Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. 211., den 19.' siw-m 5689 Der Israeli EinCenfraldrqan(OrJasorffiodnxeJudentam (IfJBSB. III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. l\l i Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmark monatlich; Ausland: Biertel- ..... ....... --Kosten des Etreifband-Ber« mark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. Tschecko-Slowarei W Krone«; Ungar« Pengö 5 ab 1.Juli 1937; Dänemark 8.80 «ron.; Norwegen 8.50 Krott.; Schweden 850 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpsknaige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstas. Inserat» SO Goldvf. für die stebengesplütvn» Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen Lei Stellengesuchen u**w Die 75 mm breite Retlamezeile r letzte Textsette 3.— isäs Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Sans« 6843 fow. durch fämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenan«. für Franks. Geschäftsanz.: Bnl. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Bervindlicht. Larschau Nr!l90757! —Post^chÄaM^r^str.^Vlll 7^^^nrässo-Dänk Rotterdam Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. (Main) Nr. IS 803. - , tallo-Bank Rotterdam Der Gerichtsstand für alle .... Nr. 18434. - Postscheckkonto „_... ^__ Janca Marmarosch Blank & Co, in Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die Lösung der Frankfurter Rabbinaksfrage. Mit der am 15. Siwan in Frankfurt vollzogenen Rabbinerwahl, die die Wahl des Oberrabbiners Josef Horowitz aus Hunsdorf zum Rabbiner der Synagogengemeinde „Israelitische Rellgionsgesellschast" ergab, schließt eine kampf- und leidvolle Uebergangszeit für die größte orthodoxe Gemeinde Deutschlands. Die Wahl bedeutet aber weit darüber hinaus einen Markstein auf dem Wege, den das seiner Geschichte bewußte orthodoxe Judentum in Deutschland bald 80 Jahre gegangen ist, zwangsläufig und historisch notwendig gehen mußte. Es wäre just an der Zeit (200jährigsr Geburtstag von Moses Mendelssohn) von den Dingen zu reden, die der Regeneration des Thorajudentums in Deutschland und anderen, Ländern des Westens vorausgegangen sind und einen Samson Raphael Hirsch, als gesunde Reaktion des jüdischen Geistes auf eine Periode der Zersetzung, hervorbrachten. Weniger Regenerator, denn Germanisator, hatte der große Dessauer, von außen kommend, von der Geisteswelt der englischen Glückseligkeits-Philosophie, vom weltumspannenden Ethos 'eines Lessing, mit der Fackel des Wissens und der Aufklärung, entzündet an den Lichtfluten, die sich damals vom Paris der Encyklopädisten über die ganze Welt ergossen» in das Düster der jüdischen Gasse hineingeleuchtet. Von Welt und Wissen, aus sollte das Judentum begriffen, erfaßt und in seinem innersten Kern erkannt werden. Das große Licht blendete und die Türen zur großen Kultur waren so weit geöffnet, daß diejenigen, welche durch sie gingen, — eine Entwicklung, die Mendelssohn nicht voraussehen konnte — nicht Wiederkamen. Die Reform, die hinterher mit Geiger, Holdheim und Jakobson kam, um zu retten, was noch zu retten war, konnte, da aus gleicher Richtung kommend, keine neuen Lebensinhalte bringen. Die Reformen blieben F 0 r m e n und konnten den Weg zum Taufbecken, oder bestenfalls zur Hohlgasse zwischen Christentum und Judentum, nicht aufhalten. Samson Raphael Hirsch machte den entgegengesetzten Weg. Wie die alten Propheten, die plötzlich aus des Volkes Mitte gleich dem Bergguell, werbend und weisend, lehrend und labend