Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450573--76110-2533667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Pädagogische Beil OiraJif zum l.d-g. Organ -es Kun-es gesetzestreuer Wischer Kehrer DMschlm-s. Der Lkreil um Köln. Der Streit um vas Kölner Lehrerseminar scheint allmählich, nachdem er anfänglich gleich einem reißenden Strom wild und zerstörend dahinbrauste, -die Gestalt eines ruhig dahinfließenden Bächleins angenommen zu Haben. Herr Stern, der Vorsitzende des Lehrerverbandes, war es, der noch einmal in gewaltigem Fortissimo seine Stimme erhob und besonders die Religionslehrerausbildung am Kölner Lehrerseminar zum Gegenstände seiner Ausstellungen machte. Es sind uns eine Anzahl Zuschriften ehemaliger Kölner zugegangen, die in warmen Worten für ihre alma mater eintreten und zu den Ausführungen der Herren Steinhardt und Stern ablehnend Stellung nehmen. Wir erinnern uns, vor etwa 20' Jahren einer Kehrerkonferenz beigewohnt zu haben, in welcher die damalige Lehreraus bildung Gegenstand der Tagesordnung war. Referent und Korreferent waren Schüler des Kölner, bezw. Würzburger Seminars. Die Referate der beiden Kollegen brachten eine lange Liste der Mängel und Sünden ihrer ehemaligen Ausbildungsstätten. Die Herren hatten den Umstand nicht in den Blickpunkt ihrer Betrachtung gerückt, daß die Anstalten, deren Erhaltung von Spenden und Zuschüssen von Gemeinden und privaten Wohltätern abhing, einen ewigen Kampf um die Balanzierung ihres Etats führen mußten. Es war darum ganz natürlich, daß Mängel persönlicher und fachlicher Art in oft recht ausdringlicher Form sich zeigten. Wir lasen erst vor kurzem von den mangelhaften Zuständen an einer norddeutschen Anstalt für Fürsorge- Zöglinge, die, wie eine Erklärung ehemaliger Lehrer dieses Institutes ergibt, auch auf den überaus großen Mangel an Geldern zurückzuführen sind. Es ist mit Nichten unsere Absicht, sich in Köln zeigende Mängel der R e l i - gionslehrerausbildung beschönigen zu wollen. Jedoch man nehme es uns nicht übel, wenn wir das viel gebrauchte Wort zitieren: Tout comprendre c'est tout pardonner. In der Zeit, in der andere jüdische Lehrerseminare schon längst ihre Tore geschlossen, mußte die Kölner Seminarlektung, um ihre Anstalt zu erhalten -und vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, manches mit in Kauf nehmen, was sie in normalen Zeiten weit von sich gewiesen hätte. Daß die Herren des Verbandes jedoch sogleich mit einem gewaltigen Frontalangriff gegen Köln vorgingen, ließ den Verdacht äufkommen, daß es ihnen nicht um eine Behebung der Mängel zu tun war, sondern es am liebsten sähen, wenn auch Köln den Weg alles Fleischlichen ginge.. Da zur Zeit die Waffen <mf. der ganzen Linie ruhen, kann vielleicht die Hoffnung gehegt werden, daß daraus ein dauernder Friede sich ergeben wird. Es wäre mit ernstester Freude zu begrüßen, wenn der oben geäußerte Verdacht sich als grund- und haltlos erwiese. Wir waren die letzten, die m diesem Falle nicht nawna min wären. Wir lehnen es darum bis auf weiteres ab, die uns zugegangenen Zuschriften von ehemaligen Kölnern in unserem Blatte zu bringen. Die Situation hat sich jedoch gegenwärtig zu Ungunsten Kölns gestaltet. In der am 26. Mai zu Berlin stattgehabten Sitzung des großen Rates des Preuß. Landesverbandes wurde der Beschluß gefaßt, die dem Kölner Seminar bisher bezahlten Subventionen zu streichen und sie der Würzburger Schwesteranstalt zuzuwenden. Wir haben bereits einmal betont, es leitet uns keinerlei Voreingenommenheit gegen das Würzburger Seminar. Wir können es aber nicht verstehen, daß man gleichsam mit einem Federstrich das Todesurteil über eine Anstalt