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Der Israelit · 1929-06-13 · Heft 24 (13.6.1929) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 24 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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1 ) uni JLetcn Ulluslnerte Bcilaq-c zumM3sraefif \ I. D\C; Hausfrieden. Von I. L. Perez.*) Chaim ist ein Lastträger. Wenn er, unter seiner Last gebeugt, die Straße passierte, war er unter dem schweren Warentasten auf feinem Rücken kaum herauszusehen, und es schien, als würde der Warenkasten sich allein umherbewegen. Bloß sein schweres Keuchen war weithin vernehmbar. Sobald er aber seine Last ablegte und seine Belohnung erhielt, da wurde sein gekrümmter Rücken gerade, er atmete tief auf, zog seinen Rockzipfel aus dem Strick, den er um die Lenden trug, trocknete sich den Schweiß von der Stirn und eilte zum Brunnen, um sich miit einem Schluck kalten Wassers zu laben. Dann lief er nach Hause. Stelle weichen. „Geh, geh, geh doch, Chaim!" rief sie zärtlich, „ich kann doch nicht beim Fenster stehn bleiben ... ich muß zurück zum kranken Kind. Seine'Wiege habe ich zum Herd gestellt; ich koche und wiege es zugleich." „Und wie gehts ihm?" — — „Gottlob, etwas bester." — „Gott fei Dank und Lob. Und Hene?" — „Sie ist zur Näherin gegangen!." „Und Iostele?" — „Ist selbstverständlich im Cheder."- Sonach geht Chaim beruhigt weiter, von den zärtlichen Blicken Chanas begleitet. Am Donnerstag und Freitag dauert dieses Gespräch etwas länger. „Wieviel Geld hast du im Bündel?" fragt Chana. Sie fürchtet nämlich, daß das Geld für wird, dann ist die arme Familie über- und überglücklich. Chana ist nämlich eine Künstlerin im Kugelzubereiten. Die Arme klagt. ständig über das Fehlen von Mehl, Eiern, Fett, und zum Schluß kommt doch eine fette, süße, schmackhafte Kugel heraus.! — „Der Engel kocht die Kugel!" pflegt Chana lächelnd zu sagen. - — „Sicherlich" — erwidert Chaim — „bist du denn nicht ein Gottesengel. Wenig leidest du von mir und von den Kindern? Wie oft setzen dir die Kinder zu und wie oft bin ich auch aufgeregt und unausstehlich? Und dennoch habe ich aus deinem Munde nie einen Fluch, nie einen Vorwurf gehört. Bist du denn wie die anderen Weiber?!" . . T**1- 'i'l' V t il$r '$■&: mirv« " k * iß m?, Die neue Rabbi Äizchok Elchanan Beschiwa in New-Nork. Daslneue Beth Israel Hospital in New-Nork. Im Hof blieb er, gestützt an die Mauer, stehen, hob den Kopf empor, so daß seine Bartspitze mit der Nase in gleiche Linie kam, und rief hinauf: „Chana!" In einer Dachecke öffnete sich ein- Fensterchen und ein Frauenköpfchen, mit einem weißen Tuch bedeckt, wurde sichtbar. Die Frau erwiderte: „Chaim?!" Und das Pärchen betrachtete einander mit einer Liebe und Zärtlichkeit, als würden sie erst gestern geheiratet haben. Chaim wickelte sein verdientes Geld in ein Papierbündel und warf es zum Fenster hinauf. Chana ergriff das VünÄ^- chen wie gewöhnlich. „Ein wunderbares Geschöpf!" sagte Chaim und wollte nicht von der *) Aus dem Jüdischen von A. E. den Sabbat nicht ausreichen werde. „Na, sechs Groschen für Medizin fürs Kind, dann für Sabbatlichter; Barches sind schon! da, auch Fleisch, eineinhalb Pfund, ich brauch noch Wem für Kiddusch, ein wenig Brennholz . . ." „Holz bekommt man draußen auch geborgt, ich lauf und bring dir bald welches." Nach längerem Hin und Her bleiben sie dabei, daß man nötigenfalls auch über Barches Kiddusch sagen kann und das Entbehren mancher anderer Dinge auch kein Malheur sei. Die Hauptsache ist: Sabbatkerzen und die Medizin fürs Kind. Und, wenn Gott hilft, daß die Kinderchen gesund bleiben, daß die zwei Kupferleuchter nicht wieder verpfändet werden, und wer sagt erst, wenn zur Ehre des Sabbat eine Kugel „gestellt" Chana lächelt vergnügt und er setzt fort: „Und worin besteht dein» ganzes „Olam Hase". Du und die Kinderchen nackt und barfuß . . . Oft nicht einmal gesättigt. Und wozu tauge ich denn? Wie man sagt: „Nicht zu Kiddusch und nicht zu Hawdole". Ein unfähiger Mensch! Nicht einmal Smiros kann ich recht singen." — „Und dennoch" — sagt Chana mit Festigkeit — „dennoch bist du ein guter Gatte und ein treuer Vater. Alle jüdischen Töchter sollen es so haben! Und es. möge sein Wille sein, daß wir in Freuden altern sollen." Und das Paar blickte liebevoll aufeinander, als würden sie jetzt von der Chupa kommen. '! v i-.. i.v '■k ■-f ■ i; t , --

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