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Der Israelit · 1929-06-27 · Heft 26 (27.6.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 26 (27.6.1929)
Date
1929-06-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 26. Seite 5 27. Juni 1929 __■ folgenden Worten verherrlichte: „Bambergers Art war äußerste religiöse Gewissenhaftigkeit. Trotzdem und daneben hat er sich ein starkes jüdisches Gemeinschaftsgefühl gewahrt. Man wird wohl nicht ganz fehl gehen, wenn man in dieser seelischen Einstellung die Grundlage seiner bedeutsam gewordenen Entscheidung in der Frage der GemeindezusammengehLrigkeiL gegen Hirsch sieht: eine Entscheidung-, die im weiteren Verlauf der Entwicklung die theoretische Begründung der „Einheitsgemeinde" geworden ist." Der Würzburger Raw y'XT hat nicht vorausgesehen, zu welch üblen Geschichtssälschuingen man einmal seine unglückselige Entscheidung mißbrauchen werde. Um so mehr wäre heute die bayerische Orthodoxie verpflichtet, dafür zu sorgen, daß der gedankenlose Wahn, der einen Gegensatz zwischen jüdischem Gemeinschaftsgefühl und religiöser Gewissenhaftigkeit konstruiert , nicht immer weiter um sich greift, und an seine Stelle die Erkenn,Mis tritt, daß die religiöse Gewissenhaftigkeit, die das Wesen und Ziel der jüdischen Berbandspolitik in Bayern verwirft, nur aus dem Gefühle der Gemeinschaft mit der Gesamtheit des Thoravolkes und seinem religiösen Ideale resultiert. Daß mein Fernbleiben von der Aschaffenburger Tagung des Verbandes im Sinne dieser Erkenntnis gedeutet werde; daß die Worte des Gebetes, mit denen einst die Beschlüsse des Aschaffenburger Judenlandtages im Jahre 1770 eingeleitet wurden: snn nn wir» in^s unirn .Kamin yt 'kV rrm mwn riay n^n by m.n '«‘in unapn „Wir bekennen uns zu Gott, der da im Lichte thront; Ihm ist unser Lebensdienst unaufhörlich geweiht; einen neuen -Willen hat Er in uns erweckt, d ie S.äule des Thoragefetzes in die ihr gebührende S t e l l u n, g einzufetzen" —, daß diese Gebetsworte, die damals noch ein stolzes Bekenntnis der gesamten Judenheit waren, auch in unseren Tagen wieder zum Leitgedanken aller jüdischen Gemeinschaftsarbeit werden möchten: Das ist der innige Wunsch, mit dem ich aus der Ferne die Aschaffenburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes grüße. Das Schächtverbot in Norwegen. Trübe Kunde kommt aus Norwegen. Der Odelting (untere Parlamentskammer) in Oslo hat, wie schon kurz berichtet, mit 88 gegen 21 Stimmen einem Gesetzesantrag zugestimmt, laut welchem in Norw-eg-en/das Schächten nach jüdischem Ritus verboten sei. Der Odelting-Beschluß kam für die Juüenheit Norwegens wie für die gesamte Öffentlichkeit überraschend. Die Regierung selbst war gegen den Beschluß eines Schächtverbotes. Die loyal gesinnten norwegischen Kreise tadeln es, daß sich die Parlamentsmehrheit von Kreisen beeinflussen ließ, für die bei dem Schächtverbot antisemitische Gründe maßgebend waren und die schließlich glaubten, man könne sich in Norwegen auf das Experiment nur deshalb einlassen, weil man sicher sei, daß die kleine jüdische Gemeinschaft Norwegens nicht genug Widerstand wird entgegensetzen können. Ueber die dem Beschluß vorangegangene Debatte weiß die I. T. A. folgendes zu berichten: Abg. Fjärille (links) verlangte, baß das Schilachtgesetz sich nicht gegen die jüdische Methode richte. Es würden in Norwegen das, Jahr über höchstens ein paar Müdert Stück Groß-oitzh und Kleinvieh geschachtet. SM Schlachtungen m Norwegen seien keineswegs human, speziell gelte das vom Schlachten der Renntiere. In der Provinz Finmark werdenjährlich ca. 13 000 Rennwr« nach einer primitiven, grausamen Methode gelchwchtet, wobei die Tiere einen Todeskampf von fast ° Minuten auskämpfen müssen. In dem Vorschlag des landwirtschaftlichen Komitees heiße -es abler, daß Ausnahmen betreff enb die Renntiere. zugelassensein sollen, wahrend das Schächten verboten werden solle. Mg. Büros (rechts) gab zu-, daß auf dem Lande oas Schlachten, insbesondere der Renntiere, auf eine -toeise -geschehe, pon