Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 26 D e r 9,9 r a e l i t Nach Bertesung der Präsenzliste wurde in -die umfangreiche Tagesordnung eingetr-eten, die als erstes die Vorlage eines Satzungsentwurfs aufwies, um den im Dezember v. Js. gegründeten Bund definitiv zu konstituieren. Dieser Entwurf fand nach Vornahme weniger Aenderungen Annahme. Alsdann wurde die gemäß § 9 der Satzung vorgeschriebene Wahl des Vorstandes und Verwaltungs-Ausschusses vorgenommen. Betreffs Schaffung eines Bündesorgans wurde nach vorangegangener Genehmigung des Voranschlags beschlossen, die Zustimung der einzelnen zuständigen Gemeindeverwaltungen einzuholen. Im Prinzip erklärten sich alle anwesenden Vorsteher damit LMnerstenden, das Bremer Gemeindeblatt für dm nord-westdeutschen Bezirk auszudausn und beauftragten den Vorsitzendenmit der weiteren Erledigung. Der Antrag Bremen, zum Zwecke der Kinder-Erholung-sfürsorge gemeinschaftliche Einrich-, tungen an der Nordsee zu treffen,. weil der von den; Norderneyer Heimen. während der großen- Ferien. ver- Erneuern Sie sofort beim Postböten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juli Wird dies versäumt, so. tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. langte Verpflegungssatz von Mk. 6.30 täglich- (außer den Nebenkosten) für den- Mittelstand heute unerschwinglich sei, gelangte an einen engeren Ausschuß zur Bea-rb-eitung. Wegen der Beschaffung häuslicher und gewerblicher Ausbildungs-Möglichkeiten für die Heranwachsende^ Jugend wurde beschlossen, die JsrasWfchen Frauenvereine zu bitten, bei Abstellung, der -bestehenden Schwierigkeiten behilflich zu sein und sich diesem Gebiete zuzuwen-den. Getrennt davon sollen Meldungenwegen Ehe- Anbahnung (Listen-Austausch) Gehandelt werden, die an die Leitung des B. B. zu richten feien- und in engster- Fühlung mit der Frankfurter Org-auisation E. A. zu erledigen versucht werden würden. Ein Antrag- Emden, der in Fallen von Austritten aus der Gemeinde strengste Solidarität aller Gemeinden und Gerneinde-Institutionen fordert, wird von Herrn- B. Polak begründet und veranlaßt eine ausgedehnte Debatte, in der eine Reihe vorgekommener Mißstände aufgedeckt wird. Ganz besondere Aufmerksamkeit erheischten die Ausführungen des Bremerhavener Vorstehers, Herrn I. Schocken, der zwar scharfes Vorgehen gegenüber Austrittlern verlangt, jedoch seitens der Derwaltungen größere Rücksichtnahme auf die Psyche derjenigen, mit denen es zu Differenzengkeommen ist. Redner beantragt als vorbeugende Maßnahme gegenden- Austritt, jede Gemeindeverwalutng zu verpflichten, die strittige Ang-eleg-enheit einem neutralen Gremium zur Prüfung und Jntrevention vorzulegen!, bevor -das letzte Wort gesprochen würde. Diesem Anträge wird zugestimmt. Die Herren M. Aschendorff-Norden und Adolf Weinberg-Norden wünschen ferner die Verpflichtung-, dahin zu wirken, daß kein Aus-trittler in eine andere Gemeinde ausgenommen werden darf, bevor nicht eine gemeindeamtliche Verständigungmit der Austrittsgemeinde heroeigeführt worden sei. Es wird beschlossen, diese Richtlinie vorzumerken und über alle schwebenden Fälle auf der nächsten Tagung Bericht entgegen-zunehmen. U-eber die Preisgestaltung bei- Belieferung mit Magzoth berichtet Herr Dr. Hes-Bremen und beweist an Hand emge-holter Gutachten-, daß von zu hohen Preisen keine Rede sein könne. Die Belieferung mit wirklich guten QualiÄtende dinge -auch ang-emessene- Preise, wobei der Mazz-othb-äcker sein Auskommen finden müsse. Heber . Herr Vorsteher Schocken-Bremerhaven behandelt, alsdann das Thema: „Jüdische Le'chkassen". Redner rät. dringend ab., ein Gesamtinstitut für den Verband zuschaffen. Darlehen, die eventl. zinslos ausg-cgebenwerden könnten, seien durch Bürgschaften! zu sichern. Seitens der Emdener Delegierten wird angeregt, -das Risiko der Hauptbürgen dadurch zu verringern, daß eine größere Zahl Rückbürgen, 20—30, einsprängen-: dieses Systemhat sich in Emden