Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 25 Seite 5 20. Jim! 1929 __ urni) führte die Gründe cm-, wÄche Me SchafftMg> eines Stammtiisches DüsisL-orf für mitmeniditz erfche-Mön Liehen. In DüsssLdors und wähorsr UMge-buinU lieben eine 'ganAe Anzahl Mer Herren. Für ein pulsierendes B. I. A.-Leben fei Bovaussetzumg, einen «nigjsvett Konteckt zwischen den Bmrdssib«r-üÄsrn! herbeitzufüh'rsn!. i Nach köb hofier WskuGcm «>m?dsdas PEsiWm gewählt/ Briefansihviift des Stammtisches: Gras Adolf- Straße 102. Weltkongreß der jüdischen Frauen. Hamburg, 6. Juni. (Schluß.) Des weiteren sprach noch FrauKarolme Wysenbeck aus Holland über den Völkerbund und die jüdische Frau, und Frau Anita Müll e r-Wien über die Kulturarbeit der jüdischen Frauen in und für Palästina. Einige Frauen sprechen sich als „deutsch fühlende Jüdinnen" gegen die Jewish Agency aus, während die Mehrzahl der Jewish Agency sympatisch gegenüber steht und ihre Förderung wünscht. In der Schlußsitzung am Donnerstag wurde die Gründung des Weltverbandes der jüdischen Frauen beschlossen. Seme Richtlinien wurden in folgenden 10 Punkten niedergelegt. 1. Die Frauen sollen für die Stärkung des Friedenideals wirken. 2. Religiöse und kulturelle jüdische Erziehung soll gefördert und die jüdischen Lehranstalten gestützt werden. 3. Zur Mitarbeit an der Bewegung für die Erhaltung des S a b b a t h sollen drei Mitglieder in den Weltverband der Schomre Schabbos in Berlin entsandt werden. 4. Die jüdischen Frauen treten für die Einführung der hebräischen Sprache im jüdischen Unterricht ein. 5. Der Weltverband und die ihm angeschlossenen Frauenbünde treten für die Einführung des Frauenwalrechtes in den jüdischen Gemeinden ein. 6. Der Weltverband wird dahin wirken, daß ein orthodoxes Rabbinerkollegium geschaffen wird, dem die Regelung der Agunoth-Frage nach dem jüdischen Gesetz obliegen soll. 7. Die jüdischen Frauen arbeiten an dem Wiederaufbau Palästinas mit. 8. Die jüdischen Frauen der ganzen Welt protestieren gegen die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studenten an den Universitäten gewisser Länder. 9. Der Frauen- und Mädchenschutz wird aus internationaler Grundlage angestrebt. 10. Der Weltverband jüdischer Frauen setzt eine Kommission zum Studium der jüdischen Bevölkeruns- Politik ein. Zur Präsidentin des Weltverbandes wurde Frau Rebekka Ko Hut, die der Konferenz präsidierte, gewählt. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. Hamburg, 17. Juni. Die Deutsche Gesellschaft für KMsinanns-ErhoiLungs- Heims e. V. hat sich beveib erklärt, den jüdischen Gästen der „Ferienheime für Handel und Industrie" (F. H. I.), die das Mittag- und Abendessen in rituell geführten Speisehäusern einnehmen wollen, eine Rückvergütung von RM. 1.50 pro Tag zu gewähren. Es kommen in diesem Jahre — und zwar nur 'titt der Nachsaison —' die folgenden Düte iltl Frage: Landeck (Schl.)i, Neuenahr, Norderney, Reichenhall, Wiesbaden'. Der Wersin zur Förderung ritueller Speifehäus-er e. V., Hamburg 1, hat mit den an den erwähnten Orten befindlichen ihm angeschlossenen! RestauraNonen vereinbart, daß den Gästen der F. H. I. Mittag- und Abendessen zu ermäßigtem Preise verabreicht wird. Interessenten wollen! sich unter Bersügung von Rückporto an den Verein zur Förderung rituetier Speise Häuser e. V., Hamburg 1, wenden. Weiter wird uns berichtet: Der Reichsarbeitsminister hat unter dem 6. Dezember 1928 dem Bund gejetzestreu-er Gemeinden m Haiberstvdt nMgeteW, daß er (sub Ib Nr. 5775/28 D 1) sämtliche Hauptverforgungsämiter auf Antrag des genannten Bundes ermächtigt habe, „den jüdischen Ve^orgungsberechti'gten, die mit einem entsprechenden Anträge <cm die Verforgungsbehördie herantreten, ausnahmsweise die Wahl eines für den Krankheitsfall geeigneten und anerkannten Kurortes innerhalb Deutschlands selbst zu überlassen! und ihrren bei Erfüllung der genannten Voraussetzungen . . . eine Kostenbeihiilfe zu zahlen (z. Zt. also bei Badekuren RM. 5.60 und bei' ' Heilftättenbehandlungen RM. 6.