Hände auf ihn, um den Schmerz zu beruhigen, und sage, daß der Schmerz verschwinden wird." Bekanntlich erwartete auch der syrische Feldherr Naaman, der von Aussatz befallen war. .daß der Prophet Elisa jeine Hand aus die kranke Stelle lege, seinen Gott anrufe und, so die Heilung herbeiführe. Der Verfasser will in einem späteren Artikel vielleicht eine Zusammenstellung einwandfr^ aus der Geschichte nachgewiesener Heilungen bieten. Die Sprachpsychologie ist bekanntlich diejenige Wissenschaft, welchen den feinsten und kleinsten Regungen der Seele nachgeht, ihre Wege nach außen verfolgt, die zur Prägung dieses oder jenes Wortes, zur Formung dieses oder jenes Ausdruckes führten. Nun haben wir Juden drei verschiedene Bezeichnungen für Seele: narnniaiysa (Vergleiche Malbim zu fi’tyxaa und vpim Kap. 19). Dr. Poets sagt: Wir sehen heute Mediziner und Theologen wieder gemeinsam an der Arbeit, ./von ihm gesperrt) denn die Forschung der letzten Jahre hat uns bewiesen, dcH die Ursache einer Körvererkrankung vielfach m der Seele LU suchen ist. Es darf nicht nur der ,,Körverarzt" vergangener Zeiten am Krankenbette stehen, sondern auch der Seelenarzt neuer, schwerer Tage und Daseinsformen. Wir sehen ferner überall das Sehnen und Suchen nach neuen Zielen, die Uebermacht des Unbewußten und Unterbewußten in den Eeistesströmuugen unserer Zeit. Wir sehen (im Original gesperrt!) an allen Orten und Enden der Welt Sekten aufkeimen: die „Christliche Wissenschaft", die „Neugedanke n-B e w e g u n 9"; wir sehen die nach Tausenden zählenden Anhänger der Psychoanalyse und der Methode Coue (Professor Freud, der Begründer der Psychoanalyse, ist bekanntlich Jude). Ueberall öffnen sich neue Wege zu neuen Weltanschauungen. Ueber die monistische Irrlehre hinweg findet Dr. Poets den Weg ins warme, sonnige Land des Glaubens, indem er schließt: „Noch ist der Weg weit, den wir zu gehen haben; aber die Offenbarungen und Einwirkungen, die wir heute schon aus der zwar unsicht baren aber nicht unerforschten Welt zum Wähle der Menschheit haben, steigern unsere Erfolge von Tag zu Tag und führen sie siegreich hinüber über die heutige m o n ist r s ch e Energielehre, die da glaubt, gesunden SiNN und Nüchternheit der Welt zu bringen, die aber lediglich das alte Eotteswort wahr macht: „Da sie sich für Wesse hielten, sind sie zu Narren geworden." Wir können nicht mehr achtlos daran vorübergehen, was in den Tiefen der Seele verborgen schlummert. Keine äußermenschlichen Mächte sollen bei der Heilung Mitwirken? Wer aber die Lebensgeister an der Arbeit sieht, wer es versteht, in die Tiefen göttlichen Geistes einzutauchen, der wird in der Uebermacht des Unterbewußten keine Gefahr für unser Geistesleben sehen, sondern er wird dankbar die freien Kräfte voll innerer Wahrhaftigkeit in den Dienst der leidenden Menschheit stellen." Die Darlegungen Dr. Poets können vim jüdischen Standpunkte aus sympaiisch berühren, als Illustration zu unserem -vvn ^aa anivn snn 'k>aa wvani oder zum salomonischen Wort: naa apin‘i x»ni nasnx »man ft!-1, .'