spricht, die seit 60 Jahren dem deutschen Judentum Lehrer und Führer bestellt. Denn die Entziehung der Subvention des Landesverbandes bedeutet den Ruin des Kölner Seminars. Der Beschluß des Preußischen Landesverbandes rief darum auch in der letzten Repräsentanten- Sitzung der Kölner Synagogengemeinde eine große 'Aufregung hervor. Es wurde geltend gemacht, daß das Kölner Seminar gegenwärtig das einzige noch in Preußen bestehende ist, das die Ausgabe hat, vor allem die Landgemeinden mit Religionslehrern zu versorgen. Die Kölner Repräsentanten sind des Willens, mit den Herren vom Landesverbände ein ernstes Wörtlein zu reden. Die Kölner sind ja bekanntlich urgemütliche Leute, aber sie können auch anders, wenn es gerade sein muß. Die von den Repräsentanten angenommene Resolution ergab eine lückenlose Einheitsfront von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken. Es steht zu erwarten, daß sich noch em gangbarer Weg finden läßt, der dem Preußischen Landesverband dis Möglichkeit gibt, dem Kölner Seminar die Mittel zur Verfügung zu stellen, deren es zu seiner Erhaltung bedarf. Dann wäre die leidige Angelegenheit aus der Welt geschafff und Ruhe könnte weiter einziehen in den jüdischen Blätterwald. nplima 121' «Der Bezirksschochet." Bayern hat in den letzten Jahren der Welt manches Kopfschütteln abgenötigt, auch der jüdischen Welt. Von Würzburg erschallt der Ruf nach höchster Konzentration der Lehrerbildung und Zusammenschluß vieler Landgemeinden auf einen gemeinsamen Lehrer. In Dettelbach erschallt das Echo: Ein Bezirksfchochet. Bald werden wir von einem Bezirkspn mit Hilfe des Radio hören! Daß gerade von Kollegen, die bisher die positiven Belange der nnia« nachhaltigst betonten, solcher Vorschlag kommt, daß in einer Zeit, wo das hochwichtige Postulat der nomv so gefährdet ist, solche destruktiven Gedanken entstehen, muß tiefernst stimmen. Daran ändert auch nichts das Vorbringen demagogischer Phrasen liberaler Herkunft, warum — wenn die nv'mv eine vipn narrb» ist, die ll'iai diese nicht übernehmen. Weiß Herr Mannheimer denn nicht, daß schon mit Rücksicht auf die vielen van , die bei Ausübung der nomv entstehen, dem ai rri'iaaus die Bkleidung derselben unmöglich ist? Und erst die Praxis des Gemeindelebens! So sehr es vielleicht technisch wünschenswert wäre, wenn aus der Reihe der a'na ’Vsa geschulte und geeignete Kräfte für die nv'nv; erständen, wie sollte dies auf dem Lande bei der bedauerlich vorhandenen und immer mehr wachsenden Unwissenheit und Flachheit im jüdischen Wissen möglich sein? Die nv'nv setzt ungeheures Wissen, mn'pa und höchste Zuverlässigkeit voraus, und in den allermeisten Fällen ist es nur 1 ei Lehr er, der imstande ist diesen Ansprüchen zu genügen. Kennt Herr Mannheimer nicht den Grundsatz unserer Weisen: Man erläßt keine Anordnung, bei der die Gesamtheit nicht bestehen kann? Und noch das Ansehen! Vor Jahren, als in Hessen von den liberalen Kollegen das Verbot der nvmv-Ausübung durch den. jüdischen Lehrer gefordert wurde, setzte sich Schreiber dieses mit den Vorständen der jüdischen Lehrervereine in Bayern, Kurhessen und Hannover in Verbindung, welche sämtlich berichten, daß in den betr. Ländern nicht nur Religionslehrer, sondern auch st a a t? lr'che Volksschullehrer ohne jede Schwierigkeit die Nv'M versehen und sämtlich das höchste Ansehen am Orte genießen, mindestens wie ihre nichijüdifchen Kollegen. Und heute ruft man nach dem Bezirksfchochet! Reue Bücher für den hebräischen Anfangsunkerricht. (Fortsetzung). Im Verlag „Massorah" in Lodz erschien ein neues Lehrbuch der hebräischen Sprache für orthodoxe Schulen, verfaßt von Dr. Langleben. ^Dieses Lehrbuch füllt mit