— für den Tag). Daneben können auch die Reisekosten in dem gesetzlich -begrenzten Umfange erstattet werden." Jüdische Bersorgungsberechtigte, „Öte aus religiösen Gründen besonderen! Wert daraus legen, auch während einer kostenfreien Badekur oder Heilstättenbehandlung GslcVercheit M ritueller Verpflegung" zu -erhalten^ müffeO-'demj^mäH. „mi^eÄrem entsprechenden Anträge" an die 'Verfougungsbehörhe-herankreten. In Fällen, wo sich der Genehmigung eines.Foüchen Antrages' Schwierigkeiten entlgsgenstellen oder über die Gelegenheit zu vitueWer Verpflegung Zweifel bestehen, ist dev „Bundgesetzestreuer jüdifcher Gemeinden", Habberstadt, — ebenso wie der „Verein , zur Förderung Iie Wacht. Berlin. Gegen «in- Mitglied!der natibnalsozialistischsn Banden in Bremen, die kürzlich wegen ihrer Straßenüberfälle in zweiter Instanz -erneut verurteilt wurden, -erkannte das Gericht, über -den. Antrag der Staatsanwalt fchaft hin-ausgehend, auf eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen, da durch eine derartige Verhetzung ein Tteik der Bevölkerung in Gefahr gebracht würde-. — Der Allgemeine Deutsche RabblNervevband -entsendet drei Delegierte, Md zwar die Herren Rabbiner Dr. Leo Beck, Berlin, Dr. I. Horowi-tz, Frankfurt a. M. und Dr. Die n e mann, Ofsenbach a. M. in das deutsche Initiativ -Komitee für die Jewifh Agency. Frankfurt a. 21t. Der „Frankfurter Beobachter" brachte einen Artikel, in dem schwere Beleidigungen gegen dm jüdischen Reki-giorrslehrer Isaak «ms Limburg erhoben wurden. Dem ReRgionslehrer wurde u. a. auch nachgefagt, daß er sich im Kreige gedrückt habe. Nach eingehender Verhandlung stellte das Gericht fest, daß die Behauptungen haltlos feien und verurteilte den mehrfach wegen Beleidigung vorbestraften Gutterer zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Heidelberg. Die Heidelberger Studentenschaft nahm -eine Resolution an zur Neuschaffung einer Ei nheit so rganisation der deutschen Studenten, unter Ablehnung aller parteipolitischen und rassischen Grenzscheidungen. Bukarest. In allen Synagogen- Rumäniens wurde am Schvwuausfeste das 10jährige Jubiläum der Emanzipation durch besondere Feiern mit Predigt begangen. Ueberall wurde bei der Seelenfei-er der jüdischen Helden gedacht, die für Rumänien gefallen sind. — Ministerpräsident! Manju lieh sich in einem Ju-tervi-ew mit dem Vertreter der ITA. über die Lage der Juden in Rumänien aus. Er habe den ehrlichen Willen-, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu -lassen, allein sie würden, besonders in ihrem zionMfchen Teil, zuvieill verlangen. Da sie im ganzen Lande zerstreut sind, so stehe ihnen nur ein Mandat im Parlamente zu, obwohl sie nach ihrer Anzahl mehr verlangen' könnten. (?) In der liberalen Presse werden diese Auslassungen nicht sehr günstig beurteilt. Wien. Me „Union österreichischer Juden'" überreichte dem österreichischen Bundeskanzteramk eine Eingabe. -ist welcher die Aufhebung offizieller Beschlüsse von Gemeindev-erwaMungen' zahlreicher Kurorte und Sommerfrischen, daß Juden jeglicher Aufenthalt in diesen Ortschaftenverbotenist, verlangt wird. Krakau. Von Studenten geführte Hultgan-Gruppen überfielen im Krakauer Jordan-Park die jüdischen Spaziergänger und mißhandelten sie schwer. Etwa 50 jüdische Spaziergänger erlitten Vierletzungen. Keiner der Hul-igans wurde verhaftet. New Jork. Der 22jährige Arthur Schreiben, der als , blinder Passagier mit dem „Ge-lben Vogel" den Uetze-rs-se-Fkug- Amerika—Europa mitgem-acht hat, ist Mitglied des jüdischen Jugondverbandes (Poung Men's Hebrew Association) in Newyork. Sein Vater ist Mi'tglied der Synagoge „Cz Chajm". Die Familie Schrei-! ber stammt aus Ungarn. ritueller Speisehäuser, -e. V., Hamburg 1 — gern bereit, die erforderlichen Schritte zu Unternehmen- Anfragen ist Rückporto bei zusügen. Rabbinerwahl in Köln. Köln, 16. Juni. Die Kommission zur Wahl des Rabbiners, bestehend aus Vorstand, Repräsentanz und fünf von der Generakversammlung gewählten Gemein'demi-tg'kiedern, hat heute in ihrer -ersten Sitzung einstimmig Herrn Dr. David Earlebach zum Rabbiner der Synagvgengemeind« Ad aß Jeschurun -gewählt. Herr Dr. David Eartebach ist der älteste