der manabkommen müsse. Das _ De r Israelit Schächten gehöre aber auch zu den grausamen Schlachtmethoden. Vielleicht biiotet die elektrische Betäubung einen Ausweg. .. , . . Ministerpräsident Mowinckel -erklärt, er set immer der Auffassung gewesen, daß im Gesetz Bestimmungen eingefügt werden, welche Ausnahmen für -das Schächten gestatteten. Er habe aus den Argumenten gegen das Schächten nicht die U-eberzeugung gewonnen, daß das Schächten bei Beobachtung bestimmter Formen und unter Kontrolle grausam sei. Für den Redner habe die Rücksicht aus die Religion der Juden eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Er würde es nicht für richtig finden-, wenn man ohne absolute Notwendigkeit Schlachtmethoden einführt, welche Andersgläubigen den Fl-eifchgen-utz verbieten. Wir könnten vielleicht meinen, daß dies Aberglauben sei, für die wirklich religiösen Juden habe aber die Frage eine große Bedeutung. Das könne man an den vielen Eingaben sehen, die in dieser Angelegenheit nach Norwegenvon Juden -aller Länder, von Perjönlichk-eiten, deren Namen in der ganzen Welt bekannt sind, gekommen seien. Der Minister stelle dem Parlament anheim, aus Toleranzrücksichten DlspMS vonder Bestimmung des Gesetzes zu geben. Man müsse auch beachten, daß überall im Lande Schlachtmethoden angervendet würden, die nicht eben empfehlenswert seren. Es fei seine Auffassung, schloß der Minister, -daßvolle Religionsfreiheit herrschen und Toleranz bewiesen werdenmüsse. Abg. Sundberg (Bauernpartei) nahm gegen eine Ausnahmebestimmung Stellung Das Recht der Minoritätenkönne nicht soweit gehen .Wenn die Juden Forsch von geschlichteten Tieren haben wollen, so stehe es ihnen frei, -es vom Ausland zu beziehen. Abg. Skaardäl (Arbsiierpartei) wandte sich gegen Dispens für das Schächten. Minister Aarstad spricht für den Dispens. Das Gesetz mit seltnen schematischen Bestimmungen sei nicht einwandfrei, und wenn es angenommen wird, werde es schwer sein, es zur Ausführung zu bringen-. Abg. Lykk-e (rechts) unterstützt die Ausführungendes Ministers Aarst-ad. Das Komitee habe nun zwar Erlaubnis zum Dispens beim Schlachtenvon Renn-tieren erteilt, und dies sei einender grausamsten Methoden, andererseitswolle man den Juden ihre Schlachtmethode verbieten. Man müsse der Regierung die Möglichkeit geben, Dispens zu erteilen, gleichzeitig aber sich bemühen, eine Schlachtmebhode zu finden-, welche den- Anforderungen der religiösen Juden -genügt und auch Anspruch daraus hat, human zu sein. Abg. Tön der (Arbeiterpartei) -betont, manmüsse die religiöse Auffassung der Juden so respektieren, wie man verlange, daß der christliche Glauben respektiert werde. Abg. Söst ad (Arb-eiierpavtei): „Die Versammlung hat die Pflicht, -eine religiöse Ansicht zu respektieren-. Im übrigen gäbe es keinen Bauern-, der nicht Tierquäler fei. Abg. Steinholt (Arbeiterpartei) widerspricht seinem Parteigenossen Tönder. Abg,. Hunds eit (Bauernpartei) erklärt sich als Freund der Toleranz, doch fei es verkehrt, in diesem Zusammenhang von Religionsfreiheit zu sprechen. „Wir haben die Juden nicht herg-ebetenl" Schließlich wurde der Gesetzentwurf m i t 8 8 gegen 21 Stimmenangenommen. Das Gesetz soll am 1. Januar 1930 in Kraft treten. Wie nunmehr unter dem 24. Juni aus Oslo berichtet wird, hat der L a g st i n g '(die obere Kammer des -norwegischen Parlamentes) mit allen gegen eine. Stimme das im Odelting (untere Kammer) angenommene Gesetz über das Verbot des Schächtens nach jüdischem Ritus b e - stätigt. Damit tritt das Gesetz, das in Norwegen das Schächten verbietet, in Kraft. äomzponaenren * Nachrichten. Deutsches Reich. Weltverband Schomre Schabbos. Berlin, 24. Juni. Wie das Korrespondenzblatt des Schomre Schabbos- Verbandös mikteilt, macht die Bewegung in der ganzen We-lt gute Fortschritte. Es wurden- Verbände gegründet -in W i l n a unter Vorsitz von Rabbiner Chajim Ofer Grodz-enski, in Kown-o, in Ungarn ,-in der Türkei, in Italien, in Bukarest und in Johanni s b u r g. Die „Sä-bbuch-Alli-ance" der Vereinigten