Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 26 Der Israelit Breuer gelehrt und vorbereitet hat. An der dritten Etappe angelain'gt, ist Frankfurt, und mit ihm das gesetzestreue Judentum in Deutschland gottlob wiederum so weit, daß man auch auf den formalen akademischen Titel verzichten kann, wenn der Mann, wie es bei Rabbiner Josef Horowitz der Fall, so beschaffen ist, daß seine geistige G e sa m tp e r sö nl i chk e it und ein bedeutendes U n i v e r s a l w i s s e in. vom Zentralpunkte der Thorakultur genährt und befruchtet wird. Das bedeutet ein Zurück! Nicht zurück ins Ghetto, aber zur Einung und zur originalen Ganzheit. Rabbiner Josef Horowitz ist aus der Schule und dem Milieu des C h a t a m und Ketaw S o f e r hervorgegangen, ist einer der O’pixa, der „Unentwegten", wie sie nur in einer Atmosphäre, der die Thora die Wissenschaft aller Wissenschaften und das Maß aller Dünge ist, gedeihen konnten. Als “]"dk im Sinne der talmudischen Auslegung: D'2V2 *pi na3N2 28 konnte er sich schon früh in einem nach Hunderten zählenden, um das Leuchtfeuer der Thora gescharten Kreise von Jüngern als Lehrer und Wohltäter bewähren' eine harmonisch imsich gefestigte und abgeschlossene Persönlichkeit, der der Dualismus, der jedem Ringenden im Kulturgolus des Westens mehr oder weniger deutlich seine Spuren aufdrückt, erspart blieb. Daß die führende Gemeinde der unabhängigen Orthodoxie, die Gemeinde von S. R.-Hirsch, in logischem Zuendedenken der Gedanken ihres genialem« Begründers sich heute ihren Führer so frisch von der Quelle sprudelnden T h o r a g e i st e s weg holen darf, darin liegt die Bedeutung des 15. Siwan für die thoratreue jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Und noch eines, das nicht übersehen und unterschätzt werden darf: die Zahl derD'^sia ö'iai1? in Deutschland war nach dem Tode von David Hoffmann, Chanoch Ehrentreu und Salomon Breuer zu einem Minimum zusammengeschrumpft, das uns innerhalb unserer Landesgrenzen wie überhaupt im Westen den bijv m erschreckend demonstrierte. Bon diesem letzten Häuflein haben sich überdies noch zwei — Lerner, Altona und Ritter, Rotterdam —, aus Gefundheitsgründen oder infolge widriger Umstände von ihrer rabbinifchen Tätigkeit und öffentlicheml Wirksamkeit ganz zurückgezogen. In die Reihen der deutschen Judenheit und des deutschen Rabbinerstandes tritt nun eine neue Thorakapazität, für deren Berufung die Gesamtheit sicherlich der Frankfurter Gemeinde aufrichtigen Dank zollen wird. Wie phantastisch muß es doch vor achtzig Moses Demuk. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Das Vermächtnis des Prophetismus stellt jenes Wort dar, das Maleachi. der Propheten letzter, Jsra:! für olle Zeiten einschärft: mpa min hdt my »Gedenket der Lehre Moses. meines Knechtes ". wird die min mit dem Namen Moses verknäpft. rr>^ wm noatf ^>y weil er sich für sie geopfert. Sem Leben, wie es von Selbstverleugnung und Eingebung getragen ist. verwirklicht das. was die min fordert. Dadurch erringt er sich den Ehrennamen, mit dem ihn Gott selbst nröni: 'i my Knecht Gottes .... M2 m'2 *?32 rwa nu p 8^ «in. Der Herr ruft Ahron und Mirjam die in schwacher Stunde ein Wort gegen ihren Bruder gewrochen. nachdrucksooll zu: . nicht so mein Knecht Moses, in meinem ganzen Haufe ist vertraut ..." Eben hat Moses Proben von ferner wunderbaren §ttast der Liebe, die alles erträgt und überwindet, die nicht verurteilt, sondern verzecht, geboten . . . Das Volk klagt und murrt, weil es Gelüste bat, die es nicht befriedigt sieht. >W2 12^'38’ ’a Der wird uns Fleisch zu essen geben? — dos ist : er Ruf. der durch die Reihen des Lagers