Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 26 nigow, Jelisawethgrad, Konotop und in anderen Städten der Ukraine, sowie das Bethaus der Karaten in Charkow beschlagnahmt und in Arbeiter klubs umgewandelt wurden. Holland. Sabbatschutzbewegung in Holland. Amsterdam, 24. Juni-. Der jüdische Arbeiter- und Angestelltenverein „Betsalel" hat die jüdischen Gesellschaften, die soziale und ökonomische Ziele verfolgen, zu einer dem Sabbatschutz geltenden Beratung «i-ngeladen. Der Amsterdamer Oberrabbiner A. S. Onderwiczer erklärte, die Sabbatbeobachtung sei nicht allein eine Angelegenheit der Orthodoxie, sondern des gesamten Judentums. Eine Resolution wurde angenommen, in der die jüdischen Gemeinden, aufgefordert werden, die Bewegung für Sabbatschutz zu stützen. holländischer Brief. Amsterdam, 23. Juni. Was noch vor 5 Jahren undenkbar schien, ist bereits jetzt in bester Entwicklung begriffen. Soeben sind die Aufnahmeprüfungen für Las orthodoxe jüdische Gymnasium beendet worden. Von den, 31 Schülern, die sich /Meldeten, haben 23 die Aufnahmeprüfung bestanden. Man darf an nehmen, daß der B estand und die Weiterentwicklung d-re Anstalt jetzt gesichert ist. Auch die vor einigen Jahren ' neu errichtete jüdische B o l k s - schule hat einen sehr großen Erfolg!, so daß schon seit einiger Zelt Parallelklassen eingerichtet werden muhten Der Schulvorstand hat nun beschlossen, eine zweite Schule einzurichten, so daß alsdann etwa 600 Kinder an dem Unterricht auf Basis von Thora im Derech-erez teilneh men. Zwar bedeuten diese 600 Kinder höchstens 10 Proz. der gesamten Zahl der schulpflichtigen! jüdischen Kinder Amsterdams, aber wenn man sich die Tatsache vergegenwärtigt, mit welchen Schwierigkeiten der Gedanke der konfessionell-jüdischen Schule überhaupt zu kämpfen hatte, so ist dieser Erfolg schon aufs freudigste zu begrüßen. Gerade weil in den Staatsschulen auf Sabbat und jüdische Feiertage und auf dir jüdische Mentalität überhaupt die weitgehendste Rücksicht genommen wird, bricht sich der Gedanke der jüdischen Schule nur mit Mühe und nur bei denMMN Bahn, die genügend Einsicht haben, um zu erkennen, daß in den allgemeinen Schulen tieferes und reicheres jüdisches Wissen und lebendiges jüdisches Gefühl niemals in die jugendlichen Seelen gepflanzt werden kann. Immerhin ist die Wahrheit aus dem Marsche. In Leiden wurde dieser Tage ein jüdisches Waisenhaus eröffnet, wobei der Bürgermeister der Stadt eine kurze hebräische Begrüßungsrede hielt. Prof. Dr. de Palache entwichelte in längerer Rede die zentrale Bedeutung, die dem Prinzip der Menschenliebe innerhalb der jüdischen Religion zukommt. England. Um das Schächten. . f L o n d o n , 23. Jam. In der letzten Sitzung des Board of Deputtes wurde mitgedeilt, daß ein Memorandum, in welchem nachgewiesen wird, daß das Schächten eine , humane Schlachtungsmethode sei, im Namen des Board of Deputies und der Anglo Jewifh Association an Ne norwegische Regierung gesandt worden fei. Man habe Grund zu hoffen, daß die vom norwegischen Odelting angenommene unglückselige Bill vom norwegischen Oberhaus nicht bestätigt werden wird. (Die Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt.) Schließlich wurde mitgeteilt, daß das Marktkomitee in Belfast die Einführung einer mechanischen Betäubung vor dem Schlachten, empfohlenhabe. Der Rabbiner von Belfast wurde mit Material versehen, das ihn befähigen solle, eine Ausnahme zugunsten des Schächbens durchzusetzen. Sird-Asrtta. Dr. Meier Hildesheimer in Südafrika. Kapstadt, 18. Juni. In Südafrika weilt gegenwärtig Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer aus Berlin. Zweck seines Besuches ist es, die südafrikanische Judenheit für das von seinem großen Vater Rabbi Esriel Hildesheimer begrünitöte Berliner Rabbinerseminar zu interessieren. Herrn Dr. Hildesheimer werden große Ehrungenseitens der Jüd. Gemeinde von Kapstadt zuteil; für das Berliner Rabbiner- D e r Israelit seminar, das umfassendes religiöses Wissen