Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450572--76080-2533636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 8 Nr. 25 Der Israelit 20. Juni 1929 Hätte der neue Jifchuw •ein« Führerperfönl-ichkeit von Führerqualitäten, d. h. von moralischer Kraft und Ver fiändnis für dis jüdische Seele neben Klugheit und Energie, es wäre um vieles besser. Zofe a£ Zion. Gemeinsamer Empfang -es Waad leumi und der Agudas Iisroel bei der palästinensischen Regierung. Jerusalem, 5. Juni Gestern wurden Vertreter des Waad leumi und der palästinensischen Landesorganisation der „Agudas Jisroel" vom Staatssekretär des Innern empfangen Die erstere Körperschaft wurde von Dr. Thon, die letztere durch Rabbi Mosche Blau vertreten. Außer dem war Herr Schuchmann vom Waad hair anwesend. Die Unterredung dauerte etwa 2 Stunden und erstreckte sich auf Fragen des Schutzes der hebräischen Sprache, auf die Wahrung der Interessen der jüdischen Stadtviertel bei Wegeanlagen, Steuerfragen und andere ädministrative Angelegenheiten. Der Staatssekretär ver sprach, sich für die vorgetragenen Beschwerden zu inter essieren und soweit wie möglich Abhilfe zu schaffen. Frankreich. Generalversammlung des Israelitischen Konsistoriums in Paris. Paris, 6. Juni. Am Sonntag wurde im Saale des Konsistoriums die Jahresversammlung der Association Consisto riale de Paris unter Vorsitz von Baron Robert de Rothschild abgehalten. Dr. E u d l i tz erstattete -den Tätigkeitsbericht und stellte u. a. fest, daß in -der Berichtszeit mehrere neue Rabbiner ernannt wurden, was das Ausgabenbudget beträchtlich erhöhte. Dem religiösen Unterricht wurde viel Aufmerksamkeit zugewendet. Ein besonderes Bedürfnis nach jüdischem Erziehungsunderricht bestehe bei den Kindern aus dem Auslände eingewanderter Juden. Dies sei ein Glück für die Association, denn die Kinder der einheimischen jüdischen Bevölkerung besuchen nur in kleiner Zahl die religiösen Kurse, was die Cingeweihten mit Besorgnis hinsichtlich der Zukunft der Association erfülle. Immerhin sei auch hierin in letzter Zeit eine Besserung zu verzeichnen. Laut dem Finanzbericht beziffern sich die Pariser Einnahmen der Association Confistoriale de Paris auf 3.806.063 Frcs., die Ausgaben auf 3.620.330 Frcs. Süd Afrika, Eine südafrikanische Sabbalaklion. Johannisburg, 24. Mai. Durch Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. I. L. Landau wurde hier der Beschluß herbeigeführt, die Johannisburger Ortsgruppe des Weltverbandes der Schomre .Schabbos zu konstituieren, und durch den Zusammenschluß mit anderen südafrikanijchen gleichgerichteten Vereinigungen eine Landesorganisation zu bilden. Das Zentralbüro für Südafrika wird in Johannisburg eingerichtet Amerika. 35 ooo Juden am Schabbos arbeitsfrei geworden. N e w-P o r k, 25. Mai. Die Verhandlungen mit der National Jndujtrial- Conference sind heute zum Abschluß gelangt. Danach wird in der Konfeltionsbranche die Fünftagearbsitswochs mit sofortiger Wirkung eingesührt. Somit werden 35,000 in ihr beschäftigte Juden sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag arbeitsfrei. Bemühungen, den Arbeitsschlutz der Woche für Freitag, 4 Uhr nachmittags anzusetzen sind im Gange. Tagung des American Iewifh Eongreß. Newyork, 21. Mai-. Der amerikanisch-jüdische Kongreß, «der alle zwei Jahve eine Tagung -abhält, ist -am 19. Mali! in Atlantic City zu seiner ordentlichen Session zusammengeltve>ten. Der Präsident des Kongresses, Dr. Stephen