Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 25 Der Israelit i um das Recht dieser Minderheiten gerungen. Die Polen, klagen die Deutschen an und die Deutschen die Polen. Einen schlechteren Dienst hätten' die nationaldemokratischen Studenten in Lemberg, Warschau und Posen zur Zeit ihrer Regierung und ihrem Vaterlande nicht erweisen können. Vochenrundschau. Ei« Jüdischer Friedensbund. Daß bei der fieberhaften Arbeit der Besten für die Befreiung und Befriedung Europas die Religion em Wort mitreden will, nicht zuletzt die jüdische Religion, die die Fackel der.seelischen Freiheit und die Palme dies Friedens zu einer Zeit geschwungen hat, da die Welt noch in Nacht und Not gehüllt und Blutvergießen höchste männliche Tugend war, ist verständlich. Innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche bestehen Friedensorganisationen, die nun an jüdische Kreise herangingen, sich mit ihnen zu einer Arbeitsgemeinschaft für den Frieden zusammen zu schließen. Diese Einladung führte zur Bildung eines Jüdischen F r i e d e n s b u n d e s, der nunmehr mit einem Aufruf und Programm an die jüdifche Oeffentlichkeit herantritt. Wir lesen darin u. a. folgendes: „Das Judentum, das die Ideen des Weltfriedens und der Völkerversöhnung vor Jahrtausenden zuerst verkündet hat, dessen heilige Schriften von diesen Ideen erfüllt sind, kann jetzt, da chre Verwirklichung anbricht, nicht untätig beiseite stehen. Unserer hohen Ideale eingedenk, wollen wir im Rahmen des „Jüdischen Friedensb u n d e s " für die Versittlichung der Menschheit und den dauernden Weltfrieden wirken. Es gilt einerseits, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft den Gedanken der jüdischen Friedenssendung neu zu beleben, andererseits die jüdischen Energien, Hand in Hand mit den anderen Bekermtmskreisen, für den praktischen Aufbau des Friedens einzusetzen." Da diese Ziele allen jüdischen Parteien gemeinsam sind, so darf sich der Appell an alle wenden, innerhalb der Gemeinden, organisatorische Stützpunkte dem Friedensbunde zu schaffen. Ja, über Gemeinde und Landesgrenze hinaus kleines Feuilleton. Eine neue Talmudübersetzung. Lazarus Goldschmid t legt uns. nach Abschluß seiner großen Talmudausgabe mit Text und Uebersetzung nun eine Volksausgabe (ohne hebr. Text) vor. (Verlag Biblion, Berlin, zu haben bei Buchhandlung B. Grünebaum in Kassel). Weitere zehn Bände werden in kurzen Abständen folgen. Der erste Band, 960 Seiten stark, umfaßt „Berachoth", Mischnaordnung ,Serajim" und Traktat „Sabbath". Wir stehen zunächst voller Bewunderung vor der Riesenarbeit eines Menschen, die von einem Fleiß und einer Liebe ohnegleichen zeugt, denn nur solche konnten die tausend Hemmungen überwinden lassen, die beim Autor gewiß nicht ausgeblieben find und sich auch beim Leser oft einstellen, um ihm die Freude m trüben. Der Genuß kann nicht im Matze der Bewunderung auskommen. Will man die Arbeit unter den Gesichtspunkten der Nützlichkeit bewerten, so weiß man aus die Frage des Warum und Wozu? nicht gleich die Antwort. Eine Talmudausgabe mit hebräischem Texte und deutschem Kommentar an der Seite könnte allenfalls Talmudlernenden und Talmudbeflissenen zur Vorbereitung dienen, könnte auch vom Tulmudk enner zuweilen als Rachschlagebucb für die präzise Bedeutung eines der im Talmud häufig gebrauchten Fremdwörter aus allen Idiomen des Orientes benutzt werden. Die Hoffmannschen Mischnaübersetzungen. besonders der Ordnung „Serajim" 20. Juni 1929 geht der Ruf nach Frieden unter der Menschheit. Eine Arbeitsgemeinschaft mit Schwestervereinigutlgen in allen anderen Kulturländern ist vorgesehen. Wir können und' wollen diesen Ruf unterstützen und weitgehender Beachtung empfehlen. Bemerken möchten wir jedoch, daß, während die katholischen und evangelischen Organisationen