mit weitem weltlichen.Wissen vermittelt und eine große Zahl jüdi scher geistlicher Führer hervorgebrächt hat, gibt sich großes Interesse kund. Da etwa die Hälfte der Zöglinge des Seminars aus Polen, Litauen, der Tschechoslowakei und aus anderen Ländern Osteuropassich zufamm-enfetzt, glaubt Herr Dr. Hiledsheimer, -ein Recht darauf zu haben, auch an die Freigebigkeit der südafrikanischen Judrnhert, die für alle jüdischen- AMonen ein so großes Interesse bekundte, zu appellieren. Herr Dr. Hildesheimer hielt Zusammenkünfte mit jüdischen Persönlichkeiten in Kapstadt ab und b-egab sich von, hier -in, andere jüdische Zentren der südafrikänischen Union. Die Woche. Berlin. Der nationalistische Abgeordnete Straffer hatte seine Immunität dazu ausgenutzt, um für mehrere antisemitische Zeitungen, in denen Juden und Judentum schwer beleidigt werden,, als verantwortlicher Redakteur zu zeichnen. Der Reichstag hatte die Auf- , Hebung' seiner Immunität beschlossen, ' aber Straffer weigerte sich, den- Ladungen vor Ge- . richt Folge zu leisten. Die Gerichte haben deshalb beim Reichstag um die Erlaubnis ersucht, einen Vorführungs- und Haftbefehl vollstrecken zu dürfen. Der Antrag des Ausschusses', die Verhaftung Strassers zuzulassen, wurde gegen die Stimmen d-er Deuifchnation-alen, der Kommunisten und der Nalilllllllsvzialisten angenommen. — In Dessau, wo Moses Mendelssohn am 6. September 1729 geboren wurde, werden Staat und Stadt gemeinsam mit... der Jüdischen Gemeinde eine . Feier veranstalten. — Am Sonntag, den 23. Juni, wurde anläßlich der Wiederkehr des Todestages von Walter Rathenau an der Mordstelle im Grunewald -unweit der Königs- Allee eins Gedenktafel geweiht. Es wurden an den Baum, der noch die Kugelfpuren trägt, zwei Bronzetafeln angebracht, die die Inschrift tragen-: „Walter Rathenau, gestorben am 24. Juni 1922". — Aus Anlaß des Gedenktages von- Versailles (28. Juni) rechnet Dr. Alfred Hirschberg in der C. V.-Zeitung nach, daß die deutsche Judenheit durch Abtrennung der Ostprovinzen UNd voll Elsaß- Lothringen rd. 80 000 Seelen verloren hat. Frankfurt a. ZN. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. hat b,eschkossen, den Präsidenten der Gemeinde, Herrn Justizrat Dr. Blau, in das Initiativkomitee für die Jewifh Agency in Deutschland zu entsenden. Budapest. Am vergangenen Sonntag fand die Aufnahme von 200 ehemaligen Frontkämpfern, . unter ihnender Pogromführer Ivan Hetjas und der Antisemit G ö m b ö s, in das ungarische Heldenkapitel statt. „ C g y erlös e g " veröffentlicht nun ein Schreiben des Abgeordneten Paul San dar, in welchem er mit-teill, daß er im Finanzausschuß darauf aufmerksam gemacht hat, daß in den Heldenorden bisher kern einziger jüdischer Frontkämpfer Aufnahme gesunden, hat. Paris.' Laut aus Montevideo und Buenos Aires bei der' Direktion der Hias-Jca- Emigdirect emgelaufenen Informationen rät die Hias-Jca-Emigdirect alleinreisenden Frauen und Mädchen entschieden ab, gegenwärtig nach Uruguay auszuwandern. — Zur Zeit tagt hier die Konferenz für Kalenderrefo rm. Als jüdische ^Vertreter sind an der Konferenz beteiligt der Reichs rabbiNsr Dr. Hertz und Lucien Wolf aus London. Sofia. Der König von Bulgarien, Boris Hl., empfing den Generaldirektor der ITA., Herrn Jacob Landau, ineiner Audienz, bei der er sichinteressiert und sehr sympathisch über alle jüdischen Probleme aussprach. Rewyork. Jüdische Ph-ilantropen, an deren Spitze Herr Salomon Lamport, stifteten- 45.000 Doll, zur- Schaffung eines Botanischen Gartens auf dem Skopusberg in Jerusalem: — Prominente Persönlichkeiten taten sich zu einer Gesellschaft zusammen, um ein D e n k m a l für Oskar S. Strauß, den bekannten Philantropen und früheren Minister für Handel und Arbeit, zu errichten. 