geht und alle in Aufregung versetzt. Auch die Besten werden Jahren angemutet haben, als sich Gerfon Josaphat und feine Freunde an den Mann, der ein Fürstenrabbinat in Nickolsburg bekleidete, mit dem Ansinnen heranwagten, zu de«n« elf Männern nach Frankfurt zu kommen, die mehr Willen als Kraft besaßen, als2W 18 w-Schar den Grundstock für die jüdische Wiederauferstehung in treue Hut zu nehmen . Er kam und das E x - p e r i m e <n t gelang. Es mutet weniger abenteuerlich an — entspricht sogar dem natürlichen Gesetze menschlichen Aufstieges — wenn heute umgekehrt der Führer einer Dreidutzend gemeinde an die Spitze der ersten orthodoxen Gemeinde Deutschlands tritt. Größe oder Kleinheit des Wohnortes sind nicht entscheidend, wenn sich Gott seine Menschen für große Aufgaben erkürt. Möge der 'weite Frankfurter Raw, der ein Aktivum von ni2K niDT. Tatkraft und Vertrauen, zum überragenden Thorawissen, mitbringt, eine in minn 11221 ri2.irr geeinte Gemeinde, und mit ihr die gesetzestreue Gemeinschaft in Deutschland, zu weiteren Höhen führen, rnayn innn^ S. __27. Juni 1929 Parole für wir t s ch a f t l i ch e n Boykott d e r I u d e n ein. In einer auf Initiative des „Christlichen Vereins der arbeitenden Iugenid" stattgefundenen Protestversammlung der christlichen Verufsvereimgungen gegen die „jüdischen Provokationen in Lemberg" forderten die Redner die Durchführung eines Boykotts gegen die Juden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Judein« als die Feinde der katholischen Religion und des polnischen Volkes hin-gestellt werden Die Bevölkerung wird ausgefordert, ihren Bedarf an Waren nur bei christlichen Erzeugern und Händlern zu decken." Es wird den Behörden, selbst bei besserem Willen, als sie ihn bisher gezeigt, kei«n«e Möglichkeit gegeben fein, einer unterirdischen Bewegung zum wirtschaftlichen Ausschluß entgegenzutreten. Die Antwort der Judenmuß zwar nicht „Gegenboykott" heißen, aber sie sollte doch in einer besseren Berücksichtigung der j ü d i s ch e n A r b e i t s u ch -e n de n, de r f a b - b a t h a l t e n de «tti Geschäfts l e u t e , der jüdischen Handwerker bestehen. Und das sollte nicht allein für Polen, sondern auch für alle anderen Länder, wo eins jüdische Mittelschicht doppelt und, sofern sie treu zum Gesetze hält, dreifach schwer mit des Lebens Nöten zu ringen hat, 'in gleichem Maße gelten! Wochenrundschau. Wie Warschau auf Lemberg reagiert. Man hat sich in Warschau geschämt, als die Pogromnachrichten aus Lemberg kamen — daß man es hier nicht ganz so machte. Und als Ersatz für den Pogrom riefendie kongveßpolnischen Nationaldemokraten den Boykott aus; eine Waffe, die länger wirkt und weniger auffällt. So wird von zuverlässiger Seite aus Warschau berichtet: „Die nationaldemokratische Presse in Warschau und in ganz Polen, die feit den Lemberger Geschehnissen eirne ununterbrochene antijüdische Hetze führt und täglich Legenden über angebliche Ueberfälle seitens „jüdischer Provokateure" auf Christen und christliche Institutionen verbreitet, setzt sich nunmehr für die Proklamierung einer Jod-Bad Tölz Kurpension Hellmann Bietet bei massigen Preisen das Beste__ an Unterkunft und Verpflegung. mit fortgerissen: ^rrw tn i32'i. Es weinten auch Israels Kinder,. — die bisher sich als solche bewährt hatten. Da wo die Forderungen ans Leben gestellt werden, die Bedürfnisse des Tages sich geltend machen — da schweigt die Vernunft und auch der Glaube. Moses ist bis ins tiefste getroffen, wie er so das Volk sieht, das seine — wie es glaubt gerechtfertigten — Ansprüche unerfüllt wähnt. Jetzt fürchtet er, der nicht so leicht verzweifelt.