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Der Israelit · 1929-06-20 · Heft 25 (20.6.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 25 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Ys taelH Nr. 25 Seite 7 V'-' 20. Juni 1929 frer Mordechai Hans, f-eiine Frau -undihr p>eWH-riger Sohn wurden von der Milchfrau Be'le Ostvr, als sie morgens Äs Milch bra-ch-te, tot in ihren BluM'chen ftgen'b;, aufgefunden. Die ErmorÄsten' waren -ordentliche ttMte, die sich recht rt sehr kümmemch ernährten'. Bon einem Racheakt konnte nicht die Rede Mn. Der Verdacht fi^t gleich au f einen.gewissen- Schatz ko wski,, Sohn einer sehr überbelsumundöten Manischen Familie. Dieser aber suchte den Verdacht von sich abzuwälzen. und' andere zu beschuldigen. Unter den Müschen Bewohnern der Stadl war es ausgemacht, daß nur Gchatzkowski den Raubmord — denn nur um einen solch>emhandelte es sich — begangen hatte,, doch wagte keiner, gegen die FewaWäti'- gen Menschen aufzutveteni, sie drohien auch. Me Juden des Ortes zu vernichten, falls ihrer einer gegen sie zeuge. Endlich aber meldete sich doch der jüdische Gasthosbesitzer Moses Judenberg in Uhnow beim Untorsuchungsrichler und sagte aus, daß er in der -kMfchen Nacht, als er mit dem Wagen am Hause der SchnleiderssamWe vorbcifuhr, den Jan SchatzkorvsK mit seltner Schwester aus dem Hause der Ermordetein kommen sah. Er zögerte lange mit dieser Aussage aus Furcht vor Rache. Da aber erschien chm wiederholt der ermordete Schneider im Traume und befahl! chm, die Wahvheilt zu sagen und seinen Mörder anfzubecken. Auf Grund! dieser Aussage verhandelte jetzt, unter größter Spannung der Bevölkerung, Aas Lemberger Schwurgiericht über Jan und Maria Schatzkowski. Ein blutbeflecktes Beil, Aas man im Häufe der Angeklagten gefunden hatte, liegt auf dem Tische, des .GerichisHofe-s,. Noch niederschmetternder für die Sch. sind die zwei Sammc!sb üchscm des Ratvonalfonds, die man in der Wohnung! der Angeklagten, rmibe-r, dem Fußboden vergraben, gesunden, halte. Die Verhandlung tolrib mindestens acht Tage dauern. Iugoslaviöü. Ein Talmudprozeß in Jugoslawien. Belgrads 20. Mail. Der jugoslavische Advokat, Radovan Golubßc, Sohn eines griWifch-nichtuniieriten Geistlichen, hat -in einem Prozeß bezüglich -einies van einem jüdischen Notar erhobenen Wechselprotestes beschimpfende und vsrleumdevische Behauptungen übler, den Talmud und .die jüdische Religion geäußert, die.-in der jüdischen BevWkeruyg .älWMmSens. schärfste Entrüsturlig .Hervorrufen. Die israüMsche KultulSgerneiNde Brod ersta-tieie bei der ,S®e woraus gegen 'Golubjc,,die,.HlaAe 'erhoben chnM. Beil der gm 26. Jch nugr.1928 stattgefundenen Verhandlung wurde Golubikc bedingungs werfe zu' acht Tagen Arrest vevurteW. Er erhob jedoch die, NkchtigbMsbeschrverde und die könitzW-e Tafel..in Zagreb.-ördgeile. eine Ergäntzüng des Verfahrens an. In der Begründung dieser Enltsichieidung heißt ,es u. a.: „Das erfÄnftanzliche Urteil hebt in seiner Begründung hervor, daß durch Ate 'inkrilmknierten Zhtate der Haß.und die IMMsamkcht zchWm üm MigWdern der ReKgronsgenossenschasten erregt wurde. Da aber in Jugoslavien nicht alle Sekten der jüdischen! Religion anerkannt sind, hat das erstinstanzliche Urteil nicht begrüm detz ob die..Se>kM welche die Religiön nach! dem Talmud und Schulchcm'-Äruch le-hr-h, -rmÄtzr die beiuns..gesetzlich anerkannten ReliglionsglenossMschasten gehört und ob die Rel-r-gionslehre nach diesen Büchern- >dtiie Gesamtheit der R-eligionsgesetze bilde, und nicht bloß die Lehre einer einzelnen Sekte oder -einer einzelnen religiösen' Gemeinde, welche dann Nicht den Schutz des 8 303 St. G. gMließen." Der Gerichtshof holte nun ein Gutachten zweier Sachverständiger ein und bestimmte unbegreisli-cherweise hierzu zwei katholische Theologen!. In ihrem Gutachten beriefen sich die beiden Sachverständigen sogar auf die Schriften des >rm Bloch-Rohling,-Prozeß «Es Ignoranten und als Meineidigen entlarvten Dr. August R o h l i n g. Während sich der Ang-eklagMabermals Ln wüsten Beschimpfungen! gegen das Judentum erging, erklärte Staatsanwalt Dr. Ra kos, daß er keinerlei! Be-M'dig>ung einer gesetzlich anerkannten Relligion zuilassen' werde. Er Halde weder das Gercht als solches, noch, die! gerichtlichen Sachverständigenfür kompetenl, den Inhalt -und die Lehre einer gesetzlich anevkannben Konfession zu, prüfen und fordert daher eine Bestätigungdes erftrichteMchen Urteils. Dr. Ladislaus Sit, der Vertreter der klagenden Gemeinde zu Brod, wies auf Grund zahlreicher Zitate nach', däh weder der Talmud noch! Schukchän'-Ariuch eine Gehoimlehre bilden, sondern daß sie jedem Kundigen zugänglich und verständlich sind. Er erklärte die- Entstehungsgeschichte des vom Geklagten so heftilg angegriffenen Kok Ridre. Weiter! Widerte Dr. Sik diie Eniwicklung die'r -ei-nzelnön, in Jugoflaoien jetzt friedlich neb!eneinander llebendien Konfessionen, die Kämpfe, Äe es hisrzulande im MivtellMer zwischen! Kaholiken-, Pravoskaven und Protestanten und dann gegen Bohumilen und Mo-- Hammedaner gegeben hat. Niemand, der das Vaterland liebt, könne wollen, daß es nun zu derartigen! Hetzereien gegen Juden komme. Auch! er forderte die Bestätigung des erftrichlberlichen UrüeMs gegen den Verleumder der füdifchen Konfessivn. Der BerusungsWa-t entschied in di!esem Sinne, Litauen. Der Rogolschower Raw. Dwinsk, 23. Mai. In diesen Tagen rundensich vier Jahrzehnte!, daß der R o goifcho wer Naw , Rabbi Jossef Rosin. seine rabbinische Tätigkiavt in Drvinsk ausüblt. Rabbi Rosin, bekannt unter dem Namen der „Rogotfchower", dürste heute, nach dem Tode von Rabbi Meier Simcho, die größte rabbilnische Auitoriltät im Osten wie in der ganzen Welt sein. In Dwinsk rüstet man sich, dien Tag feierlich zu begehen. Das Agudds JKsroel-Pnesiebüro in Wien appelliert an die gesamte Mische Welt, aus diesem Anlaß an -der Gründung -einier!großen Jeschiwa auf den Namen des Gaon miltznwirksn. Tschecho-Slowalei. Gemeindepolitische Grenzlinien in Ungarn und Deutschland. Sa-rospatak, 22. Mai. Herr Obervabbi'ner B. H. Fischer in Sar-ospat a k bittet uns -um die Deräffentlichlumg folgender Erklärung: Da sich der Schriftleiter der Agtudab-lätter m Nr. 10, S. 4, auf Minen in -der Peffachn-ummer der „Jüdischen Presse" -erschi'menen ArMeil: „Soll und' darf eine Teilung in