Sohn des leider so früh heiimgegangenenunoerg-eßlichen Rabbiners . der Adaß 'Jeschurun, Herrn Dr. EmanueL Carlebach s. A. Der Vorstand, 8er uns Liefe Nachricht zugehen läßt, legt Wert darauf zu bekmm, daß allein -die p ersönliche Eignung des Kandidaten für die Wahl ausschlaggebend war. Kundgebung des Angestelltenbundes der Agudas Iisrael. Köln, 9. Juni. Hier fand am 9. Juni eine große Kundgebung des Angestelltenbundes „Agudas Jisroel" statt. Zu dieser Veranstaltung waren' die Gemeinden, Rabbinen, alle aus gesetzstreuem Standpunkt stehenden jüdischen Organisationen und die Presse geladen. Nach einführenden Worten des Herrn Eugen Neuberger, der Wesen und Ziele des Angestelltenbundes bekanntgab, ergriffen zu Sympathie-Aeußerungen die Herren Rabbiner Dr. Wolf und die Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal und Dr. Kober das Wort, die der Bundesarbeit jede mögliche Hilfe zusicherten und sich warm für die Idee und ihre Ausgestaltung ersetzten. Hieraus sprach als Vertreter der Großgemeinde Herr Hofsmann, als Vertreter der Synagogengemeinde „Adaß Jeschurun" Herr Jonas Wolf, für den Achduth Herr Nathan Kahn, für die Misrachi-Ortsgruppe Herr Schnelling und für die Misrachi-Jugendgruppe Herr Dr. Leibowitz. Nach all diesen Begrüßungen erhielt das Wort Herr Joel Sänger-Frankfurt, zu seinem Referat über „die Lage der sabbathhaltenden Arbeitnehmerschaft". Er führte aus: Vor 10 Jahren wurde in Nürnberg die Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel Jugendorganisation ins Leben gerufen, die jetzt, um eine selbständige Organisation zu schassen, in dem „Angestelltenbund Agudas Jisroel" ausgegangen ist, der in Frankfurt vor einiger Zeit gegründet wurde. Der Zweck des Bundes soll inssondere erreicht werden durch: Stellenvermittlung, Berufsberatung, Rechtsberatung, Herausgabe von Zeitungen und Schriften, Einwirkung auf Oesfentlichkeit und Presse, soziale Fürsorge, Propagierung des Gedankens der Heiligung des Sabbaths, Vertretung der Rechte der orthodoxen -Arbeitnehmer bei den Behörden, Einrichtung einer Versicherung gegen Stellenlosigkeit. Verschiedene Ortsgruppen sind bereits gegründet, die Idee ergreift die gesamte Orthodoxie, die ja nicht, wie vor dem Kriege, zum größten Teil aus Arbeitsgebern, sondern zu mindestens 60 Proz. aus Arbeitnehmern heute besteht. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind schwer, die kleinen Geschäfte gehen unter, alles gruppiert sich in Konzernen und Trusts, wer leidet am meisten darunter? Der jüdische Angestellte und sein Sabbath. Jetzt ist die richtige Zeit für den Ängestelltenbund, den Kamps auszunehmen. Er tritt mit Forderungen an die orthodoxe Oesfentlichkeit: An die Arbeitgeber: es allmählich soweit zu bringen, daß nur solches Personal eingestellt wird, das auf den Sabbath reflektiert im Gegensatz zu bisher, wo mindestens 50 Prozent des Personals aus Nichtjuden bestand. An die R a b b i n e n: ihre ganze Kraft in den Dienst des Sabbath zu stellen, um den Gedanken allmählich eindringen zu lassen, daß ein jüdischer Arbeitgeber nur jüdisches Personal zu beschäftigen habe. Besonders sei aus die unter Aussicht stehenden Betriebe heranzutreten, damit sie nur jüdisches Personal aufnehmen. An die Angestellten, die sich die größte Mühe zu geben hätten, in jeder Beziehung perfekte Kräfte zu werden. Zu diesem Zwecke sollen die einzelnen Ortsgruppen des Bundes Kurse einrichten in Stenographie, Handelslehre, Bankwesen, Sprachen etc., damit die noch offenen Lücken im Wissen der Angestellten ausgesüllt werden. Alle Arbeitnehmer sollen sich im Angestelltenbund organisieren, der alle Interessen, ob es sich nun um Gehaltszahlung, Urlaub, Rechtsvertretung etc. handelt, vertreten wird. Es kann durchgeführt werden, daß Angestellten. die auf den Sabbath reflektieren, bei Arbeitslosigkeit die Erwerbslosenunterstützung nicht entzogen wird, wie dies bisher der Fall war. Ein diesbezüglicher Prozeß ist seitens des Bundes berits erfolgreich geführt worden. Das überaus interessante, auf praktischen Erfahrungen beruhende Referat des Herrn Joel Sänger, der sich