Staaten von Amerika ersuchte den Weltverband, noch in diesem Sommer eine Länderkonfevenz einzuberufen, die über die Propagierung der 5 Tage-Woche beratensoll. — In Par t s hat der bekannte Kommandant Armand L i p m a n einen Aufruf zur Bildung eines Sabbatverbandes erlassen. Der Weltkongreß des Verbandes soll im D e z e m - b e r in Berlin stattfinden. Amtsniederlegung des Beamienausschuffes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Berlin, 24. Juni. Wie aus den neuesten Mitteilungen des Vereins der Beamten und Angestellten der Jüdischen Gemeinde hervorgeht, hat der Beamtenausschuß im Hinblick aus angebliche völlige Vernachlässigung seiner Vertretungsrechte durch die Gemeindebehörden Ende Mai beschlossen-, seine Tätigkeit als Vertretung der Beamten -einzustellen. In der Begründung wird behauptet, daß -der Gemei-ndevorstand den Beamten-ausfchuh kalt gestellt habe und von seiner Bereitschaft zur Mitarbeit niemals Gebrauch machte. Die Berliner Jüdische Gemeinde und die Jewish Agency. Berlin, 24. Juni. Wie bei dem entscheidenden Einfluß der Zionisten in dem Berliner Gemeindevorstand nicht anders zu erwarten war, hat der Vorstand zwei Delegierte, Dir. Kleemann und Kommerzienrat Simon, in das deutsche Initiativkomitee der Jewish Agency entsandt. Der Beschluß wurde in der Repräsentantenoersammlung durch Herrn Dr. Jsmar Freund begründet, der meinte, es fei eine historische Pflicht, daß die größte jüdische Gemeinde Mitteleuropas ihre Interessen an der Zukunft des jüdischen Landes durch Mitarbeit an der Agency bekunde. Die Liberalen erklärten, daß der Beschluß des Vorstandes ihnen überraschend komme und beantragten Berta - g u n g. Als die Versammlung sich nicht geneigt zeigte, dem zu entsprechen, führten die Liberalendurch Verlassen des Saales Beschlußun-fähigkeit herbei. Di>e Vertagung trat damit eo ipso ein. Die tendenziöse Parteipolitik des zionistischen Gemeindevorst-andes zeigt sich wieder einmal in der Bewlligung von Mk. 1000.— für die Tarbuth-Schülen in Polen, während man bekanntlich die Subventionierung der orthodoxen Bajs Jakow-Schulen entschiedenabgelehnt hat. Aus der weiteren Ctatberatung ist bemerkenswert eine Auseinandersetzung über die Schulpolitik, wobei Dr. Kollenscher für die baldige Errichtung einer jüdischen Vollanstalt durch die Gemeinde eintrat. Die Einweihung der renovierten Storch- Synagoge. Breslau, 17. Juni. Am Donnerstag abend fand die Ein-weihungsfeier der umgebauten alten Synagoge zum Storch statt. Die Festrede hielt Herr Gem-ei-nderabbin-er Dr. Hoffmann, der den versöhnlichen Geist, der innerhalb der Gemeinde herrscht, feierte. Jedenfalls ist es ein schöner Erfolg -der konservativen Richtung in der Gemeinde, daß der Umbau zu Ehren des Jubiläums der Synagoge den Al memo r -in der Milte wiedergegeben hat, wie er -den- Vorfchristen des Religionsgesetzes und der uralten Ueberlieferung entspricht. Vorsteher-Bund der Jüdischen Gemeinden Nordwest-Deutfchlands. Bremen, 20. Juni. Am Sonntag, , 16. Juni-, trafen in einem Festfaal der „Glocke" Delegierte der jüdischen Gemeindevorstände aus Nordwest-Deutschland zu einer Tagungzusammen. Aus den angeschlossenen Bezirken warenvertreten: Namens der Israelitischen Gemeinde Bremen hieß Herr Max Markreich die versammelten- Vorsteher herzlichst willkommen und betonte die Notwendigkeit derartiger Zusammenkünfte, um über jüdische Angelegenheiten gemeinsam zu diskutieren. Die Bremer Gemeindeverwaltung begrüße es, wenn Fragen allgemeinen Jnieresses vor dem erweiterten Gremium einer Bereinigung von Vorstehern verhandelt würden, wodurch man zugleich den Einzelgemeinden wie dem Gesamtjudentum diene. Der Vertreter der jüdischen Gemeinde Delmenhorst, Herr Auerhann, sprach dem Vorredner den Dank der Versammlung für die geleistete Organisierung des Vorstehrebundes aus und bedauerte, daß diese Arbeit durch die Gleichgültigkeit vieler Gemeindevettrelen, die lähmend aus die Gemeindearbeit wirke, nicht genügend unterstützt werde.

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