der ungarischen O-rchodoxie erfolgen?" beruft, so fühle ich mich p elMalren gezwungen!, baß meine betr. PoßenM sich -Ägentlich üicht 'gegen Ave bereits -im vm kodlMlzserbe Fordemng, wonach 'die Lsrtung jüdischer GemÄnden lreliH>ös vevläßVchen Männern anzuvertrauenist, geachtelt wair. Dies» sollte dem Herrn Jacobson schon aus dem- Umstande eingelleuchtelt habm-, daß -ich b-ei Erwähnung dieser Forderung anmsrkte, daß dies eine Forderung M, weiche bereits vom und S. R. Hirsch -aufgestellk worden ist. Wie kch auch in meiner ln der >ungar>ksMn Presse 'geführten Poolsmik mit keiner Silbe gegen!diefe Fordemng zu Felde zog; wenn ich es -auch -bezweifeln muß, daß sich 'diese Forderung, namenNch in vielen klsinen einheitlichen 'orthodoxen Gemeinden -ganz durchführen Wßt. Meine Polemik richltvte sich eigenWch gegendie übrigen, im e-rwähnbLn Artikel namhaft MNMchtittt Forderustge-n, d-eren Berwir-Wchung zahllose archvdoxe Gemeinden des Landes in ihrer Existenz erschüttern, möchte. Uebrigens beföudöt sich eine, unseren Gegenstand vom Gesichtspunkt der gefchichllichen Eniftehung und EntwiMlNg -der orthodoxen Gem-eiudien in llng-arn b-eirachtende Arbeit von Mir seit 'längerem. -bei der Wbl. Redak-- tion ds. Bl. Schwede«, Schächtverbot in Norwegen. Oslo, 20. Juni. Kurz vor Redaktionsschluß wird uns aus Oslo berichtet, daß der „Norwegische Od-eltmg" (Unterhaus) am 16. Juni mit 88 gegen 21 Stimmen- -ein Gesetz angenommen hat, das das Schlacht e nn ach j ü d i f ch e m Ritus i n ganz Norwegen verbietet. Ueber die näheren Umstände des überraschenden! Verbotes folgt ausführlicher Bericht. Palästina. Zur Frage des Skakus qua an der klagemauer. Jerusalem, 21 Mai. Dem Rat der Mischen Geme-inde von Jerusalem sind zwei Dokumente zugegangen,, die 'für die Frage des Status q u o an der KlageMäuer von großer Bedeutung sind. Das erste Dokument ist eine offizielle Mitteilung des Sekretariats der Palästina-Regierung aus dem Jahrs 1920, alseben die Zivilverwallung in Palästina unter Sir Herbert S-amuei errichbei worden war, und besagt, daß der Obe>r ko mmissar die Entschei dung über die Frage der Trennung der männlichen von den weiblichen Andächtigen an der K'lag e mau er d em Rab b ina t Palästinasüberläßt. Das Mci'te Dokument enthält eine Mittsilung des früheren' Gouverneurs von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, ebenfalls aus dem Jahre 1920, in der es heißt, daß die Regierung nichts dagegen habe, wenn'längs der Klagemauer Stühle zur Benutzung seitens der Betend e n a u f g e ft e 'l l t w e r d e n. Aus diesen beiden Doku-niente-n ist klar zu ersehen, daß de Errichtung einer Scheidewand und -die Au-fstellUng von- Stühlen keinerlei Verletzung des Status qu-o bedeuten- Bekanntlich haben diese zwei Angelegen-hleiten -in den Jahren 1925 und 1928 zu sehr unliebsamen Zwischenfällen geführt, indem die Mosiemiten angeblichin 'der Ver'teidigun-g des Status quo die jüdischen Andächtigen anigeg-riffen haben'. Am Versöhnungstage 1925 handelte es sich um Stühle, die zum Aus-ruhe-n- -für -bstsnde Greife -und Gre-isinn'en allfgeftellt wurden; am Verföhnungst-age 1928 handelte es sich um die Scheidewand. Me