^— er ahnt die Gefahr, in die sich das Volk begibt und die auch der nun droht. Isroel und mm gehören zu einander, wie Körper und Geist, Leib und Seele. Ist Israel dem Untergänge verfallen, dann fehlt der Lehre ihr Organihr Werkzeug auf Erden, um mit ihrem Lichte die Menschen zu erhellen und zu erwärmen. Zwiefache Sorge ist es also, die Mosche bedrückt. Er ist j2 rrm p82 m'2 ^22 im ganzen Hause Gottes treu bewährt. Die Sorge um Israel ist auch ihm die Sorge um die von Gott empfangene Lehre K»n a'aw3 81?- Sie ist ja nicht mehr im Himmel Sie soll die Erde in ein Paradies wandeln Das kann sie nur. solange Iraels ihr Träger und Mittler ist. Solche Gedanken wälzen sich in seinem Kopse und lösen ihm schließlich die Zunge. -218 ’2aa 122 ’3 ,im oyn ^3 nrr nrrw'? 'in^> '328. »Ich kann nicht allein tragen dieses ganze Volk, denn es ist zu schwer für mich." Es ist zu tragen, zu leiten dieses Volk. Meine Kraft nur reicht nicht ans. Meine Unzulänglichkeit hat diese Lage verschuldet. Wie wächst doch Moscheh mit dieser Demut und diesem seinen unzerstörbaren Glauben an Israels Kraft und Zukunft! Aus eigenem Entschlüsse erbittet, ersehnt er dem großen Werke und Ziele Mithelfer. Was der eine allein nicht vermag, viele können es. Dieses Das Fest der Gesetzgebung — ohne Gesetz. Ist es in Palästina schon so weit gekommen^ daß man im religiösen Teile der Bevölkerung Mit Angst und- Bangen jedem Feiertagentgegensieht? Schwuaus ist das Fest des Sinai, im neuen Palästina herrscht aber der Olympus. Im Widerstreite dieser beiden Höhen haben es die Männer, die die moralische Verantwortungfür die Dinge tragen, wahrlich nicht leicht. An leitender Stelle des am Rüstetag zum Schwucmsfeste erschienenen „Doar Hajom" prangt eine nxia2 nrmai m.iT8, eine „Warnung und ein dringender Protest" -des Oberrabbiners für Jerusalem und Palästina, Abraham Jizchok Hakohen K u k. Nicht ohne Wehmut und inniger Teilnahme liest mandie Verwarnung, die irr wörtlicher Uebersetzung besagt: „Hiermit will ich vor all unseren Brüdern in allen Weltenden wie vor unseren Brüdern in Erez Jisroel meinendringenden' Protest zum Ausdruck bringen gegen die Feier, die von einem Teile unserer Jugend in der Gegenddes Emek und von Galiläa für das kommende Schwuausfest vorbereitet wird, und die mit schnöder Verletzung der Heiligkeit des Tages verbunden ist, eine Verlangen, billigt der Herr selbst. Dem Lehrer werden nun die 70 von den älltesten des Volkes beigestellt, und damit wird die Gefahr gebannt. Die den Aufruhr an gestiftet, sterben dahin, — aber Israels Gesamtheit gesundet durch die vermehrte Kraft des Geistes, der nun in ihm waltet. Die Begierden und Leidenschaften werden zurückgedrängt durch die Geistes strahlen, mit denen Moscheh und die 70 hinfort ins Volk hineinleuchten. — Ist das nicht ein Wink für alle Ewigkeit? Wir können niemals die Leidenschaft besser bezwingen, den Ruf nach Befriedigung sinnlicher Triebe wirksamer zum Schweigen bringen, als wenn wir Kenntnis und Wissen mehren und vollends dafür sorgen: 7,3,1^ 8,mw n'*?8a n*?iy nun Viy, daß die Thoraslamme immer heller emporlodern . . . Moscheh wird dann immer mehr das Ideal, dem wir nachstreben, — dem wir auch nachstreben können, weil er uns überall menschlich nahesteht. Seine wahre und echte Größe ist seine Demut, das Schriftwort rühmt: rwa ^'8,11 . . 18a I2y. der Mann Mosche war sehr demütig, mehr als irgend ein Mensch aus der Erde. Kleines Feuilleton. Rabbinische Geschichten Ueber-iragen aus dem Sammolbuche mmines Vaters Q’Mn von Jak. Lupolianski in- Karlsruhe. Ve-i Einweihung -einer Synagoge, in der des Morgens besonders früh gebetet wurde, faigibe Rabbi Noto aus Bolgoro: