Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27. Juni 1929 Der Israelit Nr. 26. Serös 3 offen,tliche Entweihung des „Tages der Gesetzgebung und der Erstlinge" bedeutet. Auf keinen, Fall könnten wir es denjenigen verzeihen, die es wagen, mit plumpen Füßen auf der stolzen Pracht unserer heiligen Vergangenheit herumzutrampeln. Ich bin aber der.Hoffnung, daß sich auch innerhalb dieser unserer jungen Brüder die jüdischen Herzen regen, so daß sie von ihrem Plane zurücktreten, der nur Schmach über Israel, Erez Israel und seine Wiederauferstehung häufen würde, und daß auch sie mit Gesamtisrael das heilige Fest begehen, getreu der Tradition und der Vorschrift der Thora, damit sie und ihr Wandel zum ewigen Segen für das Land unserer Lust gereichen." Die Hoffnung des Herrn Oberrabbiners hat sich leider n icht erfüllt. Spätere Nummern des „Doar Hajom" und „Haarez" bringen „objektive" und recht sympathische Berichte über den „schönen" Verlauf der Schwuaus-Fußballfeste in Emek und Galiläa, ohne auf die offizielle Verwarnung an der Spitze der Vorfestnummer zurückzukommen. Man braucht sich eben mit dem, was im amtlichen Teile steht, nicht zu identifizieren. Das Oberrabbinat ist dazu da, zu protestieren, die Jugend, Fußballfeste zu arrangieren und die Zeitung, zu informieren. Jedem das Seine! . . . Zur Aschaffenburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes. Von Rabbiner Dr. R. Breuer in Aschaffenburg. Am 30. Juni und 1. Juki ds. Js. steht dem Rabbinatsbezirk Afchaffenburg ein halb, parlamentarisches, halb gesellschaftliches Schauspiel bevor, das an die Afchaffemiburger „Judenlandtage" des Mainzer Obererzstiftes im 18. Jahrhundert erinnert, das aber schon in der äußeren Form seiner einprägsamen, auf Stimmung und Eindruck berechneten Aufmachung seine Herkunft aus dem Wesen unserer Tage verrät: Der Verband b a y e r i s ch e r israelitischer Gemeinden ge d e nkt sein e d i e s j ä h r i g e T a g u mi g i n A s ch a f f e n - bürg a b z u h a I t e n. Oberlandesgerichtsräte, Justizräte, Kommerzienräte, Rabbiner und Lehrer, Geistliche und Laien sämtlicher jüdischer Konfessionen werden sich in Äschaffenburg versammeln, um wieder einmal Bayerns jüdische Belange in jener friedfertigen, auf politische Opportunität, praktische Nützlichkeit und duldsame Höflichkeit eingestellten, jeder ernsten Auseiniandersetzung über die Kernfragen jüdischer Gemeinschaftsbildung abholden und sie darum vorsichtig umgehenden Manier zu behandeln, wie sie von den bisherigen Tagungen „Cs ist gottgefällig, früh morgiM-s zu beten, wenn dies mit der Absicht geschieht, vor jeglichem anderen Bog,innen und frei von fremden" Gedanken Gott zu leben. Wenn Ihr aber nur desholb so früh cum Morgen betet, um dadurch früher frühstücken zu können, so gleicht Ihr jenem Soldaten, von dem ich Euch im Folgenden erzählen Will: „Bei einem Kampfe zwischen zwei Parteien wurde vereinbart, während fter Mittagszeit die Waffen ruhen zu lassen. —.An einem Mittag, als dos eine Heer beim 'Essen war, rückte aber plötzlich der andere Teil heran und die Angegriffenen mußten ihr Essen stehen lassen und zu den Waffen greifen. Einem Soldaten war es aber zu schade, seine frisch gekochte Suppen stehen zu lassen;, er nahm den Topf mit der heißen Suppe, besefttgte ihn am Sattel seines Pferdes und zog so dem Feinde entgegen. Das brave Pferd, vom plötzlichen Donner der Kanonen erschreckt, sprang rpiD umher. Dadurch goß sich aber die heiße Suppe aus den Körper des Pferdes aus und es wurde infolge der Schmerzen ganz toll. Das Pferd ritt den Soldaten wild in den Haufen der Feinde hinein und zerstampfte olles, was sich ihm entgegenstellte. Dem Soldaten blieb auch nichts anderes übrig, als blindlings um sich zu hauen un-d so kam es, daß die Feinde erschrocken zurückwichen und der Angriff vorerst abgeschlagen war. Dieses wunderbare Vorkommnis wurde alsbald dem König gemeldet und dieser