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Der Israelit · 1929-06-20 · Heft 25 (20.6.1929) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 25 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Der Israelit Blätter Nr. 12 Seite 3 20. Juni 1929 UW kommen. (Siehe Pefachim 28/1 i) Sie könnten nämlich daraus Hinweisen«, daß, wenn, jemand mit Vieser „kompvomißhaften" Kultu-r-einstellung Führ e r der Weltorhodoxie sein kann, dies eine Anerkennung dieses Prinzips bedeute, und das könnte zur Folge habendaß die Jugend ihrer Kreise in der Reinheit ihrer alt-jüdischen Lebensauffassung erschüttert werde. Die Folge all dieser Forderungen wäre, daß die Agudas Jisroel schon verfassungsmäßig das Gepräge einer Partei von Thoratreuen bestimmter Kreise bekommen und ihre Existenz in diesem historischen Augenblick eine für die Geschichte nicht zu rechtfertigende Erscheinung bilden würd>e. Alle diese Erwägungen führen uns zu der Erkenntnis — wie unter Abschnitt VI ausgeführt —, daß jegliche Forderung aus gemeinde-, Partei- und kulturpolitischen Erwägungen heraus' der verschiedenen Gruppen des thoratreuen Volkes keineswegs in der Verfassung des durch die Thora konstituierten jüdischen Volkes Platz greifen darf. Solche Forderungen können nur auf verfassungsmäßigem Wege — Organe der Landesorganisation, rabbiiimscher Landesrat, Organe der Weltorganisation, rabbinischer Weltrat — durchgeführt werden. Partei oder Thoravolk? Wäre nicht Agudas Jisroel ein Verrat am ' Judentum, wenn sie nur Partei itnönicht d a s Thoravolk wäre? Wäre die Zersplitterung, die sie im jüdischen Volke heraufbeschwört, nicht Sünde, nicht Verbrechen, wenn sie nur Partei und nicht das historische Volk der Thora selber wäre? Partei oder Thoravolk? Das ist der Angelpunkt, um den sich die letzten Auseinandersetzungen bewögen. Die Leipziger Tagung der deutschen Agudas Jisroel hat chr unerschütterliches Bekenntnis zum Thoravolk abgelegt und erwartet zuversichtlich von der kommenden Kenessio Gedaulo, daß sie sich diesem Bekenntnis in Erkenntnis der historischen Wahrheit und Notwendigkeit von neuem anschließt. Bericht der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt am Main anläßlich des Delegierkentages der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel, erstattet am 19. Mai 1929 van Herrn Rabbiner Dr. Moses Auerbach in Berlin. Dos Tättgk-Ät disr P-atästm-a-Zent-mile deschmnk't sich zur Zeit in der Hauptsache auf das Erzieh'unigsgebiet. Hier darf -es keine Pause der Arbeit mit Rücksicht auf mrrtschaMche Schwöerigkeitsn geben. Jeder Tagder Untättgdsit könnte, ©tit behüte, den Verlust jüdischer Kinderfeelen bedeuten. So nötig die intensive wirtschaMche Tätigkeit märe, so muß sich z. Zt. die PMstina-Zientrale doch große Zurückhaltung aufevtegen. Mit b^ewundernsweuter Selbstlosigkeit werden von ganz wenigen Männern die Mittel auf geh raucht, um das Vorhandene vor Z-ufamrnenbruch zu bewahren, daß kein Dunam einmal erworbenen Bodens verloren geht. Vor mehr als 3 Jahren wurde durch Anzahlungen die Option auf die gr-ohsn- Ländereien von Oläm und Madhar erreicht. Man vsrpftichtets sich, gestützt aus die Zusicherungen der einzelnen Landkäufer zu großen wetteren RatenzahlungM. Zufolge der besonders in Polen bald emfetzenden Wirljchaftskrrse unterblieben die meisten versprochenen Zahlungen der Landkäufer und der Kauf des Gesamtkomplexes war gefährdet. Durch Anspannung aller Kräfte ist es