27. Jumi 1929 60.000 Dunam Orangen-B-oden erworben-, davon 20.000 Dunam bereits bepflanzt; 2 Millionen Pfund wurden dabei investiert. Zur Bepflanzung des restlichen erworbenen Bodens ist die Investierung von weiteren 4 Millionen Pfund notwendig. Es werdengegenwärtig in diesen Pläntagen 2000 jüdische Arbeiter beschüftigh, beim weiteren Ausbau werden 4000 jüdische Arbeiter und mehr Beschäftigung findenkönnen-. (ITA.) Die Palästina-Regierung will jüdische Arbeiter zu 35 Prozent beschäftigen. ■ Ierusal-em, 18. Juni. Die hebräische Tageszeitung „Haarez" teilt mit, daß die Palästina-Regierung das Zugeständnis machte^ bei öffentlichen Arbeiten, insbesondere bei' den Arbeiten, am Haifaer Hafenbau, jüdische Arbeiter bis zu 35 Proz. der Gesamtarbeiberschaft zu -beschäftigen, ferner in den Steinbruchwerken, die für den Hafenbau arbeiten, zweigesonderte Arb ettergruppen-, -eine jüdische und ein e nichtjüdische Gruppe, zu. organisieren. Jerusalemer Brief. Jerusalem, 21. Juni. Bekanntlich hat die Negierung für das Halbjahr Mai- Oktober der Exekutive 2400 Einreisezeriisikäte für Chaluzim gewährt, von denen über 1000 sofort verfügt wurde. Nunmehr hat Chacnellor zugestimmt, daß' die für zionistische politische Flüchtlinge aus 'Rußland gewährten 100 Zertifikate nicht angerechnet werden; auch Vctden die Auf-enthoMsscheine; d-re jenen- Personen erteilr werden, die vor dem 1. Mai als. Touristenin Palästina eingetroffen waren und dann dauernd tm Lande Wohnsitz genommen haben, nicht auf die Zähl der Cha-luzim- Zertisikate angerechnet. Schließlich werden den in Palästina einwandernden Arbeiterinnen (Chaluzoth) Erleichterungen gewährt, indem nunmehr die Kwuzoth-Wsrwaltungen die Garantie für die Beschäftigung der einwandernd-en Chaluzoth übernehmen-, während bisher nur eine Garantieleistung seitens einzelner Arbeitgeber anerkannt worden war. Die bewilligten Zertifikate haben bis zum 1. Oktober d. I. Gültigkeit, und sie stehen der Zionistischen Exekutive zur Verwendung nach eigenem Ermessen in Uebereinstlmwurg, mit der Lage auf dem Arbeiismarkt zur Verfügung. Eine Erleichterung, besteht auch darin, daß seit 3. Juni eine Zusatzbestimmung zum Emwanderungsgesetz in Geltung ist, wonach Bräutenvon Palästina-Einwohnern ebenso wie wirtschaftlich abhängigen Eltern die Einwanderung freisteht. Hrer H. C. Luke, der Chefsekretür der Palästina- Rogierung, der gegenwärtig in Abwesenheit von Sir John Robert Chancellor die Geschäfte des Oberkommisärs führt, empfing die Vertreter der Presse und gab ihnen Erklärungen über das nächste Arbeitsprogramm der Regierung. Arabische und jüdische Arbeiter, sagte Herr Luke, werden im gleichen Zahlenverhältnid bet der Erbauung der zum Ha-uptwellenbrecher des Haifaer Habens führenden Eisenbahn beschäftigt werden. Die Regierung studiert sehr sorgfältig die Arbeitsbedingungen und ist bedacht, angemessene Löhne sicherzustellen!, wie sie in dem die'Palästina-Anleihe betreffenden. Akt gefordert werden. Luke lehnte es ab, über die Beschwerde des Wäad Hiair von Jerusalem wegen -der Zurücksetzung jüdischer Rechte in dre Stadtverwaltung und bei dev Vergebung von Lieferungen eine Erklärung abzugeben und sagte, die in der Beschwerde aufgeworfenen Fragen unterliegen jetzt einer Prüfung seitens der R-egierungsorgane. Auf die Frage bezüglich der Beschäftigung christlicher Postanigestellter an Sonntagen erwiderte Luke, daß Ange- 'tellte aller Reli gionsg ew ei st schäften,. wo erforderlich, auch an ehren reli gii ö sen o chenruh etagen Arbe-it leisten müssen. Es ist verständlich, daß diese Aeußerung, die gegen die Interessen der Postbeamten aller Konfessionen verläßt, großes Befremden erregt hat. Palästina. Der Umfang der jüdischen Orangen-Plantagen in Palästina. Jerusalem, 19. Juni>. Wie Smilansky m der Zoi'tschvlft- „Bustanai" mitbellt, haben bisher Judenauf dem Wege privater Initiative Ägypten. Absetzung des Oberrabbiners des Irak. Bagdad, 24. Der religiöse Rat der Juden des Irak teilt Mit, daß er beschlossenhabe, den Oberrabbiner -des Jrak,Sasson Kaduri B-ehezkiel Ezra, seines Amtes zu enchehen, für das er sich als ungeeignet erwies, und ihn für nicht befugt zu erklären, in religiösen Dingen Entscheidungenzu treffen.