dieser Art ausschließlich von ihren Konsistorien und deren religiösen Führern geleitet werden, um so auch nach außen zu unterstreichen, daß hier die Religion spricht, der Jüdische Friedensbund vorwiegend' von weltlichen Vertretern betreut wird. Im Präsidium sitzt neben vier in der Weltwissenschaft oder Weltwirtschaft bekannten Män- 'N.ern nur e i n Rabbiner. Der Aufruf weist neben diesem noch einen Rabbinernamenvon bestem Klange auf, und zwar den des Herrn Rabbiner Dr. M. Hildesheim e r, Berlin. Zu den zwei Rabbinern kommen aber ein ganzes Dutzend prominenter Nameni von hochangesehenen Professoren, Kommerzienräten, Rechtsanwälten, Sanitätsräten, Bankdirektoren. Daß auch diese den Frieden ehrlich wollen und ihm in ihrer Art auf den ihnen liegenden Gebieten diemn, kann nicht zweifelhaft sein. Aber wie soll mit diesen Nennen die Tatsache hervorgekehrt werden, daß hier die Religion der Gotteslehre und der Propheten ihre Stimme zu Gunsten des Friedens, den sie feit Jahrtausenden der Menschheit als letztes goldenes Ziel vor Augen hält, erhebt? ANtz Universum, KabbaMchler und der Rabbiner von Abbazia. Im Weltreiche der Frauenschönheit hat sich ein kleiner Umsturz vollzogen. Jn> Galveston hat nicht „Miß Europa" den Weltschönheitspreis errungen, sondern ihre kleinere Kollegin aus Oesterreich, Frl. Liefel G o l d a r b e i t e r, die bisherige „Miß Austria". Nicht etwa, daß inzwischen die eine schöner geworden wäre und die ändere cm Schönheit verloren hätte, Elisabeth Sr m o n, die „Miß Europa", ging gar nicht nach Galveston und überließ den Mrrkt (wörtlich genommen) ihrer Rivalin, die so fast -konkurrenzlos dastand. Frl. Simon zog es vor, sich von den Würden und Bürden ihres Königtums am Strande Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethylp..|f 4 nn Acetylsai., Coff. (VI. I.bli in allen Apotheken mit ihrenlunzähttgen fremden Pflanzenbezeichnungen, haben uns hierin mannigfache Dienste geleistet. Was soll aber eine komplette selbständige deutsche Talmüdausgabe? Wem und wozu soll sie dienen? Mit der Angabe des Folio im Urtexte auf jeder Seite soll wohl, die Benutzung der Ausgabe als Hilfsbuch beim Talmudstudium ermöglicht werden. Aber einen Thorajünger mit diesem deutschen Surrogat neben der alten Gemoroh können wir uns schlechthin nicht denken. Das Finden. Vergleichen und Gegenüberstellen würde aus alle Fälle schwieriger und zeitraubender sein, als die Erforschung mittels der dazu gehörigen Kommentare, die aber schon als Studium für sich gewinnbringend sind. Oder sollte die Ausgabe denjenigen, die des Talmuds unkundig sind. Art. Methode und Gedankenwelt des babylonischen Talmuds vermitteln? Juden oder Nichtjuden? Soll. sie apologetischen Zwecken dienen? Hier beginnen unsere Bedenken und Befürchtungen. Ganz subjektiv gesprochen; Schreiber dieses gehört zu denen, denen die Talmudbücher im Original nicht verschlossen sind, die beiden hier übersetzten Traktate find ihm sogar mit vielem Zubehör recht geläufig. Jede Halacha, jede Sentenz, auch jede Schriftdeutung im agadischen Teil, wie jede Parabel und Ueberlieserung, die wie Blumen zwischen Holacha und Halacha gestreut sind, hat für ihn Bedeutung und heiligen Wert. Liest er die gleichen Dinge hier im modernen Gewände, so starren sie ihn fremd, kalt, zuweilen sogar sinnlos an. Sinn bekommt erst das Wort, wenn ihm bei der Gelegenheit die originelle Prägung und Wendung im Urtexte einsällt. Was soll der des Talmuds Unkundige, oder gar der Nichtjube daraus lernen und ersehen? Kann Jemand, der vom Talmud sonst nichts weiß, ein in Abbazia zu erholen. Aber auch da sollte sie ihrem Schicksal nicht entgehen. Galveston brauchte für seine sogenannte Weltmesse eine erstklassige Attraktion undschrieb die Weltschönheitskonkurrenz cms. Dort aber fand sich ein