bewährt. Eine längere Aussprache führt der folgende Punkt d-er Tagesordnungherbei, der die Frage -der Vereinheitlichung des GMesdienstes betrifft. Hier wird vor allem das Problem des Jugend-Göttes-dtenstes und. der besseren Heranziehung der jüdischen Äugend zum Haupt-G-o-btesdienst besprochen. Die Delegierten aus Norden- und Aurich sind in der glücklichen- Lage, berichtenzu können, daß infolge der langjährigen systematischdurchgeführten Ausbildung der Jugend durch die Lehrer hoch anzue-rkenn-ende Erfolge erzielt wordensind. Verband jüdischer Iugendvereine und Jewish Agency. Düsseldorf, 18. Juni-. Der „Verband der jüdischen Iugendvereine Deutschlands" hat Rabbiner Dr. Hugo Hahn-Essen-, Gerichtsasiessor Herbert Felfenthak-Düsseldorf und Fritz SchwarzschÄd-Düsseldors als seine Vertreter in d-as „Initiativkomitee für die Erweiterung d-er Jewifh Agency in Deutfchland" entsandt. Hitlermehrheit im Coburger Stadtparlament. Coburg, 25. Juni. Am Sonntag fanden in Coburg die von den Nationalsozialisten durch Volksentscheid veranlaßten- Neuwahlen zum Stadtparlament statt. Bei den Wahlen konnten die Nationals-ozialisten ihre Man-datszisfer von 3 auf 13 steigern und erlangten damit die absolute Mehrheit inde-r Stadtverordnetenversammlung (Stadtrat). Der neue Stadtrat behält sein- Mandat nur bis Anfang Dezember b. I., dann finden in gang Bayern- -die allgemeinen Stadtwahten statt. die Prei-sgestalu-tn'g ftir nächsten Peffach wird auf der nächsten Tagung berichtet werden-. Zur Frage der Wanderfürsorge referiert der Leiter der Abfertigungsstelle des Fürforgeausschusies für jüdische Dur-chwanderer Bremen, Gemei-ndeml Hugo Levy. Eine Unterbindung des'WanderbeNels von Bremen aus fei nicht ganz durchzuführen.. Auch aus dem Osnabrücker Bezirk Und aus Holland kommen di-e Wanderer und bevorzuge vor allem Osffri-esland, weil sie. genau wissen, daß Ostfriesland sich dem Netz der Wanderfürsorge und der organisatorischen Bekämpfung des Wanderbätels Nicht anfch'l-i-eßen .wolle. Grundlegend bekämpfenkönne man den Wanderb-sttel nur durch Schaffung -einer jüdischen Arbeiterckolonte, wie sie -die andern Konfessionen längst in großer Zähl b-esitzen. Unter -den Bettlern befinden sich, wie statistisch nächgewiesen, bereite 50 Proz. tentsche Reichsang-ehörige, wodruch -die Not des jüdischen Mittelstands in Deutschland klar erhellt. Die Gemeinden '-elbst können sich gegen di-e Belästigung ihrer Mitglieder am besten dadurch wehren, daß sie ihre Mitglieder daran -- -ewöhne, den Petenten niemals bares Geld, sondern diglich Wohlfahrts-Sch-ecks zu verabreichen, deren- Einlösung nur an der örtlichen Abfertigungsstell-e der Gen.einde erfolgen könne. Oesterreich. Das terroristische Ultimatum der völkischen Studentenschaft. Wien, 21. Juni. Der Rektor der Wiener Universität, Prof. Jnni-tzer, ist dem Terrorismus der völkischen Studen-te-nschaft nicht gewichen. Der akademische Senat hat di-e Forderungen der Studen-ten-schäft abgetehnt, -dem-' Rektor und- KanMdirektor das vollste Vertra-uen ausgesprochen und die Ausschreitungen schärfstens m-ißbillitz-t. Das Disziplinvrverfahren nimmt seinen ordnnngsmäßi-gen Gang-, doch wurde in Aussicht gestellt, daß im Falle der Wahl ordnungsmäßig er -Vertreter das gegeneinige Studierende sÄcksfene Ha-usverbot noch in diesem Semester aufgehoben werden wird. Polen. Der antisemitische Terror aus den Jahrmärkten des Posener Distriktes. Warf ch a u, 19. Juni. Eine Abordnung jüdischer Messe-Besucher des Distriktes Posen erschien. im Kle-inhändlerverbänd und be° r-ichtete über Tatsachen furchtbaren Terrors, d-er gegen _ 27. Juni 1928 die jüdischen Händler und Besucher der Messen- An T«. biete von Posen geübt wird. Nationalistisch« Agi-ta-toren > postieren sich mi!t photographischen Apparaten vor j-eben jüdischen Warenstand und stellen- Photographien von! christlichen Käufern-' her, die den" Juden- Warenabn-eh- . men. Dabei werden Hetzredengegen die Juden' gehalten, und