seinem Erscheinen eine in der orthodoxen Erziehung längst empfundene Lücke aus. Zahlreiche Lehrbücher, die in Palästina und im Osten erschienen sind, sind heute in Gebrauch. In all diesen Lehrbüchern werden natürlich die jüdischen Feiertage verherrlicht, Auszüge aus Midraschim und Agadoth gebracht, Aussprüche der Weifen zitiert und dergl. mehr; kein einziges Lehrbuch tut es aber so systematisch wie dieses. Der Verfasser desselben machte es sich zur Aufgabe, dem Kinde fast sämtliche religiöse Lebenserscheinungen klar und deutlich vorzuführen. Das Kind wird gleichsam von einer erzieherischen Hand von seinen ersten Schritten an in das religiöse Leben des Alltags eingeführt. Das Buch .flößt dem Kinde Liebe und Achtung für die religiösen Gebote ein. Die Verrichtung derselben soll für das Kind eine Selbstverständlichkeit werden. Es soll für das Kind selbstverständlich sein, daß ein Jude morgens sein Arba-Kanfoth anzieht, das Morgengebet sagt. Es soll für das Kind selbstverständlich sein, daß ein Jude, ohne Gott für seine Gaben zu s danken, nichts geiließen darf. Der Sabbath, die jüdischen Feiertage erscheinen vor ihm in ihrem Glanz, die Fasttage in ihrer erdrückenden Stimmung; das Kind lernt die jüdischen Gesetze und Gebote auch in ihrem historischen Zusammenhang kennen. Auch schöne ^öeln und Gleichnisse, sowie belehrende Sprüche aus dem Talmud enthält das Buch in Fülle. Licht und Freude atmet es. Für den Osten ist es eine ganz bedeutende Unterstützung des Bibelerlernens. In Deutschland sind wir nicht so weit, da die Stundenzahl für Religion nicht ausreicht, um gleichzeitig mit der Bibel noch ein anderes Lehrbuch durchzunehmen, aber mancher Lehrer wird die Ueberzeugung gewinnen, daß ein gutes Lehrbuch eine Unterstützung für die Erlernung der Bibel und letzten Endes auch eine Zeitersparnis bedeuten kann. In stilistischem Sinne läßt das Buch nichts zu wünschen übrig. Wir vermissen jedoch in diesem Lehrbuch grammatikalische Anweisungen, die, wie der Verfasser meint, aus anderen Quellen ^u holen sind. ..Ferner vermißt man eme sprachliche Systematisierung, die auf Lrammatikalischen Regeln gestützt, den Schüler von leichten zu komplizierten Stücken allmählich führt. Die in der Einleitung des Herrn Friedmann angeführte Meinung, daß bei der Aufstellung, des Buches eine Uebervrüfung der religiösen Einstellung des Verfassers vorLunehmen sei, können wir nicht teilen. Wir vermissen dadurch die vortrefflichen Auszüge v.on den besten Stilisten und Kennern der hebräischen Sprache der Neuzeit. Ein gutes Wort nehmen wir auch von Acher an und das erste Wort, das sich unseren Lippen beim Betreten eines Gebethauses entreißt, ist der begeisterte Ausruf des Bileam harascha: ymiwva ,npj?» -y^nrr iaiv na Es wird uns freuen, wenn der Verfasser bei seinen weiteren Arbeiten von diesen Bemerkungen Notiz nehmen würde. Im übrigen jedoch wünschen 7wir dem den Zwecken der religiösen Erziehung durchaus dienlichen Buch guten Erfolg und empfehlen dasselbe a'^ch den deutschen Schulen. Die zwei im selben Verlag von Herrn A. Magen in jiddischer Spräche erschienenen Lehrbücher verfolgen denselben Zweck, Mädchen, denen aus irgend einem Grunde die Erlernung der hebräischen Sprache nicht möglich ist, eine systematische religiöse Erziehung zu geben. Für Deutschland kommen diese Bücher natürlich nicht in Betracht. B. M.-Frankfurt. a. M. Seelische Kräfte. Moderne Suggestionslehre. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Die Psychologie macht zusehends Fortschritte. In den jüngsten Jahren hielt die Psychoanalyse des Wiener Porfessors Freud die wissenschaftliche Welt in Atem, Mediziner, Theologen, Pädagogen und Kriminalisten. Nun