ließ den tapferen Soldaten ZU sich kommen, um ihn für feine hervorragende Leistung einen hohen Orden zu verleihen. Voll Bewunderung für stine Tapferkeit, fragte der König den Soldaten, was ihn bewogen habe, fein Leben so heldenmütig aufs Spiel 3st setzen. Da erzählte der biedere Soldat den ganzen Sachverhalt mit der heißen Suppe. Als dies der König vernahm, ließ er gleich die Auszeichnung rückgängig des Verbandes genügend bekannt ist, und die voraussichtlich auch im bayerischen Nizza — wie König Ludwig seiini geliebtes Afchaffenburg zu nennen pflegte — nicht verfehlen wird, bei allen Teilnehmern .der Tagung eine wolkenlose Rivierastimmung zu erzeugen, die keinen Winter des Mißvergnügens kennt, weil sie über die „Einheit" des Judentums an alle Krankheiten feines Leibes und seiner Seele vergißt. Die Leitung des Verbandes hat mich aufgefordert, die Afchaffenburger Tagung mit einem religiösen Vortrag zu eröffnen. Ich habe es abgelehnt, mich cm der Tagung irgendwie zu beterligen und möchte nur sagen, warum ich es vorziehe, die Afchaffenburger Tagung mit eimiem — Zeitungsartikel im „Israelit" zu begrüßen. Als der bayerische Gemeindeverband am 20. April 1920 in Nürnberg gegründet wurde, mußte und konnte man noch die Hoffnung hegen, daß der Geist der beiden Rechtsquellen für die Selbstverwaltung der jüdischen Gemeinden in Bayern, des Judsnedikts von 1813 und der Normativentschließung von 1863, sich weder in der künftigen Verfassung des Gemeindeverbandes, noch in feinen organisatorischen Maßnahmen, die von ihm zu erwarten waren, verleugnen werde. Man mußte diese Hoffnung hegein, denn nur der Geist dieser beiden Rechtsquellen war es, der in Bayern, im Gegensatz zu Preußen und Hessen, die formelle Einheit des Judentums vor jeder ernsthaften Erschütterung bewahrte und das Auseinanderfallen der Gemeinden in orthodoxe und liberale verhinderte. Der Geist dieser beiden Rechtsquellen kannte nur ein Judentum: das auf. Thora undTalmud beruhendetrad l ti o n e l l e Judentum. Dieser Geist definierte das Wesen des Judentums und der jüdischen Gemeinde so, wie es der jüdischen Ueberlieferung entspricht. Er zählte die konstitutiven Merkmale der jüdischen Gemeinde auf und erklärte als die oberste Instanz in jüdischen Gemerndefragen nicht die schwankende Meinung der einzelnen Gemeindemitglieder, sondern den absoluten Willen des jüdischen Religionsgesetzes. Wollte man die traditionelle Einheit des bayerischen Judentums auch für die Zukunft bewahren, dann mußte man die Hoffnung hegen, daß die Grundlage dieser Einheit, die offizielle Anerkennung des überlieferten Judentums, über die staatliche Umwälzung im Jahre 1918 hinaus, durch den einmütigen Willen des bayerischen Judentums aufrechterhalten werden würde. Und man konnte und durfte diese HoffmMg hegen, denn sie war begründet in einer geschichtlichen Tatsache, die man geradezu als einen Wink der Vorsehung an das bayerische Judentum bezeichnen kann, als eine Mahnung des Gottes der machen, „denn,"—so sagte fcer König, — „Du: hast nicht tapfer, sondern eßgierig gehandelt!" Rabbi Amram von Ajpolo war ständig bestrebt!, seine Gemeinde durch Mussarvorträge Gott näher zu bringen, doch war all feine Mühe vergebens und „feine Warle fanden kein Gehör. Darüber war Rabbi Amram sehr betrübt, denn er glaubte, daß die Schuld an ihm läge, da seine Worte vielleicht nicht aus vollem Herzen kämen, denn: 2^71 hx D’oaaa d’kxivi tr-iav sagen doch die ChachomiM. Eines Tages trat R. Amram -an feine Gemeinde mit der Bitte um Erhöhung seiner Bezüge heran. Dieseswurde aber abgelehnt. „Nun," sagte R. Amram, „habt Ihr mich erfreut: denn meine Bitte um Gehaltserhöhung ist doch sicherlich aus vollem Herzen gekommen, und trotzdem habt Ihr ihr kein Gehör geschenkt, also liegt es nicht an mir, wenn meine Worte keinen Einfluß ans Euch haben, sondern lediglich an Eurer Hartnäckigkeit." Ein Sofer zeigte Rabbi Zwi Elimelech