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Der Israelit · 1929-06-20 · Heft 25 (20.6.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 25 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Seite 3 20. Juni 1929 I (ten Löhne Freitag Nachmittag und Samstag lausgezahlt werden. Unter diesem Gesichtspunkte gewinnt ein! Aufsatz für uns Interesse, der im vorigen Jahre in der „Frankfurter Zeitung" stand. In diesem Aufsatz war unter dem Titel „Legt die Zahlungstermine auseir.under" ausgeführt, daß die Zufainmendrängung der Lohnzahlungen auf einen Tag für den Detailhandel eine große Schwierigkeit bedeutet. Tatsache ist, daß der Samstag der Gefchäftstag par excellence ist, weil die Arbeiterschaft an diesem Tage Geld in den Händen hat und es auch ausgibt. Aus diesem Grunde sind die Geschäftsleute gezwungen, ihren Personalstand so zu halten und für die ganze Woche zu bezahlen, wie er dem Geschäftstag des Samstag entspricht, während an den übrigen Tagen der Woche wesentlich weniger Personal nötig wäre. Der Vorschlag ging dahin, die einzelnen Industrien sollten untereinander die Auseinanderlegung der Lohntage auf -die verschiedenen Wochentage vereinbaren, ' so daß der Einkauf sich nicht stoßweise auf einen Tag zusammendrängt, sondern auf die ganze Woche verteilt. Ein Gegeneinwand könnte nur von der Vergnügungsindustrie kommen, die als einzige ein großes Interesse daran hat, daß -die Masse Sonntags Geld in den Fingern hat, aber es gibt genügend volkswirtschaftliche Gründe, die gerade gegen diese Cmw.ande sprechen. Mas uns dabei interessiert, ist folgendes: In dem Woment, wo derartige Vereinbarungen zustande . kamey, wäre her Samstag bei weitem nicht mehr der Hauptgeschäftschg, und es wäre ohne weiteres möglich, auch ein Schabbos geschlossenes Deta-ilgeschäft lukrativ zu gestatten. Ich Miß nicht, welche Resonnanz der Vorschlag der „Frankfurter Zeitung" in Wirtschaftskreisen gefunden hat, aber unsere, an der Erhaltung d-es Schabbos interessierten Wirtschaftler sollten alles tun, um diese Ideen, die. unbedingt auch im Interesse der Gesamtwirtschaft und gleicher Weise im Interesse des Schabbos haltenden Kaufmannes liegen, zu propagieren und ihnen zur^ Durchführung zu verhelfen. Denn das chre.U,'Mte^Mtzeres' Hax:. f» es gelingt, einen wiHigen Geschäftszweig, wie -es der Einzelhandel in Gebrauchsartikeln ist, wieder für uns' Judep reytahel zu gestalten, -dann hat eine große Anzahl sowohl selbständiger Kaufleute als auch Angestellte wieder Existenzmöglichkeit, ohne mit dem Schabbos in Konflikt zu kommen. In diesem Zusammenhangkomme ich zu dem Aufsatz über die Kälenderreform in der vergüngenen Nummer des „Israelit". Wenn der einzig passable Vorschlag für diese Reform zur Kondie Vorteile gegen die Nachteile, die letzteren waren ÜberwiWnd. Trotz all dem ist es ein großes, monumentales Werk, das uns größte Achtung abringen mutz. Kleine Fehler find, da eine Uebersetzung nicht alle Kommentare berücksichtigen. Lärm. unvermeidlich. Kanten und Ecken in der Uebersetzung, die oft auf eine wörtliche Wiedergabe Wert legt, berühren unerfreulich. Aber alles - in allem genommen, beaniorucht die Frucht einer Arbeit, die fich auf lange Tage und Nächte erstreckte, Anerkennung. Und sicherlich wird es auch welche geben, die einmal in der Jugend ein wenig vom Geiste des Talmuds angeweht wurden, später aber seinen Hallen entfremdet wurden und sich, — wir wollen es hoffen. — durch diesen Führer in die heilige Heimat, wie ins Sottnerrland der Kindheit, zurückführen lassen. Eine Möglichkeit, die zwar die Bedenken nicht aushebt, die wir aber dem gelehrten und fleißigen Autor ins Dsrdienstkonto buchen wollen. (Vor hundert Jahren.) In ihrer Rubrik „Vor hundert Jahren" gräbt die „Kalberstädter Zeitung" eine „Todesanzeige" von 1629 aus, die in vierfacher Beziehung für unsere Leser von Interesse ist: Todesanzeige. H a l b e r st a t. Nachdem meine Grundsätze mir gebieten, mich in Gottes Willen zu fügen, und die Schule der Widerwärtigkeiten mich dahin belehrt hat, daß das Schicksal nur