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Der Israelit · 1929-06-13 · Heft 24 (13.6.1929) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 24 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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«WWW^WW Seite 18 Nr. 24 Der Israelit 13. Iuni 1929' „Ein Sabbatschläfchen ist ein Vergnügen!." Vom Schläfchen erwacht, eilt Chaim in das kleine Beih-Hamidrasch, um Thora zu hören. Ein Melamed liest dort aus dem Wochenabfchnitt und aus dem Kommentar des Al-schech vor. Der Melamed trägt vor und die immer zahlreicheren Zuhörer werdenvon einer großen Müdigkeit befallen. Manche schlummern schon, anderen gähnen laut. Plötzlich aber, als der Melamed über die zukünftige Welt, über das Gehinom, über das Gan-Eden, wo die Zadikim mit Kronen auf den Häuptern, die Thora studierend, sitzen, zu sprechen beginnt, da erwachen sie, die Zuhörer. De Mäuler öffnen sich, die Gesichter röten sich und die Ohren sind offen, um kein Wort aus dem Munde des Melamed zu versäumen. Chaim sitzt, gestützt auf den Kamin, die Augen voll Tränn, einmal vor Freude, und das andere Mal vor Schmerz, und fein ganzer Körper zittert. Er leidet mit den Sündern, er beißt mit ihnen alle Schuld und Sünde; hingegen verspürt er den Geschmack des Gan>-Eden mit allen Gerechten. Sobald der Melamed, den Alfchech küssend, schließt, erwacht Chaim aus seinen Träumen und kehrt lustlos in diese bittere Welt zurück. ,jer Melamed wendet sich mitleidig an ihn und fragt: „Was ist deine Beschäftigung?" „Ich bin ein Lastträger." „Sehr gut, du sollst Dalmide Chachamim bedienen." „Wieso?" „Du sollst jeden« Abend frisches kaltes Wasser in das Beth-Hamidrafch für die dort Lernenden tragen." „Und werde ich dann Olam Habah haben?" „Mit Gottes Hilfe." „Rabbi" — fuhr Chaim fort zu fragen — „und meine Frau?" „Der Mann hat für feine Frau auch im Gam Eden zu sorgen, und wenn er dort aus seinem Stuhle sitzt, sitzt sie zu seinen Füßen." Chaim kehrte heim, um Hawüoloh zu machen, während Chana „Gott sin Awrohom" rezitierte. Chaim erzählte ihr, was der Melamed ihm gesagt hat. Mitten im Erzählen sprang er auf und rief erbarmungsvoll: „Und ich sage dir, Chana, ich will nicht! Keineswegs werde ich damit einverstanden sein, daß du zu meinen Füßen sitzen sollst! Ich werde dich erheben und du wirst zu meiner Rechten sitzen. Beisammen! Wir werden auch auf einem Stuhl den Gotteslohn in« einer besseren Welt. Ueber Entstehung des Akdomuth und das Leben feines Verfassers lese man auch im „Nissim-Buch" v'vi •>imj von Worms nach. Jomkow an der Westmauer. Es ist Schwuausmorgen. Nachts hatte es etwas abgekühlt. Schon am frühen Morgen aber leuchtet eine Sonne vom blauen Himmel herab, wie sie nur in Palästina leuchten und lachen kann. Die engen schmalen Straßen zur Westmauer .sind fast verstopft von den Passanten. Die Menschen bewegen sich langsam, alle haben ein Ziel. Orientalische Patriarchengestalten sieht man neben europäischen Typen in modernster Kleidung, Langröcke und Langbärte neben Strohhut und Sportangug. Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Bucharen, Männer," Frauen und Kinder in bunter festlicher Gewandung. Das weiße Gewand ist überwiegend. Darunter auch viele Araber und Christen. Der Menschenstrom ergießt sich durch das Jaffator und fließt in kleinen schmalen Kanälen weiter durch die engen Gassen und Gäßchen der Mauer zu. Wer zu Träumen geneigt ist, sieht das fest- Äofef Birdko (Berlin) „Der Ghettophilofoph". Josef Budko (Berlin) „Meine Eltern". Dann ruft er in seinen Gedanken flehend : Schöpfer der Welt! Nur ein klein wenig, nur so groß wie eine Olive oder wie ein Ei, nur etwas von jener Welt für mich, für Channa undfür meine Kinderchen! Von tiefem Kummer ergriffen ruft er aber zugleich: Ja, durch welchen Sechus? Ich bins doch nicht wert! Ich bin, unwürdig! Eines Sabbats faßte er Mut, und nach Beendigung des Vortrages trat er auf den Melamed zu und ftagte ihn mit zitternder Stimme: „Rabbi, wie könnte ich zu Olam Habah gelangen?" „Lerne Thora, mein Sohn, nur Thora!" „Ich bin doch aber ein Unwissender." „Also lerne Mischnajos, En Jotaw oder wenigstens Pirke Awoth." „Ich habe doch schon gesagt, ich bin ein Unwissender." „Sage dann täglich Thillim." „Thillim sagen könnte ich schon, aber es fehlt mir die Zeit dazu-" „Also bete mit Andacht." „Die Worterklärung her (Behebe ist mir fremd." Platz haben! Auch bin ich sicher dessen, daß der Heilige, gelobt sei er, einwilligen werde, er wird sicher einwilligen, er wird einwilligen." Akdomuth. Akdomuth gibt dem Schwuausseste seinen Charakter. Die aramäische Hymne hat ein Alter von bald 900 Jahren. Ihr Verfasser war Rabbi Meier ben Jizchok Nehoraji, Vorbeter in Garmaise, der um die Mitte des elften Jahrhunderts lebte. 90 Strophen hat das Gedicht, deren jede mit den Buchstaben rrn schließt. Zum Schluffe lesen wir den Namen des Autors waiv tptpyam niwa pnx' ’an va i'rr» pHi pmi pK* Äm ersten Teile dieses herrlichen Gedichtes ist Lob enthalten für den Schöpfer ö*er Welt, der die Engel zu fernen Dienern und Israel zur Verbreitung seiner Wahrheit und zur Preisung seines Namens erkoren hat. Im zweiten Teile sind der Auseinandersetzung zwischen den Völkern der Erde und Israel schwungvolle Worte gewidmet. Die Völker suchen Israel zu überreden, locken mit schönen Worten und drohen mit Not und Tod, doch Israel bleibt standhaft, im Vertrauen aus das letzte Heil und die Erlösung und gestmmte Volk von einst zum Tempelberge wallen, zur Opferstätte, um sich am Dienste der Priester, an den Massenchören der Levitim im heiligen Tempel des Herrn! zu berauschen. Jäh geweckt wird man aber aus dem Traume durch das Wiehern eines Esels, begleitet vom wilden Aufschrei des Arabers. Von der Gebetstätte her kommts im elegischen Chore: „Umipne chatuene . . ." „Und wegen unserer Sünden wurden wir aus dem Lande vertrieben . . ." Es find keine Priester in ihrem Dienste und keine Leviten aus ihrem Posten. Arabische und englische Polizisten stehen da, stumpen undl Drängen und halten mit Peitschen und- Stöcken, mit bösen Blicken und harten Worten die Ordnung aufrecht. Hunderte von Männern und Frauen drängen sich vor den Quadern, weinen in die grauen Steine hinein. Viele Lichter flackern auf dem Vorsprung der Mauer. Auch diese weinen. Man sagt „Jiskaur", das Gebet für die Seelen der Abgeschiedenen. Und wieder „Umpine chatuenu". Eine Gebetsversammlung folgt fter anderen. Und so vst das Gebet von dre „Sündenschuld" und der „Verbannung aus dem Lande" ertönt, scheint

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