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Der Israelit · 1929-06-20 · Heft 25 (20.6.1929) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 25 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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üfi. L;; fi ■ jfj; ji : 1i' Ziel in dieser Verknüpfung am wirksamsten realisieren zu können, heute wenigstens und« wohl noch auf geraume Zeit, fo lange nicht etwa ein ideales Funktionieren der Jewish Agency die Zionistische Organisation entbehrlich macht oder aber ein hoffentlich ausbleibender Kulturkampf in der Zionistischen Organisation den Misrachi am Verbleiben hindern sollte. Den meisten Misrachisten bedeutet das erwähnte Ziel die wichtigste unter den politischen Gegenwartsaufgaben des ortho boxen Judentums, aber immerhin doch nur e i n e unter vielen Aufgaben. Daß für diese anderen-, die gleichfalls gerade heute immer dringlicher werden, und zu denen die Zionistische Organisation naturgemäß keine Beziehung hat, eine universelle u nd selbständige Orga nisation b r gesetz e streue n Juden ein Gebot der Stunde fei, war seit den Tagen von Kattowitz die Ueberzeugung auch vieler Misrachisten. Die von Frankfurt und Ungarn aus feit 1914 anhebende Entwicklung der Aguda, die der ursprünglich von Louis Feist f. l und anderen Führern eingeschlagenen Richtung bewußt zuwiderlief, schien freilich denen Recht zu geben, die von vornherein die Möglichkeit ber zweifelten, daß die Aguda zu einer wirklich universellen — und nur dann ihren Ausgaben gewachsenen — Organisation aller Gesetzestreuen werden könne. Indes wird der Schreiber dieser Zeilen nicht der einzige gewesen sein, der, in der Anfangszeit intensiv an der Agudaarbeit sich beteiligend, auch später, obgleich als Misrachist de facto degradiert und von jedem Wirken ferngehalten, doch die organisatorische Zugehörigkeit zur Aguda bis zum heutigen Tage nicht gelöst hat, im tiefen Vertrauen auf das fchließliche Kommen besserer Zeiten. Sind solche jetzt da? Es scheint, als ob sich die erdrückende Mehrheit der deutschen Agüdisten in dem Bestreben einige, in der Organisation die volle Gleichberechtigung aller derer zu verwirklichen, die das jüdische Gesetz, die unter den rabbinischen Führern nicht strittige Tauroh schebiksaw weschebalpeh, m Gesinnung und Tat anerkennen. Sollte die Kenessio Gedaulo und der Rabbmische Rat diese Auffassung sich jetzt oder später zu eigen machen, so würde m. E. für alle Misrachrsten, die im Misrachi eine politische Palästinaorganisation erblicken, der Boden für eine volle und hingebende Mitarbeit in der Aguda bereitet. Gewiß bleiben noch Schwierigkeiten. Soweit diese, wie der Wunsch nach unpolitischen Jugendorganisationen (Esra!), die Divergenz zwischen den Orthodoxien verschiedener Länder, das Kulturproblem usw., nicht gerade den Misrachisten angehen, mögen sie hier außer Betracht bleiben! Die für uns spezifische Schwierigkeit betrifft die Arbeit der Aguda in Erez Israel. Eine — aud) nur als zeitweilig gedachte — mögliche Lösung wäre die Ausschaltung dieses Tätigkeitsfeldes für die Aguda; sie wird zur Zeit aus verschiedenen Gründennicht in Betracht kommen und ist letzten Endes vielleicht auch vom Misrachistenstandpunkt nicht wünschenswert. Man muß nun für die besondere Haltung auch vieler Gemeindeorthodoxer zu dieser Frage ein Verständnis aufbringen, das bei G. zu vermissen ist. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, in Raw Kuk die unbedingte rabbinische Autorität erblickt, deren Entscheidungen er sich unbekümmert um Aguida und Zionismus in Erez Jisroel und in gewissem Maße auch außerhalb zu beugen hat, ist in relativ einfacher Lage. Wer keinen so festen! Ausgangspunkt besitzt, wird begreiflicherweise vielfach die Frage der Kehiloh, das Frauenwahlrecht usw., für das Heilige Land mit anderen Augen anfehen als in seiner Galuthgemeinde; er mag, mit oder ohne Stützung aus rabbinische Gutachten, die Trennung der Lage dort gemäßer finden als hier, wie dies für das Schulwesen z. V. fast allseits anerkannt wird. Wenn andererseits der misrachistl'sche Agudist auch viele, ja selbst die meisten politischen Arbeiten der Aguda in Erez Jisroel im heutigen Zeitpunkt nicht zu billigen vermag, so braucht das weder ihn an der Mitarbeit — selbst einstens an leitender Stellung — zu hindern, noch den anderen diese Mitarbeit verdächtig zu machen. Im Gegenteil: wenn man die Persönlichkeiten von Raw Kuk und Raw Sonnenfeld einerseits, den politischen Kamps in der palästinensischen orthodoxen Arena andererseits kennt, fv weiß man, daß die persönlichen! Streitpunkte bei weitem die sachlichen Gegensätze üderwiegen; gerade die Mitarbeit von Misrachisten in den oberen ägudistischen Gremien könnte viele dieser Machlokoth schelau leschem schomajrm ausschalten und dadurch ohne Verhüllung sachlicher Gegensätze einer Begegnung von Emeth w'scholaum auf diesem uns allen, Agüdisten wie Misrachisten, heiligsten Boden den Weg bereiten. Seren hakhora im Rheinland-Westfalen. Ein Bericht. Vsz nnunV ‘f? pj 'n mrm n»783 VVn «2»' '2 nrr iDöiü ab irr mn inan ’d jrru kV nurn •im kV upjyi nrn oin „Wenn ein Erschlagener gefunden wird in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir gibt es einzunehmen der auf dem Felde liegt — es ist nicht bekannt, wer ihn -erschlagen: Und sollen I-cm:: sprechen (sikne hoir): unsere Hände haben nicht vergossen dieses Blut und unsere Augen haben nichts gesehen." Der 'isv deutet den Satz nDSff ab ij’T» folgendermaßen: 'vsiw *ra ’jpm mV Vy nnVy '21 kVi pra nbn mmasi irn’V m xb& xVrr an ow •.■mV KVa inurum inirm „Würde es uns denn in den Sinn kommen, daß die Aeltesten des Gerichts Blut vergossen? Es heißt vielmehr: Kam er zu uns, so -entließen wir ihn nicht ohne Nahrung, sahen wir ihn, so ließen wir ihn nicht ohne Begleitung." Wir sehen, daß die Aeltesten nur dann das Recht haben, so zu sprechen, wenn sie für die Lebensbedürfnisse der Armen gesorgt haben; war dies aber nicht der Fall, so müssen sie sich als Mitschuldige am Tode des Erschlagenen betrachten, weil gerade der Hunger die Ursache seines Todes gewesen sein konnte. Müssen wir uns nicht auch mitschuldig fühlen an dem Verlorengehen fo vieler junger Menschen, die immer mehr und mehr der Tauroh den Rücken kehren? Müsen wir uns denn nicht Rechenschaft über die Irsache dieses Abbröckelns abgeben? Wenn auch die Meisten den Grund im Zeitgeiste suchen malen — was wir auch zugeben — aber warum haben wir unserer Jugend nicht die geistige Nahrung gegeben, daß sie die Kraft hat, diesem Zeitgeiste Trotz zu bieten! Warum haben wir unsere Kinder nicht das Ur-Licht sehen lassen, damit sie nicht vom Irrlicht geblendet werden? Wenn sich jetzt der Keren Hatauroh die Aufgabe gestellt hat, gerade dort, fo sich niemand der Tauroh annimmt, sich für den Limmud Hatauroh einzusetzen, ist es dann nicht unsere heiligste Pflicht, ihm mit unserer ganzen Kraft zur Seite zu stehen? Ich möchte Ihnen, meine sehr Verehrten, über den Erfolg einer der K. H.