di-e bekannten Legendenüber Schändung 'der katholischen .Religion durch Juden verbreitet. In- Szreni, Kszöncs und in anderen- Orten überfteten die Hu-l-igans die Warenlager der ' Juden, zerstörtendie Kioske und schleudertendie Warennach allen Richtungen-. Die W- . scheu Händler wurden schwer mißhandelt. Es heißt, daß . das Jnnenmimsterium abermals'Weisungenzum Schutze der jüdischen Händler im Posener Gebiet ergehen ließ.. Der Rabbinerverband in Polen besteht. Warschau, 24. Juni. Bor kurzem wurde bekanntgege-ben, daß die Agudaih Harabbonim ihre Tätigkeit eängestelll. hätte, Daraus trat das A. C. des Rabbinerverbandes vorige Woche M.Warschau zu einer Sitzung, zusammen, die sich auf zwei Tage erstreckte. Einen ganzen- Dag nahm die Debatte über den; vom polnischen- Äemeindegeisetz vorges-vhenen Ober rat -rn Anspruch, sodann gab -es eine lebhafte Au-seinanderfetzung über dte zeitweNge Einstellung ds-r Arbeiten^ vons-eiien d-es bisherigen Vorsitzenden. In einer Resolution spricht das A. E. wegen -dieser' Einstellung de-r Arbeit, die ohne iEnvernehmen mit der Leitung geschah, ihre Mißbilligung -aus. Die Agudach- Harabboniin ist entschlossen, ihre Tätigkeit weiter sortzufetzen-. Ins A. C. werden neu hi-neingewähli die Rabbiner Josef Jossel o w r t s ch aus SuwaM und Reuben Jehuda- N e u - f e l d aus Nowidwor. Zum Vorsitzenden des- A. C. anstelle des verstorbenen Rabbi Plotzki Vst wird der P abjanitzer Raw, zum Dizevorsrtzenden,, Rabbi W a r s ch a w i a k aus Mokotow gewählt. In, Sachendes Oberrates wird das A. C. beauftragt, sin'neues Projekt auszuarbei-ten. Die Allg-emein-e Rabbinerve-rsammlung soll spätestens im Oktober ds. Js. einb-erufen' werden. Zu diesem offiziellen Kommunique weiß dcvs -in Wilna erschienene „Wort" einiges über die Mach-eufchaften hinter der Krisis inder Agudath Harabb-onim milzuteiken. Ueber 600 Rabbiner Polens find in dieser Aguda organisiert. Es ist klar, daß diese religiös autoritative Körperschaft den Herren des neu-M Gem-öindisgefetzes mit ihren Oberr-ategelüsten sehr im Wege steht, -und so arbeitet man aus ihre Vernichtung. Die zeitw-eilige Schli-eßung des Büros der Ag-udath Harabbvnim in Kalifch ist, wie sich jetzt herausstellt, auf direktes Cingrsifendes Min-iste-rtalrates für Mische AngvIIegenh-eit-en-, Herrn Adelberg, zurückzuführen. Man hat auch Beweise dafr, daß ein Memorandum der Agudath Harabb-onim an -das Bildungsm-tn-lsterium in Sachen des , Oberrates von Herrn Adelberg gar nicht Wöi-tergebeitst wurde. Es rächt sich wieder bitter, daßsich die Regierüng zur Regelung 'vitaler Mischer Ange-l-e-genheitender Vermittlung von Männern bedient, die mit dem Judentum gar nicht -innerkich verbundm- - find. Aber es ist zu begrüßen, daß die Rabbiner Polens es nicht dabei -bewendenlassen und eingedenk der schweren Gefahren-, die den Gemeinden und dem religiösen Lebenooni „Oberrat" in einer geplanten..Form dr-o-hen, sich vonneuem fammelr und kräftig zur Wehr setzen. Ein Protesifchreiben der Jüdischen Gwieinde 'Pösens. Posen, 18. Juni. Das .Präsidium der.JüWchen- .Giememde in.'.Posen richttee -an.'"den '.SW^chfldyOew.-.R'cWsM das foilgende -Schreiben: „Es ist Ihnen bekannt, daß' die Jüdische Gemeinde Posens -Schweres durchzuinachen gehabt hat. Man hat - alle 'Fensterscheiben - in Mf-erem : Gentemdehause einUeWagW, mom^ ha-t unsete Synagage demdliert, man 'hat rn Mn! jüÄschen- 'GeschäsitMdsn- Me Schau- ^feNster -ßan. hä-t. PoOn-s Namen im Ja- . -kmde..'Me "lm UMrÄMte -'HchlÄen' 'WgWA - DUt Ungsd-Ml hahen-wir, als. dis traurigen- Geschehnisse vorüber-waren, einem'Ausdruck 'Urs'"AWAefüh>lIs^' seltens des Magistrcrts von> 'Posen eN-tgegVNgeseh-en-, rei-n solcher G nicht erfolgt. Wir erlau-bien uns deshaO, an- Sie dieses Schveibenzu -richtenin der-Annahme, daß di« erwartete Geste seitens des Stadtpräfiden-ten endlich doch erfolgen wird." Wie der JTA-Bevtreter -erfährt, hat der Magistrat von Posen beschlossen, auf Rechn-ungder Stadt die den