Angelegenheit hat bekanntlich auch den Völkerbund beschäftigt. Brief aus Palästina. T-el - A w -i w, 17. Juni. Der in diesem Jahre sehr große Tauristenstrom ist nun am Verebben. Sicherlich war jeder -der tausende, die da kamen, die produktivenw-irts'chafllichen jüdischen' Leistungen zu besichtigen, von dem Geschauten freudig überrascht. Nur wenige dürften in die Wirklichkeit des Alltags, wie . ihn die Juden Palästinas -leben,, geblickt haben. Dkeser Älltäg heißt P-tonkertum mit seimr aufreibenden Arbei't, seinem Verzicht aus bakd-tge materiellen Erfolge und für -gar manchenmit eiü-em Erliegen. Nur eine Minderzahl, der Touristen kommt, getrieben von der Sehnsucht,nachdem heiligen Lande, das mit der heiligen Thora und dem in Heiligkeit feine Aufgabe er- .f-afsenden jüdischen Volke verbunden ist. - Denmeisten T-ourMn, ,-bedeutet. Pglästin« -eine profane AngeiegMhe-it. Geld, PollM>,. Propaganda, lauter, recht profane Dinge, wirbeln' durcheinander, wenn sie stch schön, «mst mit dem Schicksal des Mischen Palästina beschäftigen, und die geschichtlichen Stätten des Landes sind ihnen nur Stätten -einer für sie nicht mehr verbindlichen Vergangenheit. An -diesen Erscheinungen -ist die Einstellung der zionistischen- Oefsentlichkeit in Presse, Literatur, Versammlungen usw., zu der auf. der Thora, der jüdischen Religion, sich aufbauenden- Tradition des jüdischen Volkes schuld. Die jüdische Religion -wird -nur in ihren nativna-lM Anklängen respektiert, -ihres Heiligkeitschar-akiers aber hat man sie enMeidet. Ist es da ein Wunder, wenn christliche Touristen beim ersten Betreten des Bodens Palästinas niederknien, die Erde zu küssen, zionistische Führer aber ihre Zigarrs ruhig weiterrauchen? Ist es da ein Wunder, wenn auf einer Lehrerversammlung -in Tel-Awiw ein. Jugenderzieher erklärte, daß die Lehrer sich -im U-nterricht bemühen, den Büchern der 25iM' chne Hoi-Meiit zu mhmen und zu einem profanen Werke zu machen? Dem neuen Geschlecht solle z. B. Jesajah, nicht einer der heiligen Propheten, sondern ein großer Schriftsteller sein. Der in den Traditionen des Juden-tums lebende Tourist empfängt schonauf dem Schiffe einpeinliches Gefühl der Enttäuschung. Die Schiffahrtsg-esellschaften haben die Möglichkeit zu einer koscheren Verköstigung gegeben-, — doch all die -großen und kleinen zionistischen Fiihrer, all die großen und kle-inenzionistischen Beamten, -all die z-ionistischen Literatenhabennicht -einmal den Takt, auf der Reise -in das Land -ihrer Väter 'die Gesetze zu respketi-er-en-, für deren Aufr-echterhaltung ihre Väter bereit waren, in den Tod zu gehen-. Weil die geistigen Führer des Zionismus trotz ihres national - jü di s chen Bek e nn tn i sses -in ihrer Seele zerrissene Assim-ilationsju-de-n gebliebensind, gehen vonihnenkeine die palästi-n-ensische Judsn-hei-t seelisch aufbauenden- Tendenzen aus. Die pa-lästinensifche Juden-hei-t ist, soweit -es sich um den neuen Jifchuw handelt, den die zionistische Bewegung nach Palästina brachte, führerlos. Noch größer als die materiellen Nöte sind häufig die ideellen- Nöte ihrer Menschen. f

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