m. G. H. dem Weinen Kreist der hierfür Tätigen gelungen!, immer mehr Boden endgültig zu erwerben. Auch in Machaneh Jksroiel hat man sich emfchr-änken müssen!, um dank der Hilst zweier Männer die Existenz der Kolonie zu ermöglichen. Zum Weiterbau reichen z. Zt. die Mittel nicht aus. Wir müssen uns jetzt noch auf Stützen des Baues beschränken. Gebe Gott, daß wir bald a-uch auf Wirtschaftsgebieten werden weiter bauen dürfen!. Bevor wir über die Leistungen der Palästina-Zentrale auf dem Erziehungsgebiet berichten, müssen wir an Hand der Statistik (von Jjar 5688) das Verhältnis des Besuches der Erziehungsanftalten in Evez Jisroel betrachten. Dabei ist zu beachten, daß das Alter der Zöglinge aller Anftakten im allgemeinen^ zwischen 3—19 Jahren schwankt. Selbst wenndie älteren Zöglinge der Lehrerseminare mitgezählt sind, fo hat ihre Zuzählnng für die Statistik wenig: Bedeulung. Die jüngerst Zög-r lin-g-e der Jeschiwoth sind Nicht mitgerechne-t. Me SKMstK gibt ca. 28000 jüdische Zöglinge der Unterrichbsanftalken an. Fürchterlich Hst die Tatsache, daß etwa 500 in Abzug zu bringen sind, die MPonsan-- stalllen besuchen. Beachten Si«e: 600 jüdische Kmber im hsivigen Lande besuchen Anstalten, deren Ziel es ist, ihre Schüler dem Christentum zuMführen! Unser Hauptinteresse erheischt die Frage, wieviel Kinder werden «kn Anstalten erzogen- -deren Leitung bestrebt ist, sie idem Thorajudentum zu erhaWen, und wie viele in Anftatten, die diese Tendenz nicht haben? Wir möchten die -erste Gruppe kurz «Ca positivdie andere als., negativ bezeichnen. Ohne dabei ein Werturteil übler das Erreichen der Tendsnz -Md -über döe NiMgkM der Methoden aussprechen zu wollennennen wir folgende uns bekannte Anstalten positiv: die stLbständilgen Talmud Thvra-An^ stalden des alten Jifchuw, die Anstalten der Aguda, der Mutsch - Holländischen Palästina - Verwaltung, -die Mis-- rachischulen und die Eoeline Rothschild-Mädchenschule. Bei der — vorsichtigausgedrückt — ihnen fehlenden Tendenz zur zi-elbemußchen religiösen Erziehung sind die meisten allgemein zionistischen^ Schulendie der Arbeiterorganisation und der Alliance als negativ zu betrachten. Da mir die Ziffern des Misrachi nicht gesondert vorliegen, rechne rechne ich ein Drittel der Zöglinge aller zionistischen! An-- stalten idem Misrachi zu, da- -es hier auf kleine Abweichungen nicht wesentlich ankommt. Hiernach besuchenvon 28 000 jüdischen Kindern nur ca. 13 000 positiv Mische Anstalten-. Mehr als die Hälfte wird ohne Jiro -und ohne Tauroh erzogen! In Erez Jisroel! Noch ungünstiger steht esbei den Mädchen allein. Von ca. 13 500 Mädchen besuchennur ca. 6000 positive Anstalten. Von den ca. 14 500 Knaben -entfallen ca. 7800 -auf -die positive Seite, 6700 auf die negative. Ein bitterer Trost, -daß weniger als die Hälfte der jüdischen Knaben in Erez Jisroel nicht im Gegensatz zur Thora erzogen wurden. Relativ günstiger sind die Ziffern für die Städte Jerusalem, Liberias und Safed. Unter ihren- 11600 Kindern besuchten 7000 die positiven Anstalten und zwar von 5100 Mädchen 2800, von 6600 Knaben 4500. Es ist schmerMch, auch diese Ziffern als relativ zu bezeichnen!. Besonders beachte man dabei, Laß vor dem Kriege kaum ein Zehntel der Schuljugend dieser Städte nicht positive Anstalten besuchten. Die angeführten- Ziffernsprechen eine erschütternde Sprache. Die Pflicht eines jeden Jehudi ist es, helfend e-inzug-reifen. Wir kvnim-en nun zu Len Leistungen