-Schulen ein kurzes Bild entrollen. Bevor ich jedoch mit dem Bericht beginne, muß ich zunächst das Milieu dieser Gegend ein wenig schildern. Wenn man sich nur die furchtbare Tatsache vor Augen führt, daß 99 Proz. der jüdischen Bevölkerung (ausgenommen ein Teil der Ostjuden) raw Wna sind, andererseits die Kinder von irreligiösen Vereinen dauernd beeinflußt werden, so darf man sich natürlich nicht wundern, daß der Limud Hatauro selbstredend' in den Hintergrund tritt. Man muh es aber den Ostjuden anrechnen!, daß sie, soweit sie hierzu in der Lage waren, für jüdische Erziehung ihrer Kinder sorgten. Doch warendie Zustände hier sehr kläglich. Abgesehen davon, daß der Unterricht unsystematisch und unpädagogisch vor sich ging, konnten diesem Unterrichte nur diejenigen Kinder beiwohnen, deren Eltern die Unterrichtskosten bestreiten konnten. (Allerdings wurde auch von einzelnen Privatleuten für einige arme Kinder gesorgt, es wurden auch von Zeit zu Zeit Talmud Thora-Schulen gegründet, die jewells nach kurzer Zeit untergingen.) Man kann sich also ein Bild machen, wie es um den! Unterricht im Allgemeinen, um das Lernen der armen Kinder im Besonderen bestellt war. Ich möchte Ihnen, meine Verehrten, zur Erhärtung meiner Behauptung, einige Tatsachen ansühren: Ich fragte -einmal -einen meiner Schüler, wieso er denn so wenig wisse, worauf er mir antwortete, er habe nur zweimal wöchentlich gelernt. Ich wußte natürlich den Grund-er war nicht imstande, das Schulgeld zu bezahlen. Dies war bei sehr vielen der Fall. f Es meldeten sich einmal zwei ostjüdische Jungen bei mir an im Alter von ca. 10 und 14 Jahren. Ich beabsichtigte natürlich ursprünglich, den Vierzehnjährigen in eine Gemoro-Klasse eingureihen, m weiche, er seinem Alter nach auch hineingehörte. Als ich aber seine Kenntnisse prüfen wollte, mußte ich zu meinem größten Erstaunen leider feststellen, daß der Junge nicht einmal das Olef-Bes beherrschte. Daß er von pV’an -Legen keine Ahnung hatte, ist selbstverständlich. Das gleiche war bei dem Zehnjährigen der Fall. Unsere Schule besteht nun über 4 Jahre. Was der K. H. mit seinem Eingriff in die hiesigen Verhältnisse geleistet hat, ist, daß es jedem Mischen Kinde möglich ist, täglich einen systematischen Unterrichte beizuwohnen. Wir fangen mit dem jüdischen Elementarunterricht cm! und bringen die Kinder so weit, daß sie für die Frankfurter Jeschiwaus reif sind. Es sind von Dortmund aus bereits 10 Jungenauf die Jeschiwah gegangen. (8 zu Breuer, einer nach Ungarn und einer zu Hoffmann.) Daß der Name Jeschiwah bei der hiesigen Jugend fremd war, bedarf keiner Erwähnung in einer Stadt -wie Dortmund, wo der Sport in höchster Blüte steht. Jetzt ist unser Schülermaterial so weit, daß jeder für Gemoro fähige Junge das größte Interesse für den Jeschiwobesuch hat. Wir hatten kürzlich einen Fall, -wo ein Junge, da die Eltern aus bestimmten Gründen ihm den Jeschiwab-efuch verweigern wollten, fremde Menschen bei ihnen protegieren ließ, die es schließlich durchsetzten, daß ihr Sohn auf die Jeschiwah geht. Es würde hier zu wert führen, darüber zu sprechen, wie die Schulen noch ausgebaut werden müßten, was stets an der Geldfrage scheitert. Wie es nun in den Städten Westfalens ausschaut, die keine K. H.-Schulen besitzen, davon können Sie sich wohl ein Bildmachen. Die einzige Organisation-, die diesem Uebel abhelfein! kann, ist der K. H., der in jeder Stadt Westfalens eine Schule gründen muß undmuß es der K. H. so weit bringen, daß innerhalb Westfalens für die Schüler, die unsere Schulen absolviert haben, eine Zentraljeschiwah ins Leben gerufen wird. Wenn auch der Gedanke uns noch sehr fern erscheint, fo könnte er doch bei genügenden Mitteln bald zur Wirklichkeit werden, daß das Wort des Propheten: jiya nnana aw'i . '7\ p2 nnanyi auch bei uns in Erfüllunggeht. Postscheck > Konto der Landesorpisatioo: Landesorganisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamborg: No. 50 204 Hamburg.

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