beugen, aber nicht zu bemeistern vermag, finde ich auch heute Trost am Grabe meines einzigen Bruders Moses, der in seinem kaum begonnenen 23. Lebensjahr von mir scheidet. Indes so willig ich mich auch in den Ratschlüssen der unerforschlichen Vorsehung finde, kann ich aber nicht Der Israelit sequenz haben wird, daß der Schabbos jedes Jahr auf einen anderen Werktag fallen wird, dann weiß ich wirklich nicht, was — wenigstens vom Standpunkt des Einzelhändlers — gegen diesen Vorschlag sprechen sollte. Denn wenn nur alle sieben> Jahre der Schabbos auf Sonnabend fällt, der doch bis jetzt unbestritten der Hauptgeschäftstag ist, dann sollten gerade wir diese Aenderung begrüßen. Als Ersatz für das eine Jahr, wo er auf Samstag fällt, fällt er doch das nächste Jahr auf Sonntag, so daß man dieses Jahr gar keinen Tag mehr geschloffen hatten muß, wo sind darin noch die großen Schwierigkeiten? Es mag fein, daß andere Branchen weniger Vorteile davon haben oder vielleicht auch größere Schäden, die mir verborgen find. Für die Existenzmöglichkeit des Detailgeschäfts wäre diese Reform, so sehr wir sonst gegen jede Reform sind, ein Segen. Wenn der Völkerbund weiter keine Sorgen hat, sollte man ihm das Vergnügen lassen und nicht gegen die Kalenderreform protestieren. (Wir geben diese Ausführungen wieder, ohne uns mit ihnen zu identifizieren. Die psychologischen Schwierigkeiten, die sich aus einem wechselnden Säbbattag ergeben, können durch etwaige Vorteile auf bestimmten Wirtschaftsgebieten nicht ausgeglichen werden. Red.). Einheitlichkeit und Einheit im jüdische« Schulwesen. Von Studiendirektor Dr. Elias in Frantfurt a. M. Ein um das jüdische Bildungswesen so verdienter Schulmann wie Dr. Deutschländer hat in der Delegiertenversammlung der Agudas Jisroel zu Leipzig mit unverkennbarer Verbitterung davon gesprochen, daß er bei der Neuen Besetzung dreier Direktorate wegen eines Zusammenschlusses der jüdischen Schulen Verhandlungen angeknüpft habe, bei den Direktoren aber -entweder gar Lern - oder wenig Interesse gefunden habe. Die Berbttterung, die aus seinen Worten klingt, ist nur allzu berechtigt. Wenn wir bedenken, zu welchem Erfolg der Zusammenschluß der Kräfte auf allen Gebieten des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens: geführt hat, wenn wir bedenken, zu -welchen Erfolgen.gerade die Schulpädagogik seit der letzten Reichsschulkonferenz, die noch einen ganz diffusen Charakter trug, inzwischen geführt hat, weil der auf ein Ziel konzentrierten gemeinsamen Arbeit deutscher und ausländischer Schulmänner der Erfolg nicht versagt bleiben konnte, so verstehen wir, daß ein Wann, der nicht im Retz lokaler Interessen und Schwierigkeiten eingesponnen ist, sondern die jümem Schmerzgefühl unterdrücken, wenn ich sehe, daß meine noch lebenden Eltern am Grabe eines so hoffnungsvollen Jünglings mit mir weinen. Dieser Mein Bruder, das Vorbild seiner Glaubensgenossen, der der Begriff aller menschlichen Tugenden, der Centralpunkt alles Scharfsinns, ein Meister der abstrakten Wissenschaften, ein. ausgezeichneter Talmudist, einer der ersten Mathematiker der gegenwärtigen Zeit, worüber er Zeugnisse der ersten Professoren besah, Forscher der hebräischen und deutschen Sprache, lebte nur im Stillen für Moral, Wissenschaft und Tugend, die er mit aller Mühe dem Auge der Welt zu ziehen suchte, weil Anspruchslosigkeit über alles hervorragt, und fing erst in den letzten vier . Monaten, wo sich meine und seine Freunde um sein Krankenlager versammelten, zum Theil genannt zu werden. Der gute Arzt,. Herr Dr. Sieqert, der mit seiner Sachkunde den seltensten Fleiß vereinigte, um der Welt solches Genie zu „ erhalten, bewunderte die Sanftmuth, Bescheidenheit und Geistesgegenwart des Verewigten, und ist so sehr betroffen, daß die Allmacht seine liebevollen Bemühungen nicht krönte. Wahrlich, mein seeliger Bruder war über alle irdischen Lobeserhebungen erhaben und wird nun erst in der Geisteswelt, wo Wahrheit in ihrer echten Farbe erscheint, seinen Geist enthüllen, und dort wird er die Früchte seiner