der Agudo. Sie sind viel zu klein. Dte Schuld trifft diejenigen, die m unverzeihlicher Gl-sichig-üMg-keit nicht m-itarbe-iiten. Die Hauptarbeit ruht auf den Schullternganz weniger Man-- ner und Frauen. So paradox -es klöngit: die wirtschaftlichen Hauptl-oistungenwurdenvon unseren Lehrkräften aufgebracht, die -trotz. schlechter und leider unregelmäßiger Bezahlung ihr - dw ausüben. Bei ihnen ist der Begriff Lehrerstrei-k nicht bekannt. Die finanziellen Leistungen ruhen -inder Haupifache auf Deutschland. Bon hier wurden in den 16 Monaten vom 1.<Jan. 1928 bis 30. April 1929 'ca. 55 000 Mt. aufgebracht, hiervondurch die Frauenhilfe (in Breslau, Fulda Md B-erlin) ca. 3000. Reben Deutschland kommen wesentliche Beiträge aus Amerika, Schweiz, Antwerpen, Holland, Slowakei, Rumänien. Ein Teilder Kosten wird von- Päl-ästina selbst getragen. Im- Winter 5689 Mterh'M bezw. umerstützte die Agudo 14 Anstalten mit 1465 Kindern und 62 Lehrkräften. Don den 7 Knabien-Talmud-Thoras waren- 4 in Jerusalem: je eine der bucharischen, grusinischen und jemenitischen Juden und in dem Vorort Giw'a-t Schaul. Die anderne 3 waren in Tel-Awiw, Petach Tikwah und Bne Brak. Von -den- 7 Madch!enschu-len lagen- 4 in verschiedenen Stadbgegen-den Jerusalems, je eine im Vorort Giw'at Schaul, in- Safed und in Dibsri-as. Seil vorigem Herbst ist Oberlehrevini Frl. Karoline Nachmann im Aufträge der PalästiNa-Zeu-L-rale der Agudoin Erez Jisroel. Während des Winters war sie hauptsächlich in Jerusalem, zeitweise in Safed -Md Tiberias. Während des Sommerfemefters dürfte wohl ihr Wohnsitz in Safed sein, von wo sie auch die AnftaW in Tiberiäs ständig inspizieren kann. So anerkennenswert die Leistungen bei den geringen Mitteln ist, so winzig klein sind sie im Verhältnis des Bedürfnisses in Erez Jisroel und der Pflicht der Agudo. Ganz b!esondere Beachtung verlangt das Sch'ulprogr-arnm. Es ist h-ier nicht -der Platz, aus Einzelheiten ei-nzugehen. Die Erziehungskonserenz, die g-elegenMch der Kenessio Gedauiko s. G. w., stailfinden soll, muß sich Hiermilt sehr ernst besch-ästigen. Die gewaltigen religiösen Auseinandersetzungen in der Ge'samtjudenheit werden in Erez Jisroel auf engem Bodenmich ganz besonderer Schärfe au^sgief-ochte-n. Hierzu kommt die wi-rtschaftliche und politische Eigenart Palkästina-s, die auch an die Erzi-ehung-sso-rmen ihre besonderen- ForderMgen stellt. Das Problem muß mit dem Gefühl der Verantwortung für Vergangenheit, Gegen-wart und Zukunft in sorgsamster Erwägung behandelt werden-. . Der deu-tschen Judenhert -ist seit mehr als einem Jahrhundert die -inim-ge De-vbind-Mg der Werte der Allg-emeinkuAtur mit dem ThvrafudMtum vonder--göttlichen Vorsehung als ganz besondere Ausgabe gestellt. Nicht stolz dürfen wir auf den ErfÄig! sein, wenn wir auf das Zahl-snVerhä>lbn«is blicken zwischenden tho-ratreuen Juden Deutschlands und den -anderen!. Doch ohne Uebortrioibung dürfen wir die Schaffung einer thoratve-uen JnteWgen-z in Deutschland als eine m. G. Sy. wertvolle Leistung betmchiten-. Auch hiev heißt es: für uns selbst nicht zufrieden seinsondern m. G. H. wotterarbeiten. Aber darüber hinaus ist es tiittfterie Pflicht, die geistigen Errungenschaften der deutschen Orthodoxie seit S. R. Hirsch und Esriel- Hildesheimer der jüdischen Gesamthett zu übermMeln, vor allem aber dem teuersten der Länder, dem alle -geistigen Kräfte und Werte dienen müssen, Erez Jisroel. Einmalige Zuwendungen für