S. Wisse, hielt eine große Rede, in der er ausführte, das Prinzip der Demokratie müsse das jüdische Sbebm beherrschen. Dr. Wise setzte sich mit Len geäußerten Melbnungen auseinander, daß der Kongreß, der fetnerzM für gewisse Aufgaben, geschaffen wurde, seine Tätigkeit jetzt zu liquidieren hätte. Er sagte, das Ziel -des Kongresses fei auch früher nicht das Eingreifen! bei! dringender Not in den Vereinigten Staaten oder auswärtsgewesen, sondern die Erhaltung einer ständigen- Organisation, die u-. a. auch in Fällen dringender Not einzuMeifen hatte. Die Tagesordnung des Kongresses umfaßt folgende Punkte: Schutz -der Rechte der jüdischen Minderheiten in den auswärtigen- Ländern; Berfoltzung des Judentums und der hebräischen Sprache in- Rußland; Hungersnot in Beßarabien undinLitauen; Entwicklung der jüdischen Siedlung in Palästina; Einwanderungsgesetze der Verolnügten Staaten; unierfchveWiche Behandlung von Ju den an amerikanischen- Universitäten und Hochschulen Manisestati-onen des A-nWemitismiitß, An Handel- -iiini>; in der Angestelltenbewegung; Organisierung Mischer Gemeinden in allen Teilen der Bereinigten Staaten. Dr. Wise forderte -den Kongreß auf, sich mit dem Problem der Jewish Agency ge-wffsenhaft auseinanderzufetzen. Keine and-ere Körperschaft als -der American Iewifh Eongreß, sagte -er, käme -eher -für eine solche Diskussion in Frage. Er teiltezum Schluffe mit, daß er das Amt eines Präsidenten' des American Jewish Eongreß nicht mehr annehmen wolle. Koscher-Rahrungsmrttel in Newyork. N e w y o r k, 31. Mai'. Die Newyorker Kaschruch-O rganisatio-n hat -der im Büro des Kommissars d-es Newyorker Markt-Departe ments abgeh-attenen Konferenz der Rabbinatsämter mit geteilt, daß der jährliche Umsatz für Koscher-Ncchrungsmiitel in Newyork City sich auf 150 M-illionen Dollar beläuft. Es existierten in Newyork ungefähr 10 000 Koscher-Fleischhandlung-en und rd. 2000 K-osch-er-Delikatessengeschäfte. Die Konferenz beschloß, Maßnahmen' zu ergreifen, um dem Koscher-Gesetz des Staates Newyork stärkere Geltung -als bisher zu verschaffen. Dieses Gesetz sieht bekanntlich hohe Geld- und sogar Gefängnisstrafen für diejenigen vor, die nichtkoschere Nahrungsmittel als koscher anbieten. Personalien. Mellrichstadt, 26. Mai. Vergangenen Mittwoch, den 22. ds. hat man die Gattin unseres Gemeinde-Beamten, Frau Sophie Schloß geb. Wechsler, zu Grabe getragen. Nach einem langen Leiden, mit bewundernswerter Geduld ertragen, ist sie im 51. Lebensjahr aus dem Leben geschieden, betrauert von ihrem Gatten und ihrer Züchter, aber auch von der Gemeinde, überhaupt vonn allen, die sie kannten. Das zahlreiche Trauergefolge, unter dem sich auch unser Distriktsrabbiner Herr Dr. "B a m b e r g e r, viele Freunde von Nah und Fern, alle eile der hiesigen Bevölkerung, befanden, gaben ein beredtes Zeugnis von oer a.^gemernen ^liebtheit und Ehrerbietung, deren sich die Verblichene erfreute. Ging doch mit ihr eine selten brave, eine kaum wieder zu findende fromme, echt jüdische Frau aus dieser Welt, eine Frau, dis nur Liebe kannte, nicht nur zu ihren Lieben, sondern zu allen Menschen, eine Frau, die nur ihrer Familie und unserer heiligen Religion lebte. Erfüllt von strengster Gottesfurcht, von seltenem vielseitigen' Wissen in unserer Religion, war sie bemüht, nur gute Werke zu tun, in jedem Menschen nur gute Seiten zu finden . Den.Armen zu Helsen, war ihr höchstes Ziel. Von ihrer seltenen Bescheidenheit