von Dinow einen eben fertiggefchriebenen Bogen einer Sefer Thora und fragte ihn, ob ihm die Schrift gefalle. R. Zwi Elimelech gab zur Antwort: „Die Schrift zwar nicht, aber die Sprache." (Schokolade und Fettzufatz.) In dem Geschäftsbericht der Sa r o t ti A. G. in Berlin finden sich über die Frage der Beimischung von Fettbestandteilen zur Schokolade folgende bemerkenswerte Ausführungen: „Wir dürfen den Kampf nicht unerwähnt lassen, der sich im Berichtsjahr um die Beantwortung der die Produzenten und Konsumenten in gleicher Weise intervis Mitglieder der Agudah Jugendorganisation und Angestelltenbund erhalten bei jedem Versieherungs-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefelllchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. 1,2 Milliarde GMk. H Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen anPbÖnlX, Berlin, Meinekestr. 10 Geschichte vor allem anl die gesetzestreuen Kreise, sich die in ihrer Art einzig dastehende Errungenschaft, daß die Gesetzgebung eines modernen Staates nur das alte jüdische Religionsgesetz als Grundlage jüdischer Gemeindebildung anerkennt, von der Neuordnung der politischen Dinge nicht entreiße zu lassen. Diese geschichtliche Tatsache war eine Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom 17. Oktober 1919, in der es hieß: „Nach § 94 der neuen bayerischen Verfassungsurkunde behalten alle Gesetze, welche vor dem 7. November 1918 in Bayernin Geltung standen, ihre Gültigkeit, sofern sie nicht mit den Bestimmungen der neuen, Verfassung oder mit den durch das Uebergangsgesetz vom 28. März 1919 bestätigten Anordnungen der provisorischen Regierung im Widerspruch stehen oder in dem durch die neue Verfassung geregelten Wege der Gesetzgebung aufgehoben oder abgeö^dert werden. Diese Vorbehalte treffen für das Judenedikt nicht zu. Weder die Reichsnoch die La/Nidesverfafsung befassen sich mit den dort geregelten besonderen Verhältnissen der jüdischen Religionsgesellschaft. Im vorliegenden Falle kommen nur die Bestimmungen des Edikts über die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinden und deren Verhältnis zum Rabbiner m Betracht. Sie stehen nicht im Widerspruch mit den allgemein gehaltenen Sätzen in Art. 137 R. V. und § 18 B. L. V., wonach den Religionsgesellschaften die selbständige Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten innerhalb der Schranken des Gesetzes gewährleistet ist. Die vorliegenden! Falls in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen haben sonach durch dien,eue Geessierenden Frage abspielte, ob künftighin Schokoladen» ersatzwaren zugelassen werden sollen. Nach den geltenden Leitsätzen versteht man unter „Schokolade" eine Mischung von Kakaomasse und Zucker mit oder ohne Zusatz von Kakaobutter und Gewürzen; dem so zubereiteten Gemisch dürfen bisher fremd eFette und fremde Mineralbe st andteike nicht beigefügt werden. Es sind Bestrebungen im Gange, die gesetzliche Erlaubnis für Zubereitungen aus Kakaomasse und Hartfett oder Mineralölen zu erhalten. Wir sind aus verschiedenen Gründen der Meinung, daß die Schokoladenindustrie diesem Irrweg fernbleiben sollte, und erwarten von den gesetzgebenden Faktoren, daß sie nicht dazu beitragen werden, die deutsche Schokolade in Mißkredit zu bringen." Briefkasten. E. A. ZZreskau. Wegen Erscheinens der nächsten Kizzurlieserungen wollen Sie sich an die Verlegerfirma A. I. Hosmann, Frankfurt a. M., Allerheiligenstratze 87 wenden. A. Zkl. F. in Hnnzenßanfen. Die Altbekleidungsannahmestelle ist Jüdische Frauenvereinigung, Frankfurt a. M., Schützenstraße 1. Familiennachrichlen. Geburten: Ein Sohn, Leo Lorber und Frau Hilde geb. Neustädter. Köln. Neutzerstr. 20. 22. 6. 29. Barmizwo; Mosche. Sohn des Herrn P. Lipschütz, Frankfurt a. M., Rechnerstratze 14 III., Synagoge Rechneigrabenstraße 12 I. ‘jntym 'ö* Die nam findet nicht wie irrtümlich angegeben um 9 Uhr, sondern um 8 Uhr statt.