das Schulwerk sckoie Ueberweisung der regelmäßigen Rosch Chaudesch - Spende sind aus das Postscheckkonto der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Nr. 53 900 Frankfurt a. Main erbeten. Msrachisten in der Agudah? Don Pros. Dr. Adolf Araenkel in Kiel. In der „Jüdischen Welt" (Wiener Organ des Misrachi) vom 31. Mai schreibt G. unter dem Titel „Wo ist die Konsequenz?", im Anschluß cm den Beschluß des Leipziger Delegiertentages der deutschen Aguda zu Z 4 des Statuts, in einem Sinne, der um so weniger unwidersprochen bleiben darf, als auch gewisse Aeußerungen nn Mai- Heft von „Zion" eine falsche Deutung zulasten könnten, die der Redaktion dieser Monatsschrift sicherlich fern liegt. Ich bin mir wohl bewußt-, hierbei nur meine persönliche Meinung zu vertreten«; mag diese im deutschen Misrachi, wenigstens außerhalb Frankfurts und Breslaus, einstweilen auch nur wenige Anhänger haben, so wird sie doch, wie ich glaube, im Weltmisrachi auf eine Resonanz rechnen dürfendie wenigstens dann erheblich sein mag, memm die Kenessio Gedaulo den Intentionen der deutschen Aguda sich anschließt. Der ausführlichen Beweisführung von G. dafür, daß „die Debatte über Beibehaltung oder Abänderung des 8 4 Misrachi und Misrachisten völlig kalt läßt" und für sie „nichts anderes als eine Hilchetho lemoschicho ist", sowie der Vorhersage, daß auch bei Aufhebung des § 4 „kein Misrachist . . . die Ambitionhaben werde, der Aguda beizutreten, geschweige d-enni in ihre oberste Leitung gewählt zu werden", entg-egenzuireten ist der Zweck der folgenden Zeilen, die gleichzeitig auch die an der Leipziger Haltung der Gemeindeorthod-oxre von G. geübte Kritik entkräften mögen; das soll nicht auf dem Wege der Polemik, sondern dem d-er positiven Beweisführung geschehen, und zwar av> der gegenwärtigen Stelle, da es sich um eine Frage handelt, die zunächst die Aguda näher ang-ehtals den Misrachi. Rach der Auffassung der großen Mehrzahl der misrachistischen Führer ist es für den Misrachi weder Ziel noch auch Begleiterscheinung seiner Politik, etwa eine ergein-e „jüdische Weltanschauung" zu schaffen. Seine Weltanschauung ist nicht anders als die der Aguda und der Orthodoxie überhaupt, durch die schriftliche und mündliche Lehre gegeben; es ist, wie es auf der Wiener Misrachi-Weltkonferenz 1925 einer der ersten Führer (mehr deutlich als begrifflich-treffend) ausdrückte, die Weltanschauung des Schulchan- Aruch. Wenn gewisse, fast nur im deutschen und manchen Teilen des polnischen Misrachi vertretene Strömungen dem Misrachi die Entwicklung einer eigenen Nuance „jüdischer Kultur" weisen, so ist von ihrem Standpunkt aus die Alternative „Aguda oder Misrachi" begreiflich; nicht aber für die wie oben erwähnt denkende Mehrheit. Für diese ist vielmehr die Sachlage keine andere als wie sie sich in der Anfangsperrode der Aguda, vor dem Krieg, dargestellt hat und wie sie seither wenigstens grundsätzlich, wenn auch nicht praktisch, geblieben ist. Diese Sachlage ist folgende: Der Misrachi ist eine politische Partei mit scharf umgrenztem Ziel: dem Aufbau Erez Jisroels auf der Grundlage der jüdischen Tradition. Er hat sich folgerichtig der politischen Partei, die den Aufbau von Erez Jisroel überhaupt anstrebt, der Zionistischen Organisation, eingegliedert: nicht etwa auf Gedeih und Verderb, sondern« in der Ueberzeugung, sein i .« 1:!> l1 i. 4 :/ :i. j, /■

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