gab ihr letzter Wille Zeugnis, daß an ihrer Bahre keinerlei Rede gehalten wirden soll. Langenselbold, 9. Juni. Von einem unersetzlichen Verlust wurde unsere Gemeinde betroffen. AlN "3 ZUE? ■>npm verschied nach langem schweren Leiden, das sie mit ganz außerordentlichem Eottvertrauen trug, Frau Pauline Kanthal geb. Luß. Als älteste von zehn Geschwistern uh sie schon frühzeitig in bem beiannten Sterbfritzer Lehrerhause das Leben einer echt jüdischen Familie vor sich. Nach diesem Vorbild baute sie ihr eigenes Haus auf. In rastloser Tätigkeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend war sie nur darauf bedacht, ihrem Gatten eine echte Gefährtin und ihren Kindern eine liebevolle treu- 'orgende Mutter zu sein. Der Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder widmete sie sich mit ganz besonderer Sorgfalt, und gar manche Stunde der Nacht opferte sie, um ihnen das Fortkommen zu erleichtern. Dabei vergaß sie nie die Sorge um das Allgemeinwohl. Ihr Haus stand jedem offen und mit Rat und Tat half sie allen Bedrängten und Schutzlosen. Von Pauline Kanthal ging nie jemand fort, ohne einen richtigen Wink für seine Lebensgestaltung erhalten zu haben. Ihre Kinder wetteiferten, ihr den Lebensabend nach besten Kräften zu verschönern. Da befiel eine heimtückische Krankheit die Frau, die nie Zeit hatte, sich auszuruhen, und fesselte >ie nach schwerem Leiden ans Bett. Und schon bald erlag ihm die erst 63jährige und folgte ihrem Gatten, der ihr drei Jahre vorausgegangen war, "tu dis Ewigkeit. Ein großer 'Kreis von Freunden und Bekannten gab ihr das letzte Geleit zum Bes Aulom, wo ihr Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau., die letzten Scheideworte zurief. rrax n Hohenfalza-Jnowroclaw, 23. Mai. Herr Sanitätsrat Dr. Warschauer feierte kürzlich sein 50jähriges I u b i l ä u m als Arzt. Der Jubilar, der am 15. Januar 1855 in Posen geboren ist, hat jahrzehntelang in hervorragenderweise gewirkt. Bei Beginn des Weltkrieges im Jahre 1914 als Reservelazarettdirektor -eingezogen, wirkte er zuerst als Chefarzt und dann als Leiter einer eigenen Lazarett- Abteilung für Offiziere und Mannschaften. Seit Jahrzehnte gehört er dem Borstande der Synagogengemeinde als stellvertretender Vorsitzender an. Seine besondere Liebe und Arbeitskraft wandte er als Vorsitzender dem. „Verein für jüdische Geschichte und Literatur", ferner als Kommissionsmitglied dem „Verein für Krankenpflege und Leichen bestattung" zu. Auch als Stadtverordneter war der Jubilarin- Fviedenszeiten in Hohenfcklza viele Jahre tätig. Gießen, 4. Mai. Am 2. Tag Schswuaus begeht Frau Hirsch geb. Satz in voller körperlicher und geistiger Gesundheit ihren 84. Geburtstag. Kassel, 10. Mai. Ihren 75. Geburtstag beging heute in größter Rüstigkeit Frau Helene Meißner, dahier. Gurhagen, 12. Mai. Seinen 78. Geburtstag beging am 1. Mm in größter Frische Herr Baruch K a tz, dahier. Gurhagen, 12. Mai. Ihren 80. Geburtstag beging in bester körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische die Witwe Lina K a tz, dahier. Frielendorf, 16. Mai. Seinen 70. Geburtstag begeht heute in seltener geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit Herr Gerson Moses. Er erfreut sich sowohl in jüdischen wie in christlichen Kreisen größter Achtung und Beliebtheit. Seit vielen Jahren ist er als Rendant Mitglied im Vorstände der hiesigen Jüdischen Gemeinde. Größte Frömmigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit verbunden mit seltener Herzensgute, größte Redlichkeit und Ehrlichkeit im Handel und Wandel zieren den Charakter des Jubilars. Mit großer Verehrung sehen Verwandle und Freunde unserer Gemeinde zu ihm hinauf. Enbighrim, 27. Mai. Am 4. Juni (25. Jjar) feiert ln seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit Frau Fanny Reich Ww., geb. Freudenberger, ihren 80 j ä h r i g e n Geburtstag. Wir wünschen dieser bescheidenen, einfachen, überaus gastfreundlichen und frommen Jubilarin einen weiteren frohen Lebensabend. n:» nntfsi nrr» ns Rernheim (Hessen), 16. Juni. Beil der heutigen Wahl des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Buxmann und der beiden Beisitzer N. Frohmann und Lehrer Vorenberg wurde Herr Sigmund Steile rmann mit großer Stimmenmehrheit zum ersten Vorstand gewählt. Vermischtes. Torino, 19. Mai. Fachleute des Restaurationsgewerbes werden vielleicht Interesse daran haben, zu vernehmen, daß hier in Turin ein tüchtiger Mann zweifellos eine gute Existenz durch Errichtung eines rituellen Restaurants, verbunden mit dem Verlauf von koscheren Lebensmitteln, Geflügeln und Selchwaren etc., finden kann. Reflektanten würden gut tun, sich mit Herrn Oberrabbiner I. B o l a f s i o, Torino, Jtalia, Via Po V. Nr. 12 in Verbindung zu setzen. Mainz, 16. Juni. Am 3. Siwan 5639 wurde der Synagogen - Neubau der Israelitischen Rel i gi o n sge s el-lfcha f t Main z mit großen FeieMchk-eiten seiner Bestimmung übergeben. Eswar beabsichtigt, die 50. Wiederkehr dieses Tages feierlich zu begehen, aber durch den leider vor kurzem -erfolgten Heimgang unseres Raw Dr. Bo-ndi mußte davon Abstand genommen werden. Um jedoch der Erinnerung an die denkwürdige Begebenheit gerechtzu werden, fand beim Schachris-Gebet eine schlichte, einfache aber würdige Feier statt, der ein größerer Teil der Gemeinde in Evgriffenheit beiwohnte. Der zufällig, hier anwesende Würzburger Oberkantor, Herr Eschwege, -hatte sich in liebenswürdiger Weife bereit erklärt, für unseren durch die Trauer um seinen jüngst Heimgegangenen- Sohn- 'leider verhinderten Oberkantor, Herrn Abraham Oppenheimer , -einzutreten und er -fand mit seinem Chaso-nus dankbare Bewunderung. Nach Schluß des täglichen Gebetes, von welchem einige Teile besonders gesungen wurden-, rezitiertedie Gemeinde nach -einem- Solovortrag dse Herrn Efchwege einige Mismaurim, die auch vor 50 Jahren bei der Einweihung gesprochen wurden. Danach prach Herr I. T s chorni ki ein besonders für die Bedeutung des Tages verfaßtes Gebet, worin auch der Heimgegangenen Führer Dr. Lehmann und Dr. Bondi V'xr Erwähnung geschah. Die Woche. Rabbinerwahl. Es fei nochmals -in Erinnerung gebracht, daß die Rabbinerwahl inder Synagoge ngemeinde „Jsr. Religionsgesellschaft" diesen Sonntag, 23. Juni, in der Aula der Realschule, Am Tiergarten, in den- Stunden zwischen- 8 Uhr morgens und 2 Uhr nachmittags vor ich geht. Liebmann Daer!?"xr. Hin Meister des Wohltun-s ging von dannen, tränenreicher Dank Unzähliger in Privathäusern und Anstalten begleitenihn ins Grab. Cs war beinahe gut, daß man am Rüsttag zum Schwuausfeste an der Bahre die Verdienste Baers nicht aufzählen, ihm letzten Dank nicht vobkvm konnte, denn man wüßte nicht, wo anfang-sn und wo aufhören. Sollte manschildern, wie er sich für Arme und Bedürftige, für Witwen und Hilflose mit der ganzen Kraft seines goldenen Herzens «insetzte, oder wie er in den verschiedenen Wohlsahrtsheimen in Deutschland