■< Der Prophet Amos. Don Konrektor I. Speyer in Arankfurt a. W. 1. Dre staatlichen Verhältnisse. Ungefähr 100 Zähre nach Elia wirkte der Prophet wurde. Im Nordreiche Israels herrschte damals Jerobeam II. Er war, wenn auch nicht her bedeutendste, so doch sicherlich der vom Glück am meisten begünstigte König Israels. Mntet ihm' trat ein potitifcher Umschwung von größter Bedeutung' ein. Ein Jahrhundert hindurch war Syrien oder Damaskus, wie es nach der Hauptstadt benannt wurde, für Israel übermächtig gewesen. Ein Stück nach dem anderen, eine Stadt nach der anderen war verloren gegangen, zuerst im Ostjordanlande, dann aber auch westlich des Jordans. Dann begann das Vordringen Assyriens. Zuerst wandte es sich gegen Syrien, und nun konnte auch Israel wider seinen Erbfeind erfolgreich Vorgehen. Jerobeam II. führte eine Reihe siegreicher Kämpfe, eroberte alles Land, das früher einmal dem jüdischen Volk gehörte, zurück, so daß sein Reich die Ausdehnung erhielt, die es unter der Herrschaft Davids oder Solomons gehabt hatte. (2. Königs 14, 23—29.) 2. Die wirtschaftlichen und sozialen Zust ä n d e. Infolge der glücklichen Kriege und der Vergrößerung des Gebietes wurden die Einwohner 'wohlhabend, teilweise sogar reich. Der Reichtum hatte sogleich Wohlleben und Luxus im Gefolge. Viele bauten sich neben Winterhäusern auch noch Sommerhäuser und statteten diese mit kostbarem Hausrat aus'. "naxa D’ii D’na isoi iwa ti vnxi rpn rv>a bv epnn rna ■warn d. h. Ich werde die Winterhäuser samt den Sommerhäusern zerstören; es sollen zugrunde gehen die Häuser von Elfenbein und die ansehnlichen Häuser verschwinden, spricht der Herr. Amos 3,15.) Die Ruhebetten und Lager waren aus Elfenbein und Damast gefertigt blk &■>?•,“>0*1 -j2> V? Sie ruhen auf Betten von Elfenbein, sie strecken sich hin auf ihren Lagern. (Amos 6,4.) Man ging gesalbt einher und veranstaltete üppige Schmausereien. Auserlesene Speisen standen auf den Tischen und Wein gabs in Fülle; man trank ihn aus kostbaren Schalen. Dazu lieh man Tafelmusik machen und Lieder Vorsingen nach Davids Art. (Amos 6, 4-6). Sofort zeigten sich auch soziale Gegensätze. Reich und arm standen sich gegenüber. Die Reichen trieben Wucher. Sie liehenden Armen Geld oder Waren; konnten diese zu rechter Zeit nicht zahlen, dann drängten die Gläubiger, verlangten Blutgeld und ließen alles, selbst die Keider pfänden und wohl gar Schuldner, die nichts besaßen, als Sklaven verkaufen. nnvaxi asa •mpV pns ms -vvxnvn c^syi av'yirs ana wa’ n ivn ayen denn ich weiß, daß eure Verbrechen zahlreich sind und eure Sünden mächtig; ihr bedrängt den Frommen, nehmt Lösegeld und beugt das Recht der Dürftigen am Tore. (Amos 5,12.) Auch im Handel wurden die wirtschaftlich Schwachen übervorteilt. Die Kaufleute jammerten über die Festtage und Sabbate, weil an ihnen die Geschäfts ruhen mußten. Beim Verkauf von Lebensmitteln verringerten sie das Matz und Gewicht, steigerten den Preis und gaben minderwertige Ware (Spreu für Korn). Auf diese Weise gelang es ihnen leicht, die Bedürftigen in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen. namwvEnnn aay» ma aaxV : fas ’ny rratfrVi grvx D’sxwn nxr iyaw : naan nrxa my^n bpv ^aan'h ns’x pvpn> an nnnaai nnwm anv Hört dies, ihr, dis ihr die Armen niedertretet und die Schwachen im Land vernichten wollt. Ihr sprechet: Wann wird das Neumondfest vorüber sein, daß wir Nahrung verkaufen und der Sabbat, daß wir den Getreidespeicher öffnen, kleines Maß zu geben und teures Geld zu nehmen und durch falsche Wage zu betrügen. (Amos 8, 4-6.) 