geistlicher Herr, der Bischof von Galveston, der seine warnende Stimme gegen diesen Unfug und die Herabwürdigung der gottgegebenen Schön-heitskrone zugunsten einer imaginären Königinnenkrone, eines Spielzeuges, das nicht einmal harmlos ist. Abbazia ist ein Seebad und bedarf nicht minder der zugkräftigen Attraktion einer Schönheitskönigin. Und hier f and sich ein geistlicher Herr, der Herr Rabbiner von Abbazia, der sich und die Kanzel in den Dienst dieser zweifelhaften Reklame stellte. Als Frl. Simon mit ihrer Mutter — so berichtet die I. T. A. in die Welt hinaus, und jüdische Zeitungen fangen die Sensation auf, — den Freitagabendgottesdienst in der Synagoge zu Abbazia besuchte, richtete der Herr Rabbiner Dr. Alexander Stern von der Kanzel herab eine Begrüßungs- und Huldigungsansprache an sie. Er segnete „Miß Europa" und verwies darauf, daß ihre Mutter „auch in Abbazia ihre Sabbatkerzen angezündet hätte". Frl. Simon war gerührt, hat ihren kleinen Ersatz für Galveston, Abbazia seine Attraktion und die I. T. A., und eine Reihe der von ihr genährten jüdischen Zeitungen, haben ihre Sensation. Es ist recht nett von den Damen Simon, daß sie Sabbatlichter anzünden und in, den Tempel gehen. Wenn Sie aber, verehrtester Herr Rabbiner von Abbazia, es für gut finden, im Anschluß an das Begrüßungslred für „Königin Sabbat" vor versammelter Gemeinde im Rahmen des Gottesdienstes der „Schönheitskönigin" zu huldigen und es gar hervorhebenswert finden, daß eine jüdische Frau, trotz der Tatsache, daß sie eine schöne Tochter hat, Sabbatkerzen anzündot, so gebührt auch Ihnen, verzeihen Sie Herr Rabbiner, ein Weltpreis, ein Weltpreis, sagen wir milde, für Geschmacklosigkeit. . . Zum Sabbak-Problem. Man schreibt uns: Das Detaikgeschäft gehört heute zu den Berufen, bei denen es am schwersten ist, den Schabbos zu halten, und es ist eine traurige Tatsache, daß es heute für Detailgefchäfte, soweit es sich um Städte mit vorwiegeM. inhystriester.. Bevölkerung handelt, fast unmöglich ist, zu existieren, wenn das Geschäft Schabbos geschlossen ist. Der Samstag ist der Hauptgeschaftstäg, weil die mei- Urtetl über diesen frischen Quell der mündlichen Lehre gewinnen, wenn er etwa in .Berachot" die minutiösen Angaben für das Schmägebet lieft, oder die bis ins kleinste gehenden Vorschriften über mp» nsuw.u, die langen Folien, die den Träumen und der Traumdeuterei gewidmet find? Was wird er unter den drei oder vier .-/rachtrvachen* verstehen, in denen Gott mit Löwenftimme um feine Kinder weint? Im Original stehen uns all die Kommentare zur Verfügung, die diese Dinge deuten. Wir sehen da, wie sich das eine aus dem anderen ergibt, wie die Deduktion aus dem Schriftvers organisch herauswächst, und wir wissen, dotz selbst da, wo der Wortstnn des Schriftsatzes im Zusammenhänge ein anderer sein muß. die gefolgerte Halacha zu Recht besteht, weil sie auf der festen ununterbrochenen Ueberlieserung beruht. Wie erklärt man all dies dem Leser, der an den deutschen Talmud wie an die Lektüre eines modernen Buches herangeht, ohne Vorkenntnis, ohne Vertrautheit mit talmudifcher Diktion, ohne Kenntnis der „dreizehn Schlüssel", mit denen die Geheimkammer der schriftlichen Lehre erschlossen wird? Uebelwollenden wird es nicht einmal schwer fallen, aus einzelnen Stellen das für sich herauszulesen, was sie für ihren Verleumdungsseldzug gegen Talmud, seine Forscher und Bekenner brauchen. So könnte wohl der apologetische Zweck in sein Gegenteil ausfchlagen. Als Jonathan den Usiel auch an die Ueberfetzung der heranging, erzitterte die Erde von Po! zu Pol — wegen der angeblichen Widersprüche und Unebenheiten, die fremden Augen ein falsches Bild bieten. Nach Fertigstellung der Septuaginta gab es in den Kreisen der Gelehrten und Frommen ein dreitägiges Fasten Man wog