vor dem Volke standen, so kam Samson Raphael Hirsch brr->V' »jq yma aus der Mitte heraus; des Volkes Herz und Gewissen., Von der Höhenwarte des Thorajudentums aus sah und zeigte er Welt und Kultur, zeigte in 19 Briefen der Jugend, wie man unter das Primat der Thora all das, was von außen hereingeströmt kommt, stellen kann und muß, zeigte in einem Kompendium, wie das jüdische Leben in all feinen.Beziehungen von Chorebhöhe ausgeht und zu ihr zurückkehrt, hatte bald in einer eigenen Gemeinde mitten im Herzpunkt der Kultur und Freiheit den Boden und die Basis für ein Werk, das die Geister sammeln und erlösen sollte. Hatte Moses Mendelssohn eine Türe von der Welt ins Judentum geöffnet, so nar» «jor m mi ynmn 'ibn zeigte Samson Raphael Hirsch umgekehrt, wo und wie Türe und Fenster vom Judentum in die Welt zu öffnen sind. In diesem wesentlichen Unterschiede lag'der Mißerfolg des Einen und der Erfolg des Andern. Samflm Raphael Hirsch stand am Eingang einer Entwicklungsära. Einer Generation, der die Freiheitslieder der Emanzipation und die Erlöfungsschalmeien der Reform noch, in den Ohren klangen, durfte der weite Ausblick in Welt und Leben nicht gemindert werden. Vielleicht aber zeigte sich doch nach der ersten Entwicklungsetappe, daß die Türen für die Folgezelt zu weit, die Fenster mehr nach der blendenden Sonne geöffnet standen, als mancher jungen Seele zuträglich war. Die gütige Vorsehung, die uns einen Salomon. Breuer an den Eingang der zweiten Entwicklungsetappe stellte, schuf den Ausgleich. Nicht etwa, daß in der Aera Breuer die Ausgänge nach der Kultur geschloffen oder enger geworden wären; der Weg zur Bildung stand seinen Jüngern offen, moderne Prägung blieb seiner Gemeinde, ihrer Schule und Synagoge gesichert. Er selber hatte den akademischen Grad Mitgebracht und sich ihn nach fünfzig Jahren sogar von Heidelberg erneuern lassen. Aber er zog sich und seine Gemeinde mehr nach innen zurück, dahin, wo die bösen Winde von außen nicht in solcher Schärfe walten konnten. Er tat das. was der Wilnaer Gaon und Rabbi Chajim Wolofchiner taten, als sie die Thora von den neuen Dingen bedroht sahen, er schuf mit Jeschiwa und einer ausgedehnten Talmudkultur, die ihre unkontrollierbare Fernwirkung weit über ferne Gemeinde und Deutschland hinaus ausübte, einen Wall, der vor Stürmen und zersetzenden Einflüssen des Zeitgeistes immun machte. Die Generation der Lernenden las jetzt die „19 Briefe" und verstand sie nicht mehr recht, sah eine bis ins Tiefste gehende Auseinandersetzung mit Zweifeln und Bedenken, die in ihrer Seele gar keinen Raum hatten. Sie verstand sie aber und segnete sie, so sie das historische Verständnis dafür aufbringen konnte, daß nur auf einem so bearbeiteten und betreuten G e - sinnu n>gsg run b e eine Frucht heranreifen konnte, die scheinbar mit dem Mutterboden all Form und Inhalt nichts mehr zu tun hat und dennoch den E r d g e r u ch dieses Ackerb o d e n s i n s i ch t r ä g t. Man hat auch an die Ringenden und Suchenden jenseits der G em o r o zu denken, deren Zahl heute größer ist denn damals. Der dritte Rabbiner der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft ist die Fortsetzung dieser Entwicklung, ihre Konsequenz, der Anbeginn einer dritten Etappe. Hier haben wir den Mann, der ganz und v o l l k o m m e n von der Innenseite kommt, aus Eigenboden herausgewachsen, ganz Geist ist von dem Geiste, wie ihn Samson Raphae-l Hirsch als letztes Ziel der Selbstermannung der Orthodoxie gesehen und Salomon