3. Die s-itt'k-ichen und religiösen Zustände. In ■alkn Kreisen machte sich die größte Selbstsucht breit. Der Stärkere unterdrückte den Schwächerenohne, alle Scheu. Man suchte das Recht zu verdrehen, oder wenn das nicht gelang, brach man gewaltsam und offene kundig das Recht und raubte dem Geringen Mn Hab und Gut. ba lab’ inxi v'Xi ,iv' o’iay ■pai o’W vxaa fax aay by o'vxvn :->®ap qv ns bbn jyaV nayan d. h. daß sie die Köpfe der Armen in den Staub treten und das Recht der Sanftmütigen' beugen, sie treiben UniMchkeich, um meinen heiligen Namen, zu entweihen. Amos: 2, 7. :innn faxV npasi astya nayW ansnn d. h. Jene, die das Recht in Wermut verwandeln und die Gerechtigkeit stoßen sie zu Boden. Amos: 5, 7. :o,aamaaa>n im van cnaxxn "X asa nnaa rnwy i»t> xH d. h. Sie verstehennicht mehr, rechtschaffen' zu handeln, pricht der Ewige, jene, die Gewalttat und Raub in ihren Palästen aufhäufen. Amos: 3, 10. Die Sünde gegen -das siebente Gebot war gleichfalls verbreitet; nicht einmal der Bader empfand Scham vor seinem Sohne und umgekehrt (siehe Amos 2, 7). <Re meinten vielmehr, durch solchen Frevel der Gottheit zu dienen. Das hatten sie von dm Heiden übernommen', auch die Unsitte, an den Altären -durch Schlemmen und Döllerei Gott zu dienen, Ueber fromme Leute -machte man sich -lustig. Hin und wieder taten einzelne Männer das- N-afiräergelübde, d. h. sie gelobten, nur Gvtit zu leben und als äußeres Zeichen dessen, keinen Wein zu trinken. Da begingen manche in ihrer GotblosigLeit den Scherz, diese Nasiräer zum Weintrinktzn zu verführen, und hatten ihren Spott 'daran, wenn es gelang. Die Propheten, die Verkündiger des Willen Gottes, suchte man an der Predigt zu hindern. "n axa Vxa»’ na nxr px sjxn 'anraV oamnaai n’xnab Danaa wpxi tayaan ab aaxV annx D’xnan Vya g-» wann nx iprmi Bon. euren. -Söhnen machte ich - ryMhe, zg Prophet ten 'und , vom euren ÄüngLngen— oder ist dem nicht so, Israel? spricht' der Ewige. ' Aber ihr zwanget die Nasiräer Wein zu -trinken- und den Propheten befahlt ihr: Weissaget nicht! Amos 2, 11, 12. 4. Gottes Mahnungen und Warnungen. Gott lieh -es an Mahnungen und Warnungen nicht fehlen. Schlachten waren verloren gegangen. Dürre, Mißwachs waren eingetreten-. Gewürm und- Heuschrecken hatten die Ernte zerstört. Sogar -die Pest begann zu wüten. xin .aa’natpa ^>aa anV aom aa’ay i>aa ans# p'pa rab ’nna nx an ll'van xwbv .awa amn nx aaa »iwa» nax aai axa ’ay anas? avar r.nx npVn ,a'vax xV nnx a’y Vyi nm a’y bv 'vava.aa. anpV :vwn n^y a'van ab avx npbm Amos 4, 6, 7. „Ich gab euch müßige Zähne in allen euren Städten, nämlich Brotmangel in M-eneuren Orten und dochhabt -ihr euch nicht zu mir bekehrt, spricht der Ewige. Ich habe euch auch den Riegen- -entzogen, da nur noch drei Monate zur Ernte waren; -oder ich Netz auf -eine Stadt regnen und auf die andere Stadt ließ ich nicht regnen; ein Acker wurde beregnet und der Acker, aus den es nicht regnete, vertrvckn'ete; ich habe -euch geschlagen mit Kornbrand und mit Rost, die rneisten eurer Gärten und Weinberge." Run erhoben und mehrten sich die Stimmen. Das alles habe Gott geschickt, damit man dasgottlose Wesen lasse und sich b-ökehre. Es werde noch schlimmer kom-- men, wenn man nicht Buße tue. Ein furchtbarer Gerichtstag -des Herrn werde anbrechen. Und was für eine Antwort kam darauf? Die einensagten': „Es wird doch das Unglück nicht so nahe sein, und uns -nicht übereilen." (Amos 9, 10.) Die andern meinten: „Durch unsere Kraft hab-en wir uns Hörner (Macht) geschafft." (Amos 6, 13.) Sie forderten in ihrer Verdlmdung, der Gerichtstag des Herrn solle nur ja recht bald kommen. (Amos 5-, 18.) Manche aber wollten sicher gehen. Sie taten sich zusammen, brachten allerlei Opfer, sangen und beteten-. Aber das alles kam -nicht aus -dem Herzen; es war nur ein Geplärr, ein äußerliches Gebahren. Darum war es dem -lieben Gott ein- Greuel. aawaai fi^s? •»b ax -o : aamaxya rrax x^>i Dann "Jioxa ’nxny T>^3a naan -paty pan 'l>sa aon : trax ab awx'aa ,nxax ab : vma ab d. h. Ich h-affe, v-erw er fe eure Feste, ich magnicht -eure Festopser gnädigan-nehmen-. Wenn- -ihr mir auch Ganz- und Spei-seopser bringet, so nehme ich sie nicht gnädig auf, und das Mahlopfer eurer Masttisre sehe ich nicht an. Schaffe fort von mir deine vielm Lieder, das ©e* '-piek deiner Psalter will i-ch -nicht hören. (5. 21—23.) (Fortsetzung folgt.) Zakob Apt zum sechszigsten Geburtstag. Am 9. Ju-l-i vollendet Lehrer Jakvb' A p t -in. Pattensen (bekannt unter dem Namen« „Euer Apt") sein 60. Lebensjahr, An dieser Stelle seiner zu gedenken, veranlaßt die Wertung und Hochschätzung des Menschen und seines Wirkens. In Niederaula (Bez. Cassel) geboren, von rommen Eltern erzogen und zum Lehrerb-eruf bestimmt, besuchte -er nach Absolvierung -der Präparandenschule das Kölner Lehrerseminar von 1886—89. Geschätzt von seinen Lehrern Dr. Plato - und Sch-warzschild, geliebt und verehrt von seinen Studi«engenosseni, bewahrte er seiner AusbÄdungsstä-tte -eine seltene Treue und Än-häng-lichkei-t. Darum war kein an-der-er wi>e er befähigt und berufen, den Berein „ehemaliger Kö'lner" -ins Dasein zu rufen und trotz mannigfacher Schwierigkeiten -und Hindernisse in kurzer Zeit zur Blute und zu hohem Ansehen zu bringen. Wie sehr sie alle an -ihm hängen, die Alten- und die Jungen, zeig-te sich besonders b-eii dem di-esjährijg>eiN Tpefen am Neujahrstage in der Frankfurter ^auptwache. Etwa hundert „Ehemalige", Greise und Jünglings, Herren und Damen, hatten sich um ihngeschart, um zu hören, was sich -im verflossenen Jahre ereig-n«et hat an Leid und Freud -in den- Lehrerhän-sern der eh-emalrgen „Kölner". Man beschloß, die Reihen immerdichter zu chlreß-en trotz aller Hemmnisse und Widerwärtigkeiten-. Jug-endermnerungen aus froher Studrmzeit wurden ausg-e-t-aufcht und Treue gelobt der UNvergeWchen alma mater. Möge es dem jugendlichen Jubilar vergönnt Mn, noch viele Jahre unsere geliebte Bereinigung zu führen und zu leiten«! So denkenam heutigen Tage «alle Kölner,, die sich seiner Gründung angeschlossen haben. E. G.