Tugenden erndten. Da nur dies Bewußtsein mir genügender Trost ist, bitte ich, meinen Thränen im Stillen Gerechtigkeit zu zollen. Halberstadt, den 5. Februar 1829. Aron Hirsch. (Schulchan Bruch und Zivilgefeh.) ManfchrMt uns aus Basel: „Dr. M. M. Eisenstadt, Re»- dakteur der in Jerusalem kn hebräischer Sprache erscheinenden juristischen Monatsschrift „H a m i s ch p a t", beabsichtigt das schweiz. Zivilgesetzbuch und das ■EH Die Mitglieder der Ägüdah Jugendorganisation und Angestellten bund erhalten bei jedem Versicherungs-Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefelifchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. 1,2 Milliarde GMk. H Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, geSUCbl Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 dischen Schulen von höherem Gesichtspunkt aus, nach ihrem mutigen Ringen, nach ihrem Gegenwartswert Mid ihren ungeahnten Möglichkeiten betrachtet, verbittert sein muß, wenn er sielst, wie die jüdischen Schulen resignieren, sich auf sich selbst zurückziehen und im Kampf um Einzel- und- Teilziele sich aufreiben, weil sie sich nicht zu einer Organisation entschließen können. Man mag sagen, daß für diese Unlust tiefe und berechtigte Gründe maßgebend seien, man mag aus die Unmöglichkeit Hinweisen, die verschiedenen heute bestehenden jüdischen Schulen, die aus ihr Schülermaterial, auf ihre Ctterngemeinden, auf ihre Patronate und politischen Behörden Rücksicht zu nehmen haben, einheitlich zu gestalten, man mag darauf Hinweisen, daß die einheitliche Festlegung überhaupt -Len MVidi-duellen schöpferischen Ideen der einzelnen Schulmänner hinderlich sei, mag endlich noch sagen, daß bei der poetischen Gestatt des heutigen Deutschland und der Zerrissenheit des deutschen Judentums jede Schule eines jeden Landes ihre besonderen Argumente bringen müßte, und durch die der anderen Schulen nur gefährdet sei. Das alles sind Scheingründe, die der Kurzsichtigkeit und dem Kleinmut entspringen, und die in Zeiten materieller und geistiger Not, und angesichts der großen Umwälzungen, wie sie auf dem. Gebiete des Schulwesens -notwendig sind, verstummen müßten. So bunt auch die Mannigfaltigkeit der jüdischen Gesellschaftsgruppen fein mag, so anerkannt muß doch gerade von uns die Einheit des Sollens werden und so wirksam müßte doch gerade in uns der Wille sein, in unseren Erziehungs- Obligationen recht ins Hebräische zu übersetzen. Diese Arbeit hat nicht nur eine theoretische Be« dentung, sondern sie kann auch eine praktische Bedeutung erlangen. Die hebräische Sprache ist eine der offiziellen Landessprachen Palästinas. Die Uebersetzung konnte zur Reception des Schweiz. Zivilgesetzbuches und des Obligätiönenrechts führen". Vorstehende Sätze finden sich in einer Annonce, in welcher ein Dutzend schweizer jüdischer Anwälte um Spenden bitten, zwecks Deckung der Kosten der vorerwähnten Uebersetzung. Wenn von einer praktischen Bedeutung der von den Herren erhofften Reecption des schweizer Gesetzes in Erez Jisroel die Rede sein kann, so ist sicherlich die inüchsMegende, -daß die „Mamsievim" zunehmen werden, ind«m man die Bestimmungen des jüdischen Rechtes über Gittin und kidduschin durch diejenigen des schweizer Rechtes über Eheschließung und Ehescheidung ersetzt. Auch die Aushebung des „Chauschen Mischpot" kann bedenkliche Konsequenzen haben. Aber zur Entschuldig-u-ng der Herren Anwälte fei es erwähnt: ihnen von einer einzelnen Ausnahme abgesehen, sind „Ewen Hoeser" und „Chauschen Mischpot" Bücher mit sieben Siegeln. ^Wahres Geschichtchen.) Der Telegrafenbote hat eine Depesche zu bestellen und fragt einen vor dem Hause stehenden jüdischen Jungen: „Sag mal, Kleiner, wohnt hier Cohen?" „Ja", sagt der Junge, „im zweiten Stock rechts." Rach einigen Minuten kommt der Depeschenbote wieder herunter und fährt den Jungen an: „Du hast mir ja falsch gesagt. Im zweiten Stock rechts wohnt doch -ein Herr Katz." „Na, da ists -doch richtiig gewesen. Der Herr Katz ist ja em Kohen." K. ij

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